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Landesjugendpfarrer Bernd Wildermuth verabschiedet

Ruhestand nach 13 Jahren im Amt

Landesjugendpfarrer Bernd Wildermuth (65) ist zum 28. Februar in den Ruhestand verabschiedet worden. Er war seit November 2008 als Fachreferent für Jugendarbeit im evangelischen Oberkirchenrat in Stuttgart und zugleich als Landesjugendpfarrer und Bindeglied zum Evangelischen Jugendwerk in Württemberg (ejw) tätig.

Nach 13 Jahren im Amt wurde Landesjugendpfarrer Bernd Wildermuth nun in den Ruhestand verabschiedet.Privat

Oberkirchenrätin Carmen Rivuzumwami würdigt Wildermuths Arbeit: „Bernd Wildermuth hat mit leidenschaftlichem Engagement, viel Herzblut und immer wieder viel Humor die Arbeit mit und für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen vertreten und gefördert. Dabei hat er sein Ohr immer bei den Jugendlichen, nimmt wahr, welche Themen sie beschäftigen. Er hat maßgeblich an der Entwicklung von zeitgemäßen Strukturen, Angeboten und Projekten für Jugendliche aus unterschiedlichen sozialen Schichten und Frömmigkeitsprofilen mitgewirkt, sie als großartiger Netzwerker vorangetrieben und somit so machen Paradigmenwechsel, etwa in der Konfirmandenarbeit, mit eingeleitet. Als langjähriger erster Vorsitzender der aej e.V. (Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Jugendarbeit) hat er das Gemeinsame Sozialwort der Jugend (2016) gemeinsam mit dem BDKJ auf den Weg gebracht, das angesichts der Lage in Europa hochaktuell ist: Es braucht Ideen und Perspektiven der Jugend, ‚damit die Welt zusammenhält!‘“

Nach Studium, Vikariat und mehreren Gemeindepfarrstellen hatte Bernd Wildermuth sich seit 2001 auch mit der Neuordnung der Konfirmandenarbeit befasst, wechselte dann 2005 auf die Stelle als Landesschülerpfarrer und übernahm schließlich 2008 die Aufgabe als Landesjugendpfarrer.

Bernd Wildermuths Nachfolge tritt der 46-jährige Stuttgarter Matthias Rumm an.

Vor seiner Verabschiedung hat Eberhard Fuhr, Pressesprecher des ejw, Bernd Wildermuth einige Fragen gestellt:

Seit 2008 bist Du Landesjugendpfarrer, zuvor warst Du drei Jahre lang als Landesschülerpfarrer tätig. Welche deutlichen Veränderungen hast Du in den vergangenen 14 Jahren in der Evangelischen Jugendarbeit wahrgenommen?

Bernd Wildermuth: Als Landesschülerpfarrer und in den Anfangsjahren als Landesjugendpfarrer waren Jugendkirchen und Jugendgemeinden der Hoffnungsträger der Jugendarbeit schlechthin. „Hast Du eine Jugendgemeinde oder Jugendkirche, dann klappt‘s auch mit der Jugendarbeit“, war allenthalben das Credo. Es gab damals einen regelrechten Boom. Aber es zeigte sich mit der Zeit, dass auch Jugendkirchen und Jugendgemeinden den „Grundgesetzen der Jugendarbeit“ unterliegen: Jugendarbeit ist Beziehungsarbeit und eine Jugendarbeitsgeneration dauert etwa drei Jahre. Deshalb gibt es viele Jugendgemeinden und Jugendkirchen so nicht mehr. Ihr wichtiger Impuls in Kirche und Gesellschaft hinein war aber: Jugendliche brauchen eigene von ihnen geprägte geistliche und kulturelle Orte. Die zweite große Veränderung ist der demografische Wandel. Es gibt wesentlich weniger Kinder und Jugendliche als vor 17 Jahren. Die Zahl der Konfis, mal als Indikator genommen, hat sich in dieser Zeit mehr als halbiert. Das heißt evangelische Jugendarbeit braucht in manchen Regionen schon fast eine 100-prozentige Reichweite, um überhaupt so etwas wie eine Gruppe zusammenzubekommen.

Als gebürtiger Westfale und ehemaliger Vorsitzender der aej – Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend – hast Du einen bundesweiten Blick. Welche besonderen Erfahrungen hast Du in der württembergischen Jugendarbeit gemacht?

Bernd Wildermuth: Die Jugendarbeit ist in der württembergischen Landeskirche noch in vielen Gemeinden vor Ort präsent, gerade im Feld der Arbeit mit Kindern. Das ist in vielen anderen Landeskirchen nicht der Fall. So etwas wie Waldheimarbeit gibt es in anderen Landeskirchen gar nicht. Das Evangelische Waldheim „Gaffenberg“ bei Heilbronn mit bis zu 2.000 Kindern und Jugendlichen ist beispielsweise die größte Einzelveranstaltung mit Kindern und Jugendlichen in der EKD. Im Blick auf meine Herkunft: Was die Jugendarbeit in meiner ostwestfälischen Heimat und hier in Württemberg verbindet, ist ihre missionarisch-pietistische Prägung. „Evangelisch sein“ ist das Markenzeichen unserer Jugendarbeit, so wie der Schutz der Natur und ein dementsprechender Lebensstil das Markenzeichen der BUND-Jugend ist. Unsere Frage als evangelische Jugendarbeit in allen Lebenssituationen und politischen Fragestellungen ist die alte Frage von Martin Niemöller: Was würde Jesus dazu sagen? Oder: Was heißt Nachfolge heute?

Welche großen Herausforderungen siehst Du für die christliche Jugendarbeit im gesellschaftlichen Diskurs?

Bernd Wildermuth: Zum einen sehe ich die Demografie, die vor Ort dazu zwingt, nach neuen Formen der Jugendarbeit zu suchen, zum andern die Schule, die einen immer größeren Raum im Leben von Kindern und Jugendlichen einnimmt, sowie die Säkularisierung. Früher mussten Menschen begründen, warum sie aus der Kirche ausgetreten sind, heute ist die Mitgliedschaft begründungsbedürftig. Deshalb braucht die evangelische Jugendarbeit immer neue Modelle und unterschiedliche Lebensformen, die aufzeigen: So sieht christliches Leben, so sieht Nachfolge aus! Wäre das etwas für Dich? Vor allem aber braucht es – wie zu allen Zeiten – ehren- und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bereit sind, einen Teil ihres Lebens mit Kindern und Jugendlichen zu teilen und „lebendige Briefe Christi“ für Kinder und Jugendliche sind.

Die Fragen stellte Eberhard Fuhr (EJW)

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