Die Prälatur Reutlingen

Vielfalt an Neckar und Donau, auf der Alb und im Schwarzwald

In der Prälatur leben 626.903 Christen und Christinnen. Sie ist aufgeteilt in 13 Kirchenbezirke mit 413 Kirchengemeinden


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© Andreas Föhl

Das Kirchenjahr als Speicher kultureller Erinnerung

Prälatenempfang in Balingen mit Kulturwissenschaftler Professor Dr. Werner Mezger PDF

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© NABU Baden-Württemberg

"Kirchengemeinden können Leuchttürme für die Artenvielfalt sein"

"Kirchen im Biosphärengebiet" wird als "UN-Dekade-Projekt Biologische Vielfalt" ausgezeichnet PDF

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© Andreas Föhl

Erwachsenwerden mit dem Herrn der Kirche

Co-Schuldekanin Gudrun Bertsch wurde in Münsingen in ihr Amt eingesetzt PDF

  • Unterschiedliche Menschen auf dem Weg mit Gott begleiten
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    26. September 2018

  • Kirche neu denken
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    16. Juli 2018

  • Hinschauen, wahrnehmen und zuhören
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    22. Januar 2018

  • Einsatz für die Gesellschaft muss honoriert werden
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    20. November 2017

  • Neue Wege für Kirche im ländlichen Raum
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    19. November 2017

  • „Die Reformation gehört zur DNA unseres Landes“
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    31. Oktober 2017

  • Ein Baum zu Ehren des Reutlinger Reformators
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    31. Oktober 2017

  • „Eine Oase mitten in der Wüste“
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    18. September 2017

  • Hören, was die Menschen bewegt
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    11. September 2017

  • Aus Dankbarkeit die Schöpfung bewahren
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    4. September 2017

  • Auf Schatzsuche im ländlichen Raum
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    24. Juli 2017

  • Fröhlich und mutig im Auftrag des Herrn
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    9. Juli 2017

  • Biblische Botschaft ermutigt und schenkt Zuversicht
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    6. Juli 2017

  • Reformation prägt Unternehmenskultur bis heute
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    4. Mai 2017

  • Plötzlich Schuldekanin
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    3. April 2017

  • Auf dem Weg zu einer milieusensiblen Kirche
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    26. März 2017

  • Schuldekan sagt Goodbye
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    17. März 2017

  • Martin Luther und die Freiheit
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    15. Dezember 2016

  • „Ethik des Genug“ statt Konsum und Wachstum
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    23. Oktober 2016

  • „Die Gesellschaft braucht Orte der Einkehr“
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    13. Oktober 2016

  • Das Evangelium hat Nachrichtenwert
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    11. Oktober 2016

  • Kirche ist "Kaderschmiede des ehrenamtlichen Engagements"
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    27. September 2016

  • 12. Reutlinger Gespräch Wirtschaft - Kirche
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    5.3.2016

  • Asylpfarrerin Ines Fischer wurde in ihr neues Amt eingesetzt
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    28.2.2016

  • Asylpfarrerin Ines Fischer wird in ihr neues Amt eingesetzt
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    23.02.2016

  • „Schüli“ feiert Umzug in neue Räume mit Tag der offenen Tür
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    17.02.2016

  • Von Mähringen nach Hongkong
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    02.02.2016


Wissenswertes über den Sprengel

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Die Prälatur Reutlingen wird seit 2007 von Prälat Prof. Dr. Christian Rose geleitet. © EMH/Gottfried Stoppel

Der in Göppingen geborene Prälat Prof. Dr. Christian Rose hat Verwaltungswissenschaften und Evangelische Theologie studiert. Von 1984 bis 1990 war er wissenschaftlicher Assistent und stellvertretender Seminardirektor an der Universität Tübingen. 1991 wurde er mit einer Arbeit zum Hebräerbrief promoviert. Von 1990 bis 1998 war er Gemeindepfarrer in Dettenhausen (Landkreis Tübingen) und Heidenheim, danach wurde er als Professor für Biblische Theologie und Gemeindediakonie an die Evangelische Fachhochschule auf der Karlshöhe in Ludwigsburg berufen; ab 2003 war er auch deren Rektor.

