„Wer den Eindruck erzeugt, dass politische Überzeugungen und persönliches Handeln auseinanderfallen, verliert Vertrauen“

Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl zu Doppelmoral und zur ethischen Debatte um Leihmutterschaft: Komplexe ethische Fragen vertragen keine Empörungskultur 

Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl hat zur Debatte über den Vorwurf der Doppelmoral im Fall von Jens Spahn Stellung genommen: „Wer den Eindruck erzeugt, dass politische Überzeugungen und persönliches Handeln auseinanderfallen, verliert Vertrauen. Dies beschädigt auch das Vertrauen in Politik insgesamt.“ Aus dem Verhalten Einzelner entstehe schnell ein „unbegründeter Generalverdacht gegenüber allen, die politische Verantwortung tragen“, so Gohl. Davon profitierten Anti-Demokraten, „die unsere demokratischen Grundwerte grundsätzlich infrage stellen“.

Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl (Archivbild)
Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl (Archivbild)

Gohl plädierte dafür, die „ethischen Fragen der Leihmutterschaft in Ruhe und angemessen“ zu diskutieren. Dies seien keine Fragen, „die sich mit einer schnellen Schlussfolgerung beantworten lassen“. Kinder seien „keine Ware“. Deshalb müssten die Folgen von Leihmutterschaft in Bezug auf alle Beteiligten sorgfältig bedacht werden: „Es geht um Menschen, ihre Würde und ihr Wohl, die durch solche Debatten selbstverständlich nicht abgewertet werden dürfen.“ Gohl sagte auch, er stimme dem „Verbot der Leihmutterschaft als Christ und Theologe“ zu.

Im Folgenden finden Sie den Volltext des Statements von Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl:

Eine breite und laute Debatte um die Themen Doppelmoral und Leihmutterschaft ist entbrannt. Kein Wunder, wenn ausgerechnet ein ehemaliger Gesundheitsminister und Mitglied der Regierungsfraktion, Jens Spahn, sein Kind präsentiert, das aus einer Leihmutterschaft hervorgegangen ist.

Es gibt in Deutschland ein klares Verbot der Leihmutterschaft, dem ich als Christ und Theologe zustimme. Dies wird allerdings nicht selten umgangen, wie im aktuellen Fall. Wenn nun ausgerechnet ein Politiker öffentlich macht, dass er im Ausland Leihmutterschaft in Anspruch genommen hat, geht es auch um Doppelmoral und Glaubwürdigkeit. Wer den Eindruck erzeugt, dass politische Überzeugungen und persönliches Handeln auseinanderfallen, verliert Vertrauen. Dies beschädigt auch das Vertrauen in Politik insgesamt. Aus dem Verhalten Einzelner entsteht schnell ein unbegründeter Generalverdacht gegenüber allen, die politische Verantwortung tragen. Davon profitieren am Ende die Anti-Demokraten, die unsere demokratischen Grundwerte grundsätzlich infrage stellen.

Ein unerfüllter Kinderwunsch verdient Mitgefühl. Auch deshalb dürfen ethische Fragen der Leihmutterschaft nicht ‚von oben herab‘, sondern müssen in Ruhe und angemessen diskutiert werden. Schon den Begriff ‚Leihmutter‘ halte ich für problematisch. Mutter bleibt man ein Leben lang. Welche Rolle spielt die finanzielle Abhängigkeit bei den Frauen, die ein Kind austragen? Welche Folgen hat es für Schwangerschaft und Geburt, wenn sie zur Dienstleistung werden? Wer kann sich diesen Weg überhaupt leisten? Kinder sind keine Ware. Deshalb müssen die Folgen von Leihmutterschaft in Bezug auf alle Beteiligten sorgfältig bedacht werden. Es geht um Menschen, ihre Würde und ihr Wohl, die durch solche Debatten selbstverständlich nicht abgewertet werden dürfen.

Die ethischen Fragen rund um Leihmutterschaft sind keine, die sich mit einer schnellen Schlussfolgerung beantworten lassen. Es ist deshalb gut, dass die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) diese Fragen aktuell sorgfältig bearbeitet.

 

 

Die Landeskirche in den sozialen Netzwerken

Instagram @elkwue - Newskanal der Landeskirche

Externer redaktioneller Inhalt

Hier wird Ihnen ein externer redaktioneller Inhalt bereitgestellt. Sofern Sie sich diesen anzeigen lassen, kann es sein, dass Daten von Ihnen an den Anbieter des externen Inhaltes gesendet werden.

Hinweis für Kirchengemeinden

Kirchengemeinden sind herzlich eingeladen, Texte wie diesen von www.elk-wue.de in ihren eigenen Publikationen zu verwenden, zum Beispiel in Gemeindebriefen. Sollten Sie dabei auch die zugehörigen Bilder nutzen wollen, bitten wir Sie, per Mail an kontaktdontospamme@gowaway.elk-wue.de nachzufragen, ob die Nutzungsrechte für den jeweiligen Zweck vorliegen. Gerne können Sie alle Bilder nutzen, die Sie im Pressebereich unserer Webseite finden. Sie möchten in Ihrem Schaukasten auf unsere Webseite verlinken? Hier erfahren Sie, wie Sie dafür einen QR-Code erstellen können. 

