Sechs Jahre lang war Sabine Foth die Präsidentin der 16. Landessynode. Im Interview spricht sie darüber, was sie motiviert hat, welche Momente sie besonders berührt haben und warum die Beteiligung von Kindern, Jugendlichen und Familien für die Zukunft der Kirche zentral ist.
Frau Foth, was hat Sie damals motiviert, sich als Synodalpräsidentin zu engagieren?
Sabine Foth: Für die Synode zu kandidieren, war für mich eine klare Entscheidung. Ich war bereits Mitglied der 15. Landessynode, und diese Arbeit hat mir große Freude bereitet: mich einzubringen, gemeinsam Kirche zu gestalten. Deshalb habe ich gedacht: Jetzt kandidiere ich auch für die 16. Landessynode.
Als ich gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte, als Präsidentin zu kandidieren, musste ich erst einmal schlucken und habe mich gefragt: „Kann ich mir das zutrauen?“ In dieser Zeit habe ich unglaublich viel gelernt – vor allem, noch mehr auf Menschen zuzugehen. Und wie schön ist es, gemeinsam etwas zu erreichen und zu gestalten.
Die Präsidentin oder der Präsident hat die Geschäfte der Landessynode zu führen und die Sitzungen unparteiisch und gerecht zu leiten. Sie oder er ist Sprecherin oder Sprecher der Synode, wahrt deren Würde und Rechte und übt während der Tagungen das Hausrecht in den Sitzungsräumen aus. Die Sitzungsleitung kann einem der Stellvertretenden übertragen werden. Die Präsidentin oder der Präsident steht dem Geschäftsführenden Ausschuss und dem Ältestenrat vor. Kraft Amtes ist er/sie auch Mitglied im Landeskirchenausschuss.
Es war eine herausfordernde Legislaturperiode – was hat Sie über die sechs Jahre getragen?
Foth: Die vergangenen Jahre waren herausfordernd, nicht zuletzt wegen Corona. Getragen hat mich – neben vielen Gummibärchen in Stresssituationen – vor allem das Miteinander: mit den Synodalen, der Geschäftsstelle und dem Oberkirchenrat. Dieses Zusammenwirken war für mich eine große Stütze.
Besonders berührt hat mich der Segen, der uns als Präsidium nach unserer Wahl zugesprochen wurde. Das war ein ganz besonderer Moment.
Was waren auf Ihrer Sicht Errungenschaften der 16. Landessynode?
Foth: Prägend war für mich das Gespräch mit allen Gesprächskreisen und deren Leitungen. Ich betone immer wieder, wie gut das Miteinander war: In der 16. Landessynode gab es so viele übergreifende Beschlüsse wie noch nie. Wir haben uns zugehört, miteinander gesprochen, kontrovers, aber wertschätzend diskutiert – und konnten danach auch über private Dinge reden.
Das ist für mich essenziell: Wir streiten uns, aber wir sehen einander als Menschen, als Mit-Christen, verbunden durch das Fundament des Evangeliums.
Was war Ihnen als Synodalpräsidentin besonders wichtig?
Foth: Neutral zu agieren, keinen Gesprächskreis zu bevorzugen und gleichzeitig moderierend zu wirken. Ich wollte alle Ansichten wahrnehmen, verstehen, was die einzelnen Gruppen bewegt, und gemeinsam zu guten Lösungen kommen. Diese Gemeinschaft war mir ein Herzensanliegen.
Das Amt der Synodalpräsidentin ist – wie das synodale Amt an sich – ein Ehrenamt. Und Sie sind auch in weiteren Ehrenämtern in der Landeskirche tätig, etwa als Kirchengemeinderätin oder bei der Kirche mit Kindern in Württemberg. Wie haben Sie da die Balance gefunden mit Ihrem Beruf als Juristin?
Foth: Die Verbindung von Ehrenamt und Beruf ist natürlich herausfordernd. Ich habe das Glück, selbstständig zu arbeiten und meine Zeit flexibel einteilen zu können. Aber klar: Auch am Wochenende wird gearbeitet. Meine Familie steht dabei fest hinter mir, und dafür bin ich sehr dankbar. Wenn ich von einer Gerichtsverhandlung direkt in den Oberkirchenrat fahre oder ins nächste Ehrenamt, dann sind das für mich „Schreibtische“, die sich gegenseitig bereichern.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Landeskirche – gerade im Hinblick auf Kinder, Familien und junge Menschen, für die Sie sich besonders engagiert haben?
Foth: Für die Zukunft wünsche ich mir, dass Jugendliche nicht nur gehört, sondern wirklich beteiligt werden – auch bei kirchlichen Entscheidungen. Das ist ein großer Schritt und für alle Seiten herausfordernd, aber ich halte es für entscheidend, dass wir diesen Weg wagen.
Ebenso wichtig ist mir die Arbeit für Familien. Das Projekt „Familien stärken“ war ein bedeutender Schritt, und ich hoffe, dass wir hier dranbleiben: gemeinsam Konzepte und Formate entwickeln – und gleichzeitig flexibel bleiben, denn was heute passt, ist in zwei oder drei Jahren vielleicht nicht mehr aktuell. Und natürlich gilt es, Kinder wahrzunehmen und zu stärken. Ihnen zu zeigen: Ihr seid bei uns willkommen, so wie ihr seid. Das ist ein großes Gut, das wir bewahren müssen.
Kirchengemeinden sind herzlich eingeladen, Texte wie diesen von www.elk-wue.de in ihren eigenen Publikationen zu verwenden, zum Beispiel in Gemeindebriefen. Sollten Sie dabei auch die zugehörigen Bilder nutzen wollen, bitten wir Sie, per Mail an kontakt@