"In dem rasenden Getümmel schenk uns Glaubensheiterkeit."
(Philipp Spitta 1833, Eg 137,8)

Seit 1. Dezember 2007 ist er Prälat in Reutlingen. Rose ist zudem Autor zahlreicher wissenschaftlich-theologischer und religionspädagogischer Publikationen. Der handballbegeisterte Theologe ist verheiratet und Vater von vier Kindern.

Die Schwaben stellen ihr "Ländle" gerne als Land der Dichter und Denker vor. "Der Schelling und der Hegel, der Uhland und der Hauff, das ist bei uns die Regel. Das fällt bei uns nicht auf."  

Der nicht ganz ernst gemeinte Vers spiegelt das gesunde Selbstbewusstsein der Württemberger wider. Viele kluge Köpfe haben ihre Ausbildung in der altehrwürdigen Universität Tübingen genossen. Im Evangelischen Stift haben nicht nur Theologen wie Bengel, Blumhardt oder David Friedrich Strauß ihre ersten Weihen bekommen. Auch Hegel, Hölderlin und Schelling wohnten in der "Theologenschmiede". In Stuttgart wird regiert, so sagt man, in Tübingen philosophiert.  

Der Kirchensprengel wird aber nicht von Tübingen aus geleitet. Der Prälat hat seinen Sitz in der benachbarten ehemaligen freien Reichsstadt Reutlingen. 13 Kirchenbezirke mit insgesamt rund 660.000 Evangelischen betreut Prälat Christian Rose.  

Der besondere Reiz der Reutlinger Prälatur ist ihre Vielfalt. Von der rauen Münsinger Alb über das Neckartal bis auf die Höhen des Nordschwarzwaldes, von Neuenbürg im Norden bis hin zur Donau und fast bis zum Bodensee erstreckt sich der Sprengel. Landwirtschaft prägt zwar weite Teile der Prälatur, doch die kargen Böden sichern schon lange nicht mehr allen Menschen ihr Auskommen.

Evangelischer Kirchenbezirk Neuenbürg Evangelischer Kirchenbezirk Calw Evangelischer Kirchenbezirk Nagold Evangelischer Kirchenbezirk Freudenstadt Evangelischer Kirchenbezirk Sulz Evangelischer Kirchenbezirk Leonberg Evangelischer Kirchenbezirk Böblingen Evangelischer Kirchenbezirk Herrenberg Evangelischer Kirchenbezirk Tübingen Evangelischer Kirchenbezirk Reutlingen Evangelischer Kirchenbezirk Bad Urach-Münsingen Evangelischer Kirchenbezirk Bad Urach-Münsingen Evangelischer Kirchenbezirk Balingen Evangelischer Kirchenbezirk Tuttlingen interaktive Landkarte der 14 Kirchenbezirke der Prälatur Reutlingen

Ein Netz mit vielen mittelständischen Betrieben hat sich gebildet. Feinmechanische Industrie, Werkzeug- und Maschinenbau sowie Textilbetriebe bilden Schwerpunkte. An Tüftlern wie dem genialen Erfinder und Pfarrer Philipp Matthäus Hahn hat es nie gefehlt. Der entwickelte 1769 eine astronomische Uhr, die nicht nur Tag und Stunde, sondern auch den Stand der damals bekannten Planeten anzeigt.  

Nicht nur die Landschaft in der Reutlinger Prälatur ist vielfältig, auch die Frömmigkeitsausprägungen zeigt viele Facetten. Auf einer Seite der Liberalismus der Universitätsstadt, andererseits der schwäbische Pietismus, der große Landstriche der Prälatur Reutlingen geprägt und für die Frömmigkeit Akzente gesetzt hat. Zur "Stunde" der Hahn'schen Gemeinschaft, der Süddeutschen und der Altpietisten geht man damals wie heute in der Regel zweimal die Woche. Die Mission, von jeher im Südwesten wichtiges Thema, hat mit Bad Liebenzell und Bad Sebastiansweiler, dem deutschen Refugium der Basler Mission, Zentren im Reutlinger Sprengel. 

