|

Der Schöpfung zuliebe

Was Gemeinden für den Klimaschutz tun

Die Evangelische Landeskirche in Württemberg hat sich das Ziel gesetzt, den Energieverbrauch im Gebäudebereich bis zum Jahr 2050 auf die Hälfte zu senken. Und den verbleibenden Energiebedarf aus erneuerbaren Energien zu decken. Was Gemeinden konkret dazu beitragen können, um ihren Energiehaushalt zu optimieren, hat Achim Schmidt in Erfahrung gebracht. 

Seit im Jahr 2000 der Grüne Gockel ins Leben gerufen wurde, hat sich viel getan. Das Umweltmanagementsystem dient dazu, das Energie- und Wasseraufkommen um bis zu 30 Prozent zu senken, damit die Umwelt zu schonen und auch Betriebskosten zu sparen. Weit über 700 Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen in Deutschland arbeiten bereits erfolgreich mit diesem System. Gemeinden, die sich zertifizieren lassen wollen, müssen vorher verschiedene Phasen durchlaufen, die unter anderem die Definition verbindlicher Ziele beinhalten. Der grüne Gockel ist nur eine Möglichkeit, um den Energiehaushalt in der Gemeinde zu verbessern. Die Landeskirche hat mit ihren Partnern in Baden-Württemberg einen kirchlichen Stromanbieter, die KSE, die Öko-Strom aus Wasserkraft anbietet und nicht gewinnorientiert arbeitet. 

Thomas Janssenprivat

Mit gutem Beispiel voran

In der Gesamtkirchengemeinde Esslingen wurde für die Bewahrung der Schöpfung eine 25-Prozent-Stelle geschaffen. Seit Februar 2019 ist Diplom-Ingenieur Thomas Janssen dort für den Klimaschutz verantwortlich. Zu seinen Aufgaben gehört unter anderem, einen jährlichen Klimaschutzbericht zu erstellen, sodass die Gesamtkirchengemeinde einen umfassenden Überblick über den Energiehaushalt bekommt und entsprechend handeln kann, wenn es Optimierungsbedarf gibt. „Wir möchten den CO2-Ausstoß unserer Gesamtkirchengemeinde bis spätestens 2020 um 40 Prozent senken“, so der Klimaschutzbeauftragte. Um das zu erreichen betreibt die Gemeinde beispielsweise Solaranlagen und saniert nach und nach ihre Kirchengebäude. Bei Letzterem wurden hauptsächlich neue Heizanlagen inklusive Steuerelementen verbaut. Dadurch konnte die Leistung der Heizanlagen von 180 KW auf ca. 90 KW halbiert werden. Diese Maßnahmen wurden auch deshalb umgesetzt, weil Thomas Jannsen in einzelnen Gemeinden einige Defizite festgestellt hat: „In einer Kirchengemeinde waren Heizungsfühler falsch montiert. In der Kirche wurde daher für drei Jahre fast das Doppelte verbraucht.“ Trotz des mittlerweile guten Energiehaushaltes könne man in Sachen Klimaschutz in den Gemeinden noch einiges  verbessern, so Janssen.  „Ich sehe es als ganz wichtige Aufgabe im kirchlichen Umfeld immer wieder dafür zu sorgen, dass wir in Sachen Klimaschutz, gerade in Hinblick auf die Schöpfungsbewahrung, Vorbild sind.“


„Die Stelle als Klimaschutzbeauftragter ist mein Baby“. Dipl.-Ing. Thomas Janssen hat Landschaftsplanung in Berlin studiert, später eine Weiterbildung zum Energieberater in Esslingen gemacht und sich parallel dazu zum Umweltauditor ausbilden lassen.


