beraten + beschlossen

 Sommersynode 2026

Sommertagung 2026 der 17. Landessynode am 3. und 4. Juli 2026

Am 3. und 4. Juli 2026 kam die Landessynode im Evangelischen Bildungszentrum Hospitalhof Stuttgart zu ihrer Sommertagung zusammen. Schwerpunkte der Tagung waren der Bischofsbericht von Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl zu Themen aus Kirche, Politik und Gesellschaft sowie die Personalplanung für Pfarrdienst und Schule der kommenden Jahre und die mitelfristige Finanzplanung. Ein Grußwort hielt unter anderem der Präsident des baden-württembergischen Landtags, Thomas Strobl. In dieser Ausgabe von beraten + beschlossen finden Sie die wichtigsten Themen und Eindrücke der Tagung kompakt zusammengefasst.

Ausführliche Berichte und Dokumente zu allen Themen der Tagung finden Sie hier

Direkt zu den wichtigsten Themen:

Eindrücke aus der Synodaltagung

Synodalpräsidentin Sabine Foth über die fünf wichtigsten Themen der Sommersynode

5 Themen - 5 Antworten - Synodalpräsidentin Sabine Foth zur Sommertagung der Landessynode 2026

Bischofsbericht

Kirche und Stärkung der Demokratie 

Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl unterstrich in seinem Bericht die Rolle der Kirche als Ort des Dialogs und des respektvollen Austauschs auch bei kontroversen gesellschaftlichen Fragen. Zugleich bekräftigte er die Verantwortung der Kirche für Schutzsuchende und warnte vor pauschalen Vorurteilen gegenüber Geflüchteten. Die Sorge um den Erhalt der demokratischen Institutionen hänge elementar mit dem Erstarken der AfD zusammen. Die Kirchen böten Gesprächs- und Dialogräume an – etwa bei der Initiative #VerständigungsOrte, in denen moderiert und zivilisiert zwischen den Vertretern sich widersprechender Überzeugungen zu kontroversen Themen gestritten werden könne. 

Thomas Strobl, Präsident des baden-württembergischen Landtags, betonte in seinem Grußwort, es brauche „starke Kirchen im Land“ angesichts der Herausforderungen, die Politik und Kirchen teilten: sinkende Zustimmungswerte und das Erstarken extremistischer und antidemokratischer Kräfte. Die Freiheiten des freiheitlichen, demokratischen Staates, die erst durch die Trennung von Staat und Glaube möglich geworden seien, brauchten „eine moralische Substanz“, zu der Kirche und Glaube erheblich beitrügen. Die Kirchen seien eine „unersetzliche Stimme“ für die Demokratie und leisteten einen „unschätzbar wertvollen Beitrag“ zum demokratischen Ethos. Gerade die „digitale Zukunft“ brauche ethische Orientierung.  

Weiter stellte sich Ralph Hartmann, seit Februar 2026 Beauftragter der evangelischen Landeskirchen in Baden und Württemberg bei Landtag und Landesregierung, vor der Landessynode vor. Hartmann sprach auch über die sogenannte „unsichtbare Mitte der Gesellschaft“. Er sehe hier für die Kirchen Potenzial, über das Öffnen von Räumen und offenen Gebäude sowie zusammen mit Vereinen und Zivilgesellschaft gerade im ländlichen Raum Begegnung zu schaffen. 

Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohls Bericht in voller Länge

Landesbischof Gohl wirbt für Spielräume, Stärkung kirchlicher Dienste und der Demokratie
Externer redaktioneller Inhalt

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Planung für Pfarrdienst und Schule

Personalstrukturplanungen für den Pfarrdienstund für Religionspädagoginnen und  -pädagogen

