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Aktion zum ersten Advent in Essingen

Seit fast 20 Jahren besuchen Sänger ältere Gemeindemitglieder im Advent

Für ältere Menschen ist es oft schwer am Gemeindeleben teilzunehmen. Die Teilnehmer der „Aktion Adventssingen“ in Essingen im Ostalbkreis singen jedes Jahr am ersten Advent für ältere Gemeindemitglieder. Über 50 Essinger Häuser und das Pflegewohnhaus werden dabei von den Sängern besucht.

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© Jürgen Schnotz

Hannelore Lay* ist schon seit Jahren dement. Scheinbar teilnahmslos liegt sie im Bett, als es plötzlich klingelt. Ihr Mann öffnet die Tür für elf Sänger zwischen sieben und fünfzig Jahren. Die Kinder halten Laterne und Tannenzweige in den Händen. Norbert Lay führt das Grüppchen ins Wohnzimmer zu seiner Frau. Die Sänger legen los mit „Macht hoch die Tür.“ Plötzlich reißt Hannelore Lay die Augen auf und singt das Lied zusammen mit den Sängern. Ihrem Mann laufen Tränen über die Wange.

„Emotionale Momente sind bei der ‚Aktion Adventssingen‘ keine Seltenheit, aber das hat mich tief bewegt“, sagt Gemeindediakon Jürgen Schnotz, der die Aktion organisiert. Seit 1998 ziehen Adventssänger durch Essingen. Bereits im November beginnt Schnotz eine lange Liste an Namen abzutelefonieren. Wer möchte mitmachen? Über 60 Jugendmitarbeiter, Kinder, Eltern und Konfirmanden melden sich jedes Jahr freiwillig, um älteren Menschen eine Freude zu machen. Die Konfirmanden spannt Schnotz zum Basteln von Weihnachtskarten und kleinen Geschenken für die Senioren ein.

Am 1. Advent ist es dann so weit. Um 14.30 Uhr treffen sich die Sängerinnen und Sänger in der Kirche und stimmen sich mit dem Lied „Stern über Bethlehem“ ein. Anschließend teilen sich die Freiwilligen in Gruppen auf und ziehen los. Viele unterstützen ihren Gesang mit Flöten, Trompeten, Gitarren oder Geigen. Die Sänger besuchen Menschen ab 80 Jahren zuhause. Menschen, die nicht mehr aktiv am Gemeindeleben teilnehmen können, weil sie Bett oder Rollstuhl kaum noch verlassen. Außerdem schauen sie im Pflegewohnhaus von Essingen vorbei. „Mir geht das Herz auf, wenn ich sehe, wie sich die Leute freuen“, sagt Schnotz. Manche wollen aus Dankbarkeit Geld geben. Dafür hat Schnotz eine Spendenbüchse von „Brot für die Welt“ dabei. „Wir möchten die Menschen beschenken und ihnen eine Freude machen. Wenn jemand unbedingt was geben will, kann er spenden, wir persönlich nehmen nichts an“, sagt er. Am Ende des Abends ist die Büchse meist voll.

In den Wochen nach der Aktion erhält er Weihnachtskarten und Dankesanrufe. „Wir singen jedes Jahr, damit jeder im Ort sich über den Advent, die Ankunft Jesu, freuen kann“, sagt Schnotz. Er will Freude schenken. Darum geht es ihm und den freiwilligen Sängerinnen und Sängern, jedes Jahr aufs Neue.

*Name von der Redaktion geändert

Marie Neumann