Frithjof Rittbergerprivat

Mit kleinen Schritten zu großem Erfolg

Die Gesamtkirchengemeinde Weilheim-Hirschau hat ihren gesamten Strombezug auf den Tübinger Ökostromtarif umgestellt. Dadurch werden keine zusätzlichen CO2 Emissionen verursacht. „Zusätzlich wird bei uns regelmäßig der Verbrauch der einzelnen Bereiche, wie Strom und Heizung, erfasst und dann mit anstehenden Veranstaltungen abgeglichen, um so den Energieverbrauch zu optimieren“, sagt Pfarrer Frithjof Rittberger. „Für die Zukunft wünsche ich mir, dass alle Pfarr- und Gemeindehäuser sowie Kirchen in unserer Landeskirche aus erneuerbaren Energien beheizt werden.“

Durch gut angepasste Beleuchtung und allmählichen Ersatz der Leuchtmittel durch LED in der Weilheimer Nikomedeskirche wird ein weiterer Energiesparimpuls gesetzt. So konnten in den letzten beiden Jahren knapp bis zu einem Drittel der regulären Stromgebühren zurückgewonnen werden. Außerdem ist die Gemeinde im Jahr 2015 komplett auf Recyclingpapier umgestiegen. Die Umstellung gilt sowohl für den Gemeindebrief als auch für alle Unterlagen, die in der Gemeinde gedruckt werden.

Klimaschutz in der Gemeinde? Kein Problem!

Wenn Gemeinden ihren Energiehaushalt verbessern möchten, können Interessierte die Mitarbeitenden des Umweltbüros der Landeskirche beispielsweise beim Kirchengemeinderatstag am 6. April 2019 in der Schwabenlandhalle Fellbach, beim Landesmesnertag am 20. Mai in Nürtingen oder auch bei der Bundesgartenschau in Heilbronn vom 20. bis 26. Mai ansprechen.

Die Landeskirche stellt zusätzlich Informationen zum richtigen Heizen, mit Checklisten für einen Gebäuderundgang bis zur Einführung des Energiemanagements oder des Grünen Gockels, zur Verfügung. Dazu werden energiesparende Maßnahmen finanziell unterstützt, wie z.B. der Austausch von alten Heizungspumpen. Aber auch beim Sanieren gibt es für energetische Maßnahmen zusätzliche Fördermittel.

Möchten Gemeinden keine Solaranlagen selbst anschaffen, besteht zudem noch die Möglichkeit, die Dächer der Gemeindegebäude an die Ökumenische Energiegenossenschaft zu verpachten, die dann Solaranlagen auf den Dächern installiert. Anschließend können sie einen Teil der Solaranlage von der Genossenschaft mieten und so die Gemeinde teilweise mit erneuerbarer Energie versorgen.

Die diesjährige Aktion Klimafasten ist sowohl für Privatpersonen als auch für Gemeinden eine gute Möglichkeit sich am Klimaschutz zu beteiligen. „Aus Achtung vor Gottes Schöpfung müssen die Kirchen mehr für den Klimaschutz und für Klimagerechtigkeit tun“, sagt Klaus-Peter Koch, der Umweltbeauftragte der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. „Mit dem ,Klimafasten‘ greifen wir eine uralte Tradition auf und hinterfragen unseren Lebensstil.“ Dabei komme es nicht darauf an, ob sich einer allein oder in der Gruppe dem Klimafasten anschließe.
 


Mehr News

  • Datum: 26.01.2023

    „Die Wachsamkeit schärfen“

    Landesbischof Gohl besucht am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus (27. Januar) die KZ-Gedenkstätte Bisingen. Im Vorfeld wies er auf die Bedeutung der vielen oft ehrenamtlich betreuten Gedenkorte und auf die besondere Aufgabe von Kirche hin.

    Mehr erfahren
  • Datum: 26.01.2023

    TV-Tipp: „Das letzte Ma(h)l“

    Jörg Ilzhöfer ist seit 30 Jahren Profikoch und betreibt eine Kochschule in Stuttgart. Daneben erfüllt er seit Jahren letzte Essenswünsche von Menschen im Hospiz. Wie kam es zu dem Engagement? Bei ALPHA & OMEGA spricht Moderatorin Heidrun Lieb mit Jörg Ilzhöfer darüber.

