4. Juni 1875: 150. Todestag von Eduard Mörike

Bewundernswert die Geduld, die der Evangelische Oberkirchenrat – das Konsistorium – einst mit dem Theologen Eduard Mörike hatte. Entweder war Mörike Dauervikar oder wegen Krankheit beurlaubt. Und das von 1828 bis 1834, als er am 20. Mai zum Pfarrer in Cleversulzbach berufen und bereits 1843 auf eigenen Wunsch in den einstweiligen Ruhestand versetzt wurde.

Eduard Mörike wurde am 8. August 1804 in Ludwigsburg geboren. Weil er ein Cleverle war, konnte er bis 1822 das Seminar in Urach besuchen. 1826 bestand er das Theologische Examen als Tübinger Stiftler. In seinem Zeugnis wurde ihm bescheinigt, dass er über „ziemlich mangelhaftes, dennoch keineswegs zu verachtendes Wissen“ verfüge. Seine Leidenszeit im kirchlichen Dienst (er nannte es „Vikarsknechtschaft“) begann als Vikar in Oberbohingen, Möhringen und Köngen. 1828 ließ er sich beurlauben, um ab 1829 als Pfarrverweser in Pflummern und Plattenhardt zu wirken. Dann war er wieder Vikar in Owen, Pfarrverweser in Eltingen und Ochsenwang, Weilheim/Teck, dann wieder in Owen und Ötlingen. 1834 endlich seine erste Pfarrstelle in Cleversulzbach – es war auch seine letzte, immer wieder unterbrochen durch krankheitsbedingte Beurlaubungen.

Lieber Schreiben als Seelsorgen

Mörikes Berufung lag woanders. Er wurde in der deutschen Literaturgeschichte zur Brücke zwischen Romantik und Realismus. Seine Gedichte wurden vertont und machten ihn sogar in Europa bekannt.

Seine Bandbreite reichte von der Novelle “Lucie Gelmeroth”, über den Roman “Maler Nolte” bis zur Oper “Die Regenbrüder”. In das Herz der Schwaben schrieb er sich mit „Das Stuttgarter Hutzelmännchen“, darin enthalten „Die Historie der schönen Lau“.  Unvergessen auch sein Gedicht „Der alte Turmhahn“ über den Kirchturmgockel von Cleversulzbach. Seine Übersetzungen griechischer Lyrik haben heute noch Geltung.

Sein Beziehungsleben war ein permanentes Scheitern. Schon zu Lebenszeiten jedoch fand sein literarisches Schaffen Beachtung. 1851 begann er mit dem Unterricht der Literatur am Katharinenstift in Stuttgart, 1852 wurde er Ehrendoktor der Universität Tübingen. Ende Mai 1875 versöhnte er sich wieder mit seiner Frau. Am 4. Juni starb er. Am 6. Juni wurde er auf dem Pragfriedhof in Stuttgart beerdigt.

Eduard Mörike war ein Genie. Vielleicht hat der Evangelische Oberkirchenrat das frühzeitig erkannt und mit seiner unendlichen Geduld in Personalangelegenheiten ihn passend gewürdigt.

Jürgen Kaiser

Meldungen, die Sie interessieren könnten

100. Jahreslosung gewählt: „Du bist von Gott geliebt“

Die Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen hat die 100. Jahreslosung ermittelt - sie gilt 2029: „Du bist von Gott geliebt“ aus dem Daniel-Buch. Oberkirchenrat Dr. Jörg Schneider erklärt die Bedeutung von Jahreslosungen.

Weiterlesen

Gedenktag: Zum 100. Todestag von Marie Regine Josenhans

Der „Engel des Bohnenviertels“: Am 23. März 1926 starb die Autorin und Sozialpolitikerin Marie Regine Josenhans. Sie verband Mildtätigkeit mit institutioneller Reformarbeit als Stadt- und Kirchengemeinderätin und trug zur Professionalisierung der Armenhilfe in Stuttgart maßgeblich bei.

Weiterlesen

Ulmer Münster: Alte Zeichnungen reisen nach New York

Vier historische Zeichnungen („Risse“) mit Bezug zum Ulmer Münster werden vom 16. April bis 19. Juli 2026 im Metropolitan Museum of Art in New York zu sehen sein. Jetzt sind die sensiblen Archivstücke auf die Reise gegangen.

Weiterlesen

500 Jahre Johannes Brenz in Schwäbisch Hall

Aus Anlass des Reformationsjubiläums „500 Jahre Johannes Brenz in Schwäbisch Hall“ hob Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl in seiner Predigt im Festgottesdienst am 15. März die Bedeutung der Bildung im Denken des wichtigsten württembergischen Reformators Johannes Brenz hervor.

Weiterlesen

Landtagswahl am 8. März: Material und Infos

Am 8. März 2026 wählt Baden-Württemberg eine neue Landesregierung. Hier finden Kirchengemeinden, Medien und alle Interessierten Informationen und Materialien rund um die Wahl.

Weiterlesen

Gedenktag: Zum 175. Jahrestag der Einführung von Pfarrgemeinderäten

Durch königliche Verordnung wurden am 25. Januar 1851 Pfarrgemeinderäte in der württembergischen Landeskirche eingeführt und am 3. Februar allgemein bekanntgemacht. Ein erster, noch zaghafter, Schritt hin zu der heutigen Wahrnehmung von Leitung in den Kirchengemeinden.

Weiterlesen

Farbschwäche:

Benutzen Sie die Schieberegler oder die Checkboxen um Farbeinstellungen zu regulieren

Einstellungen für Farbschwäche

Schrift:

Hier können die Schriftgröße und der Zeilenabstand eingestellt werden

Einstellungen für Schrift

Schriftgröße
D
1
U

Zeilenabstand
Q
1
W

Tastenkombinationen:

Mit den aufgeführten Tastenkombinationen können Seitenbereiche direkt angesprungen werden. Verwenden Sie auch die Tabulator-Taste oder die Pfeiltasten um in der Seite zu navigieren.

Inhalt Tastenkombinationen

Hauptnavigation: M
Toolbar Menü: T
Inhalt: C
Footer: F
Barrierefreiheit: A
Hauptnavigation: M
Toolbar Menü: T
Inhalt: C
Footer: F
Schriftgröße +: U
Schriftgröße -: D
Zeilenabstand +: W
Zeilenabstand -: Q
Nachtmodus : Alt (Mac Option Key) + J
Ohne Bilder: Alt (Mac Option Key) + K
Fokus: Alt (Mac Option Key) + G
Tasten­kombinationen: Alt (Mac Option Key) + O
Tastensteuerung aktivieren: Alt (Mac Option Key) + V
Alles zurücksetzen: Alt (Mac Option Key) + Y