Landeskirche wirtschaftlich gut aufgestellt

Letzte Tagung der 15. Landessynode beginnt am kommenden Mittwoch

Stuttgart. Zum letzten Mal treffen die 98 Synodalen der 15. Württembergischen Landessynode von Mittwoch bis Samstag, 16 - 19. Oktober, im Stuttgarter Hospitalhof zusammen. Auf der Tagesordnung stehen 37 Punkte, darunter der landeskirchliche Haushalt von 2020. Weitere Schwerpunkte sind die strategische Planung der Landeskirche sowie eine erneuerte Trauagende. Am Mittwoch wird außerdem der EKD-Gottesdienstpreis an einen württembergischen Pfarrer überreicht. Mit Abschlussreden und einem Abendmahlsgottesdienst in der Stiftskirche am Samstagnachmittag schließen die Synodalen die Tagung. Bei den Kirchenwahlen am 1. Dezember wird die Synode neu gewählt.

Für das Präsidium der Landessynode blickte Vizepräsident Pfarrer Johannes Eißler auf das ehrenamtliche Engagement der Landessynodalen in der zu Ende gehenden Legislaturperiode zurück: „Wir haben 56 Tage im Plenum getagt, 400 Ausschusssitzungen abgehalten, insgesamt 289 Anträge und 45 Änderungsanträge bearbeitet. Studientage sind da noch nicht mitgezählt…“

Studientage gab es zur Grundordnung der EKD genauso wie zu Gottesdiensten für gleichgeschlechtliche Paare. „Wir haben in der Diversität unserer Landeskirche miteinander gerungen und schließlich ein Gesetz beschlossen, das dieses Ringen widerspiegelt und weiteres ‚Im-Gespräch-Bleiben“ dokumentiert. Wir sind die einzige Landeskirche, die auch Personen dritten Geschlechts mitberücksichtigt.“

Eißler erinnerte außerdem an wichtige Weichenstellungen wie die Förderung innovativer Ideen, Gesetze zur Weiterentwicklung der Struktur der Landeskirche, den PfarrPlan 2024. „Auch die Digitalisierungsförderung hat diese Landessynode auf den Weg gebracht. Und dabei die Kernaufgaben der Seelsorge und große gesellschaftliche Herausforderungen wie die Hilfe für Flüchtlinge beherzt in Angriff genommen.“

Finanzdezernent Oberkirchenrat Dr. Martin Kastrup sprach von einer „stabilen Ausgangssituation“ für das Haushaltsjahr 2020. Er sieht „die Landeskirche wirtschaftlich gut aufgestellt“; die Kirchensteuer werde im laufenden Jahr „überraschend ein nochmal besseres Ergebnis von 790 Millionen Euro“ (2018: 767 Millionen Euro) erreichen. Neben der Aufstockung der Verteilbeträge an Kirchengemeinden um drei Prozent und des landeskirchlichen Haushalts um 2,6 Prozent sieht der Finanzdezernent in den Bereichen Familie, Kommunikation, Personalmanagement und Digitalisierung inhaltliche Schwerpunkte für das kommende Jahr. Darunter die Förderungen für eine religionspädagogische Videoclip-Reihe (250.000 Euro), die Fortführung des Jugendstudien-Projekts „Jugend zählt“ (163.000 Euro) sowie Mittel für die Öffentlichkeitsarbeit, etwa für Aufbau und Inbetriebnahme eines zentralen Newsrooms (659.400 Euro).

Außerdem sind im Haushaltsentwurf 3,9 Millionen Euro für die Küchensanierung im Stift Tübingen, 1,9 Millionen Euro für die Sanierungen in der Schulstiftung, etwa des Schlossareals in Michelbach, oder die Modernisierung der Mutter-Kind-Kurklinik in Scheidegg (1,6 Millonen Euro Kirchensteuermittel).

Der Vorsitzende des Finanzausschusses, Michael Fritz, bekräftigte die Position seines Ausschusses, wonach die gute Entwicklung 2019 eine stärkere Anhebung der Zuweisung an die Kirchengemeinden auf vier Prozent rechtfertige, während der Oberkirchenrat für drei Prozent plädiere. Darüber werde die Synode am Freitagvormittag unmittelbar vor der Debatte über das Haushaltsgesetz entscheiden.

Zum Neubau des Oberkirchenratsgebäudes sagte Fritz, die Ergebnisse der Kostenberechnung machten auf den Finanzausschuss einen fundierten Eindruck, der Risikopuffer innerhalb des Budgets liege bei über fünf Prozent. Deshalb empfehle der Ausschuss auch, zusätzliche Mittel von 3,2 Millionen Euro freizugeben, den größten Teil davon für eine moderne Eisspeicherheizung, die insgesamt zu einem nahezu CO2-neutralen Gebäude führe.

Fritz wies ferner auf die steigenden Verpflichtungen insbesondere für die Altersversorgung des Pfarrdienstes hin: Zwischen 2015 und 2020 seien die laufenden Ausgaben für die Versorgung um 37 Prozent gestiegen, „und alle Prognosen zeigen, dass dieser steile Anstieg nicht vorbei ist“, so Fritz. Insgesamt gehe die Landeskirche „mit Rückenwind aus 2019, aber mit der gebotenen Vorsicht ins Jahr 2020“.

Am Ende der Synodentagung stehen am Samstag die Würdigung langjähriger Synodaler – manche sind bereits seit vier Wahlperioden dabei, also 24 Jahre lang – sowie ein gemeinsamer Abendmahlsgottesdienst in der Stuttgarter Stiftskirche.

 

Oliver Hoesch
Sprecher der Landeskirche