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"Geld sucht Sinn"

Was Fundraiser beim Engagement für soziale Werke bedenken müssen

Wer Gutes tun will, braucht Unterstützer. Fundraising ist eine professionelle Methode, Freunde und Finanzen für den guten Zweck zu gewinnen. Ein evangelischer Anbieter hat in den vergangenen zehn Jahren rund 200 Fundraiser ausgebildet.  

Pfarrer Helmut Liebs bei der Präsentation von "Was bleibt. Weitergeben. Schenken. Stiften. Vererben"EMH/Gottfried Stoppel

Es geht nicht nur ums Geld, das macht Pfarrer Helmut Liebs gleich zu Beginn klar. Liebs ist bei der württembergischen evangelischen Landeskirche fürs Fundraising und das Stiftungswesen verantwortlich. Fundraising ist nach seiner Definition der Aufbau und die Pflege von Beziehungen, um für ein Projekt vielfältige Unterstützung zu bekommen. Das kann für die Kirchturmsanierung die ehrenamtliche Arbeit auf der Baustelle sein, die Organisation einer Benefizveranstaltung, aber natürlich auch die klassische Spende.

Seit 2006 gibt es im Südwesten eine Fundraising-Weiterbildung: eine Kooperation der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg, der Fundraising-Akademie in Frankfurt am Main sowie der württembergischen und badischen Landeskirche. Rund 200 Frauen und Männer haben sich inzwischen ausbilden lassen. Zwei Drittel kommen aus dem kirchlich-diakonischen Bereich, ein Drittel aus nichtkirchlichen Organisationen, etwa für Ökologie, Gesundheit, Soziales oder Kultur. 

Das mächtigste Werkzeug im Fundraising ist immer noch der Spendenbrief.

Pfarrer Helmut Liebs

Eine von ihnen ist Christiane Wacker-Singer aus Schriesheim bei Heidelberg, Mutter einer Tochter und Teilzeitbeschäftigte in der Radiologie einer Heidelberger Klinik. Bei einer Nahostreise mit ihrem Ehemann, dem früheren baden-württembergischen Kultusstaatssekretär Georg Wacker (CDU), besuchte sie in Bethlehem das Begegnungs- und Bildungszentrum des lutherischen Pfarrers Mitri Raheb. Der Theologe ist weltweit für sein Engagement in Palästina bekannt, 2011 erhielt er den Deutschen Medienpreis.

Wacker-Singer war von den Gesprächen mit den Menschen in Bethlehem so angetan, dass sie Rahebs Arbeit unterstützen wollte. Sie engagierte sich kurz darauf im württembergischen Förderverein Bethlehem, entwarf einen ersten Flyer für die Öffentlichkeitsarbeit. Zum Großprojekt wurde der Bau einer Solaranlage, wofür sie lernen musste, wie man Förderanträge an Stiftungen schreibt und den Export der Technik nach Palästina begleitet. Die Solaranlage hat gleich zwei Vorteile: Sie macht die Einrichtung in Bethlehem weniger abhängig von israelischen Stromlieferungen - und sie ermöglicht vor Ort jungen Palästinensern eine Ausbildung zum Solartechniker.

Bethlehem braucht weitere Hilfe. Deshalb hat sich Christiane Wacker-Singer entschlossen, die Fundraising-Ausbildung zu absolvieren, die sie diesen Sommer abschließt. An sieben Wochenenden innerhalb von neun Monaten befassen sich die Teilnehmer im Stuttgarter Hospitalhof mit allen wichtigen Themen: vom Aufbau einer Kontakt- und Spenderdatenbank über das Finden von Großspendern bis zur Öffentlichkeitsarbeit. Bezahlt werden die Ausbildungskosten von rund 2.500 Euro entweder, wie bei Wacker-Singer, aus eigener Tasche oder von der Organisation, in deren Auftrag die Weiterbildung geschieht.

Das mächtigste Werkzeug im Fundraising ist nach Beobachtung von Pfarrer Liebs immer noch der Spendenbrief. Diesen in der richtigen Tonlage zu verfassen - Liebs nennt den Brief "ein Gespräch auf Papier" - gehört ebenfalls zur Ausbildung. Entscheidend sei es zu vermitteln, welche konkrete Wirkung eine Spende habe.

Das hat Wacker-Singer bereits umgesetzt. Derzeit unterstützt der Bethlehem-Verein den Aufbau einer Bibliothek. Auf der Internetseite erfährt man, dass man etwa für 300 Euro einen ganzen Regalmeter mit Büchern füllen und mit 1.000 Euro einen Multimedia-Arbeitsplatz einrichten kann. Unerfüllt geblieben sind laut Helmut Liebs die Hoffnungen, die man seit 15 Jahren auf das Spenden via Internet setzt. Bis heute stammten lediglich fünf Prozent des Spendenvolumens aus dem Anklicken eines Spendenknopfs auf den Webseiten sozialer Organisationen.

Was in den kommenden Jahren zunehmen wird, ist das sogenannte Vermächtnisfundraising. Noch mindestens zehn Jahre lang würden in Deutschland pro Jahr mindestens 300 Milliarden Euro vererbt, sagt Helmut Liebs. Da viele Menschen keine eigenen Kinder haben und mit ihrem Vermögen posthum noch Gutes tun wollen, seien hier stärkere Zuwendungen für gemeinnützige Werke möglich. Denn, so Liebs: "Geld sucht Sinn." 


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