| Geistliches

Jesus auf dem Esel – ein starkes Zeichen

Ein geistlicher Impuls zum Palmsonntag

Wer Macht und Ausstrahlung hat, setzt mit seinem Bild in der Öffentlichkeit Zeichen. Das wusste Jesus genau, wie die Geschichte seines Einzugs in Jerusalem zeigt. Mit seinem Ritt auf dem Esel hat er ein starkes Zeichen gesetzt, meint Pfarrer Malte Jericke in seinem geistlichen Impuls zu Palmsonntag.

Palmsonntag erinnert an den Einzug Jesu in Jerusalem, bei dem die Menschen Palmzweige von den Bäumen rissen und sie auf seinem Weg ausbreiteten. Pixabay / ulleo

An Palmsonntag geht es um Jesus und den Esel. Oder besser gesagt: Jesus auf dem Esel. Esel gelten und galten als störrische und eher primitive Last- und Arbeitstiere. „Du Esel“ als Gesprächsausruf zwischen Menschen ist nicht gerade ein Kompliment. In biblischer Zeit wurde der Esel als Arbeitstier wohl durchaus geschätzt. Nicht aber als Reittier. Das Pferd war das Reittier der Krieger und Herrscher, der Vornehmen und Könige. Aber ausgerechnet der „König, der Könige, der „Herr der Heerscharen“, reitet auf einem Esel nach Jerusalem. Und auch wenn der Esel schon damals einen besseren Ruf hatte als viele denken – Es ist eine Demutsgeste. Jesus präsentiert sich nahbar, nicht abgehoben.

In dem Ritt auf dem Esel kommt eine innere Haltung Jesu zum Ausdruck. Sie sagt: Ich bin dir nicht überlegen. Ich habe keine herausgehobene soziale Stellung. Auch wenn ich mir meiner Macht bewusst bin, bin ich doch nichts Besseres. Das heißt nicht, dass Jesus sich klein macht. Er war ja ein durchaus selbstbewusster Mensch. Er war überzeugt von dem, was er tat und sagte; er ist vor Anschuldigen und Anfeindungen nicht zurückgewichen. Aber bei alledem bleibt er in seinem Habitus bescheiden; selbstbewusst und demütig zugleich.      

Der Esel von Papst Franziskus ist ein gebrauchter Ford Focus. 2013, kurz nach seiner Wahl, war die Aufregung groß, als sich der frisch gewählte Papst im Gebrauchtwagen durch den Vatikan fahren ließ. In der Zwischenzeit saß Franziskus natürlich auch schon in anderen Automodellen – teure, auffällige Wagen versucht er dabei zu vermeiden. Der Papst wollte und will ein Zeichen setzen. Ein Zeichen, dass die Kirche vor allem eine Kirche für die Armen und Benachteiligten sein sollte und es da einfach nicht passend ist, selbst teure Autos zu fahren und Reichtum zur Schau zu stellen. Man kann das abtun als Symbolpolitik. Und klar: Es ist erst mal nur ein Symbol. Aber was heißt nur

In unserer Gesellschaft verständigen wir uns über Zeichen und Symbole. Bilder spielen eine herausragende Rolle. Die Resonanz auf das Automodell des Papstes ist ein guter Beweis dafür. Deshalb müssen sich öffentliche Personen, Menschen in hervorgehobenen Positionen, die Macht haben, andere zu beeinflussen, auch Gedanke über die Bilder machen, die sie produzieren. Wie wirke ich auf andere? Wie inszeniere ich mich? Das Wort Inszenierung hat ja oft einen faden Beigeschmack. Aber der Einzug Jesu in Jerusalem ist auch eine Inszenierung. Jesus reitet nicht schon die ganze Zeit auf dem Esel. Er lässt ihn sich extra für den Einzug holen. Er will dieses Bild produzieren. Ich finde, das ist eine gelungene Inszenierung. Weil Jesus als Herrscher und König auftritt und zugleich das pompöse Gebaren und Verhalten anderer Herrscher karikiert. Aber vor allem, weil sein Auftritt dem entspricht, was er sagt und wie er handelt. Wichtig ist: Form und Inhalt müssen zusammenpassen.

Die Menschen am Straßenrand feiern Jesus dafür: Gelobt sei, der da kommt der König, in dem Namen des Herrn. (Lk 19,38) Sie empfangen Jesus als König. Aber nicht wegen eines pompösen Auftritts sind sie beeindruckt, sondern weil er sie schon vorher mit Worten und Handlungen überzeugt hat.

Das ist natürlich ein Idealbild: Der bescheidene und demütige Herrscher, dem die Menschen zujubeln, weil er ihnen so viel Gutes bringt. Es ist eine ideale Inszenierung. Aber wenn ich mir die schwarzen Limousinen der Regierenden, die Privat-Jets der Wirtschaftsbosse oder die makellosen Körper an Traumstränden Dubais auf Instagram anschauen, dann wünsche ich mir mehr von diesem jesuanischen Idealbild in unsere Gesellschaft. Mehr Demut, mehr Bescheidenheit, auch in der Inszenierung. Denn wer im Privat-Jet kommt, aber über Bescheidenheit spricht, dem kann ich schwer glauben. Auch durch meinen Auftritt, das Bild das ich abgebe, entfalte ich eine Wirkung. Natürlich muss man auch immer „hinter“ den Auftritt zu schauen. Hat das wirklich Substanz? Ist das glaubwürdig? Wäre Jesus ein Turbokapitalist mit einigen Luxusressorts am See Genezareth – man könnte ihm Scheinheiligkeit vorwerfen. Ist und hat er aber nicht! Vielmehr unterstreicht er mit seinem Auftritt, was er sagt, wovon er überzeugt ist, was er durch vorheriges Handeln schon bewiesen hat. Jesus ist sich der Macht der Bilder bewusst. Ich finde, nicht nur Amts- und Mandatsträger könnte sich da heute durchaus was abschauen. Was wir sagen und tun ist wichtig, welches Bild wir abgeben aber auch. Jesus auf seinem Esel hat das verstanden.

Pfarrer Malte Jericke


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