Noch in der Nachkriegszeit haben sich die evangelischen und katholischen Schulbuben geprügelt. Heute arbeiten Protestanten und Katholiken in ökumenischen Arbeitskreisen zusammen. Nur einige Kilometer neckaraufwärts von Tübingen liegt in Rottenburg der Sitz des katholischen Bischofs. Vor allem die alemannischen Orte Richtung Bodensee sind katholisch.  

Eine Kirche ohne ihre Diakonie wäre undenkbar. Nicht zu vergessen sind deshalb die diakonischen Einrichtungen im Bereich der Reutlinger Prälatur wie die Mariaberger Heime, das Haus am Berg in Bad Urach oder die Sophienpflege in Tübingen. Im 19. Jahrhundert baute Gustav Werner unter dem Motto "Was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert" in Reutlingen "christliche Fabriken" für behinderte Arbeiter auf.

„Die Reformation gehört zur DNA unseres Landes“

Prälat Dr. Christian Rose empfängt am Reformationstag rund 400 Gäste in der Reutlinger Marienkirche

Reutlingen. Die Reformation hat vor 500 Jahren die ganze Gesellschaft erfasst und prägt sie bis heute. Das unterstrichen der evangelische Prälat Dr. Christian Rose und seine Gäste, die Reutlinger Oberbürgermeisterin Barbara Bosch und der Reutlinger Landrat Thomas Reumann, am gestrigen Reformationstag. Zum abendlichen Empfang des Reutlinger Regionalbischofs waren rund 400 Besucher aus den Bereichen Kirche, Politik, Wirtschaft und Medien in die Marienkirche gekommen. 

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Moderatorin Heidrun Lieb im Gespräch mit Prälat Dr. Christian Rose, Oberbürgermeisterin Barbara Bosch und Landrat Thomas Reumann © Andreas Föhl

