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Begegnung und Austausch in Ghana

Oberkirchenrat Ulrich Heckel besucht kirchliche Einrichtungen

Dr. Bernhard Dinkelaker, Marget Dinkelaker, Dr. Ulrich Heckel und Moderator Prof. Dr. J. O. Y. Mante bei ihrem Treffen in Tema.Bild: privat

Bis 2028 möchte die Presbyterianische Kirche von Ghana (PCG) ihre Mitgliederzahl von einer Million auf 1,5 Millionen steigern – und setzt damit einen Gegentrend zur Entwicklung in Europa. Oberkirchenrat Dr. Ulrich Heckel hat kürzlich einige kirchliche Einrichtungen in Ghana besucht und berichtet von beeindruckenden Begegnungen. Heckel wurde begleitet von Pfarrer i. R. Dr. Bernhard Dinkelaker, einem langjährigen Kenner Ghanas, und dessen Frau Marget.

Die Presbyterianische Kirche von Ghana ist eine der großen Kirchen im christlich geprägten Ghana. Sie hat ihre Wurzeln in der Basler Mission, die 1828 die ersten Missionare an die damalige Goldküste entsandte. Als Mitgliedskirche der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS), durch Generationen von Missionarsfamilien, Direktpartnerschaften, ökumenische Mitarbeitende und Freiwillige hat sie enge Verbindungen nach Württemberg.

Das „1-1-1“-Konzept

Ein Schlüssel für das Kirchenwachstum sei seit einigen Jahren das Konzept „1-1-1“ – jedes Mitglied der Kirche solle jedes Jahr eine Person einladen und für die Mitarbeit in der Kirche gewinnen, berichtet Heckel. Die hohe persönliche Beteiligung der Mitglieder in der Kinder-, Jugend-, Frauen- und Männerarbeit, in den Chören und Musikgruppen, in den Bibel- und Gebetsgruppen und im persönlichen Zeugnis in Familie und Nachbarschaft sei das Geheimnis dafür, dass das gesteckte Ziel realistisch sei. Doch es gehe nicht einfach um zahlenmäßiges Wachstum, sagt Heckel und zitiert Prof. Dr. J. K. Asamoah-Gyadu, Präsident der theologischen Hochschule, die von Presbyterianern, Methodisten und Anglikanern gemeinsam getragen wird, und an der auch viele Pentekostale studieren: „Wir sind reformatorisch und pentekostal, weil dies unserer afrikanischen Lebenserfahrung entspricht.“

„Theologie in unseren Kulturen verankern“

Nach einem Vortrag von Ulrich Heckel zum Thema Taufe am Akrofi-Christaller Institute in Akropong unterstrich Prof. Dr. Philip Laryea laut Heckel: „Wir müssen Theologie in unseren Muttersprachen und in unseren Kulturen verankern, damit sie für die Menschen relevant ist.“ und Prof. Dr. John Azumah, Direktor des Sanneh Instituts der Universität von Ghana und selbst aus einer muslimischen Familie stammend, habe die guten christlich-muslimischen Beziehungen in weiten Teilen Westafrikas geschildert und kritisch angemerkt: „Leider haben sich westliche Islamwissenschaftler fast nur für die dschihadistischen Strömungen interessiert und nicht für den vielfach vorherrschenden mystisch-orientierten, toleranten Islam mit einer Jahrtausende alten Gelehrtentradition.“ 

Ein Ort wie Blumhardts Bad Boll

Im Seelsorgebereich erlebte Heckel eine eindrückliche Begegnung im „Grace Prayer and Healing Centre“ in Akropong. Dies sei ein Zufluchtsort für zahllose Menschen mit unterschiedlichsten Leiden, die spirituelle Heilung suchen, wo medizinische Hilfe an ihre Grenzen stoße – ein Ort, der Heckel an das Bad Boll der Blumhardts erinnert habe.

Im praktischen, gesellschaftlichen Zeugnis habe die Kirche in Ghana eine breite „Green and Clean“-Kampagne zur ökologischen Bewusstseinsbildung gestartet und arbeite dabei eng mit der Initiative „PlasticPunch“ zusammen. Deren Direktor, Dr. Richmond Kennedy Quartey, schilderte die Ziele laut Heckel so: „Wir streben ein Plastikverbot wie in Ruanda an, aber gegenwärtig geht es noch vor allem um Plastikreduzierung und -recycling.“

„Toast auf Jesus“

Angesichts einer hohen Jugendarbeitslosigkeit habe laut Heckel die berufliche Bildung in Ghana eine große Bedeutung. Die kirchlich getragene Berufsschule in Tema, vor 40 Jahren gegründet, gelte heute in den Augen der Regierung als Modellprojekt: Die Auszubildenden würden nicht nur in traditionellen Berufen wie Schneidern, Schreinern und Bauhandwerk ausgebildet, sondern auch im Catering, in der Elektrotechnik, im IT-Bereich, ebenso in Buchhaltung. In einem intensiven Gespräch habe der Moderator der Kirche, Prof. Dr. J. O. Y. Mante, seine Sorge um die Zukunft der Kirche in Deutschland geäußert. Er habe sich aber sehr interessiert an innovativen Ansätzen in Europa gezeigt, an der spirituellen Suche vieler Menschen in und außerhalb der Kirchen, am Austausch mit internationalen Gemeinden, am seelsorgerlichen und ökologischen Zeugnis, und ganz aktuell am Gebet für den Frieden in der Ukraine. Am Ende eines mehrstündigen Austausches habe der Moderator einen „Toast auf Jesus“ für die Hoffnungszeichen der Kirche in Deutschland ausgebracht. 


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