| Gesellschaft

"Jeder Mensch ist ein Gedanke Gottes"

Als Kind träumte sie davon, Bäuerin zu werden. Als Jugendliche jobbte sie als Kassiererin und schichtete bei Daimler. Heute steht Daniela Eberspächer-Roth an der Spitze einer Firmengruppe mit 15 Millionen Euro Umsatz, ist das einzige weibliche Gesicht im Präsidium der IHK Reutlingen und engagiert sich für die Wiedereingliederung jugendlicher Straftäter. Humorvoll erzählt die Unternehmerin von ihrem Werdegang – und darüber, was sie in einer Sindelfinger Jungschargruppe für ihren Lebensweg gelernt hat. 

Als „sehr prägend“ bezeichnet Daniela Eberspächer-Roth ihre Jungschar-Zeit in Sindelfingen. Mehrere Jahre lang besuchte sie die Gruppe, die von ihrer älteren Schwester geleitet wurde. „Sie vermittelte mir, dass jeder Mensch ein Gedanke Gottes ist. Und ich lernte, mein Leben im Bewusstsein der Verantwortung vor Gott und den Menschen zu sehen“, erinnert sich die 50-Jährige. Dieser Gedanke habe sie ihr ganzes Leben lang begleitet. Dass sie eines Tages in der Chefetage ihres Familienunternehmens landen würde, war zu Schulzeiten noch nicht abzusehen. „Ich wollte zwar schon immer Unternehmerin werden, aber eigentlich eher Bäuerin“, sagt die gebürtige Stuttgarterin. 

Lebensfragen gemeinsam lösen

Sie selbst war sich nach dem Abitur erst einmal unsicher, wohin mit ihren Fähigkeiten. Nach einem Hauswirtschaftlichen Berufskolleg entschied sie sich für ein BWL-Studium an der Dualen Hochschule Stuttgart. Die junge Frau sah ihre Stärken eher im Kreativen. Den Schritt  in die Welt der Buchführung und Wirtschaftsmathematik empfand sie als anspruchsvoll: „Ich musste erst verstehen, dass Zahlen Bilder sind, die Unternehmens-Geschichten erzählen“, sagt Eberspächer-Roth. Religiöse Fragen trieben die knapp 20-Jährige nach wie vor um. Sie organisierte studentische Frühstückstreffen zu christlichen Themen. 1985 gründete sie das Internationale Jugendforum e. V., das seinen Sitz mittlerweile nach Berlin verlegt hat. Zu seinen „Tagen der Begegnung“ lädt der Verein bis zu 200 junge Erwachsene zur Begegnung mit Bundespolitikern ein, die sich dort, so Eberspächer-Roth, „kniffeligen Fragen nach Glauben, Lebensinhalt, Ziel und Sinn ihrer Arbeit“ stellen.

Von der Werkbank in den Chefsessel

Dass es mit dem Studium allein längst nicht getan war, wurde der Betriebswirtin und Steuerfachangestellten klar, als sie 1990 bei Profilmetall einstieg: „Um als Frau und ‚Papiertiger‘ akzeptiert zu werden – zumal in der Metallbranche –  machte ich erst einmal eine zweijährige Metallfacharbeiter-Ausbildung“, erinnert sich Eberspächer-Roth. Was sich später auszahlte: Als Profilmetall Ende der 90er-Jahre nach dem Verlust eines Großkunden ins Schleudern kam, brachte sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Manfred Roth die Firma wieder auf Kurs. Heute beschäftigt das in Hirrlingen im Kreis Tübingen und im fränkischen Marktheidenfeld ansässige Unternehmen 100 Mitarbeiter und erwirtschaftet jährlich 15 Millionen Euro Umsatz. 

Auch in schwierigen Situationen versuche ich immer, mein Gegenüber als Mensch wertzuschätzen.

Daniela Eberspächer-Roth

Talente erkennen, Mitarbeiter wertschätzen

Befragt man Daniela Eberspächer-Roth zur Personalpolitik von Profilmetall, scheint wieder die Leitidee von der „Verantwortung vor Gott und den Menschen“ auf: „Auch in schwierigen Situationen versuche ich immer, mein Gegenüber als Mensch wertzuschätzen“, sagt die Unternehmerin und erläutert: Stelle sich heraus, dass ein neuer Mitarbeiter wider Erwarten nicht zu seiner Stelle passe, „dann wird ihm nicht einfach in der Probezeit gekündigt, auch wenn das das Einfachste wäre.“ Stattdessen suche man gemeinsam nach einer neuen Aufgabe innerhalb der Firma. Und falls dennoch eine Kündigung ausgesprochen werden müsse, dann stets im persönlichen Gespräch und verbunden mit dem Versuch, neue Jobperspektiven zu eröffnen, erklärt die Chefin. Ehrenamtlich engagiert sich die 50-Jährige seit über zehn Jahren für das Seehaus Leonberg, eine christlich geprägte Einrichtung. Dort werden junge Straftäter in freien Formen des Strafvollzugs auf ein Leben in der Gesellschaft vorbereitet. Nebenher stellt die Unternehmerin ihre Expertise als Handelsrichterin zur Verfügung – ebenfalls ehrenamtlich. „Ich habe einfach immer die Aufgaben übernommen, die mir vor die Füße gefallen sind“, resümiert Daniela Eberspächer-Roth. Das waren in den letzten Jahren offenbar ziemlich viele.  

