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Beten für die Menschen in Syrien

Die Landeskirche kann die Kontakte ins Land weiter aufrechterhalten

Die Europäer sollen die Menschen in Syrien nicht vergessen und für sie beten, sagt Kirchenrat Klaus Rieth, der Verantwortliche für die Außenbeziehungen der Landeskirche. Er pflegt auch in Corona-Zeiten gute Kontakte ins Land, rechnet mit einem Corona-Knick im Spendenaufkommen und ist dennoch zuversichtlich. Elk-wue.de hat mit ihm gesprochen.

Kirchenrat Klaus Rieth pflegt auch in Corona-Zeiten gute Kontakte nach Syrien.EMH/Gottfried Stoppel

Die Menschen in Syrien leiden seit Jahren unter Krieg, Terror und Verfolgung. Jetzt breitet sich auch noch das Corona-Virus auf der Erde aus und hält schon Menschen in wirtschaftlich prosperierenden Ländern mit robusten Gesundheitssystemen in Atem. Wie weit können Sie als „Außenminister der Landeskirche“ unter diesen Umständen den Kontakt noch halten?

Wir haben gute Kontakte via Internet und Telefon. Daran hat sich nichts geändert. Auch aus den Nachbarregionen in der Türkei und im Irak bekommen wir regelmäßig Nachrichten.

Syrien ist zerstört, viele Menschen sind auf der Flucht. Wie können sich diese Menschen vor dem gefährlichen Virus schützen?

Die Menschen auf der Flucht können sich nicht schützen. Hier haben wir auch Angst um sie, denn es gibt trotz Grenzsperren immer wieder Menschen, die von Syrien in die Türkei, aber auch wieder zurück gehen. Das gleiche gilt für die Grenze zum Irak. Ein Pfarrer aus der Region hat mir am Telefon erklärt, dass aufgrund der Bürgerkriegssituation die Menschen schon vor der Corona-Krise ihre Häuser nicht ohne guten Grund verlassen hätten und dass öffentliches Leben auch vorher kaum stattgefunden hat. Deshalb ist die Situation für die Betroffenen nicht sehr anders gerade.

Das Gustav-Adolf-Werk kann über seine Verbindungen viel Unterstützung in Syrien bieten.

Kirchenrat Klaus Rieth

Wie weit lassen sich in dieser Situation noch Hilfen organisieren, und was leisten die Kirchen und ihre Hilfswerke vor Ort?

Hilfswerke vor Ort und im Libanon organisieren die Hilfe. Hier sind es überwiegend die dort ansässigen, orthodoxen Kirche, die sich um ihre Gemeindeglieder kümmern. Aber auch die kleinen evangelischen Kirchen können viel bewirken. Da ist es vor allem das Gustav-Adolf-Werk, das über seine Verbindungen viel Unterstützung anbieten kann.

Was sollten Deutschland und Europa aus Ihrer Sicht für die Menschen in Syrien tun?

Sie sollen diese Menschen nicht vergessen und für sie beten. Das ist am Wichtigsten, gerade in diesen Zeiten, wo wir uns um uns selbst große Sorgen machen. Sodann sollten unsere verantwortlichen Politiker diese Region nicht aus dem Blick verlieren. Nur weil man derzeit von dort nicht viel hört, bedeutet das noch lange nicht, dass sich die Situation maßgeblich verbessert hat. Europa ist sich weiterhin uneins, wie man den aus Syrien geflohenen Menschen helfen soll und ebenso uneins, welche Rolle Syrien in Zukunft spielen soll. Da schauen die Menschen in der Region schon sehr genau hin, welche Position die Bundesrepublik Deutschland einnimmt und welche tatkräftige Hilfe geleistet wird.

Wie entwickelt sich das Spendenaufkommen, und befürchten Sie einen Corona-Knick?

Sicher werden bestimme Opfer wegfallen und auch Kirchensteuereinnahmen werden weniger werden. Aber es ist schon erstaunlich: Auch wenn alle Gottesdienste vor Ort ausgafallen sind und deshalb auch keine Opfer oder Kollekten eingesammelt werden konnten, haben immer wieder Menschen bei uns angerufen und gefragt, wie sie die ausgefallenen Opfer im Gottesdienst trotzdem an die Landeskirche weiterleiten können. Andere spenden das Geld, das sie durch ausgefallene Friseurbesuche gespart haben. Da gibt es viele gute Ideen. Deshalb befürchten wir zwar einen Corona-Knick, aber wir sind gleichzeitig sehr zuversichtlich, dass die Menschen, die etwas geben können und wollen, Wege finden, dies auch weiterhin treu zu tun.


Stephan Braun


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