#VerständigungsOrte - Initiative fördert Dialog, Begegnung und Gemeinschaft in der Gesellschaft

Kirche und Diakonie setzen sich angesichts von Krisen, Polarisierung und Populismus für mehr Verständigung ein. Die Initiative #VerständigungsOrte – Wir. Reden. Hier. ermutigt alle Gemeinden und Einrichtungen von Kirche und Diakonie dazu, Räume für Gespräche zu öffnen und Menschen mit unterschiedlichen Ansichten zum Austausch einzuladen. Hier finden Sie Informationen zur Kampagne und #VerständigungsOrte in der württembergischen Landeskirche.

„Was ist Aufgabe und Ort von Kirche in unserer Gesellschaft? Für mich ist eine Antwort, Raum zu geben für die großen Fragen, für den Dissens und sich dabei gegenseitig nicht aus den Augen zu verlieren.“ Das berichtet einer der Veranstalter eines #VerständigungsOrtes in einer württembergischen Kirchengemeinde. Die gleichlautende Initiative #VerständigungsOrte hatte ihn zu dieser Frage und zur Veranstaltungsreihe animiert. Und genau das ist das Ziel der Kampagne der EKD, der Diakonie Deutschland sowie der Evangelischen Arbeitsstelle für missionarische Kirchenentwicklung und diakonische Profilbildung (midi), sie ermutigt dazu und unterstützt bei der Umsetzung mit Handreichungen, Seminaren, Praxisbeispielen und Materialien. Auch bereits vorhandene Formate werden durch die Initiative #VerständigungsOrte sichtbar gemacht. 

#VerständigungsOrt: "Plattform lebenswert" in Reutlingen

Mit der Plattform "lebenswert" gibt es in Reutlingen einen Ort zum Reden und Zuhören. Im Interview erzählt die Koordinatorin Mimi Böckmann, auf welche Weise die Menschen im Quartier soziales Engagement vor Ort erfahren und bei welcher Gelegenheit sie sich auch mit politischen Themen kontrovers auseinandersetzen können.

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#VerständigungsOrte: Das Gesprächsformat "Sprechen und Zuhören" in Reutlingen

Mit dem Gesprächsformat „Sprechen und Zuhören“ gibt es in Reutlingen einen Ort zum Reden und Zuhören. Im Interview erzählt der Geschäftsführer des Diakonieverbands Reutlingen, Pfarrer Dr. Joachim Rückle, wie dabei Themen wie Nächsten- bzw. Fremdenliebe diskutiert werden.

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#VerständigungsOrte: „Hoffnungshäuser der Hoffnungsträger Stiftung Leonberg"

Mit den Hoffnungshäusern gibt es an zehn Standorten in Baden-Württemberg Orte zum Reden und Zuhören. Im Interview erzählt Agnes Hoffmeister, wie unterschiedlich die Menschen sind, die in dem integrativen Wohnkonzept miteinander leben, wie konkret Zusammenhalt und Vertrauen vor Ort gestärkt werden und welche Rolle die Nächstenliebe spielt.

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#VerständigungsOrt: „Begegnungstreff Blaubeuren"

Mit dem Begegnungstreff gibt es im Diakonieladen in Blaubeuren einen Ort zum Reden und Zuhören. Im Interview erzählt Christine Klass davon, wie vielfältig das Veranstaltungsangebot dort ist, welche Personengruppen sich engagieren und wie wichtig Wertschätzung für Verständigung ist.

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Wie kann es gelingen, angesichts vieler Krisen, Polarisierung und Populismus für mehr Verständigung einzutreten? Unsere Grundlage dafür ist klar: Wir glauben, dass jeder Mensch Gottes Geschöpf und Ebenbild ist. Deshalb sind unsere Räume offen für alle Menschen, die den anderen mit Respekt und Empathie begegnen. Kirche und Diakonie sind daher in besonderer Weise geeignet, um Räume für Gespräche zu öffnen und Menschen mit unterschiedlichen Ansichten zum Austausch einzuladen – und in diesen Räumen und in dieser Gemeinschaft Gegensätze auszuhalten. 

In der württembergischen Landeskirche gab und gibt es mehrere Angebote von #VerständigungsOrten: 

