Kirchenmusikdirektor Lothar Friedrich, langjähriger Vorsitzender des Verbands Evangelische Kirchenmusik in Württemberg im Bereich Chöre, ist am 16. Februar im Alter von 81 Jahren verstorben. Er hatte das das Amt des Vorsitzenden Bereich Chöre von 1990 bis 2008 inne. Auch den Chorverband in der Ev. Kirche in Deutschland (CEK) führte er acht Jahre lang als Vorsitzender. Im Folgenden finden Sie die Trauerrede, die David Dehn, Vorsitzender Bereich Chöre im Verband Evangelische Kirchenmusik in Württemberg e. V., bei Lothar Friedrichs Beisetzung am 27. Februar gehalten hat:

Am Mittwoch vergangener Woche erreichte uns im Verband Evangelische Kirchenmusik in Württemberg die traurige Nachricht, dass Lothar Friedrich verstorben ist. Es war der erste Tag unserer diesjährigen Kirchenmusiktagung in Urach; die Tagung, die alle zwei Jahre von Lothar Friedrich eröffnet wurde. Hier führte er in das Tagungsthema ein und öffnete Gesprächsgrundlagen für die relevanten Themen wie „Zum Singen bringen, Musikvermittlung oder Zukunft Kirchenmusik“ Und er begrüßte alle teilnehmenden Kirchenmusiker*innen in seinem ihm eigenen so offenen und herzlichen Art.
Wir als Verband trauern um unseren ehemaligen Vorsitzenden Bereich Chöre und nehmen Anteil an Ihrer Trauer, liebe Frau Friedrich und liebe Kinder und Enkelkinder.
Lothar Friedrich übernahm im Herbst 1990 dieses Amt – damals noch Obmann Bereich Chöre genannt – nachdem sein geschätzter Vorgänger Siegfried Bauer zum LKMD berufen wurde.
Gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen und Freund Bernhard Reich setzte er sich mit Leidenschaft und großem Engagement für die Verbandsarbeit ein. Hier standen vor allem die Menschen im Vordergrund, die die Kirchenmusik in ihrer Breite in den Gemeinden ausübten. Sie zu unterstützen war sein Herzensanliegen.
Ein großer Schwerpunkt seiner Arbeit kann mit der Überschrift: „Zum Singen bringen“ überschrieben werden. Er spürte schnell zu Beginn seiner Verbandstätigkeit, dass die aufstrebende Kinderchorarbeit in unserer Landeskirche weitere Motivation und Vernetzung bedarf. Und so initiierte er den ersten Landeskinderchortag 1993 in Sindelfingen, dem weitere in Ulm und Ravensburg folgten. Diese Tradition haben wir in seinem Sinne weitergeführt und werden im kommenden Jahr den 9. Landeskinderchortag veranstalten.
„Mit Kindern singen gehört mit zu unseren wichtigsten Aufgaben“, schreibt Lothar Friedrich in einer von ihm herausgegebenen Ideensammlung zum Singen mit Kindern. Davon war er überzeugt und dafür hat er sich eingesetzt. Als Zeichen der Wertschätzung für das Singen im Kinderchor hat er die Verleihung der Kinderchorurkunden eingeführt.
Neben dem Kontakt zu einzelnen Chören in der Landeskirche, den er z. B. bei Chorehrungen pflegte, gestaltete er in seiner Amtszeit auch das Chorsingen bei Großveranstaltungen. Hier sind zu nennen: Die Prälaturkirchenmusiktage zur Einführung des Evang. Gesangbuchs 1996, das Verbandsjubiläum im Jahr 2002 und der Kirchentag 1999 in Stuttgart. Hier vor allem der Abschlussgottesdienst: An seinem Geburtstag sangen 4000 Sänger*innen im Neckarstadion unter seiner Leitung – und er erhielt ein Geburtstagsständchen.
Lothar Friedrich schaute aber auch über den württembergischen Tellerrand hinaus. Der Beginn seiner Tätigkeit im Verband fiel in die Zeit der deutschen Wiedervereinigung. Die zuvor aufgebaute deutschlandweite jährliche Aktion „Chöre helfen Chören“, bei der die Chorarbeit in Thüringen unterstützt wurde, erhielt nun eine Weitung. So kam auch die kirchenmusikalische Arbeit im Baltikum, in Polen und durch Lothar Friedrich auch in Siebenbürgen in den Blick.
Er knüpfte Kontakte, veranstaltete Orgel- und Chorreisen und unterstütze die Kirchenmusik in Siebenbürgen. Der damalige Landessingwart und Leiter des Hermannstädter Bachchors Kurt Philippi schreibt zum Tode Lothar Friedrichs: „Ich verliere einen guten Freund und die Kirchenmusik in Siebenbürgen einen treuen Begleiter. Unvergesslich für viele hier sind die Reisen des Hermannstädter Bachchores nach Deutschland und Ihre Gegenbesuche bei uns. Dazu kommt die Förderung der hiesigen Kirchenmusik, deren spiritus rector er war und die heute noch nachwirkt.“
Seine Weitsicht und seine breiten Erfahrungen waren beste Voraussetzung für die zusätzliche Übernahme des Präsidentenamts im gesamtdeutschen Evangelischen Chorverband (CEK) von 2001 bis 2009. Auch der CEK übermittelt seine herzliche Anteilnahme und ist dankbar für den unermüdlichen Einsatz von Lothar Friedrich für das Singen in unserer Kirche auch auf Bundesebene. Lothars Nachfolger Christian Finke erinnert sich: „Lothar Friedrich suchte die Vernetzung mit bundesdeutschen Chorverbänden. So schloss er sich mit dem weltlichen Deutschen Chorverband vor allem für das Felix-Projekt zusammen, das Kindergärten auszeichnete, die sich aktiv um das Singen der Kinder kümmerten und förderte die ökumenische Zusammenarbeit mit dem katholischen Cäcilienverband.“ Sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene initiierte er zahlreiche Notenausgaben für die Chorarbeit in unterschiedlichen Besetzungen; neben Kinderchorliteratur lagen ihm hierbei vor allem die kleineren Chöre sehr am Herzen.
Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt des Vorsitzenden blieb Lothar Friedrich der Verbandsarbeit immer treu verbunden. Mit Interesse und wachem Geist verfolgte er weiter das kirchenmusikalische Geschehen. Und so ein bis zweimal im Jahr klingelte mein Telefon und Lothar erkundigte sich, wie bestimmte Prozesse laufen oder wollte erklärende Hintergründe zu einem Thema, das er in unserer Fachzeitschrift gelesen hatte oder ermutigte uns als nachfolgende Generation in unserem Tun, über das er gehört oder gelesen hatte.
Wir sind Lothar Friedrich von Herzen dankbar für die lange Zeit, in der er verantwortlich unseren Verband geleitet und die Kirchenmusik in unserer Landeskirche mitgestaltet hat. Es war seine Grundüberzeugung und Glaubenshaltung, dass „Singen und Sagen“ zusammengehört. Und dass wir mit unseren Klängen predigen. Oder wie er in einem Vorwort zu einem Chorheft schrieb: „dass die Chöre zum Sprachrohr Gottes werden“
In diesem Sinne behalten wir Lothar Friedrich dankbar und in großer Anerkennung seiner Tätigkeit für uns in Erinnerung.
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