15. Landessynode beendet Herbsttagung

Württembergische Landeskirche: Mehr Geld für Gemeinden – Sieger von Schülerwettbewerb ausgezeichnet – Beschluss zur Klimaneutralität – Weiter Kirchenpflicht für Mitarbeitervertreter

Stuttgart. Am Samstag, 19. Oktober, ist die Tagung der Landessynode im Stuttgarter Hospitalhof zu Ende gegangen. Die 98 Landesssynodalen berieten und beschlossen Gesetze zur Mitarbeitervertretung, würdigten die Gewinner eines Schulwettbewerbs zur Kirchenwahl und verabschiedeten den Haushalt 2020. Zum Abschluss der Tagung verlieh Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July die Silberne Brenz-Medaille an Synoden-Präsidentin Inge Schneider, die nach 24 Jahren Mitgliedschaft aus der Synode ausscheidet. Am 1. Dezember sind rund 1,8 Millionen wahlberechtigte Mitglieder der Landeskirche aufgerufen, eine neue Landessynode zu wählen.

Schülerwettbewerb „Get creative“

Die Klassen 10a und 10b des Lichtenstern-Gymnasiums Sachsenheim (Landkreis Ludwigsburg) haben den von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg ausgeschriebenen Schülerwettbewerb „Get creative!“ zur Kirchenwahl am 1. Dezember gewonnen.

Eine Jury hat die Plakatentwürfe der Sachsenheimer einstimmig zu den besten Wettbewerbsbeiträgen erklärt. Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July stimmte dieser Entscheidung zu, wie er in seiner Laudatio vor der Synode deutlich machte. Die Plakate seien „zielgruppenorientiert kreativ, pointiert und Aufmerksamkeit weckend“. Außerdem, so July, zeigten die Zehntklässler „hohe grafische Kompetenz“. Platz zwei belegt die Klasse 10 des Humboldt-Gymnasiums Ulm. Ihr Wettbewerbsbeitrag war der Video-Kurzclip „Wir sehen uns an der Wahlurne“. Die Ulmer können sich über 500 Euro für die Klassenkasse freuen.

Außerdem gab es zwei dritte Plätze mit jeweils 300 Euro: Der eine ging an die Klasse 9 des Taus-Gymnasiums in Backnang, der andere an die Klasse 10 des Quenstedt-Gymnasiums in Mössingen (Landkreis Tübingen). Spontan hat sich die Jury zudem zur Vergabe eines Sonderpreises (100 Euro) an die Klasse 10 des Blautopf-Gymnasiums in Blaubeuren (Alb-Donau-Kreis).

Landeskirchlicher Haushalt 2020 beschlossen

Bereits am Freitag beschlossen die Synodalen den landeskirchlichen Haushalt. Zum Ende ihrer Amtszeit – das neue Kirchenparlament wird am 1. Dezember gewählt – haben die 98 Mitglieder der 15. Landessynode mit dem Haushalt Schwerpunkte zugunsten der Kirchengemeinden gesetzt. Entgegen der Empfehlung des Finanzdezernenten, Oberkirchenrat Dr. Martin Kastrup, stockte die Synode den sogenannten Verteilbetrag für die Gemeinden um vier Prozent auf; damit erhalten sie rund 2,5 Millionen Euro mehr als zunächst geplant. Insgesamt können die Gemeinden mit rund 255 Millionen Euro an Zuweisungen rechnen.

Hinzu kommen die ebenfalls von der Landeskirche getragenen Aufwendungen für den Pfarrdienst vor Ort: Mehr als 270 Millionen Euro beträgt der Personalaufwand für aktive Pfarrerinnen und Pfarrer sowie die Ruhestandbezüge.

„Leisten“ kann sich die Landeskirche steigende Zahlungen an die Gemeinden nicht zuletzt wegen der seit Jahren steigenden Kirchensteuer-Einnahmen; im laufenden Jahr rechnet die Verwaltung mit rund 790 Millionen Euro.