Weitere Texte, Grafiken und Vorlagen für Ihre Kanäle finden Sie auf unserer Materialseite.

Weitere Meldungen, die Sie interessieren könnten

„Das Leitbild der Vesperkirche ... ist ein starkes politisches Signal, wie wir uns das Zusammenleben wünschen, gerade in diesem Jahr der Pandemie“, sagte Diakonie-Vorsitzende Prof. Dr. Annette Noller in ihrer Predigt beim Auftaktgottesdienst der Vesperkirche in Stuttgart.

Stuttgarter Vesperkirche legt los

Mit einem Gottesdienst hat die siebenwöchige Vesperkirche in Stuttgart begonnen. Diakonie-Chefin Annette Noller erklärte in ihrer Predigt, die Vision hinter der Vesperkirche sei auch ein starkes politisches Signal, gerade in diesem Jahr der Pandemie.

Weiterlesen

Themenbild Gesetz Recht Richter Jura Hammer Bücher Gerechtigkeit
Viele Grundsätze des modernen Rechts basieren auf christlich-biblischen Leitlinien.

Modernes Recht basiert auf der Bibel

Vielen ist nicht bewusst, dass unser Rechtssystem in wichtigen Grundzügen auf genuin christliches Denken zurückgeht. Dabei geht es nicht nur um die Sonntagsruhe, sondern auch um abstrakte Grundätze wie Formfreiheit von Verträgen und das Verbot sittenwidriger Geschäfte.

Weiterlesen

Vesperkirche Stuttgart startet

Mit einem hybriden Gottesdienst startet am 17. Januar die Stuttgarter Vesperkirche. Die Predigt hält die Vorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg Annette Noller. Unterdessen müssen andere Kirchengemeinden ihre Vesperkirchen Corona-bedingt absagen.

Weiterlesen

#beziehungsweise: Die ökumenische Plakatkampagne möchte bei vollem Respekt gegenüber den Verschiedenheiten der Religionen ihre wechselseitigen Bezüge ins Gespräch bringen.

Christlich-jüdische Beziehungen

#beziehungsweise - unter diesem Titel thematisiert eine ökumenische Initiative die engen Beziehungen zwischen Christentum und Judentum anhand von 14 zentralen religiösen Themen. Dazu gibt es viele Materialien für Gemeinden und Religionslehrer.

Weiterlesen

Dr. Friedmann Eißler wird im April der neue Islambeauftragte der Landeskirche. Der 56 Jahre alte Pfarrer setzt auf Dialog und Angebote zur Sprachfähigkeit.

Friedmann Eißler setzt auf Dialog

Dr. Friedmann Eißler wird im April der neue Islambeauftragte der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Der 56 Jahre alte Pfarrer folgt auf Heinrich Georg Rothe an, der Ende Dezember in den Ruhestand gegangen ist.

Weiterlesen

In der Neujahrsandacht geht es um die Jahreslosung "Seid barmherzig...!"

Mit dem Landesbischof ins neue Jahr

„Seid barmherzig..!" : Mit einer Andacht zur Jahreslosung Lukas 6,36 aus der Stuttgarter Hospitalkirche begleiten Landesbischof Frank Otfried July und Pfarrerin Stefanie Heimann am Neujahrstag ins neue Jahr. Der Sänger und Gitarrist Florian Ostertag sorgt für die musikalische Gestaltung.

Weiterlesen

Farbschwäche:

Benutzen Sie die Schieberegler oder die Checkboxen um Farbeinstellungen zu regulieren

Einstellungen für Farbschwäche

Schrift:

Hier können die Schriftgröße und der Zeilenabstand eingestellt werden

Einstellungen für Schrift

Schriftgröße
D
1
U

Zeilenabstand
Q
1
W
Tastenkombinationen:

Mit den aufgeführten Tastenkombinationen können Seitenbereiche direkt angesprungen werden. Verwenden Sie auch die Tabulator-Taste oder die Pfeiltasten um in der Seite zu navigieren.

Inhalt Tastenkombinationen

Hauptnavigation: M
Toolbar Menü: T
Inhalt: C
Footer: F
Barrierefreiheit: A
Hauptnavigation: M
Toolbar Menü: T
Inhalt: C
Footer: F
Schriftgröße +: U
Schriftgröße -: D
Zeilenabstand +: W
Zeilenabstand -: Q
Nachtmodus : Alt (Mac Option Key) + J
Ohne Bilder: Alt (Mac Option Key) + K
Fokus: Alt (Mac Option Key) + G
Tasten­kombinationen: Alt (Mac Option Key) + O
Tastensteuerung aktivieren: Alt (Mac Option Key) + V
Alles zurücksetzen: Alt (Mac Option Key) + Y