Sechs Jahre lang haben Synodalpräsidentin Sabine Foth, die erste stellvertretende Präsidentin Andrea Bleher und der zweite stellvertretende Präsident Johannes Eißler als Präsidium die Leitung der Sitzungen und die Geschäftsführung der 16. Landessynode verantwortet. Im Interview blicken Sie zurück auf die Startbedingungen unter Corona, auf schwere Entscheidungen und auf kraftspendende Momente – und verraten, was Sie dem künftigen Präsidium raten würden.
Liebe Frau Foth, lieber Herr Eißler, lieber Frau Bleher, die Urwahl – eine Besonderheit der Kirchenwahl in Württemberg – ist …
Johannes Eißler: Ja, Fluch und Segen ist ein bisschen zu stark gesagt. Aber das Positive ist natürlich, dass dadurch eine sehr bunte Landschaft an Synodalen zusammenkommt. Leute, die bisher in keinem Kirchengemeinderat waren, in keiner Hierarchie eingebunden, also sehr, sehr unterschiedliche Menschen. Aber bestimmte Dinge durchzubringen, wie jetzt zum Beispiel die Trauung für alle ist, glaube ich, in einer Kirche mit Urwahl schwieriger als vielleicht in anderen Kirchen.
Sabine Foth: Spannend und herausfordernd.
Andra Bleher: Und ich würde sagen unverzichtbar, wenn man demokratische Strukturen liebt.
Wie würden Sie die Legislaturperiode der 16. Landessynode in einem Satz zusammenfassen?
Foth: Das kann ich nicht in einem Satz, kannst du das?
Bleher: Nicht ganz in einem Satz, es waren wirklich richtig viele schwere Entscheidungen zu treffen. Ich würde sagen, es war eine Legislaturperiode voller Herausforderungen: von der Corona-Zeit bis ein Drittel des landeskirchlichen Haushalts einzukürzen
Eißler: Nicht zu vergessen: Klimaschutzgesetz, Verwaltungsreform und der Pfarrplan, wir haben dicke Bretter gebohrt.
Gab es etwas, was Ihnen von dieser Legislaturperiode besonders in Erinnerung bleiben wird?
Foth: Die 16. Landessynode hat mit die meisten gesprächskreisübergreifenden Anträge und gesprächskreisübergreifenden Beschlüsse – und gerade auch die sehr bitteren und sehr schwierigen Entscheidungen. Hier haben wir gemeinsam gerungen und gemeinsam Lösungen gesucht und gefunden. Das finde ich bei aller inhaltlichen Schwere großartig, dass uns das gelungen ist. Und selbst schwierige Entscheidungen wie die eben genannten Haushaltskürzungen haben wir gemeinsam getragen.
Wie kann man sich denn den Start für Sie als Präsidium unter Corona-Bedingungen vorstellen? Das war vermutlich nicht ganz einfach.
Bleher: Ich würde sagen, das hat sich wirklich bewährt, dass wir zu Beginn eine Klausur hatten. Es geht gerade am Anfang darum, welche Rolle nimmt man im Präsidium ein. Dazu gehört natürlich, dass man viel miteinander redet und kommuniziert. Deshalb der Rat an das nächste Präsidium auch ohne Coronapandemie: Auf jeden Fall sich die Zeit nehmen, zunächst eine Grundlage der persönlichen Beziehung zu schaffen, damit das zügige Kommunizieren dann funktioniert und man über Dinge informiert ist, die gerade so im Schwange sind.
Gab es geistliche Kraftorte oder -momente während der Synodaltagungen?
Bleher: Ja, das gab es. Wenn es frühmorgens im Hospitalhof noch ruhig war, die Losung zu lesen, ganz kurz auf das Wort Gottes zu hören. Zu den Kraftorten gehört für mich auch die Gebetsgemeinschaft, die regelmäßig vor Sitzungsbeginn anfängt. Das sind schon so diese ruhigen, stillen Momente gewesen, die mir Kraft gegeben haben.
Foth: Bei mir waren es auch das morgendliche Hören auf die Losung noch mal bei unserer frühen Präsidiumssitzung, aber auch der Abschluss mit einer Andacht am Abend. Das hat mich auch noch mal so in die Ruhe gebracht.
