Mit Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern kommt das Kirchenjahr zu einem entscheidenden Höhepunkt. Nachdem an Weihnachten die Geburt Jesu gefeiert worden ist, erinnern die Christen in aller Welt nun an sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung. In der Osterfeier mit der vorangehenden Karwoche ist der Ursprung des späteren Kirchenjahrs zu finden.

Die Terminierung der Feiertage lässt sich - entgegen dem Datum des Weihnachtsfestes - an der biblischen Überlieferung festmachen. So wurde Jesus nach den Berichten der Evangelien während des jüdischen Passafestes gekreuzigt. Dieses Fest aber hat nach dem jüdischen Mondjahrkalender seinen Platz zum Zeitpunkt des ersten Frühlingsvollmonds.
Infolge dessen wird das christliche Osterfest im gregorianischen Sonnenjahrkalender variierend an dem Sonntag gefeiert, der auf den ersten Vollmond nach dem kalendarischen Frühlingsbeginn folgt. Dementsprechend wird Ostern frühestens am 22. März, spätestens am 25. April gefeiert.
Der Inhalt der Feiertage bezieht sich auf die Überlieferung der ersten drei Evangelien im Neuen Testament.

Ohne Auferstehung gäbe es kein Ostern. Doch woran glauben Christinnen und Christen da eigentlich, und was ist, wenn einem dieser Glaube schwerfällt? Was sagt die Bibel dazu? Pfarrer Dan Peter, Sprecher der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, gibt Antworten.

Was bedeutet „auferstehen“? Ist Ostern wichtiger als Weihnachten? Und warum essen wir bunte Eier? Kinder haben zu Ostern viele Fragen: Markus Grapke, Landespfarrer für Kindergottesdienst, gibt Antworten – nicht nur für Kinder.

Sechs Sinnfluencer aus dem Netzwerk der württembergischen Landeskirche erzählen, was die Auferstehung für sie persönlich bedeutet. Im Video sind zu sehen: Micha Fingerle, Arne Käfer, Sven Grewis, Vallerie Pfrommer, Sara Stäbler und Maximilian Weber.
Hohe christliche Feiertage – allen voran Weihnachten und Ostern – sind gleichzeitig Hauptfeste bürgerlicher Familienkultur. Damit verbunden sind Bräuche und Traditionen, die sich im Laufe der Jahrhunderte parallel oder auch im Nachgang zu den kirchlichen Handlungen entwickelt haben und immer noch weiterentwickeln.
Palmesel
In mittelalterlichen Palmprozessionen wurde der Einzug Jesu nach Jerusalem mit einem hölzernen Esel nachgespielt. Mit "Palmesel" bezeichnet man die lebensgroße Figur "Christus auf einem Esel reitend". Für die Evangelisten hatte sich mit dieser Episode die Weissagung erfüllt: "Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel" (Sacharja 9,9). Christus auf dem Transporttier der einfachen Leute, das im Ruf steht "dumm", "geil" und "störrisch" zu sein – dies gehörte mit zur Dramaturgie des Spiels. Schon im frühen Christentum scheint diese Geschichte an den historischen Orten nachgespielt worden zu sein. Ab dem 9. Jahrhundert sind Palmeselprozessionen nachzuweisen.

Die Reformation brachte die Abschaffung der Prozessionen und die Zerstörung der Palmeselgruppen mit sich. Aber auch in katholisch geprägten Gebieten führten Aufklärung und Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts zum weitgehenden Verbot dieses Brauchs. In einigen Regionen wird er noch bzw. wieder gepflegt, z.B. in Saulgau in Oberschwaben. Nur ungefähr 50 Palmesel haben sich im deutschen Sprachraum erhalten, in Mitteleuropa insgesamt rund 160.
Noch etwas blieb nach der Reformation vom Palmesel übrig: Wer am Palmsonntag zuletzt aufstand, wurde als "Palmesel" geneckt.
Palmbrezel
Eine süße Palmbrezel gab es für die Kinder in evangelischen Häusern am Palmsonntagmorgen. Das Hefegebäck war ein Vorzeichen für die kommende Oster(hasen)zeit.
Osterhase
Der Hase eroberte sich erst im Laufe des 19. Jahrhunderts den Platz des Ostereier-Lieferanten. Außer dem Hasen waren nämlich noch andere Tiere mit Eiern zugange. In Hessen versteckte lange der Fuchs die Ostereier, in Holstein und Sachsen der Hahn, im Elsass der Storch und in der Schweiz der Kuckuck. Warum sich gerade der Hase durchsetzen konnte, bleibt letztlich ein Geheimnis.

Etwas konstruiert wirkt die Erklärung, der Ursprung liege in den Gebildbroten. Man nimmt an, dass die Ostergebildbrote ursprünglich die Form eines Oserlammes hatten. Aus einem missratenen Gebildbrot könnte ein Hase entstanden sein und den Hasen als Oster-Tier befördert haben.
Vielleicht kam dem Hasen zugute, dass er im noch kurzen Gras um die Osterzeit herum – dazu auf Brautschau – häufiger zu sehen war als zu anderen Jahreszeiten.
Wahrscheinlich ist, dass die volkstümliche Legendenbildung einfach nur die beiden Frühlings- und Fruchtbarkeitssymbole – Ei und Hase – miteinander verschmelzen ließ. Der Neubeginn des Lebens wird auch beim Fest der Auferstehung Christi gefeiert; insofern widerspricht der nicht-christliche Osterhase nicht dem christlichen Osterfest.
Osterei
Das Ei spielt lange vor dem Osterhasen eine Rolle. Zunächst waren Eier ein Pflichtgeschenk, eine Art Osterzins an die Kirche, den Grundherrn oder das Gesinde. Schon Mitte des 16. Jahrhunderts war der Ostereierbrauch in ganz Europa verbreitet. Luther schreibt in einem Brief 1545 die Bemerkung "Dreymal Ostereyer essen über dieser oder dieser Sache", womit die Zeitdauer von drei Jahren gemeint ist.

Der Brauch des Eierschenkens zu Ostern hängt eng mit der vorangehenden Fastenzeit zusammen: Spätestens seit dem 8. Jahrhundert war der Genuss von Eiern 40 Tage vor Ostern untersagt. An Ostern standen deshalb Eier im Überfluss zur Verfügung.
Zunächst verschenkte man ungefärbte Eier, dann färbte man sie rot ("Roteier") in Erinnerung an das Leiden Christi, später wurden sie bunt gefärbt und oft verziert.
Stand anfangs das Schenken der Eier im Zentrum, war es ab Mitte des 19. Jahrhunderts das Verstecken und Suchen derselben. Ein "Familienbrauch" entstand, der auch als klassisches Beispiel eines "Erziehungsbrauchs" gilt. Vielerorts gehörte zum Brauchtum ein "Hasengärtlein" aus Moos oder Gras, eingezäunt mit gebogenen Weidenruten oder mit Buchszweigen. Dorthinein sollte "der Has" seine Zuckerhasen und Eier legen.
Renate Föll

Das Evangelische Medienhaus Stuttgart hat ein multimediales Magazin erstellt, dass durch die Osterzeit führt - sie finden es hier.
Die Inhalte dieses Magazins stehen Gemeinden und im Rahmen eines Materialpakets der EKD kostenfrei zur Verfügung. Wenn Sie dieses Paket nutzen möchten, wenden Sie sich bitte an die Pressestelle der württembergischen Landeskirche: presse@
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