„Willkommen Zuhause, willkommen bei eurem Erbe“, auf Englisch: „welcome home, welcome to your heritage“ – mit diesen Worten begrüßte der Moderator der Presbyterianischen Kirche in Ghana (PCG), Rt. Rev. Dr. Abraham N.O. Kwakye, die Delegation unter Leitung von Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl. Weitere Teilnehmende waren Dr. Gabriela Gohl, Kirchenrätin Dr. Christine Keim und der Afrika-Referent der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS), Pfarrer Georg Meyer. Ein Bericht von Kirchenrätin Dr. Christine Keim, Leiterin des Referats für Mission, Ökumene und Entwicklung im Ev. Oberkirchenrat.

Der ghanaische Gastgeber, Moderator Dr. Kwakye, betonte die vielfältigen und lang gepflegten Kontakte zwischen Ghana und Württemberg: 1828 kam die Basler Mission, mit der die Landeskirche bis heute eng verbunden ist, an die damalige Goldküste, das heutige Ghana. Ein Datum, das bis heute lebhaft im Gedächtnis der PCG verankert ist. Und ein wichtiger Anlass, um im Jahr 2028 eine große 200-Jahr-Feier zu planen, die bereits 2024 gelauncht wurde. Im hiesigen Jahr 2026 kann auf 100 Jahre Unabhängigkeit der Kirche seit dem Ende des 1. Weltkriegs zurückgeblickt werden. Beide Daten sind im kirchlichen Leben der PCG wichtige Ereignisse, die fest im Bewusstsein der Menschen verankert sind. Aus der von Anfang an engen Verbundenheit zwischen Ghana und Württemberg ist heute eine tief verwurzelte Partnerschaft mit dem Kirchenbezirk Aalen bzw die langjährige Verbindung in der Gemeinschaft der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS) entstanden.

Der Landesbischof erinnerte in seiner Predigt am Sonntag Exaudi, 17.05., an den Württemberger Missionar, Sprachforscher und Bibelübersetzer Johannes Zimmermann (1825-1876) aus Gerlingen, der 26 Jahre in Ghana verbracht hat und dessen Spuren bis heute in Ghana und in seiner Heimatstadt präsent sind. In seiner Predigt ging Gohl aber auch auf die dunklen Kapitel in der Geschichte der PCG ein: „Es ist gut, dass wir heute diese Anfänge genau bedenken und uns fragen, wo es Unrecht, Leid und Unterdrückung gab, die die Botschaft des Evangeliums verdunkelten. Viele Christen der PCG, die aus der Basler Mission hervorging, waren Sklaven oder waren eng mit dem Schicksal der Sklaverei verbunden.“
Die Ankunft der portugiesischen Kolonialherren 1471 an der Goldküste und der in späteren Jahren damit verbundene Sklavenhandel haben diese dunkle Zeit in Ghana eingeleitet. Eindrucksvolle bauliche Werke wie das Osu Castle in Accra oder Elmina Castle in Elmina an der Cape Coast lassen heute noch die Spuren des damaligen jahrhundertelangen Sklavenhandels erkennen, der im März 2026 von der UN als das „schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ bezeichnet wurde.

Im Gespräch betonte der Moderator der PCG, Dr. Kwakye, dass hingegen das Erbe der Missionare bis heute hoch in Ehren gehalten werde. Es gäbe Beispiele, wie sich Missionare der Kolonialmacht entgegengestellt haben und dafür ins Gefängnis gewandert sind, wie der dänische Missionar Andreas Riis (1804-1854). Zwar sei es auch vorgekommen, dass einzelne Missionare sich die koloniale Denkweise und die damit verbundenen Handelsstrukturen zu Eigen gemacht haben. Doch grundsätzlich sehe die PCG hinter der Arbeit der Missionare und Missionarinnen letztlich das Werk Gottes, durch das die gute Botschaft von Jesus Christus zu ihnen kam.
Darüber hinaus wurde bei der Begegnungsreise der Dialog zwischen Christen und Muslimen thematisiert im Gespräch mit dem Vize-Direktor des Akrofi-Christaller-Institutes of Theology, Mission and Culture in Akropong, Pfarrer Dr. Johnson Mbillah, der zugleich Direktor von CISEA (Center für Interreligious Studies and Engagement in Africa) ist. Auch die Begegnung mit Prof. John Azumah, dem Direktor des Sanneh-Institutes, war eindrücklich und hob die Bedeutung des interreligiösen Dialogs hervor.
Ein Besuch beim Women Center in Abokobi schloss das dicht gefüllte Besuchsprogramm ab. Die PCG ordiniert seit 50 Jahren Frauen, wobei mit ca. 150 ordinierten Pfarrerinnen der Prozentteil bei über 1.500 Pfarrer immer noch eher gering ausfällt.
Der Ökumenereferent der PCG, Pfarrer Dr. Andrew Odjawo, der zugleich Vize-Präsident der EMS ist, hob die guten und intensiven Kontakte mit Württemberg innerhalb der EMS-Gemeinschaft hervor. Er verwies auf den geplanten Gegenbesuch im September 2026 in Württemberg, bei dem rund 60 Vertreter:innen aus den einzelnen Prälaturen (presbyteries) erwartet werden.
Kirchenrätin Dr. Christine Keim
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