|

„Kirche war und ist nie gleich“

Oberkirchenrat Christian Schuler über Veränderungen kirchlicher Strukturen

Was macht gute kirchliche Strukturen aus? Wie wandeln sie sich? Und wo liegen derzeit die Herausforderungen? Das erklärt im Interview Oberkirchenrat Christian Schuler, der am 28. September feierlich in sein Amt als Dezernent für Strukturangelegenheiten der Landeskirche eingeführt worden ist.

Kirche ist ein „lebendiger Organismus“, sagt der Oberkirchenrat für Strukturangelegenheiten, Christian Schuler.Stoppel/elk-wue.de

Sie leiten das vor eineinhalb Jahren neu geschaffene Dezernat 8a, Gemeindliches, Organisations-, Aufsichts- und Strukturangelegenheiten im Oberkirchenrat. In diesem Dezernat wurden bestehende Strukturfragen gebündelt. Lässt sich daraus schließen, dass Strukturfragen für die Landeskirche immer wichtiger werden?

Christian Schuler: Die Struktur war immer wichtig, damit Kirche funktioniert. Und Veränderungen der Strukturen gab es auch schon immer, denn Kirche war und ist nie gleich. Sie ist ein lebender Organismus. Und letztendlich müssen sich die kirchlichen Strukturen immer dem anpassen, was gerade notwendig ist. In unserer schon 500 Jahre bestehenden Kirche haben wir eine gewachsene Verwaltungsstruktur. Wir haben schon seit Langem die Kirchenpflegen als die Verwaltungen vor Ort. In den 1950er Jahren kamen dann die Kirchlichen Verwaltungsstellen als Unterstützung dazu. Und der Umbau der Verwaltung läuft im Prinzip kontinuierlich weiter: weniger auf der lokalen, mehr auf der regionalen Ebene. Die 15. Landessynode hat für eine Verwaltungsreform das sogenannte „Zielbild 2030“ beschlossen.

Haben Sie ein Idealbild im Kopf, wie eine sehr gute kirchliche Struktur aussieht?

Schuler: Ein Idealbild gibt es meines Erachtens nicht. Es gibt auch keine Einheitsstruktur. In einigen Gemeinden oder Dekanaten gibt es zum Beispiel viele Kindergärten, anderswo große Diakoniestationen, in Ulm gibt es das Münster. Das sind alles individuelle Situationen. Die perfekte Struktur ist für mich die, die es Pfarrerinnen und Pfarrern, aber auch den Ehrenamtlichen ermöglicht, Menschen zu erreichen und Kirche zu bauen. Dazu gehört für mich, dass sie sich nicht zu viel um Datenschutz, Buchführung oder die Arbeitssicherheit kümmern müssen.

Die perfekte Struktur ist für mich die, die es Pfarrerinnen und Pfarrern, aber auch den Ehrenamtlichen ermöglicht, Menschen zu erreichen und Kirche zu bauen.

Christian Schuler, Oberkirchenrat

Wie sieht die kirchliche Struktur in 20 Jahren aus?

Schuler: Viel weniger anders, als man es sich heute vielleicht vorstellt – vielleicht digitaler. Hoffentlich bekommen wir die Kurve, was die Gemeindegliederzahlen anbelangt. Ich glaube, das ist die echte Herausforderung, vor der wir stehen. Die Struktur muss dem folgen. Also wenn wir ein Erfolgsrezept finden, mit dem wir Menschen mehr bewegen, dabei zu sein, sich in ihrer Kirche zu engagieren, und wir dafür eine bestimmte Art der Verwaltung brauchen – dann machen wir die. Verwaltung hat für mich einen dienenden Charakter. Sie muss aber natürlich vernünftig und bezahlbar sein und mit den rechtlichen Vorgaben übereinstimmen.

Wie sind Sie zum Oberkirchenrat gekommen?

Schuler: Ich habe einen familiären Bezug zur Kirche. Ich bin Kind eines Pfarrers und Enkel eines Pfarrers und Missionars. Nach meinem Studium war ich zuerst Anwalt in der freien Wirtschaft. Irgendwann habe ich mich dann auf eine Stelle beim Oberkirchenrat beworben. Das war für mich einfach eine gute Situation. Wenn Sie die kirchliche Struktur kennen, wissen, was ein Kirchengemeinderat ist oder was eine Dekanin macht, dann sind Sie hier am Anfang einfach im Vorteil gegenüber jemandem, der sich das alles erarbeiten muss. Und ich kann sagen, die Arbeit macht mir bis heute Spaß. Ich halte sie für sinnvoll und sie erfüllt mich auch inhaltlich. Ich kann abends heimgehen und habe das Gefühl, ich habe was Gutes gemacht.  

Wenn Sie selbst eine Woche lang Pfarrer sein könnten – was würden Sie tun?

Schuler: Ich wäre ein guter Verwalter (lacht). Aber ich würde gerne auch zu den Menschen gehen und versuchen, bei verschiedenen Milieus anzudocken: im Fitnessstudio, auf der Baustelle, in der Fabrikhalle. Das fände ich spannend zu sehen, wie man da einem Pfarrer begegnet. Und ich würde gerne auch mal eine Predigt schreiben und halten – und das dann auch können. Ich überlegen immer wieder einmal, ob ich noch eine Prädikantenausbildung mache, weil ich Kolleginnen und Kollegen bewundere, die gut frei sprechen können und ein vertiefteres Bibelverständnis haben.