Mit dem Werkzeug der Personalstrukturplanung Pfarrdienst plant die Landeskirche die zahlenmäßige und strukturelle Entwicklung der Pfarrerschaft und trifft damit Prognosen für die Zukunft. Die Landessynode diskutierte die aktuellen Prognosen vor Allem im Hinblick auf die kommende Welle der Zurruhesetzungen und den Ausbau bereits bestehender alternativer Zugänge zum Pfarrdienst jenseits des klassischen grundständigen Theologiestudiums. Trotz enormer künftiger Herausforderungen gehöre die württembergische Landeskirche tendenziell zu den Gewinnern innerhalb der Fluktuationsvorgänge zwischen den Landeskirchen, da sie offensichtlich für Pfarrpersonen attraktiv erscheine, berichtete Oberkirchenrätin Kathrin Nothacker. Johannes Hartmann, Vorsitzender des Ausschusses für Kirchen- und Gemeindeentwicklung, sagte, Chancen lägen etwa beim Aufbau multiprofessioneller Teams und bei der Einführung alternativer Zugänge zum Pfarrberuf und bei der Gewinnung von Menschen verbindlich für den Weg ins Pfarramt. Tobas Geiger, Vorsitzender des Finanzausschusses, sagte bei der Finanzierung des Pfarrdienstes gelte es, sich keine Denkverbote aufzuerlegen.

Für die Personalstrukturplanung Religionspädagoginnen und -pädagogen sei berichtete Oberkirchenrätin Carmen Rivuzumwami, dass in den letzten Jahren die Versorgung durch Pfarrpersonen im Religionsunterricht zunehmend zurückgegangen und die Versorgung durch Religionspädagoginnen und -pädagogen im Verhältnis dazu angestiegen sei. Prisca Köpf, Vorsitzende des Ausschusses für Bildung und Jugend, stellte in ihrem Bericht fest, dass die Entscheidung der Landessynode vor einigen Jahren, pro Jahr acht neue Stellen für Lehrpersonen einzurichten, vorausschauend und gut gewesen sei. Sie hob zudem hervor, im Koalitionsvertrag der Landesregierung von Baden-Württemberg werde der „bekenntnisgebundene Religionsunterricht“ unterstützt. Tobas Geiger, Vorsitzender des Finanzausschusses, betonte, bei den Beratungen sei sich Finanzausschuss einige gewesen, dass der Religionsunterricht jeden Euro wert sei, der dafür ausgegeben werde.

Finanzplanung

Eckwerte zur mittelfristigen Finanzplanung beschlossen 

Die von Oberkirchenrat und Finanzausschuss vorgelegten Eckwerte zur mittelfristigen Finanzplanung 2026 bis 2030 wurden mit großer Mehrheit bei zwei Enthaltungen angenommen. Oberkirchenrat Dr. Fabian Peters stellte die Eckwerte zur mittelfristigen Finanzplanung 2026 bis 2030 vor und berichtete über die erwarteten finanziellen Rahmenbedingungen der Landeskirche, der Kirchenbezirke und -gemeinden in den kommenden Jahren. Die wirtschaftliche Entwicklung sei anspruchsvoll, aber planbar: Die Kirchensteuer entwickle sich schwächer als erwartet und die Versorgungsverpflichtungen seien erheblich. Zudem müsse die Finanzlage vieler Kirchengemeinden in den Blick genommen werden, da vielerorts die Aufwendungen die Erträge übersteigen und die Ausgleichsrücklage stetig schrumpfe.  

Der Vorsitzende des Finanzausschusses, Tobias Geiger, skizzierte die Umstände, mit denen die Landeskirche aktuell konfrontiert ist: den Kirchensteuerrückgang, die volatile Wirtschaftslage und die unverändert hohen Austrittszahlen. Es sei daher zu begrüßen, wenn die Kirchensteuerprognose für 2026 von über 800 Millionen Euro um 40 Millionen Euro reduziert werde, sagte Geiger. Das zeige auch, wie dringlich die Beschlüsse zur Haushaltskonsolidierung sind, um das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts bis 2028 zu erreichen. Die Eckwerteplanung gehe von der Erwartung aus, dass sich der Mitgliederverlust fortsetze, sagte Geiger. Es sei an der Zeit, überkommene Strukturen zu reformieren und Neues zu wagen. Geiger erinnerte daran, dass alle heute ergriffenen Maßnahmen die Landeskirche handlungsfähig halten und ihr künftig unter Umständen kleine finanzielle Spielräume erlauben. 