  • In der Friedenskirche Ludwigsburg mit einem Gesprächsformat und beispielsweise der provokanten Frage „Ist das Boot voll? Ludwigsburg und seine Flüchtlinge“ mit 200 Teilnehmenden.
  • In Tübingen in der Eberhardsgemeinde in Kooperation mit dem Landestheater mit der Gesprächsreihe „Wie heute streiten?“
  • In Rottweil mit der „Lebendigen Bibliothek“, bei der sich Menschen mit anderen kulturellen Hintergründen für 20 Minuten für ein persönliches Gespräch zur Verfügung stellen, also „ausleihen“ lassen, um etwas über ihre Geschichte und ihr Leben weiterzugeben, um Vorurteile abzubauen und neue Horizonte zu eröffnen. Eine Kooperation der Evangelischen Erwachsenenbildung im Kirchenbezirk Tuttlingen der Stadtbücherei Rottweil und der Katholischen Erwachsenenbildung Rottweil.
  • In der Kirchengemeinde Esslingen-Hohenkreuz mit einem Talkformat, das vom dortigen Pfarrer und einem Team aus engagierten Ehrenamtlichen schon seit 9 Jahren durchgeführt wird.
  • Beim Evangelischen Bildungswerk nördlicher Schwarzwald in Calw mit dem Format „Standpunkte im Gespräch“, bei dem ebenfalls zu kontroversen gesellschaftlichen Themen, ethischen Fragen oder aktuellen politischen Entwicklungen nicht nur gesprochen, sondern auch zugehört wird.
  • Die Veranstaltungsreihe “Metamorphosen - zwei verknüpfende Wochen”, die im November 2025 in der Stadtkirche Bad Cannstatt stattfand. Durch Kunstinstallationen, Gottesdienste, Gesprächsformate und Impulse entstand ein Ort, an dem Menschen erlebten: Veränderung ist nichts Außergewöhnliches. Veränderung ist möglich, wenn wir uns aufeinander einlassen.
  • Die Hoffnungshäuser der Leonberger Hoffnungsträger Stiftung: An zehn Standorten in Baden-Württemberg leben Menschen mit und ohne Fluchthintergrund gemeinsam unter einem Dach: Familien, Paare, Alleinstehende – in vorwiegend geförderten Mietwohnungen und einer aktiven Hausgemeinschaft, die nach innen und außen wirkt. Hier findet Verständigung im wahrsten Sinne des Wortes an sieben Tagen die Woche statt. Das Motto dabei lautet: Glauben leben – Leben teilen.
  • In Blaubeuren mit Vorträgen, einem Gesprächscafé, Veranstaltungen zur politischen Bildung und Workshops im Begegnungstreff im örtlichen Diakonieladen.
  • In Reutlingen ermöglicht das vom Verein Mehr Demokratie entwickelte Format „Sprechen und Zuhören“ Teilnehmenden in gut gemischten Vierergruppen, sich zu unterschiedlichen Themen auszutauschen, sich intensiv gegenseitig zu verstehen und dabei auch die eigene Reflexion zu fördern.
  • Und die Akademie Bad Boll, die mit ihren Veranstaltungen Menschen zu Themen aus Kultur, Wirtschaft, Politik und Kirche vernetzt und inspiriert.

Die Veranstalter berichten, dass sich bei den Gesprächsangeboten die Verständigung nicht auf den klanghaften Namen der Initiative beschränkt – sondern gelebt wird: „Ja, klar, es ist zu Kontroversen gekommen, die auch am Ende geblieben sind – und das finde ich auch gut“, sagt ein #VerständigungsOrt-Veranstalter. Es wird nicht nur geredet, sondern zugehört, ertragen, ausgehalten, vorsichtig tastend ausgetauscht. Nicht mit dem Ziel zu sagen: Wir einigen uns. Zuhören und Nachfragen heißt nicht, sofort dem Anderen zuzustimmen. Sondern eine Basis zu schaffen, dass es zu einem echten Diskurs und nicht nur zur Bestätigung der eigenen Meinung kommt. 

#VerständigungsOrt darf nicht heißen, zum Schluss kommen wir alle zur gleichen Ansicht. Sondern Verständigung heißt: Hinhören und mit dem Gehörten so umgehen, dass man dem anderen in eigener Weise einen Schritt entgegenkommt. Den anderen mit dessen Meinung bewusst stehenzulassen, den Dissens zu spüren und trotzdem wertschätzend, respektvoll und offen zu bleiben. Dazu braucht es eine „offene Willkommenheit“, die christliche Botschaft als Maßstab für Themen und Gespräche, den Respekt gegenüber dem anderen, das Zuhören und Nachfragen – und dann auch das Eingeständnis, dass es unterschiedliche Meinungen geben darf und soll. „Ich glaube, diese Initiative ist auch eine Chance, sich als Kirche nochmals anders in den gesellschaftlichen Diskurs einzubringen, nicht zuerst mit einer Meinung, sondern mit einem Ort und einer Haltung“, so eine Erfahrung aus den #VerständigungsOrten. 

Was diejenigen, die bereits #VerständigungsOrte angeboten haben, empfehlen, wenn man sich der Initiative anschließen möchte: Einfach machen. Es riskieren. Und ja, eventuell auch bereit sein, „ordentlich Prügel“. einzustecken. Aber dennoch: Es ausprobieren – und Kooperationspartner suchen. Denn eine Erkenntnis der #VerständigungsOrte ist: „Bei den Fragen nach gesellschaftlichem Zusammenhalt und den großen Sinnfragen sind wir nicht allein, sondern können von- und miteinander lernen – gerade auch von denen, die anders ticken als wir.“

 

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