    Mehr erfahren
  • Datum: 26.01.2023

    Die Christenheit in China ist vielfältig

    In einem Gespräch mit dem chinesischen Schriftsteller Liao Yiwu und Kirchenvertreterinnen und -vertretern ging es darum, wie sich die Lage der Christinnen und Christen sowie der Gemeinden in den vergangenen Jahren entwickelt hat.

    Mehr erfahren
  • Datum: 25.01.2023

    Schülerpreis „Christentum und Kultur“

    Die vier großen Kirchen im Land haben die Preisträgerinnen und Preisträger des 20. Schülerwettbewerbs „Christentum und Kultur“ ausgezeichnet. Prämiert wurden u.a. ein Beitrag über die Gottessuche einer jungen Frau und zwei Beiträge über die Bedeutung der Musik.

    Mehr erfahren
  • Datum: 24.01.2023

    Forum Digitalisierung - jetzt anmelden

    „Regional und digital – Kirche in der Zeitenwende“ - so das Thema des Forums Digitalisierung, das württembergische und badische Landeskirche am 9. Februar als Online-Event veranstalten. Die Keynote hält Prof. Dr. Gunter Dueck. Die Anmeldung ist bis 5. Februar möglich.

    Mehr erfahren
  • Datum: 23.01.2023

    Rolf Bareis neuer Bischof der ELKG

    Der württembergische Pfarrer Rolf Barreis ist in sein Amt als neuer Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Georgien und dem Südlichen Kaukasus (ELKG) eingesetzt worden. Mit dabei: Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl mit einer Delegation der Landeskirche.

    Mehr erfahren
  • Datum: 20.01.2023

    Heike Bosien beim DiMOE verabschiedet

    Nach acht Jahren als Geschäftsführerin des Dienstes für Mission, Ökumene und Entwicklung (DiMOE) wechselt Heike Bosien als geschäftsführende Pfarrerin an die Schloßkirche in Winnenden. Nun ist sie in der Stuttgarter Hospitalkirche verabschiedet worden.

    Mehr erfahren
  • Datum: 20.01.2023

    Innovations-Werkstatt Ehrenamt

    Am 10. März findet die zweite #gemeindebegeistert-Innovationswerkstatt mit Impulsen rund ums Ehrenamt statt. Ein Impulsvortrag, die Vorstellung von vier innovativen Projekten und der Austausch untereinander machen den Abend kurzweilig. Jetzt anmelden!

    Mehr erfahren
  • Datum: 19.01.2023

    „Stilbildend für unsere Welt“

    Landesbischof Gohl hat mit dem Würzburger Generalvikar Vorndran und Vertretern der AcK und der Gemeinschaft Sant'Egidio einen Auftakt-Gottesdienst zur Gebetswoche für die Einheit der Christen gefeiert und über Jesaja 1,17 gepredigt: „Tut Gutes! Sucht das Recht!“.

    Mehr erfahren
  • Datum: 19.01.2023

    Das machen Glockensachverständige

    Für die Gemeinden haben Glockensachverständige eine wichtige Funktion. Sie überprüfen Zustand und Klang der uralten Instrumente. Was sind ihre Aufgaben? Wie läuft die Ausbildung? Zwei Videos auf unserer Glockenseite erklären es und geben Einblicke.

    Mehr erfahren
  • Datum: 19.01.2023

    Neue Staffel des „Theo Livestream Talk“

    Am Sonntagabend, 22. Januar, beginnt die siebte Staffel des interaktiven Talks über theologische Fragen. In drei Sendungen geht es diesmal um „Heiliger Geist“, „Nachfolge“ und „Kirche“. Auf Watchpartys von Jugendwerken und CVJMs kann das Format gemeinsam verfolgt werden.

    Mehr erfahren
  • Datum: 18.01.2023

    Pilgern in Baden-Württemberg

    Pilgern liegt im Trend. Dafür gibt es in Baden-Württemberg eine große Auswahl an langen und kurzen Wegen ganz unterschiedlichen Charakters. Mit vier Online-Treffs ab 24. Januar wollen die vier großen Kirchen interessierte Wanderer auf die Pilgersaison 2023 einstimmen.

    Mehr erfahren
Mehr laden