|

„Gefängnisseelsorge ist Dienst an der Menschenwürde“

Pfarrerin Susanne Büttner wird Gefängnisdekanin in Baden-Württemberg

Am Sonntag, 2. Dezember, ist Pfarrerin Susanne Büttner als Dekanin im Justizvollzug für die Evangelischen Landeskirchen in Baden und Württemberg in ihr Amt eingeführt worden. Die Investitur fand an ihrem bisherigen Wirkungsort in der Marienkirche des ehemaligen Dominikanerinnenklosters Gotteszell in der Justizvollzugsanstalt Schwäbisch Gmünd statt. Dort war die 55-jährige Pfarrerin seit 2001 Gefängnisseelsorgerin.

Pfarrerin Susanne BüttnerEMH/Stephan Braun

„Eine Gesellschaft mit weniger Gefängnissen statt höheren Mauern, bleibt meine Vision. Solange das noch nicht so ist, braucht eine humane Gesellschaft einen humanen Strafvollzug“,  sagte Susanne Büttner im Rahmen ihrer Einsetzung. Sie will dazu beitragen, „dem Strafvollzug, das heißt Gefangenen wie Bediensteten, in Kirche und Gesellschaft eine angemessene Würdigung zukommen zu lassen.“ Ein Ziel der kommenden Jahre werde sein, die guten Standards in der Gefängnisseelsorge auch in Zeiten von Überbelegung und psychisch stärker belasteten Gefangenen zu erhalten. Außerdem sei es wichtig, angesichts von transnationalen Wanderungsbewegungen der religiösen Vielfalt in den Gefängnissen Rechnung zu tragen. „Vor allem sehe ich meinen Auftrag als einen geistlichen Auftrag. Es muss in den vielen Aufgaben, die das Gefängnis bereithält, immer Zeit für Innehalten, Stille und Reflexion geben“, so Büttner weiter.

„Jesus Christus selbst spricht: Ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen“, zitierte Dr. Norbert Lurz, Bildungsdezernent der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, im Einführungsgottesdienst Matthäus 25,36. „Den Menschen durch sein Leben zu begleiten, durch Höhen und Tiefen, in Grenzsituationen: das gehört zum Auftrag der Kirche. Folglich war und ist die Seelsorge auch Bestandteil des Gefängniswesens“, so Lurz. Sie orientiere sich am biblischen Menschenbild und frage nach den besonderen Ausprägungen für das Gefängnis. „Gefängnisseelsorge ist deshalb in einem unmittelbaren Sinn Dienst an der Menschenwürde. Menschen sind fehlbar, Menschen werden schuldig. Dies gehört zu unserem Menschsein“, so Lurz weiter. Einzelne und Gesellschaft stünden immer wieder vor der Aufgabe, aus entstandenem Schaden zu lernen und Wege der Versöhnung, zur Wiederherstellung von Frieden und zum gerechten Ausgleich zu finden. Deshalb sei Kirche im Gefängnis präsent.

„Mit Susanne Büttner übernimmt eine ausgesprochen erfahrene und kompetente Pfarrerin das Amt der Gefängnisdekanin“, sagte Sabine Kast-Streib, Direktorin des Zentrums für Seelsorge und Leiterin der Abteilung „Seelsorge“ im Oberkirchenrat der Evangelischen Landeskirche in Baden. Als ehemaliges Mitglied im Vorstand der Bundeskonferenz Gefängnisseelsorge sei sie bundesweit vernetzt. „Unter anderem ist sie Expertin für das Projekt ‚Kloster im Gefängnis‘. Durch Meditation und Exerzitien können Gefangene hier innere Freiheit erfahren“, so Kast-Streib.

Bei der Gefängnisseelsorge begegnen sich Kirche und Staat in einer ganz besonderen Weise: Beiden obliegt die Aufgabe, für die Menschen in Haft – in einer für sie schwierigen und belastenden Situation – zu sorgen und Hilfe zu leisten.

Ministerialdirigent Martin Finckh

Ministerialdirigent Martin Finckh, Leiter der Abteilung Justizvollzug des Baden-württembergischen Ministeriums der Justiz und für Europa, gratulierte für das Justizministerium und sagte: „Das Ministerium weiß um die Bedeutung der Gefängnisseelsorge und schätzt das Wirken der Seelsorgenden sehr. Wir sind den beiden Evangelischen Landeskirchen für ihr Engagement in der Gefängnisseelsorge Baden-Württemberg sehr dankbar. Bei der Gefängnisseelsorge begegnen sich Kirche und Staat in einer ganz besonderen Weise: Beiden obliegt die Aufgabe, für die Menschen in Haft – in einer für sie schwierigen und belastenden Situation – zu sorgen und  Hilfe zu leisten.“ Finckh erinnerte an Büttners erste Station im Justizvollzug: „Sie haben in der Justizvollzugsanstalt Schwäbisch Gmünd zum 1. Dezember 2001 das Amt der evangelischen Anstaltsseelsorgerin übernommen. Seitdem bereichern Sie den Justizvollzug mit ihrer humorvollen und zupackenden Art. Nun sind Sie im höchsten Amt der Seelsorge im Justizvollzug angekommen.“

Zu den Aufgaben der Dekanin im Justizvollzug gehören unter anderem  die Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Justizvollzugsbehörden und den beiden Landeskirchen sowie die Beratung des Justizministeriums in seelsorglichen Angelegenheiten. Weiter zu nennen sind die qualifizierte Einarbeitung in die Aufgaben der Gefängnisseelsorge, die Betreuung aller im Strafvollzug tätigen Seelsorgerinnen und Seelsorger und die Fachaufsicht. Bei hauptamtlichen und von den Landeskirchen angestellten Gefängnisseelsorgern und -seelsorgerinnen sind sie für die Personalentwicklungssgespräche und die dienstliche Beurteilung zuständig. Hinzukommen die Mitwirkung bei der Stellenbesetzung von Hauptamtlichen und deren Einführung in einem Gottesdienst. Außerdem berät sie die Nebenamtlichen wie auch die für die zuständigen Dekane und Dekaninnen in den Kirchenbezirken.

