Die Prälatur Reutlingen

Vielfalt an Neckar und Donau, auf der Alb und im Schwarzwald

In der Prälatur leben 572.592 Christinnen und Christen (Stand 31.12.2021). Sie ist aufgeteilt in 12 Kirchenbezirke mit 392 Kirchengemeinden

Der Prälat von Reutlingen: Markus Schoch

Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July und Prälat Markus Schoch bei der Einsegnung.Bild: Jürgen Meyer

Am Sonntag, 1. Mai, wurde Markus Schoch (56) als neuer Prälat in Reutlingen in einem feierlichen Gottesdienst ins Amt eingesetzt. Die Investitur fand in der Reutlinger Marienkirche statt.

Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July würdigte den Erfahrungsschatz, den Schoch mitbringt: „Markus Schoch ist ein Theologe mit weitem Blick, ökumenischer Erfahrung, diplomatischem Geschick, großem Herz und diakonischem Engagement. Sein Lebensweg hat ihn von Württemberg ins Baltikum, nach Russland und als Bischof nach Georgien geführt, zugleich immer in Rückbindung mit der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Wir freuen uns, dass Markus Schoch diese vielfältigen und reichen Erfahrungen gerade in diesen besonderen Zeiten als Prälat in unserer Landeskirche einbringen kann. Dazu wünsche ich Gottes Geleit und Segen.“

In seiner Predigt über Joh. 21, 15 – 19 sagte Markus Schoch, der Auftrag Jesu an die Kirche sei es „Verantwortung dafür zu übernehmen, dass Menschen begleitet und ermutigt werden, dass sie mit dem versorgt werden, was für Leib und Seele notwendig ist.“ Dieser Auftrag sei „an uns alle gerichtet“. Kirche sei „nicht um ihrer selbst willen da“, betonte Schoch und sagte weiter: „Kirche mit all ihren Ämtern und Strukturen, auch das Amt eines Prälaten, hat nur dann eine Daseinsberechtigung und hat nur dann eine Zukunft, wenn sie diesen Auftrag erfüllt: ‚Weide meine Schafe‘: sei bei den Menschen, sorge für sie, dass sie an Leib und Seele gestärkt werden.“

Prälat Markus Schoch.Bild: Jürgen Meyer

Kirche bringt Einsichten und Werte ein

Schoch beschrieb weitere Aspekte dieses Auftrags: „Kirche ist mit dabei, wo Menschen miteinander ringen, was denn der rechte Weg sei, der uns und unsere Erde in eine gute und lebenswerte Zukunft führt. Kirche hat da etwas zu sagen, bringt Einsichten und Werte ein, die sich aus der biblischen Sicht auf Gott und die Welt spei­sen.“ Kirche wisse „um die Ambivalenz vieler Entscheidungen, bei denen es oft nicht einfach nur ein schwarz oder weiß, ein richtig oder falsch gibt. Gerade weil Kirche um die letzten Dinge weiß, kann sie andere ermutigen, sich in Verantwortung vor Gott und den Menschen um die vorletzten Dinge zu kümmern.“

Der neue Prälat sparte in seiner Predigt auch schwierige Themen nicht aus: „Wir müssen uns der schmerzlichen Wahr­heit stellen, dass im Raum der Kirche furchtbares Unrecht geschehen ist, wo Menschen ihre Macht missbraucht und anderen an Leib und Seele Gewalt angetan haben. Wir müssen erkennen, dass die Kirche für viele Menschen in diesem Land an Bedeutung verliert. Dass sie die Antworten auf die Fragen des Lebens nicht mehr zuallererst bei uns als Kirche suchen.“ Das sei bitter, aber es schmälere nicht den Auftrag, den die Kirche habe, nahe bei den Menschen zu sein. Dabei wisse Kirche sich von Jesus Christus selbst getragen: „Ich kann in meinem Amt nur das in Wort und Tat bezeugen, was ein anderer für mich und für uns alle schon längst getan hat. Ich kann diesen Dienst heute nur annehmen, weil ich weiß, dass es Gottes Güte ist, die diese Welt und die mich trägt und erhält.“

Internationale Erfahrung

Markus Schoch, Jahrgang 1966, leitete seit 2017 als Bischof die Evangelisch-Lutherische Kirche in Georgien und dem südlichen Kaukasus mit Gemeinden in Georgien, Aserbaidschan und Armenien. Von 2000 bis 2004 arbeitete er als Pfarrer im russischen Samara und als Propst für den Bereich Mittlere Wolga, sowie von 2012 bis 2017 in Riga als Pfarrer der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Lettland.