(Die Fragen stellte Malte Jericke)



Schon gewusst?

Grafik: elk-wue.de

Mehr News

  • Datum: 24.06.2022

    Service fürs digitale Gemeindeleben

    Social Media, Livestreams, Büro-Orga, KGR-Arbeit, Konfi-Apps und vieles mehr – die Digitalisierung bietet Gemeinden viel Potenzial. Aber wie geht man das konkret an? Hier finden Sie eine Zusammenstellung der wichtigsten Beratungs- und Unterstützungsangebote.

    Mehr erfahren
  • Datum: 23.06.2022

    GAW-Fest im Dekanat Besigheim

    „Brücken in die Welt“ - unter diesem Motto laden das Gustav-Adolf-Werk und der Kirchenbezirk Besigheim am 23. und 24. Juli zum GAW-Fest ein. Auf dem Programm stehen Veranstaltungen, Workshops und Gottesdienste. Zahlreiche Gäste aus Partnerkirchen besuchen Württemberg.

    Mehr erfahren
  • Datum: 22.06.2022

    „Empowerment ist wichtig“

    Anja Lobmüller ist Asylreferentin beim Evangelischen Asylbüro in Stuttgart. Wie setzt sich das Büro für Geflüchtete ein? Was brauchen die Ukrainerinnen und Ukrainer, die in Deutschland Schutz suchen? Was ist gute Integration? Darüber spricht Anja Lobmüller im Interview.

    Mehr erfahren
  • Datum: 20.06.2022

    Exklusive Einblicke in Schloss Beilstein

    Schlossführung, Vortrag und gute Verpflegung: Die Landeskirchenstiftung lädt am 2. Juli zu einem ganz besonderen Nachmittag auf Schloss Beilstein ein. Der Benefizerlös geht an die Stiftung und an die „Kirche mit Kindern“. Die Zahl der Plätze ist begrenzt.

    Mehr erfahren
  • Datum: 20.06.2022

    Über Migration und Klimawandel

    Am Welttag des Flüchtlings (20. Juni) haben die vier großen Kirchen in Baden-Württemberg gemeinsam in Freiburg eine Ausstellung unter dem Titel „Anpassen, fliehen, festsitzen“ eröffnet, die auf den Zusammenhang von Klimawandel und Migration aufmerksam machen soll.

    Mehr erfahren
  • Datum: 18.06.2022

    Prälat i.R. Claus Maier wird 80

    18 Jahre lang war Claus Maier als Reutlinger Prälat im Amt. Am Samstag, 18. Juni, feiert er seinen 80 Geburtstag. Landesbischof Dr. h.c. Frank Otfried July würdigt in seiner Gratulation Maiers Verdienste um die württembergische Landeskirche.

    Mehr erfahren
  • Datum: 17.06.2022

    Gute Wünsche für den Pietismus

    Seinen 50. Geburtstag feierte der Synodal-Gesprächskreis Lebendige Gemeinde am 16. Juni mit einem Festakt in der Stuttgarter Stiftskirche. In seinem Grußwort gab Landesbischof Dr. h.c. Frank Otfried July dem Pietismus einige gute Wünsche mit auf den Weg.

    Mehr erfahren
  • Datum: 17.06.2022

    Spendenprojekt des Monats

    In schwierigen Lebenslagen bieten die 25 psychologischen Beratungsstellen evangelischer Träger auf dem Gebiet der Landeskirche fundierte und zugewandte Hilfe. Unterstützen Sie diese Arbeit mit ihrer Spende für die Landesstelle der psychologischen Beratungsstellen.

    Mehr erfahren
  • Datum: 15.06.2022

    Einsatz für die Notfallseelsorge

    Für seinen Einsatz für die kirchliche Notfallseelsorge in Baden-Württemberg ist Prof. Hermann Schröder am 15. Juni im Namen der vier großen Kirchen in Baden-Württemberg mit der Ehrenadel der Evangelischen Landeskirche in Baden ausgezeichnet worden.

    Mehr erfahren
  • Datum: 14.06.2022

    EH Ludwigsburg lädt ein

    Die Evangelische Hochschule Campus Ludwigsburg bietet parallel zum Bewerbungsverfahren mehrere Beratungsmöglichkeiten: dazu gehört eine Offene Hochschule am Donnerstag, 23. Juni ab 16:00 Uhr und am 30. Juni ein virtueller Beratungsabend ab 17:00 Uhr.

    Mehr erfahren
  • Datum: 09.06.2022

    Til Elbe-Seiffart zum Schuldekan gewählt

    Dr. Til Elbe-Seiffart ist zum nächsten Schuldekan für die Kirchenbezirke Öhringen und Weinsberg-Neuenstadt gewählt worden. Sein Wunsch ist es, den Religionsunterricht zu stärken. Er folgt auf Jörg Spahmann, der zum 1. August in den Ruhestand geht.

    Mehr erfahren
  • Datum: 06.06.2022

    Gegenrede zu den Kriegstreibern

    In seiner Predigt zum Tag der weltweiten Kirche am Pfingstmontag in Stuttgart hat Landesbischof Dr. h.c. Frank Otfried July die Friedensbotschaft und den Friedensauftrag betont, den das biblische Pfingstereignis gerade in der aktuellen politischen Lage bedeutet.

    Mehr erfahren
Mehr laden