12.05.2026

Ein Gesprächsformat in Reutlingen als #VerständigungsOrt

Gegenseitiges Verstehen verhilft zu einer differenzierten Wahrnehmung gesellschaftlicher Herausforderungen und zu einer konstruktiven Verständigung über die notwendigen Lösungsansätze

Mit dem Gesprächsformat „Sprechen und Zuhören“ gibt es in Reutlingen einen Ort zum Reden und Zuhören. Im Interview erzählt der Geschäftsführer des Diakonieverbands Reutlingen, Pfarrer Dr. Joachim Rückle, wie dabei Themen wie Nächsten- bzw. Fremdenliebe diskutiert werden. Das Format ist Teil der Initiative #VerständigungsOrte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Diakonie Deutschland und der „midi – Zukunftswerkstatt von Kirche und Diakonie“.

Pfarrer Dr. Joachim Rückle, Geschäftsführer vom Diakonieverband Reutlingen
Pfarrer Dr. Joachim Rückle, Geschäftsführer vom Diakonieverband Reutlingen

Warum ist Ihr Gesprächsformat ein #VerständigungsOrt? 

Dr. Joachim Rückle: Das vom Verein Mehr Demokratie entwickelte Format „Sprechen und Zuhören“ ermöglicht ein intensives gegenseitiges Verstehen, fördert aber auch ungemein die eigene Reflexion. Möglichst gut gemischte Vierergruppen tauschen sich dabei zu unterschiedlichen Themen aus. Die Fragestellung in der Reutlinger Vesperkirche war: Wie geht’s mir beim Thema Armut? Alle haben der Reihe nach vier Minuten Zeit sich dazu zu äußern, ohne unterbrochen zu werden. Es gibt drei Runden zur selben Frage. Das Gehörte wirkt dabei anregend für die eigene Reflexion. Man versteht gerade auch andere Meinungen, Haltungen durch das Erzählen persönlicher Erfahrungen viel besser.

Wieso ist es Ihnen beim Diakonieverband Reutlingen wichtig, einen #VerständigungsOrt anzubieten?

Rückle: Letztlich geht es darum, wie Nächstenliebe bzw. Fremdenliebe heute in einer vielfältigen Gesellschaft möglich ist. Außerdem geht es darum, auf dem Hintergrund wachsender Einsamkeit und Oberflächlichkeit wieder positive Erfahrungen mit persönlichen Begegnungen zu vermitteln. Letztlich ist dies auch Voraussetzung dafür, dass gesellschaftlicher Frieden und Solidarität und gelebte Demokratie erlebt werden können.

Kam es auch tatsächlich zu Kontroversen, die man für alle Beteiligten konstruktiv bearbeiten konnte? Kommt es zu „Verständigung“? Was verstehen Sie bei Ihrem Format konkret unter „Verständigung?“

Rückle: Es kommt vor allem dazu, dass man einander versteht, dass man nachvollziehen kann, wie jemand anderes auch zu einer anderen Meinung kommt. Methodisch geht es bei Sprechen und Zuhören mehr um ein differenziertes Wahrnehmen und nicht um einen Streit über die richtige Lösung. Wir haben deshalb eine Woche später ein Wahlpodium veranstaltet. Ein Großteil der Menschen ist wiedergekommen. Die politische Debatte war sehr konstruktiv. Das heißt: Gegenseitiges Verstehen hilft zu einer differenzierten Wahrnehmung gesellschaftlicher Herausforderungen und zu einer konstruktiven Verständigung über die notwendigen Lösungsansätze. Zum Beispiel gab es großen Konsens darin, dass mehr in Bildung investiert werden muss.

#VerständigungsOrte

Kirche und Diakonie setzen sich angesichts von Krisen, Polarisierung und Populismus für mehr Verständigung ein. Die Initiative #VerständigungsOrte – Wir. Reden. Hier. der EKD, der Diakonie Deutschland und der "midi – Zukunftswerkstatt von Kirche und Diakonie" ermutigt alle Gemeinden und Einrichtungen von Kirche und Diakonie dazu, Räume für Gespräche zu öffnen und Menschen mit unterschiedlichen Ansichten zum Austausch einzuladen.

Die Fragestellung in der Reutlinger Vesperkirche war: Wie geht’s mir beim Thema Armut?
Die Fragestellung in der Reutlinger Vesperkirche war: Wie geht’s mir beim Thema Armut?