Theologischer Schwerpunkt

Theologisches Schwerpunktthema beschlossen: Segen als Kern gottesdienstlichen und seelsorgerlichen Handelns 

Die Landessynode wird sich in den kommenden drei Jahren mit dem theologischen Schwerpunktthema „Segen“ befassen. Dr. Karoline Rittberger-Klas, Vorsitzende des theologischen Ausschusses, berichtete, der Ausschuss teile den Wunsch, dass die Synode „nicht nur als gesetzgebendes Organ, sondern als geistlich leitendes Gremium der Landeskirche“ erkennbar sein solle. Ein Schwerpunktthema helfe, nach dem inneren Zusammenhang einzelner Themen zu fragen. Es könne deutlich werden, dass auch Strukturentscheidungen dem Verkündigungsauftrag der Kirche dienen müssten. Auch die Entwicklung einer gemeinsamen Vision für die Landeskirche sei möglich.  

Vorstellung der Anerkennungskommission

Anerkennungskommission vorgestellt

Die Beauftragte für Chancengleichheit, Ursula Kress, stellte die Aufgaben der Anerkennungskommission Württemberg vor, die im Januar 2026 ihre Arbeit aufgenommen hat. Mitglieder der Kommission sind Thomas Dörr, Präsident des Landgerichts a.D., Prof. Dr. phil. habil. Birgit Meyer und Dipl.-Psych. Stephen Church. Geschäftsführerin der Anerkennungskommission ist Selina Gogel. Die Anerkennungskommission hat das Ziel, Menschen, die im Raum der Landeskirche oder Diakonie sexualisierte Gewalt erfahren haben, zu unterstützen. Die Landeskirche und die Diakonie übernehmen dadurch Verantwortung für das Leid, das den Menschen zugefügt wurde und gewähren Leistungen in Anerkennung des erlittenen Leids, sowie Leistungen für die daraus resultierenden individuellen Folgen. Der Kommission obliegt die Entscheidung über die bei der Geschäftsstelle eingegangen Anträge; sie ist hierbei weisungsfrei und zur Verschwiegenheit verpflichtet. Um einheitliche Standards aller Landeskirchen für die Anerkennung des erlittenen Leids gewährleisten zu können und dahingehend Transparenz zu schaffen, gibt es eine gemeinsame Anerkennungsrichtlinie der EKD.  

Weltweite Kirche

Weltweite Kirche

Dr. Dagmar Pruin, Präsidentin von Brot für die Welt, wies darauf hin, dass die Zahl der Hungernden wachse, obwohl das Problem des Hungers lösbar sei. Es sei genug für alle da, die Ernährung der Weltbevölkerung stecke aber in eine Verteilungs- und Gerechtigkeitskrise, die zudem durch den Klimawandel angetrieben werde.  

In einem Bericht stellte Lea Schlenker, Programmbeauftragte für globale lutherische Theologie beim Lutherischen Weltbund, die Arbeit des Lutherischen Weltbundes (LWB) als gelebte Gemeinschaft von Kirchen in gegenseitiger Anerkennung und synodaler Verbundenheit vor. Ein Schwerpunkt ist diakonisches und humanitäres Handeln, insbesondere in Krisen-, Flucht- und Armutskontexten. Der LWB leistet Hilfe vor Ort, gestaltet kirchenübergreifende Programme und arbeitet mit internationalen Partnern zusammen. Zur theologischen Arbeit gehören unter anderem gemeinsame Stellungnahmen zu Fragen von Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, oft in Verbindung mit der Interessenvertretung für die politisch Schwächsten.  

Weiter sprach Schlenker über die Charta Oecumenica, ein Grundlagendokument der internationalen Ökumene. Sie wurde unter herausfordernden politischen und gesellschaftlichen Umständen in Europa aktualisiert und unterzeichnet. Die Neufassung soll die Kirchen von heute ansprechen, ökumenische Gespräche anregen und als Ressource für die ökumenische Zusammenarbeit dienen.  

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Kirchenrat Dan Peter

Sprecher der Evangelischen Landeskirche in Württemberg

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