Mehr News

  • Datum: 20.05.2022

    Mit dem Rad zur ÖRK-Vollversammlung

    Zur 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen vom 31. August bis 8. September in Karlsruhe reisen Gäste aus aller Welt an. Wer möchte, kann auch mit dem Fahrrad auf organisierten Pilgerrouten anreisen – eine führt auch mitten durch Württemberg.

    Mehr erfahren
  • Datum: 19.05.2022

    Das Kirchenlied in Krisenzeiten

    Wie finden wir in einer verstörenden Welt zu Klarheit, Vertrauen und Handlungsfähigkeit? Mit dieser Frage blickt Frieder Dehlinger, Pfarrer im Amt für Kirchenmusik, auf unser Gesangbuch: Wie wirkt ein Kirchenlied in Krisenzeiten? Welche Lieder stärken die Resilienz?

    Mehr erfahren
  • Datum: 18.05.2022

    Beten in Zeiten der Unsicherheit

    Angesichts von Krieg und Leid fühlen wir uns hilflos, viele fragen: Wie kann ich da noch beten? Wie kann ich beten, wenn ich in meinem Glauben unsicher bin? Über die Kraft des Gebets in Momenten der Unsicherheit hat Rundfunkpfarrerin Barbara Wurz nachgedacht.

    Mehr erfahren
  • Datum: 18.05.2022

    Ruhestand für Hans-Peter Duncker

    „Juristisches Gewissen im Oberkirchenrat“ - so beschreibt Landesbischof July Hans-Peter Duncker, den früheren Dezernenten für Bauwesen, Gemeinde, Umwelt und Immobilienwirtschaft. Am 17. Mai ist Hans-Peter Duncker offiziell in den Ruhestand verabschiedet worden.

    Mehr erfahren
  • Datum: 16.05.2022

    Landespfarrer für Kindergottesdienst eingeführt

    Pfarrer Markus Grapke ist am 15. Mai in sein Amt als Landespfarrer für Kindergottesdienst eingeführt wurde. Im Interview erzählt er, was ihm in seiner neuen Aufgabe wichtig ist.

    Mehr erfahren
  • Datum: 16.05.2022

    Videoimpulse zum Neuen Testament

    Zu jedem Buch des Neuen Testaments ein kurzes Video - dieses Projekt verfolgt die Evangelische Erwachsenenbildung Nordschwarzwald. Wie die Idee entstanden ist, was man damit erreichen möchte und einiges mehr erzählt im Interview Geschäftsführer Tobias Götz.

    Mehr erfahren
  • Datum: 13.05.2022

    „Mahl am Abend“ im Schlossgarten

    Am 15. Mai findet im Stuttgarter Schlosspark ein ökumenisches Picknick als Hinweis auf die fehlende Abendmahlsgemeinschaft evangelischer und römisch-katholischer Christen statt. Landesbischof July hat dieses „Zeichen der Gemeinschaft“ begrüßt.

    Mehr erfahren
  • Datum: 11.05.2022

    Nachhaltigkeit in der Jugendarbeit

    Die evangelische Jugendarbeit wollte für junge Menschen eine Botschaft der Hoffnung entwickeln. Heraus kamen unter dem Titel „Jetzt reicht's!“ ein Videoclip und eine Materialsammlung. Mechthild Belz, Referentin beim EJW-Weltdienst, erzählt, wie das Projekt entstanden ist.

    Mehr erfahren
  • Datum: 11.05.2022

    „Gottes Geleit und Segen“

    Der frühere badische Landesbischof Klaus Engelhardt feiert seinen 90. Geburtstag. Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July wünscht dem Theologen, der auch Ratsvorsitzender der EKD war, „Freude an der Begegnung, am Gespräch und an der theologischen Arbeit“.

    Mehr erfahren
  • Datum: 10.05.2022

    Medienhaus gewinnt LfK-Medienpreis

    Das Evangelische Medienhaus hat für sein Multimedia-Projekt „Körperspende – Der vorletzte Weg“ den renommierten Medienpreis der Landesanstalt für Kommunikation (LfK) in der Kategorie „Digitaler Content“ erhalten. Das Projekt verbindet Video, Bild, Text und Audio.

    Mehr erfahren
  • Datum: 09.05.2022

    Neuer Dekan in Schwäbisch Hall

    Christof Messerschmidt ist zum neuen Dekan des Kirchenbezirks Schwäbisch Hall gewählt worden. Der 52-Jährige wolle daran mitwirken, dass sich Kirche an gesellschaftliche Entwicklungen anpasse und weiterentwickele, erklärt er. Nur so könne Kirche für die Menschen da sein.

    Mehr erfahren
  • Datum: 08.05.2022

    4. landeskirchlicher Kunstpreis verliehen

    In Mariaberg ist der 4. Kunstpreis der Landeskirche an den 34-jährigen Künstler Georg Lutz (Hauptpreis) und die 35-jährige Künstlerin Amina Brotz (Förderpreis) verliehen worden. Der Hauptpreis ist mit 10.000 Euro dotiert, der Förderpreis mit 3.000 Euro.

    Mehr erfahren
Mehr laden