Birgit Althof


Mehr News

  • Datum: 16.04.2024

    Innovationstag: Jetzt anmelden!

    Frische Ideen fürs Gemeindeleben: Unter dem Motto „#gemeindebegeistert – Kirche lebt, wo dein Herz schlägt“ veranstaltet die Landeskirche am 4. Mai einen großen Innovationstag. In Projektpräsentationen und Workshops gibt’s Austausch und Tipps. Jetzt anmelden

    Mehr erfahren
  • Datum: 16.04.2024

    Digitaler Notfallkoffer für die Seele

    Hilfe in persönlichen Krisenmomente bietet die KrisenKompass-App der Telefonseelsorge fürs Handy und Tablet. Sie bietet Unterstützung, um schnell wieder auf positive Gedanken zu kommen oder bei Bedarf schnell professionelle Hilfe finden zu können.

    Mehr erfahren
  • Datum: 16.04.2024

    Zum 200. Todestag von Beata Regina Hahn

    Vor 200 Jahren starb Beata Regina Hahn, die zweite Ehefrau des Mechanikerpfarrers Philipp Matthäus Hahn, Tochter von Johann Friedrich Flattich und Mutter der Schulgründerin Beate Paulus. Als Herausgeberin von Hahns Schriften prägte sie dessen Bild für viele Jahre.

    Mehr erfahren
  • Datum: 15.04.2024

    „Wir beten, dass die zerstörende Gewalt ein Ende nimmt“

    Die Landeskirchen in Württemberg und Baden haben den Jüdinnen und Juden im Land Grüße zum Pessach-Fest übersandt. Darin nehmen Landesbischof Gohl und Landesbischöfin Springhart Bezug auf den Angriff der Hamas wie auch auf den Raketenangriff des Iran auf Israel.

    Mehr erfahren
  • Datum: 15.04.2024

    Hoffnung wird durch Menschen vermittelt

    Bei einer religionspolitischen Tagung der SPD-Bundestagsfraktion am 12. April in Berlin unter dem Titel „Mehr Zuversicht! Mit Hoffnung die Zeiten wenden“ betonte Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl, wer die Verwurzelung in Jesus Christus spüre, werde für andere zur Hoffnung.

    Mehr erfahren
  • Datum: 13.04.2024

    Landesbischof Gohl: "Wir stehen an der Seite Israels"

    "Der Angriff des Iran bedroht die Existenz Israels. Wir müssen daran erinnern, dass alles mit dem Pogrom der Hamas an Israel begann." Gohl weist weiterhin auf die israelischen Geiseln in der Gewalt der Hamas hin.

    Mehr erfahren
  • Datum: 12.04.2024

    Klassik und Pop Hand in Hand

    Die Evangelische Hochschule für Kirchenmusik in Tübingen hat schon früh einen Studiengang für populare Kirchenmusik eingerichtet und war damit in der EKD Vorreiter. Prof. Thomas J. Mandl und Prof. Patrick Bebelaar erklären, was das Besondere an der HKM ist.

    Mehr erfahren
  • Datum: 11.04.2024

    Woche für das Leben 2024

    Die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ist zentrale Aufgabe von Politik, Kirche und Gesellschaft. Darauf verweisen die großen christlichen Kirchen in Baden-Württemberg anlässlich der am Samstag beginnenden ökumenischen „Woche für das Leben 2024“.

    Mehr erfahren
  • Datum: 11.04.2024

    Zum Tod von Pfarrer i.R. Konrad Eißler

    Pfarrer Konrad Eißler ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Landesweit war er bekannt für seine klare Haltung und seine humorvollen Predigten. An der Stiftskirche gründete er die Stuttgarter Jugendgottesdienste, ein zu seiner Zeit neues und einmaliges Format.

    Mehr erfahren
  • Datum: 10.04.2024

    KI: Gerechtigkeit, Bildung, Gemeinschaft

    Beim Thementag „KI, Ethik, Kirche“ auf dem Bildungscampus in Heilbronn ordnete Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl die ethischen Herausforderungen der Nutzung Künstlicher Intelligenz theologisch ein. Hier finden Sie den Wortlaut des Grußwortes von Landesbischof Gohl.

    Mehr erfahren
  • Datum: 10.04.2024

    Thementag „KI, Ethik, Kirche“

    Rund 160 Teilnehmende aus den unterschiedlichsten Bereichen der Landeskirche haben sich auf dem Bildungscampus Heilbronn über Künstliche Intelligenz informiert und die Anwendungsmöglichkeiten in kirchlichen Organisationen diskutiert.

    Mehr erfahren
  • Datum: 10.04.2024

    Segen, Mut & Traubenzucker

    In diesen Wochen stehen an vielen Schulen Abschlussprüfungen an - für Schülerinnen und Schüler eine stressige Zeit. Die Ev. Jugendkirche Stuttgart macht mit einem speziellen PrüfungsSegen Mut und stellt auch anderen Gemeinden Materialien zur Verfügung.

    Mehr erfahren
Mehr laden