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Was „Maria 2.0“ mit der evangelischen Kirche zu tun hat

Noch zu wenige Frauen in Leitungsfunktionen

Vor dem (evangelischen) Münster in Ulm haben Akteure der Initiative „Maria 2.0“ für Gleichberechtigung in der (katholischen) Kirche demonstriert. Ein Thema auch für Protestanten?

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Flashmob vor dem Ulmer Münster: Insgesamt rund 100 Akteure der Initiative „Maria 2.0“ nahmen an der Aktion zum Ende des einwöchigen Streiks ehrenamtlicher katholischer Kirchenmitarbeiterinnen teil. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Auf den ersten Blick muss sich die evangelische Kirche von der katholischen Gleichberechtigungs-Initiative „Maria 2.0" kaum angesprochen fühlen. Denn die geforderte Gleichstellung der Frauen in kirchlichen Diensten und Ämtern ist hier längst Praxis: 39 Prozent der Pfarrpersonen im Bereich der Evangelischen Landeskirche in Württemberg sind weiblich, zitiert Ursula Kress, Beauftragte für Chancengleichheit der Landeskirche, aus der Statistik.

Dennoch sieht sie Handlungsbedarf: Sie spricht von einer „deutlichen Schieflage bei der Beteiligung von Frauen in Leitungsämtern und auch im Teildienst". Mit 53 Prozent stellen Frauen in Sonderpfarrstellen im Teildienst zwar die klare Mehrheit - doch der Frauenanteil im geschäftsführenden Pfarramt in Vollzeit liege „aktuell bei 22 Prozent und im Dekan-Amt bei 21 Prozent". Hier gebe es also noch einiges zu tun.

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Ursula Kress, Beauftragte für Chancengleichheit der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. © Jens Schmitt/EMH

Positive Beispiele

Kress setzt sich für eine gerechte Geschlechterverteilung auf allen Ebenen ein. Ihr Ansatz: Durch positive Beispiele, sogenannte „role models", sollen Bewerberinnen für Führungspositionen gewonnen werden.

Schuldekanin Dorothee Moser sei so ein positives Beispiel. Auch Dr. Juliane Baur führt Kress exemplarisch an. Seit 2017 ist Baur Dekanin in Schorndorf.

„Ich gestalte gerne"

Baur ist der Meinung, dass Frauen wie Mäner alles lernen können, was es zum Leitungsamt braucht. „Ich gestalte gerne, ich arbeite gerne konzeptionell, und ich freue mich über jede Möglichkeit, auch tatsächlich umsetzen zu können, was gemeinsam erarbeitet wurde", erklärte die Schorndorfer Dekanin gegenüber der landeskirchlichen Zeitschrift „Für Arbeit und Besinnung" (A+B), weshalb sie gerne führt.

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Das Logo der Initiative „Maria 2.0" © Maria 2.0/Andrea Voß-Frick

40 Prozent Frauen in Leitungsfunktionen?

Gleichstellungsbeauftragte Kress ist überzeugt: "Geschlechtergerecht besetzte Gremien arbeiten kreativer und zukunftsfähiger." Eine paritätische Besetzung sei jedoch unrealistisch: "Wenn wir 40 Prozent Frauen in Gremien hätten, dann wären wir schon auf der Zielgeraden", glaubt Ursula Kress.

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Margot Käßmann, ehemalige Ratsvorsitzende der EKD. © Claude Truong-Ngoc/CC BY-SA 3.0

Margot Käßmann freut sich

Unterdessen gibt es für die katholische Aktion „Maria 2.0" prominente Unterstützung - unter anderem durch die frühere EKD-Ratsvorsitzende und Bischöfin Margot Käßmann: „Ich kann nicht anders, als mich daran zu freuen. Respekt, Schwestern!", sagte sie gegenüber der Zeitung „Bild am Sonntag". Und: „Es wird Zeit, dass Frauen endlich öffentlich die Kirchen repräsentieren, aber auch die anderen Religionsgemeinschaften: das Judentum, den Islam. Denn „wenn uns angeblich die Hälfte des Himmels gehört, können wir das ja hier auf Erden schon mal einüben", fordert die Theologin.

Am 6. Juli gehen die Aktionen der Initiative „Maria 2.0" übrigens weiter: Dann ist eine große Kundgebung auf dem Prinzipalmarkt der katholischen Bischofsstadt Münster geplant.


Ehrenamtlich in der römisch-katholischen Kirche tätige Frauen fordern mit der Aktion „Maria 2.0" den Zugang zu allen kirchlichen Ämtern, die Aufhebung des Zölibats und die intensive Aufarbeitung sexueller Missbrauchsfälle. Eine Woche lang stellten sie sämtliche Tätigkeiten in ihren Kirchengemeinden ein und betraten auch keine Kirche. In Teilen Süddeutschlands dauert der „Kirchenstreik" noch bis zum 26. Mai an, bevor im Juli weitere Aktionen geplant sind.