| Kirchenjahr

„Für ein achtsameres Leben“

Klimaschutz in der Fastenzeit: Sieben Wochen lang bewusster leben

Die Evangelische Landeskirche in Württemberg beteiligt sich dieses Jahr zum ersten Mal an der deutschlandweiten Aktion „Klimafasten“. Das Motto lautet „Soviel du brauchst…“ Siglinde Hinderer, Klimaschutzmanagerin der Landeskirche, erklärt im Interview mit Achim Schmidt, was es damit auf sich hat, mit welchen Themen sich die Aktion beschäftigt und wie jede und jeder mitmachen kann.

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© privat

Das Motto der Aktion „Klimafasten“ lautet „Soviel du brauchst…“. Was hat es damit auf sich?
Klimaschutz und Klimagerechtigkeit stehen im Mittelpunkt der Fastenzeit, in der wir versuchen, bewusst wahrzunehmen, was wir haben und worauf wir bewusst verzichten können. Gott gibt uns den Auftrag die Schöpfung zu bewahren und nicht über die Grenzen unserer Erde hinaus zu leben und dadurch unseren Kindern die Zukunft zu rauben. Mit dem biblischen Leitsatz „So viel du brauchst“ regt die Fastenaktion also dazu an, sich Zeit zu nehmen, das eigene Handeln im Alltag zu überdenken, neues auszuprobieren und etwas zu verändern.

Wie läuft die Aktion konkret ab?
Die Aktion besteht aus sieben verschiedenen Wochenthemen. In jeder Woche der Fastenzeit wird also ein anderer Aspekt in den Mittelpunkt gerückt. Dabei geht es zum Beispiel darum, den eigenen Energiehaushalt zu überprüfen, fairer zu konsumieren oder gemeinsam mit anderen etwas im alltäglichen Handeln zu verändern.

Ich möchte nun mitmachen! Was kann ich tun? 
Da gibt es viele Möglichkeiten, die von Person zu Person und nach Interesse unterschiedlich sein können. Die einen sind zum Beispiel eher technisch orientiert und überprüfen, welche Geräte sie in ihrem Haushalt haben, die auf Stand-By stehen und eigentlich nicht laufen müssten. Oder sie fragen sich: Gibt es Räume in meinem Haus, die beheizt werden, obwohl ich sie nicht nutze oder nicht da bin? Andere beschäftigen sich lieber mit Ernährung oder Nachhaltigkeit und können beim Einkauf darauf achten, dass die Lebensmittel nicht in Plastik verpackt sind, und dass Nahrungsmitteln aus der Region kommen, um lange Lieferwege zu vermeiden. Das Angebot ist sehr vielfältig und jeder sollte für sich entscheiden, was am besten zu einem selbst passt. 

Wenn ich etwas für mich gefunden habe, wie ich mich beteiligen möchte: Worauf sollte ich achten?
Sie sollten das Gefühl haben, dass es für Sie selbst stimmig und richtig ist und dann darauf achten, was das mit Ihnen selbst macht, welche Auswirkungen das auf Ihr eigenes Leben hat, wenn Sie etwas an Ihrem Lebensstil ändern. Im Idealfall haben diese Verhaltensanpassungen Bestand über die Fastenzeit hinaus. 


Siglinde Hinderer arbeitet in der Projektstelle „Klimaschutzmanagement der Evangelischen Landeskirche Württemberg“. Neben der Bilanzierung des CO2-Ausstoßes unserer Landeskirche soll sie dazu beitragen, dass Maßnahmen ergriffen werden, die zu einer Emissionsminderung in den Bereichen „Immobilien“, „Mobilität“, „Beschaffung“ und „Ernährung“ führen und die Bewusstseins- und Wissensbildung fördern.


An der Aktion beteiligen sich elf evangelische Landeskirchen und drei katholische Bistümer. Die württembergische Landeskirche ist dieses Jahr zum ersten Mal dabei. Wie kam es dazu? 
Klimaschutz hat einen sehr hohen Stellenwert in unserer Landeskirche. Die Synode hat sich beispielsweise das Ziel gesetzt, bis 2050 klimaneutral zu werden. Um das zu erreichen, schauen wir gerade, an welchen Stellen wir weitere Maßnahmen zu Gunsten des Klimaschutzes ergreifen können. In der Fastenzeit hält man inne, überprüft seinen Lebensstil, nimmt sich zurück, kommt zur Ruhe und hört darauf, was Gott einem zu seinem Leben zu sagen hat. Mit der Aktion „Klimafasten“ bringen wir die Themen Klimaschutz und Klimagerechtigkeit mit der Passionszeit in Verbindung.  Das ist super und daher unterstützen wir das gerne.

Was können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für ihr weiteres Leben mitnehmen?
Ich würde mir wünschen, dass die Menschen ein achtsameres Leben mit einem bewussten „genug“ finden würden. Dass sie nicht das Gefühl haben, auf etwas verzichten zu müssen, sondern realisieren, dass der Verzicht gut tut. Ein schöner Effekt wäre noch, wenn alle die mitmachen durch diese Aktion gegenseitig voneinander lernen und sich untereinander austauschen. Wenn so andere für das Thema begeistert werden, wäre das ein sehr großer Gewinn.