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„Gottes Liebe ist wie ein Kühlschrank“

„Fest der weltweiten Kirche und Mission“ am Pfingstmontag

Musik und Tänze aus vielen Ländern, Botschaften in vielen Sprachen: Noch mehr Vielfalt an einem einzigen Ort und an einem Tag ist wohl kaum möglich. Fast ein Jahr lang hatten viele Engagierte das „Fest der weltweiten Kirche und Mission“ vorbereitet, das am Pfingstmontag in Stuttgart über die Bühne ging.

Vor dem Gottesdienst in der Stuttgarter Stiftskirche musste Pfarrerin Astrid Riehle mit der Gemeinde noch etwas üben. Sollte doch nachher beim szenischen Spiel des Internationalen Performance-Workshops „Zeig Dich!“ ein ordentlicher Wind wehen. Ein Wind, den die Gemeinde mit ihren Armen darstellte. Ein Wind für die zur Reformationszeit gefangene Kirche – gefangen unter einer großen Plane, gefangen im alten Latein. Der Wind des Geistes befreite die Kirche, fortan konnten die Menschen das Evangelium in ihrer eigenen Sprache hören.

Nicht nur Worte, auch Sprachbilder brauchen Übersetzung. Er könne bei 50 Grad im Schatten nicht predigen, dass Gottes Liebe „wie die Sonne“ sei, sagte Bischof Dr. Singh Rajendra Komanapall von der indischen Nethanja-Kirche. Besser sei: „Gottes Liebe ist wie ein Kühlschrank.“ Jahrelang wirkten der Bischof und andere fruchtlos im Dschungel, erlitten Krankheiten und Entführung. Doch die Frucht kam, viele Menschen fanden zum christlichen Glauben. „Warum kommst du so spät mit einer so fröhlichen Botschaft?“, wurde der Bischof von einem Mann gefragt. „Ich habe meinen eigenen Sohn geopfert“, klagte dieser.

Christen aus aller Welt feiern in Stuttgart Pfingsten

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Von den Schwierigkeiten der Christen in Pakistan berichtete die katholische Theologin Affia Rose Hermle in ihrer gemeinsamen Predigt mit Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July. Seit den 1980er-Jahren gelten die strengen Blasphemie-Gesetze, und die Christen leben in ständiger Angst. Sie dürfen nur niedrige Arbeiten in Textilfabriken, Ziegeleien oder der Müllbeseitigung verrichten. Doch Freiheit beschränke sich nicht auf die äußeren Umstände. „Gott kann uns eine innere Freiheit schenken.“ Das Wort „Freiheit“, sagte Landesbischof July in seinem Predigtteil, sei in der Menschheitsgeschichte beschmutzt und besudelt worden: „Freiheit ist für uns Christen mit Jesus Christus verbunden.“

Nach dem Gottesdienst zog die „Parade der Freiheit“ von der Stiftskirche zum Hospitalhof, der dortige „Campus“ mit Innenhof und Hospitalkirche erwies sich beim wechselhaften Wetter als ideal. Die Informationsstände waren gut besucht. Wer wollte, konnte Afrika zusammenpuzzeln, sich mit Literatur eindecken oder sein ausgedientes Handy abgeben. Es wurden etwa 50 Stück gesammelt. Gegessen wurde irgendwann zwischendurch mit Speisen aus vielen Ländern. Nur Landesbischof July kam bis zum Schluss nie dazu.

„Es wird was draus, es ist Pfingsten“, meinte July bei der Improvisation einer Gesprächsrunde zum Thema „Wie christlich ist das Abendland?“. Weil Staatsminister Klaus-Peter Murawski verhindert war, sollte die Diskussion ausfallen, doch das Interesse war zu groß. So stellten sich Landesbischof July und Dr. Rima Nasrallah aus dem Libanon den Fragen. Wie ist der Blick von außen auf den „Westen“? „Wir schauen auf die Fortschritte, aber auch auf die schlechte Moral“, sagte Nasrallah. „Wir wollen sein wie der Westen, andererseits haben wir Angst vor ihm.“ Für Muslime seien alle Christen ein Block. Auch solche westlichen Politiker, die sich selbst gar nicht als Christen sehen, gehörten dazu. „Was ein Mensch in Kalifornien tut, das gilt für alle.“

Landesbischof July warnte davor, den Islam ebenso als einen solchen Block zu sehen. „Es gibt einen aggressiv missionarischen Islam, etwa in Indonesien. Es gibt einen Islam, der bereit ist, ins Gespräch zu gehen.“ Was es in Europa nicht mehr gebe, selbst in Skandinavien nicht mehr, sei die geschlossene Gesellschaft – wenn es eine solche denn jemals gegeben habe. Das Christentum, sagte Nasrallah, lasse sich in ganz unterschiedliche Sprachen und Kulturen übersetzen, dem Islam falle dies hingegen schwer.

„Wir sind keine Gäste und Fremdlinge mehr“, sagte Pfarrer Dr. Hanna Josua von der Arabischen Evangelischen Gemeinde Stuttgart. „Wir brauchen die Evangelische Landeskirche, damit wir besser wahrgenommen werden.“ Wahrgenommen wurden beim Fest Gemeinden aus vielen Ländern, mit ihren ganz verschiedenen Gaben: von der Fröhlichkeit und Begeisterung von Christen aus Ghana oder Kamerun bis zum koreanischen Streben nach musikalischer Perfektion.

„Wir beten dafür, dass die Regierung die Religionsfreiheit erhält“, berichteten Christen aus Indonesien beim Bühnenprogramm. Versöhnungsarbeit könne für Entspannung sorgen. Während das deutsche „Gottesdienstnormalmaß“ oft bei einer guten Stunde liegt, verbringen Christen in Südkorea gerne den ganzen Sonntag miteinander, auf das gemeinsame Essen folgt nachmittags das Jugendtreffen. Die Infoblöcke – auch zu Marokko, Indien, Ghana und anderen Ländern – waren stets kurz, wurden aber mit Interessierten jeweils in kleinen Gruppengesprächen fortgesetzt.

Bei der Aussendungsfeier für den internationalen Dienst wurde wieder deutlich, dass aus dem früheren „Europäer oder Amerikaner geht nach Afrika oder Asien“ längst ein Netzwerk geworden ist, in dem Menschen kreuz und quer von einem Kontinent zum anderen wechseln. Es muss ja nicht gleich für viele Jahre sein. Am Stand des EJW-Weltdienstes gab es dazu einen kleinen Test mit Hammer, Nagel und Balken. Drei oder vier Schläge haben gereicht? Prima, da hat einer keine zwei linken Hände und wird deshalb gebraucht, irgendwo in der weiten Welt.

Peter Dietrich


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