Haben Sie ganz praktische Tipps, wie man - auch aus einer christlichen Haltung heraus - angesichts von Krisen, Polarisierung und Populismus wieder ins Gespräch kommen kann?

Rückle: Ich kann dieses Format sehr empfehlen. In Reutlingen gibt es jetzt eine ganze Reihe von Veranstaltungen in diesem Format, verantwortet von der katholischen Erwachsenenbildung. Die Methode ist gerade bei sehr kontrovers diskutierten Themen sehr hilfreich.

Was würden Sie anderen empfehlen, die auch einen #VerständigungsOrt anbieten möchten?

Rückle: Bevor man mit konkreten Planungen loslegt, braucht es eine Gruppe von Menschen, die sich dafür begeistern lassen. Bei uns gab den Ausschlag eine Moderationsschulung, an der fast 80 Personen teilgenommen haben und in der das Format erlebt und reflektiert werden konnte. Und dann braucht es Partner mit Erfahrung, mit Räumlichkeiten, Netzwerk … Der große Vorteil: Man braucht keine externen Referenten und hat wenig Vorbereitungsaufwand.

Weiteres zu #VerständigungsOrte

#VerständigungsOrte: Das Gesprächsformat "Sprechen und Zuhören" in Reutlingen

Mit dem Gesprächsformat „Sprechen und Zuhören“ gibt es in Reutlingen einen Ort zum Reden und Zuhören. Im Interview erzählt der Geschäftsführer des Diakonieverbands Reutlingen, Pfarrer Dr. Joachim Rückle, wie dabei Themen wie Nächsten- bzw. Fremdenliebe diskutiert werden.

Weiterlesen

#VerständigungsOrte: „Hoffnungshäuser der Hoffnungsträger Stiftung Leonberg"

Mit den Hoffnungshäusern gibt es an zehn Standorten in Baden-Württemberg Orte zum Reden und Zuhören. Im Interview erzählt Agnes Hoffmeister, wie unterschiedlich die Menschen sind, die in dem integrativen Wohnkonzept miteinander leben, wie konkret Zusammenhalt und Vertrauen vor Ort gestärkt werden und welche Rolle die Nächstenliebe spielt.

Weiterlesen

#VerständigungsOrt: „Begegnungstreff Blaubeuren"

Mit dem Begegnungstreff gibt es im Diakonieladen in Blaubeuren einen Ort zum Reden und Zuhören. Im Interview erzählt Christine Klass davon, wie vielfältig das Veranstaltungsangebot dort ist, welche Personengruppen sich engagieren und wie wichtig Wertschätzung für Verständigung ist.

Weiterlesen

„Metamorphosen - zwei verknüpfende Wochen“: Ein #VerständigungsOrt in Bad Cannstatt

Mit der Veranstaltungsreihe „Metamorphosen – zwei verknüpfende Wochen“ gab es in der Evangelischen Stadtkirchengemeinde Bad Cannstatt einen Ort zum Reden und Zuhören. Im Interview erzählt der geschäftsführende Pfarrer Alexander Stölzle, was das Metamorphosen-Projekt auszeichnet und was unter der eigenen unabwendbaren Wandelbarkeit zu verstehen ist.

Weiterlesen

„Lebendige Bibliothek“: Ein #VerständigungsOrt in Rottweil

Mit dem Gesprächsformat „Lebendige Bibliothek“ schafft die Evangelische Erwachsenenbildung SüdwestWürttemberg einen Ort zum Reden und Zuhören. Im Interview erzählt Geschäftsführerin Dr. Janina Niefer, was unter lebendigen Büchern zu verstehen ist und inwiefern Teilnehmende mit ihrer Hilfe über den eigenen Tellerrand hinausblicken können.

Weiterlesen

Tag der Württembergischen Pfarrerinnen und Pfarrer

„Es ist unser Anspruch als Kirche, dass wir Orte des Austauschs offen halten in unserer zunehmend polarisierten Gesellschaft.“ Das sagte Landesbischof Gohl in seiner Predigt beim Tag der Württembergischen Pfarrerinnen und Pfarrer in Heidenheim.