Eißler: Wir unterbrechen unsere Synodaltagungen um 12 Uhr zum Mittagsgebet. Das ist für mich eine wichtige Zäsur, einfach mal den Kopf freizubekommen und innezuhalten, innerlich aufzuschauen. Und dann hatten wir direkt nach Beginn des Ukrainekriegs ein Friedensgebet. Das war berührend und bewegend.
Bei all den schweren Themen und schwierigen Aufgaben: Was hat Ihnen persönlich Spaß gemacht?
Bleher: Der Austausch mit Menschen. Besonders in schwierigen Situationen gemeinsam Lösungen zu finden. Und als Präsidium im Kontakt zu anderen Landeskirchen zu sein – das war bereichernd.
Foth: Ja, du hast gesagt, der Austausch mit anderen, das stimmt. Da hast du völlig recht. Das hat mir super viel Spaß gemacht. Mir macht sowieso Spaß, mit Menschen in Kontakt zu sein und zu versuchen: Auch gerade in schwierigen Situationen kriegen wir Lösungen hin. Und wie können diese Lösungen aussehen?
Eißler: Jeder von uns gehört zu einem anderen Gesprächskreis, in dem wir die Synode vorbereiten, wo wir diskutieren, wie wir uns aufstellen, wer zu welchem Thema spricht. Und am Ende des Vorabends der Synodaltagung feiern wir einen Gottesdienst, danach sitzt man noch gemütlich zusammen. Und zwar nicht nur im eigenen Gesprächskreis, sondern auch mit den anderen Synodalen. Das ist wichtig zum Ankommen und auch einfach für die Gesprächskultur, für das Miteinander.
Was sollte man denn mitbringen, um im Präsidium der Landessynode zu sein?
Foth: Fröhlichkeit, Resilienz, Gottvertrauen, Freude an der Aufgabe und Liebe zu Menschen.
Bleher: Stimme ich allem zu. Ergänzend sollte man Kompromissbereitschaft und Kooperationsfähigkeit mitbringen. Und die Fähigkeit, offen auf Menschen zugehen zu können und auch für andere Lösungen offen zu sein. Und ein bisschen Überblick über die kirchlichen Strukturen zu haben, wäre auch ganz gut.
Eißler: Kein Fehler ist, wenn man sich ein bisschen in der Landeskirche auskennt, also ein Gefühl hat für unsere Landeskirche, wie die gestrickt ist, wie sich die verschiedenen Arten von Frömmigkeit in Württemberg darstellen, einfach damit man das Ganze zusammenhalten kann. Das ist ja auch unsere Aufgabe als Präsidium.
Sie haben gerade auch den Kontakt zu anderen Landeskirchen genannt.
Foth: Ja, diese Netzwerk- und Repräsentationsaufgaben gehören dazu: andere Landeskirchen besuchen und deren Synoden kennenlernen.
Bleher: Und ich glaube auch, dass in Zukunft dieses Aufeinander-Zugehen sehr wertvoll sein wird. Ich glaube, man muss sogar ein bisschen größer denken, denn themenspezifisch wären da ja manche Kooperationen möglich und denkbar.
Vervollständigen Sie bitte den Satz: „Ohne die beiden anderen Präsidiumsmitglieder wäre …“
Bleher: … die 16. Landessynode nicht das, was sie war. Nicht so persönlich, nicht so gelaufen, wie es jetzt gelaufen ist. Ich bin sehr dankbar, dass ich mit euch diese sechs Jahre gestalten durfte.
Eißler: Ja, allein würde es einfach nicht gehen. Man braucht den Resonanzraum der anderen, um Dinge gut einschätzen zu können. Und wir waren, glaube ich, auch gut darin, dass wir aufeinander gehört haben.
Foth: Ohne euch beiden anderen wären wir kein Team gewesen. Und ich finde, wir waren insgesamt ein gutes Team und es war schön mit euch.
Eißler: Was ich noch ergänzen möchte: Unsere Aufgabe wäre nicht zu bewältigen, wenn wir nicht so eine großartige Geschäftsstelle hätten. Eine Synode als Präsidium zu leiten, wäre nicht möglich ohne ein funktionierendes Backoffice. Und da haben wir echt ein klasse Team.
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