Schoch studierte Theologie in Tübingen, Leipzig und Jerusalem und arbeitete nach seinem Ausbildungsvikariat in Kleingartach beim Dekan in Heidenheim sowie als Gemeindepfarrer an der Martinskirche in Sindelfingen.

Als Mitglied im Schwäbischen Albverein ist er in seiner Freizeit beim Wandern in der Natur unterwegs und lernt auf Reisen gerne andere Länder und Kulturen kennen.

Die Prälatur Reutlingen erstreckt sich von Freudenstadt bis auf die Schwäbische Alb und von Tuttlingen bis Leonberg. Sie besteht aus zwölf Kirchenbezirken mit rund 598.000 Christinnen und Christen in 392 Kirchengemeinden. Auf dem Gebiet der Reutlinger Prälatur liegen unter anderem Einrichtungen wie die Mariaberger Heime, die BruderhausDiakonie, ein Campus der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg/Reutlingen, die theologische Fakultät in Tübingen, das Stift Urach, die Liebenzeller Mission und das Deutsche Institut für Ärztliche Mission (Difäm).

Der Investitur-Gottesdienst in voller Länge

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Video: Klarner Medien

TV-Beitrag über die Investitur von Markus Schoch

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Aktuelles aus der Prälatur

v.l.n.r. Dr. Johannes Weller (Vertretung Freudenstadt), Beatus Widmann (Balingen), Michael Karwounopoulos (Bad Urach-Münsingen), Tobias Geiger (Nagold), Ulrich Vallon (Sulz), Erich Hartmann (Calw), Dorothee Sauer (Codekanin Balingen), Prälat Markus Schoch, Elisabeth Hege (Tübingen), Wolfgang Vögele (Leonberg), Eberhard Feucht (Herrenberg), Markus Frasch (Böblingen), Norbert Braun (Bad Urach-Münsingen), Marcus Keinath (Reutlingen) Es fehlen: Sebastian Berghaus (Tuttlingen), Joachim Botzenhardt (Neuenbürg)

Sprengelkonferenz

Am 20. Mai traf sich Prälat Schoch das erstemal mit Dekaninen und Dekanen aus der Prälatur Reutlingen im Matthäus-Alber­-Haus in Reutlingen.
Bei diesem Treffen ging es hauptsächlich um ein gegenseitiges Kennenlernen und die Terminplanung für eine Tour des Prälaten durch die Prälatur. 

Bildnachweis: „Steffen Schlüter, Amt für Bildung, Kultur und Sport Rottenburg am Neckar“.

 "Was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert"

In einem kleinen Festakt in der Festhalle in Rottenburg am Neckar wurde Frau Heidemarie Mattheis für ihre vielfälltigen Verdienste mit der Staufermedaille geehrt. Der Oberbürgermeister der Stadt Rottenburg Stephan Neher würdigte ihr Engagement, das sich nicht nur auf die Kirchengemeinde beschränke, sondern immer auch zum Wohle der Stadt sei. "Es gibt kaum ein Bereich, in dem Heidemarie Mattheis nicht engagiert wäre", sagte er. Sie sei ein Vorbild und ein Aushängeschild. 

In seiner Laudatio ging Prälat Markus Schoch auf die vielen Stationen ihres Ehrenamts ein, die schon vor der Wahl in den Kirchengemeinderat im Jahr 1989 begannen. Ob es die Kinderkirche war, die Kindergärten, der Neubau des Gemeindehauses, die Vesperkirche, die Asylarbeit, der Hospizdienst oder die Nachhaltigkeitsthemen. Auch in der Kirchengemeinde gäbe es überall Spuren von Heidemarie Mattheis und ihrem Engagement. 18 Jahre war sie Mitglied des Kirchengemeinderats, davon 2 Perioden als seine Vorsitzende. 

"Was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert" - mit den Worten des Reutlingers Gustav Werner würdigte Schoch das Engagement von Mattheis und dankte ihr - auch im Namen aller Wegbegleiter:innen - für alles, was sie über viele Jahre und Jahrzehnte zur Tat werden ließ.

Die Staufermedaille ist eine besondere, persönliche Auszeichnung des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg für Verdienste um das Land Baden-Württemberg. Der Festakt wurde von Ensembles der Musikschule Rottenburg begleitet. 


Wissenswertes über den Sprengel

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Die Schwaben stellen ihr "Ländle" gerne als Land der Dichter und Denker vor. "Der Schelling und der Hegel, der Uhland und der Hauff, das ist bei uns die Regel. Das fällt bei uns nicht auf."  