Am Reformationstag als dem Höhe- und Schlusspunkt der Feierlichkeiten zu 500 Jahren Reformation blickte Prälat Rose auf das Jubiläumsjahr zurück. Er sei dankbar, dass auch die Schattenseiten der Reformation benannt wurden, sagte der Regionalbischof und dass neben dem „sensiblen Choleriker“ Martin Luther auch andere Reformatoren wie Johannes Brenz oder Philipp Melanchthon in den Blick gekommen seien. Der Prälat nannte das Reformationsjubiläum und insbesondere den Reformationstag als gesetzlichen Feiertag „ein großartiges Geschenk“, das gezeigt habe, „dass die Reformation zur DNA unseres Landes gehört“.
Die Reformation war nicht nur ein kirchliches, sondern ein gesamtgesellschaftliches Ereignis. Das machte der Prälat in seinem Vortrag am Beispiel der Stadt Reutlingen und ihres Reformators Matthäus Alber deutlich. Es sei der Rat der Stadt, also ein politisches Gremium, gewesen, der 1521 beschloss, eine Prädikantenstelle an der Marienkirche einzurichten, erklärte Rose. Auf die neue Predigtstelle sei Matthäus Alber berufen und mit der Aufgabe betraut worden, täglich früh morgens eine Stunde lang auf Deutsch zu predigen. Alber habe im Sinne der Reformation gepredigt und viele Menschen angezogen, so der Prälat. Im Konflikt zwischen Alber und der katholischen Kirche hätten sich der Rat und die Zünfte öffentlich zur reformatorischen Lehre bekannt. Als Alber 1524 zum ersten Mal eine Messe auf Deutsch hielt und das Abendmahl in beiderlei Gestalt, Brot und Wein, an die Gläubigen austeilte, sei das, so Rose, eine „Sensation“ gewesen, die viele Menschen, sogar aus Herrenberg und Esslingen, angezogen habe. Das gemeinsame Bekenntnis der Evangelischen auf dem Augsburger Reichstag 1530, die Confessio Augustana, habe für Reutlingen Bürgermeister Jos Weiß unterzeichnet, berichtete Rose – ein Ereignis, an das sich die Reutlinger bis ins 19. Jahrhundert hinein jährlich bei einer Gedenkfeier erinnerten, so der Prälat.
„Was hält eine Gesellschaft zusammen?“, schlug Rose die Brücke zur Gegenwart und zum Podiumsgespräch mit der Reutlinger Oberbürgermeisterin Barbara Bosch und dem Reutlinger Landrat Thomas Reumann. „Unsere Gesellschaft gründet auf dem Christentum“, sagte Rose und äußerte den Wunsch, dass man an der Partnerschaft zwischen Staat und Kirche als „einer bewährten Tradition“ festhalte. Die Religion dürfe nicht „den Extremisten überlassen und ins Private verdrängt“ werden, sondern müsse öffentlich bleiben, forderte der Regionalbischof.
Im Podiumsgespräch, das die Journalistin und Fernsehmoderatorin Heidrun Lieb leitete, nannte Barbara Bosch die Reformation „einen ungeheuren Vorgang“, der vieles freigesetzt habe, „was wir heute als Bestandteil unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung kennen“. So gebe es einen „Bogen“ von der Reformation zur Aussage des Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Landrat Thomas Reumann nannte Werte wie Solidarität, Toleranz und Freiheit als Errungenschaften der Reformation.
Bosch und Reumann äußerten die Sorge, dass der gesellschaftliche Grundkonsens ins Wanken gerate. So beobachtete die Oberbürgermeisterin eine schwindende Gemeinwohlorientierung. In der Politik stünden zunehmend die eigenen Interessen im Vordergrund und nicht die Frage „Was ist wichtig für das Gemeinwesen?“, so Bosch.
Eine Gesellschaft werde durch gegenseitige Solidarität und die Unterstützung derer, die Hilfe brauchen, zusammengehalten, „durch Werte, die wir auch im Evangelium finden“, betonte der Landrat. „Es ist unsere Verpflichtung als Christenmenschen, den Menschen, die zu uns kommen, zu helfen“, so Reumann im Blick auf die Flüchtlingsproblematik. Die Parole „me first“ – ich zuerst – sei „mit Sicherheit keine Antwort“, sagte er.
Eine Rückbesinnung auf die Reformation und ihre Werte sei „hilfreich“, sagte Barbara Bosch. Thomas Reumann regte an, die „Reformation als Haltung“ zu verstehen. Prälat Rose sah einen Zusammenhang zwischen dem „Protestpotential“ innerhalb der Gesellschaft und dem Gefühl vieler Menschen, „nicht mehr wahrgenommen zu werden“. Demgegenüber rücke die reformatorische Botschaft den einzelnen Menschen in den Fokus. Sie betone, dass jeder Menschen bei Gott Ansehen habe und jeder Mensch Gott wichtig sei, so Rose.
Alle drei Podiumsteilnehmer lobten die ökumenische Ausrichtung des Jubiläumsjahres „500 Jahre Reformation“. „Ich wünsche mir sehr, dass das nur ein erster Schritt auf dem Weg zur weltweiten Einheit der Kirche Jesu Christi ist“, sagte der Prälat bereits in seinem Vortrag. Auf die Frage, ob er glaube, dass evangelische und katholische Christen einmal gemeinsam Abendmahl feiern könnten, antwortete Rose mit einem klaren „Ja“.
Musikalisch wurde der Abend von Bezirkskantor Torsten Wille an der Orgel und einem Bläserensemble festlich und im wahrsten Sinne „mit Pauken und Trompeten“ gestaltet.  Die Musiker, denen Prälat Rose spontan den Namen „capella reformationis“ gab, begleiteten die Besucher auch beim abschließenden Luther-Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“.
Anschließend kredenzte Prälat Rose seinen Gästen im Chorraum der Marienkirche unter anderem einen „Reformationssud“ – ein Bier, das ein Hobby-Brauer aus Schwalldorf bei Rottenburg im eigenen Keller gebraut hatte, wie einst Katharina Luther für ihren Mann Martin.

Quelle: Andreas Föhl, Medienbeauftragter in der Prälatur Reutlingen

Reformation prägt Unternehmenskultur bis heute

Beim 13. Reutlinger Gespräch Wirtschaft – Kirche stand Luthers Berufsethik im Mittelpunkt

Reutlingen. Martin Luther und die Reformation haben die Unternehmenskultur im Südwesten entscheidend geprägt. Davon zeigte sich die Wirtschaftsministerin des Landes Baden-Württemberg, Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, gestern beim 13. Reutlinger Gespräch Wirtschaft – Kirche überzeugt. Der Reutlinger Prälat Dr. Christian Rose hatte Vertreter der Wirtschaft und der Kirche eingeladen, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Im Jubiläumsjahr „500 Jahre Reformation“ lautete des Thema des Abends „Luthers Berufsethik – Impulse für Unternehmer und Unternehmenskultur“.