Weiterlesen

Hinweis für Kirchengemeinden

Kirchengemeinden sind herzlich eingeladen, Texte wie diesen von www.elk-wue.de in ihren eigenen Publikationen zu verwenden, zum Beispiel in Gemeindebriefen. Sollten Sie dabei auch die zugehörigen Bilder nutzen wollen, bitten wir Sie, per Mail an kontaktdontospamme@gowaway.elk-wue.de nachzufragen, ob die Nutzungsrechte für den jeweiligen Zweck vorliegen. Gerne können Sie alle Bilder nutzen, die Sie im Pressebereich unserer Webseite finden. Sie möchten in Ihrem Schaukasten auf unsere Webseite verlinken? Hier erfahren Sie, wie Sie dafür einen QR-Code erstellen können. 

Schon gewusst?

Was es mit der Kirchensteuer auf sich hat, wie sie bemessen wird und welche positiven Effekte die Kirchen mit der Kirchensteuer an vielen Stellen des gesellschaftlichen Lebens erzielen, erfahren Sie auf www.kirchensteuer-wirkt.de.

Grafik Kirchensteuer wirkt Bildung

Weitere Meldungen, die Sie interessieren könnten

Gedenktag: Zum 200. Todestag von Johann Friedrich Oberlin

Am 1. Juni 1826 starb der evangelische Pfarrer, Pädagoge und Reformer Johann Friedrich Oberlin. Er verstand sich als Lehrer und Katechet der Kinder, aber auch der Erwachsenen. Auf Oberlins Initiative hin entstanden Kleinkinderschulen, die Vorläufer der Kindergärten.

Weiterlesen

Evangelischer Buchpreis

Annett Gröschner ist mit dem Evangelischen Buchpreis des Evangelischen Literatur-Portals e.V. für ihren Roman „Schwebende Lasten“ ausgezeichnet worden. Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl, Vorsitzender des Vereins, würdigte in seinem Grußwort Annett Gröschners Roman.

Weiterlesen

Vorfreude auf die 200-Jahr-Feier im Jahr 2028

Vom 12. bis 18. Mai war eine württembergische Delegation unter Leitung von Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl zu Gast bei der Presbyterianischen Kirche in Ghana (PCG). Darüber berichtet hier Kirchenrätin Dr. Christine Keim.

Weiterlesen

„Die akademische Theologie mit der Weite kirchlicher Praxis verbinden“

Dr. Karoline Rittberger-Klas ist in das neue Amt der Direktorin des Evangelischen Stifts Tübingen gewählt worden. Sie folgt im Herbst 2026 auf Dr. Viola Schrenk, die im Sommer die Leitung des Pastoralkollegs der Landeskirche übernimmt.

Weiterlesen

Sexualisierte Gewalt gegen Frauen im digitalen Raum

Übergriffe im digitalen Raum spiegeln Rollenbilder, Machtverhältnisse und abwertende Haltungen wider – und sie prägen, wie Menschen einander offline begegnen. Darüber berichten hier mehrere Arbeitsbereiche der Landeskirche.

Weiterlesen

Gottesdienst zur konstituierenden Sitzung des Landtags

In einem ökumenischen Gottesdienst am 12. Mai in der Stuttgarter Domkirche St. Eberhard begrüßten Vertreterinnen und Vertreter der vier großen Kirchen im Land die neue Landesregierung und den neuen Landtag.

Weiterlesen

Farbschwäche:

Benutzen Sie die Schieberegler oder die Checkboxen um Farbeinstellungen zu regulieren

Einstellungen für Farbschwäche

Schrift:

Hier können die Schriftgröße und der Zeilenabstand eingestellt werden

Einstellungen für Schrift

Schriftgröße
D
1
U

Zeilenabstand
Q
1
W

Tastenkombinationen:

Mit den aufgeführten Tastenkombinationen können Seitenbereiche direkt angesprungen werden. Verwenden Sie auch die Tabulator-Taste oder die Pfeiltasten um in der Seite zu navigieren.

Inhalt Tastenkombinationen

Hauptnavigation: M
Toolbar Menü: T
Inhalt: C
Footer: F
Barrierefreiheit: A
Hauptnavigation: M
Toolbar Menü: T
Inhalt: C
Footer: F
Schriftgröße +: U
Schriftgröße -: D
Zeilenabstand +: W
Zeilenabstand -: Q
Nachtmodus : Alt (Mac Option Key) + J
Ohne Bilder: Alt (Mac Option Key) + K
Fokus: Alt (Mac Option Key) + G
Tasten­kombinationen: Alt (Mac Option Key) + O
Tastensteuerung aktivieren: Alt (Mac Option Key) + V
Alles zurücksetzen: Alt (Mac Option Key) + Y