Buß- und Bettag

Buße tun heißt sich verbessern

Buße hat bei den Menschen von heute nicht gerade Hochkonjunktur, und durch die Abschaffung des Buß- und Bettags als gesetzlicher Feiertag ist das nicht besser geworden. Dabei ist Buße etwas, was als „Reinigen des Herzens“ und des Sich-Verbesserns eigentlich jeden Tag erfolgen sollte. Eine Andacht zum Buß- und Bettag von Pfarrer Andreas Föhl.

Hägar der Schreckliche badet nur einmal im Jahr. Hägar ist ein Wikinger, von dem ich jeden Morgen eine witzige Bildergeschichte in der Zeitung finde. Neulich musste ihm seine Frau wieder einmal erklären, wozu Seife eigentlich gut ist. – Wahrscheinlich stimmt dieses Gerücht über Ritter und Wikinger und ihren jährlichen Badetag gar nicht. Aber immerhin: Es ist noch gar nicht so lange her, da gab es einen einzigen Badetag in der Woche, meistens samstags. Heute duschen viele täglich. Wir sind hygienischer geworden.

Aber wie sieht es mit der inneren Sauberkeit, der Hygiene für die Seele aus? Der Prophet Jeremia hat den Menschen seiner Zeit geraten: „Wascht (auch) euer Herz!“ (Jeremia 4, 14) Für dieses „Waschen des Herzens“ kennt die Bibel ein eigenes Wort: „Buße tun“. „Buße“ ist eng verwandt mit dem Wort „besser“. Buße tun heißt also: sich verbessern. Ein besserer Mensch werden – nicht in dem Sinn, dass ich moralischen Regeln entspreche, sondern dass ich mich dem annähere, wie Gott sich mein Leben optimalerweise gedacht hat, optimal vor allem für mich.

Wie das geht? Zum Beispiel indem ich mir darüber Gedanken mache, mit welchen Verhaltensweisen ich mir und anderen schade und wie ich das ändern kann. Buße heißt aber genauso, dass ich mir überlege: Wo habe ich Schätze – Talente und Stärken –, die irgendwie verkümmern, die ich aber eigentlich nutzen könnte, für mich und für andere?

Aber während die Körperpflege immer mehr zugenommen hat, scheint es mit dem Waschen des Herzens fast umgekehrt zu sein: Buße ist aus der Mode gekommen. Dabei hat schon Martin Luther 1517 in seinen 95 Thesen empfohlen, die Menschen sollten „das ganze Leben“, jeden Tag, Buße tun, also nach einem besseren Lebensweg suchen. In den folgenden Jahrhunderten gab es deshalb in vielen Fürstentümern monatliche oder immerhin vierteljährliche Bußtage, die schließlich auf einen Tag im Jahr reduziert wurden: den heutigen Buß- und Bettag. Der ist seit 1995 als gesetzlicher Feiertag abgeschafft, und so hat die Buße noch einmal an Bedeutung verloren. Ob das gut ist für den Pflegezustand der Seele?

Hägar der Schreckliche badet nur einmal im Jahr, aber man kann es auch so sehen: immerhin badet er. Sicher ist es sinnvoll, sich öfter zu fragen: „Wie kann mein Leben besser werden?“ Aber ein fester Termin im Jahr hilft immerhin, die Frage nicht ganz zu vergessen. Mit anderen zusammen kann man sie sich heute Abend in vielen Buß- und Bettagsgottesdiensten stellen. Vielleicht gibt es auch einen in Ihrem Ort.

Andreas Föhl

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Ev. Oberkirchenrat, Dezernat 1: Theologie, Gemeinde und weltweite Kirche

Heidehofstraße 20

70184 Stuttgart

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