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Prälat Professor Dr. Christian Rose im Gespräch mit Professor Dr. Gerhard Wegner und Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut © Andreas Föhl

"Ohne Martin Luther und die Reformation sähe unser Land ganz anders aus“, betonte die Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, vor rund 150 geladenen Gästen in den Räumen der BruderhausDiakonie in Reutlingen. Im rohstoffarmen Südwesten habe die Reformation begonnen, „die Ressourcen in den Köpfen der Menschen zu heben“, so die Ministerin. Der in der Folgezeit in Württemberg prägende Pietismus habe zu einer fruchtbaren Begegnung von Wirtschaft und Kirche geführt. Hoffmeister-Kraut erinnerte an den evangelischen Pfarrer und Ingenieur Philipp Matthäus Hahn, der die Feinmechanik-Industrie im Zollernalbkreis begründet hat und an Wilhelm Maybach. Der Automobilpionier war als Waisenkind vom evangelischen Pfarrer Gustav Werner in dessen Bruderhaus aufgenommen worden. Dort machte Maybach eine Lehre und lernte in der Maschinenfabrik des Bruderhauses Gottlieb Daimler kennen. „Man könnte die These aufstellen, dass die Erfindung des Verbrennungsmotors aus dem Geist der protestantischen Diakonie entstanden ist“, fasste die Wirtschaftsministerin diese folgenreiche Begegnung zusammen.

Der reformatorische Gedanke, jeder Mensch solle seine Gaben zum Wohle aller einsetzen, sei für die Unternehmenskultur im Südwesten prägend, sagte Hoffmeister-Kraut. Die mittelständischen Familienunternehmen hätten nicht nur wirtschaftliche Interessen im Blick, sondern auch die der Gesellschaft und der Umwelt. Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung seien „Teil ihrer DNA“, so die Ministerin. Sie zeigte sich zuversichtlich, dass die lutherische Berufsethik mit ihrer Gemeinwohlorientierung die richtige Haltung sei, um auch den Herausforderungen des digitalen Zeitalters zu begegnen. Hoffmeister-Kraut, die seit 2007 Kirchengemeinderätin in Balingen ist, brachte ihre persönliche Verbundenheit zur Kirche zum Ausdruck. „Mir ist Kirche wichtig, mir ist der Glaube wichtig“, sagte sie.

„Alle Menschen haben eine Berufung in der Gesellschaft, nicht nur ein paar wenige“, fasste der Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Professor Dr. Gerhard Wegner, Luthers Berufsethik zusammen. Für Luther habe jeder Mensch, bei dem was er tue, einen „Anspruch auf Sinn und Anerkennung“. Diese Idee sei gegenüber dem Mittelalter revolutionär, so der Sozialwissenschaftler. Durch Luther sei Arbeit zum „sinnaufgeladenen Dienst am Nächsten“ geworden. Der moderne Anspruch, der Beruf solle „mehr als ein Job“ sein, gehe genauso auf Luthers Berufsethik zurück wie die kritische Frage vieler Menschen an sich selbst: „Ist das, was ich tue, wirklich meine Berufung?“

Im anschließenden Podiumsgespräch stellten Prälat Dr. Christian Rose und Ingrid Peters vom Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer (AEU) die Frage, wie man Luthers Berufsethik heute umsetzen könne. Der Vorsitzende des Vorstands der ElringKlinger AG und des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, Dr. Stefan Wolf, betonte die Vorbildfunktion, die Unternehmer in ihrem Betrieb hätten. Unternehmer müssten „die Werte vorleben, von denen wir wollen, dass sie die Mitarbeiter teilen“, so Wolf. Dr. Carl-Heiner Schmid, der Gesellschafter der Unternehmensgruppe Heinrich Schmid, fasste Luthers Anliegen in dem Grundsatz zusammen „Dienen kommt vor dem Verdienen“. Unternehmer sollten die Nähe zu den Mitarbeitern suchen und ihnen Anerkennung und Wertschätzung entgegenbringen, forderte der Unternehmer und Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Reutlingen, Christian O. Erbe.

