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„Menschen begleiten und ermutigen“

Neuer Reutlinger Prälat Markus Schoch am Sonntag ins Amt eingeführt

Am Sonntag, 1. Mai, ist Markus Schoch (56) als neuer Prälat in Reutlingen in einem feierlichen Gottesdienst ins Amt eingesetzt worden. Die Investitur fand in der Reutlinger Marienkirche statt.

Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July und Prälat Markus Schoch bei der Einsegnung.Bild: Jürgen Meyer

Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July würdigte den Erfahrungsschatz, den Schoch mitbringt: „Markus Schoch ist ein Theologe mit weitem Blick, ökumenischer Erfahrung, diplomatischem Geschick, großem Herz und diakonischem Engagement. Sein Lebensweg hat ihn von Württemberg ins Baltikum, nach Russland und als Bischof nach Georgien geführt, zugleich immer in Rückbindung mit der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Wir freuen uns, dass Markus Schoch diese vielfältigen und reichen Erfahrungen gerade in diesen besonderen Zeiten als Prälat in unserer Landeskirche einbringen kann. Dazu wünsche ich Gottes Geleit und Segen.“

Kirche mit all ihren Ämtern und Strukturen, auch das Amt eines Prälaten, hat nur dann eine Daseinsberechtigung und hat nur dann eine Zukunft, wenn sie diesen Auftrag erfüllt: ‚Weide meine Schafe‘

Prälat Markus Schoch

In seiner Predigt über Joh. 21, 15 – 19 sagte Markus Schoch, der Auftrag Jesu an die Kirche sei es „Verantwortung dafür zu übernehmen, dass Menschen begleitet und ermutigt werden, dass sie mit dem versorgt werden, was für Leib und Seele notwendig ist.“ Dieser Auftrag sei „an uns alle gerichtet“. Kirche sei „nicht um ihrer selbst willen da“, betonte Schoch und sagte weiter: „Kirche mit all ihren Ämtern und Strukturen, auch das Amt eines Prälaten, hat nur dann eine Daseinsberechtigung und hat nur dann eine Zukunft, wenn sie diesen Auftrag erfüllt: ‚Weide meine Schafe‘: sei bei den Menschen, sorge für sie, dass sie an Leib und Seele gestärkt werden.“

Prälat Marlkus Schoch.Bild: Jürgen Meyer

Kirche bringt Einsichten und Werte ein

Schoch beschrieb weitere Aspekte dieses Auftrags: „Kirche ist mit dabei, wo Menschen miteinander ringen, was denn der rechte Weg sei, der uns und unsere Erde in eine gute und lebenswerte Zukunft führt. Kirche hat da etwas zu sagen, bringt Einsichten und Werte ein, die sich aus der biblischen Sicht auf Gott und die Welt spei­sen.“ Kirche wisse „um die Ambivalenz vieler Entscheidungen, bei denen es oft nicht einfach nur ein schwarz oder weiß, ein richtig oder falsch gibt. Gerade weil Kirche um die letzten Dinge weiß, kann sie andere ermutigen, sich in Verantwortung vor Gott und den Menschen um die vorletzten Dinge zu kümmern.“

Der neue Prälat sparte in seiner Predigt auch schwierige Themen nicht aus: „Wir müssen uns der schmerzlichen Wahr­heit stellen, dass im Raum der Kirche furchtbares Unrecht geschehen ist, wo Menschen ihre Macht missbraucht und anderen an Leib und Seele Gewalt angetan haben. Wir müssen erkennen, dass die Kirche für viele Menschen in diesem Land an Bedeutung verliert. Dass sie die Antworten auf die Fragen des Lebens nicht mehr zuallererst bei uns als Kirche suchen.“ Das sei bitter, aber es schmälere nicht den Auftrag, den die Kirche habe, nahe bei den Menschen zu sein. Dabei wisse Kirche sich von Jesus Christus selbst getragen: „Ich kann in meinem Amt nur das in Wort und Tat bezeugen, was ein anderer für mich und für uns alle schon längst getan hat. Ich kann diesen Dienst heute nur annehmen, weil ich weiß, dass es Gottes Güte ist, die diese Welt und die mich trägt und erhält.“

Internationale Erfahrung

Markus Schoch, Jahrgang 1966, leitete seit 2017 als Bischof die Evangelisch-Lutherische Kirche in Georgien und dem südlichen Kaukasus mit Gemeinden in Georgien, Aserbaidschan und Armenien. Von 2000 bis 2004 arbeitete er als Pfarrer im russischen Samara und als Propst für den Bereich Mittlere Wolga, sowie von 2012 bis 2017 in Riga als Pfarrer der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Lettland.

Schoch studierte Theologie in Tübingen, Leipzig und Jerusalem und arbeitete nach seinem Ausbildungsvikariat in Kleingartach beim Dekan in Heidenheim sowie als Gemeindepfarrer an der Martinskirche in Sindelfingen.

Als Mitglied im Schwäbischen Albverein ist er in seiner Freizeit beim Wandern in der Natur unterwegs und lernt auf Reisen gerne andere Länder und Kulturen kennen.

Die Prälatur Reutlingen erstreckt sich von Freudenstadt bis auf die Schwäbische Alb und von Tuttlingen bis Leonberg. Sie besteht aus zwölf Kirchenbezirken mit rund 598.000 Christinnen und Christen in 392 Kirchengemeinden. Auf dem Gebiet der Reutlinger Prälatur liegen unter anderem Einrichtungen wie die Mariaberger Heime, die BruderhausDiakonie, ein Campus der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg/Reutlingen, die theologische Fakultät in Tübingen, das Stift Urach, die Liebenzeller Mission und das Deutsche Institut für Ärztliche Mission (Difäm).

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