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Raum geben zum Toben und Spielen

Kirchliche Kinderfreizeiten integrieren Flüchtlingskinder

Kirchliche Waldheime und Stadtranderholungen in Baden-Württemberg haben auch Flüchtlingskinder im Blick. Die sollen einige unbeschwerte Tage in der Natur genießen können. Zurzeit sammeln die Waldheime erste Praxiserfahrungen. 

Flüchtlingskinder sind offenbar gut integrierbar bei kirchlichen Kinderfreizeiten. "Es gibt eine grundsätzliche Hilfsbereitschaft und auch die Finanzierung ist immer irgendwie möglich", sagt Wiebke Wähling. Die Dekanin im Ruhestand und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Ferien- und Waldheime in Württemberg ist zurzeit auf Tour durch die 55 Mitgliedswaldheime. Überall spricht sie das Thema "Flüchtlingskinder" an und sieht viele gelingende Beispiele. 

"Kinder haben untereinander keine Probleme, die mit der Herkunft zusammenhängen, ja nicht einmal mit der Sprache", beobachtet sie. Gemeinsam spielen lasse sich offensichtlich auch ohne große Sprachkenntnisse. Sie berichtet, dass in einem der von ihr besuchten Waldheime ein 13-jähriger Flüchtling war, der fließend Englisch, Französisch und Arabisch sprach, aber eben kein Deutsch. Aus Solidarität mit ihm "sprach nun einfach die ganze Gruppe Englisch", schildert Wähling beeindruckt.

"In den Flüchtlingsunterkünften stehen für vier Personen 24 Quadratmeter zur Verfügung. Wie wichtig ist es da, dass Kinder wenigstens für ein paar Tage Platz haben, unter Bäumen im Schatten sein können, mit Wasser spielen", sagt sie. Sie beobachtet, dass viele kleine Probleme vor Ort pragmatisch gelöst werden: "Die Flüchtlingskinder haben keine Badesachen, keine Schlafsäcke? Na und. Das lässt sich immer irgendwo her organisieren." 

Die Flüchtlingskinder haben keine Badesachen, keine Schlafsäcke? Na und. Das lässt sich immer irgendwo her organisieren.

Wiebke Wähling

Im Waldheim in Stuttgart-Degerloch werden ab 24. August 15 Flüchtlingskinder aus der im Oktober 2014 in Plieningen eröffneten Flüchtlingsunterkunft dabei sein, mitspielen, mitsingen. "Die Kinder und ihre Familien werden dann eine ganz neue Seite von Deutschland erleben, eine gute", sagt Waldheimleiter Jürgen Möck. In vielen Kulturen seien solche großen Betreuungsangebote wie die Waldheime unbekannt. Größere Probleme erwartet Möck dennoch nicht. Denn die Flüchtlingskinder aus der Nachbarschaft gehörten in Plieningen schon zum Alltag dazu. 

Das Ehrenamtlichen-Team der Heilbronner Waldheimfreizeit "Gaffenberg" hat schon vor der Freizeiten-Saison eine Arbeitsgruppe "Flüchtlingskinder" gebildet. Die ist in Flüchtlingsunterkünfte gegangen und hat Spielnachmittage veranstaltet. Schließlich haben die "Onkel" und "Tanten", wie die Betreuer auf dem "Gaffenberg" genannt werden, den Eltern und Kindern den Gaffenberg gezeigt und über die Freizeiten informiert.  Jetzt sind für die beiden Freizeiten mit ihren zusammen rund 2.000 Kindern auch 70 Flüchtlingskinder angemeldet. "Es sind vor allem Kinder aus Syrien und dem Iran, unterschiedlichen Alters und daher auf verschiedene Gruppen verteilt. Die Inklusion funktioniert problemlos", berichtet "Oberonkelin" Christine Marschall. 

Wiebke Wähling weiß aber auch um Ängste. "Vor allem unsere jugendlichen Ehrenamtlichen sind sich der Sprachprobleme durchaus bewusst. Für sie ist ihre verantwortungsvolle Gruppenleitungs-Aufgabe nicht ganz einfach, auch wenn die Flüchtlingskinder ganz gut integriert sind", sagt sie. "Wir werden das Thema in der Arbeitsgemeinschaft weiter auf die Tagesordnung setzen", verspricht Wähling. Die Erfahrungen aus den Besuchen an den Waldheim-Standorten sollen ausgewertet werden. Voraussichtlich wird es Schulungsangebote für interessierte Ehrenamtliche im Winterhalbjahr geben. 

Die Integration der Kinder sei sehr gut möglich und für alle bereichernd. Allerdings müssten die Freizeiten- und Waldheim-Team dazu meist selbst auf die Sozialarbeiter oder Ehrenamtlichen in den Flüchtlingsunterkünften zu gehen. "Die sind anderweitig so ausgelastet, dass sie die Möglichkeit, Kinder in Freizeiten zu schicken, selbst meist nicht auf dem Radar haben", ist Wählings Erfahrung. Aber das sei kein unüberwindliches Hindernis. Die Kooperation im Interesse der Kinder müsse man "wollen, und dann gelingt es auch".

Quelle: Evangelischer Pressedienst (EPD)


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