Gastgeberin des 13. Reutlinger Gesprächs Wirtschaft – Kirche war die BruderhausDiakonie. Der Vorsitzende des Vorstands, Pfarrer Lothar Bauer, erinnerte an Gustav Werner, der die diakonische Einrichtung im 19. Jahrhundert gegründet hatte. Der evangelische Pfarrer sei „fest im reformatorischen Traditionsstrom verankert“ gewesen, so Bauer. Tausende von Waisenkindern hätten in Werners Bruderhaus Heimat, Bildung und Arbeit gefunden. Dass es in Württemberg eine „Unternehmerlandschaft mit spürbar christlicher Prägung“ gebe, sei auch Werners Verdienst. Vor dem Gespräch Wirtschaft – Kirche hatten die Gäste die Möglichkeit, im Rahmen einer Betriebsführung die Arbeit der BruderhausDiakonie kennen zu lernen. Die christlich-diakonische Einrichtung engagiert sich in den Bereichen Jugendhilfe, Behindertenhilfe, Altenhilfe und Sozialpsychiatrie.  

Quelle: Andreas Föhl, Medienbeauftragter in der Prälatur Reutlingen

  • Predigt zum Christfest 2017
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    25. Dezember 2017

  • Predigt zum Tag der Schöpfung 2017
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  • Predigt im Eröffnungsgottesdienst der Sommersynode 2017
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    6. Juli 2017

  • Predigt zum Karfreitag 2017
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    14. April 2017

  • Predigt zum Heiligen Abend 2016
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  • Predigt zum Ostersonntag 2015
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  • Predigt zum Sonntag Estomihi 2015
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  • Predigt zum Heiligen Abend 2014
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    24.12.2014

  • Predigt zu 100 Jahre Adolf-Schlatter-Haus 2014
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    11.05.2014

  • Predigt zur 22. Tagung der Gemeinschaft Evangelischer-Zisterzienser- Erben 2014
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    04.05.2014

  • Predigt zum 1. Weihnachtsfeiertag 2013
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    25.12.2013

  • Predigt zur Einweihung der Reutlinger Stadthalle 2013
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  • Predigt zum Heiligen Abend 2012
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  • Predigt zum 13. Sonntag nach Trinitatis 2012
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  • Predigt zum 3. Sonntag nach Epiphanias 2012
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    22.01.2012

  • Vortrag am Reutlinger Prälatenempfang 2009
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  • Vortrag im Rahmen des 6. Schwäbischen Städtetages in Reutlingen 2009
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  • Vortrag im Rahmen des Forums Ehrenamt 2008
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  • Neujahrsbrief 2018
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  • Neujahrsbrief 2017
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  • Neujahrsbrief 2016
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  • Neujahrsbrief 2015
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  • Neujahrsbrief 2014
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  • Neujahrsbrief 2013
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  • Neujahrsbrief 2012
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  • Neujahrsbrief 2010
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  • Aus dem Jahresbericht 2009
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  • Neujahresbrief 2009
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  • Aus dem Jahresbericht 2008
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12.10.2008

Euer Überfluss diene ihrem Mangel" - Biblisch-theologische Gedanken zu Armut und Solidarität
in: K. Sanders/H.-U. Weth (Hg.): Armut und Teilhabe. Analysen und Impulse zum Diskurs um Armut und Gerechtigkeit (VS Verlag für Sozialwissenschaften) Wiesbaden 2008, S. 183-206 .

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02.06.2005

"Und siehe, es war (nicht) sehr gut?!" - Theologische Gedanken zu Heil(ung) und Behinderung 2005
in: J. Jerg/J. Armbruster/A. Walter (Hg.): Selbstbestimmung, Assistenz und Teilhabe. Beiträge zur ethischen, politischen und pädagogischen Orientierung in der Behindertenhilfe (Schriften der Evangelischen Fachhochschule Reutlingen-Ludwigsburg), Stuttgart 2005, S. 88-104.

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05.11.1989

Verheißung und Erfüllung. Zum Verständnis von epanggelia im Hebräerbrief
in: Biblische Zeitschrift 33 (1989), S. 60-80. 178-191

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Christian  Rose

Prof. Dr. Christian Rose

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