Neben den Zuweisungen an die Kirchengemeinden sowie die Umlagen unter anderem an die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), an Partnerkirchen oder den Lutherischen Weltbund bleibt der württembergischen Landeskirche genügend finanzieller Spielraum, um eigene Akzente zu setzen.

So hat die Synode neben höheren Zuweisungen an die Gemeinden auch ein auf vier Jahre angelegtes Förderprogramm für denkmalgeschützte Kirchen beschlossen: Jährlich sollen Gemeinden bei der Sanierung von Gotteshäusern mit jeweils sechs Millionen Euro unterstützt werden. Insgesamt stehen damit 24 Millionen Euro zur Verfügung.

Größtes Einzelvorhaben ist der Neubau des Oberkirchenrats – der Verwaltungszentrale der Landeskirche – in Stuttgart: Insgesamt rund 60 Millionen soll das auf mehrere Jahre verteilte Projekt kosten; die Summe ist durch Rücklagen gedeckt.

Weitere Großinvestitionen sind Sanierungen im Stift Tübingen (4,3 Millionen Euro) oder im Schloss Michelbach mit evangelischem Schulzentrum und Internat (insgesamt 3,8 Millionen Euro). Außerdem beteiligt sich die württembergische Landeskirche mit einer Million Euro an der Finanzierung der geplanten Autobahnkirche „Sindelfinger Wald“ an der A8.

Weniger Steuereinnahmen erwartet

Allerdings neigt sich die Zeit gut gefüllter Kassen dem Ende zu: Für das Jahr 2020 erwartet die Landeskirche einen Rückgang der Steuereinnahmen um rund 40 auf rund 750 Millionen Euro. Der Ausblick von Finanzdezernent Kastrup: „Es steht zu erwarten, dass die 16. Landessynode mit größeren finanziellen Herausforderungen konfrontiert wird als es die vergangenen sechs Jahre der Fall war.“

Neue Trauagende

Die Synode stimmte am Donnerstag einer erneuerten Trauagende zu, die jene von 1985 ersetzt. Die Trauung sei vielleicht die Kasualie, „die in den letzten Jahren den größten Wandel erfahren hat“, sagte der Theologie-Dezernent der Landeskirche, Oberkirchenrat Prof. Dr. Ulrich Heckel. Deshalb wurde sie theologisch und liturgisch überarbeitet und an heutige Erfordernisse angepasst. Erstmals beinhalte sie auch eine familienbezogene Trauung, die ernst nimmt, dass aus einem Paar schon längst eine Familie geworden sei. Die Übergabe der Traubibel rücke jetzt an das Ende der Kernhandlung. Damit werde zum Ausdruck gebracht, was im Traugottesdienst wichtig ist: „Die Verkündigung von Gottes Wort, das auch für die neue Lebenssituation unumstößlich gilt“, so Heckel.

Klimaneutral bis 2050

Am Samstag beschlossen die Synodalen, ein neues Klimaschutzkonzept zu entwickeln mit dem Ziel, die Landeskirche bis 2050 klimaneutral zu machen.

Kirchenpflicht für Mitarbeitervertreter

Die intensivste Diskussion am vierten Sitzungstag der Landessynode entwickelte sich beim Thema ACK-Klausel für Mitarbeitervertreter in kirchlichen und diakonischen Einrichtungen. Bislang müssen Kandidatinnen und Kandidaten für die Mitarbeitervertretung Mitglied in einer der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) zugehörigen Kirche sein, um das aktive und passive Wahlrecht zu haben. Daran wird sich nichts ändern: Mit knapper Mehrheit sprachen sich die Synodalen für die Beibehaltung dieser „Kirchenpflicht“ aus.

Besuch bei der jüdischen Gemeinde

Bereits am zweiten Sitzungstag hatten Landessynode und Oberkirchenrat die Aktuelle Stunde genutzt, um die Beratungen im Hospitalhof in Stuttgart zu unterbrechen und die einige hundert Meter entfernte Synagoge zu besuchen. Damit erinnerten sie an die Opfer des antisemitischen Terroranschlags von Halle und drückten zugleich der jüdischen Gemeinde ihre Solidarität aus.


Oliver Hoesch
Sprecher der Landeskirche

 

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