Der nicht ganz ernst gemeinte Vers spiegelt das gesunde Selbstbewusstsein der Württemberger wider. Viele kluge Köpfe haben ihre Ausbildung in der altehrwürdigen Universität Tübingen genossen. Im Evangelischen Stift haben nicht nur Theologen wie Bengel, Blumhardt oder David Friedrich Strauß ihre ersten Weihen bekommen. Auch Hegel, Hölderlin und Schelling wohnten in der "Theologenschmiede". In Stuttgart wird regiert, so sagt man, in Tübingen philosophiert.  

Der Kirchensprengel wird aber nicht von Tübingen aus geleitet. Die Prälatur hat ihren Sitz in der benachbarten ehemaligen freien Reichsstadt Reutlingen.

Der besondere Reiz der Reutlinger Prälatur ist ihre Vielfalt. Von der rauen Münsinger Alb über das Neckartal bis auf die Höhen des Nordschwarzwaldes, von Neuenbürg im Norden bis hin zur Donau und fast bis zum Bodensee erstreckt sich der Sprengel. Landwirtschaft prägt zwar weite Teile der Prälatur, doch die kargen Böden sichern schon lange nicht mehr allen Menschen ihr Auskommen.

Evangelischer Kirchenbezirk Neuenbürg Evangelischer Kirchenbezirk Calw Evangelischer Kirchenbezirk Nagold Evangelischer Kirchenbezirk Freudenstadt Evangelischer Kirchenbezirk Sulz Evangelischer Kirchenbezirk Leonberg Evangelischer Kirchenbezirk Böblingen Evangelischer Kirchenbezirk Herrenberg Evangelischer Kirchenbezirk Tübingen Evangelischer Kirchenbezirk Reutlingen Evangelischer Kirchenbezirk Bad Urach-Münsingen Evangelischer Kirchenbezirk Bad Urach-Münsingen Evangelischer Kirchenbezirk Balingen Evangelischer Kirchenbezirk Tuttlingen interaktive Landkarte der 12 Kirchenbezirke der Prälatur Reutlingen

Ein Netz mit vielen mittelständischen Betrieben hat sich gebildet. Feinmechanische Industrie, Werkzeug- und Maschinenbau sowie Textilbetriebe bilden Schwerpunkte. An Tüftlern wie dem genialen Erfinder und Pfarrer Philipp Matthäus Hahn hat es nie gefehlt. Der entwickelte 1769 eine astronomische Uhr, die nicht nur Tag und Stunde, sondern auch den Stand der damals bekannten Planeten anzeigt.  

Nicht nur die Landschaft in der Reutlinger Prälatur ist vielfältig, auch die Frömmigkeitsausprägungen zeigt viele Facetten. Auf einer Seite der Liberalismus der Universitätsstadt, andererseits der schwäbische Pietismus, der große Landstriche der Prälatur Reutlingen geprägt und für die Frömmigkeit Akzente gesetzt hat. Zur "Stunde" der Hahn'schen Gemeinschaft, der Süddeutschen und der Altpietisten geht man damals wie heute in der Regel zweimal die Woche. Die Mission, von jeher im Südwesten wichtiges Thema, hat mit Bad Liebenzell und Bad Sebastiansweiler, dem deutschen Refugium der Basler Mission, Zentren im Reutlinger Sprengel. 

Noch in der Nachkriegszeit haben sich die evangelischen und katholischen Schulbuben geprügelt. Heute arbeiten Protestanten und Katholiken in ökumenischen Arbeitskreisen zusammen. Nur einige Kilometer neckaraufwärts von Tübingen liegt in Rottenburg der Sitz des katholischen Bischofs. Vor allem die alemannischen Orte Richtung Bodensee sind katholisch.  

Eine Kirche ohne ihre Diakonie wäre undenkbar. Nicht zu vergessen sind deshalb die diakonischen Einrichtungen im Bereich der Reutlinger Prälatur wie die Mariaberger Heime, das Haus am Berg in Bad Urach oder die Sophienpflege in Tübingen. Im 19. Jahrhundert baute Gustav Werner unter dem Motto "Was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert" in Reutlingen "christliche Fabriken" für behinderte Arbeiter auf.

Ansprechpartner

Markus Schoch

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72764 Reutlingen

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07121 490323
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07121 470832
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Thomas Lehnardt

Thomas Lehnardt

Referent beim Prälaten

Eugenstraße 18
72072 Tübingen

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07071 888 27 84
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Magdalena Smetana

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Medienbeauftragte der Prälatur Reutlingen

Hechingerstraße 13
72072 Tübingen

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