„Wir brauchen Kirchen, die die Gesellschaft in unseren Zeiten des Umbruchs begleiten“

Ministerpräsident Winfried Kretschmann hält Grußwort bei Konstituierender Sitzung der 17. Württembergischen Evangelischen Landessynode

„Wir brauchen Kirchen, die die Gesellschaft in unseren Zeiten des Umbruchs begleiten, mit tiefgründigen Impulsen, die einen klaren Wertekompass mit Lebensklugheit und konstruktiver Kritik verbinden. Mit ihrer anwaltlichen Stimme für Freiheit und Demokratie, für Gleichheit, für Rechte, für Toleranz und Frieden. Und mit einer Haltung, die Respekt, Resonanz und Vertrauen nicht nur predigt, sondern selbst lebt.“ Das sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann in seinem Grußwort bei der Konstituierenden Sitzung der 17. Württembergischen Evangelischen Landessynode am 28. Februar in Stuttgart.  

Ministerpräsident Winfried Kretschmann
Ministerpräsident Winfried Kretschmann

Kretschmann stellte fest, infolge eines starken Säkularisierungsschubs sei „immer weniger Menschen bewusst, dass wir entscheidende gemeinsame Werte und Haltungen dem christlichen Glauben zu verdanken haben“ und „immer weniger unsere christlich imprägnierte Kultur, die Kirchen, die Kunstwerke, die Symbole, die Sprachmetaphern zu verstehen vermögen“. Kretschmann sei sicher: „Wir werden alle spüren, wenn in unserer Gesellschaft die Imprägnierung durch den christlichen Glauben und Geist nachlässt. Der Ton wird rauer werden, der Umgang härter, die Sichtweise enger. Und das spüren wir schon jetzt. Meinungsunterschiede werden ruppiger ausgetragen mit Beschimpfungen, Diffamierungen, manchmal sogar mit Gewalt.“ 

Dies führe in den Kirchen zu leidenschaftlichen Debatten, „wie man in einer säkularen und immanenten Welt von Gott sprechen solle“. Dies sei gut so, aber wichtig sei, dass diese Debatten nicht die Welt draußen aus dem Blick verlieren.“ Denn Kirche sei „für die Welt da, für die ganze Welt", „für alle, für das Ganze“. „Denn es geht um die Menschen, um ihre Fragen, Nöte und Hoffnungen. Zukunftsängste und Belastungen führen weniger zu Solidarisierung, sondern eher zu Ausgrenzung. Hetzer, Populisten, Nationalisten versuchen, unser Miteinander aufzubrechen. Also auch unser freiheitliches, demokratisches Gemeinwesen ist bedroht.“ 

Kretschmann fuhr fort: „Die Bewahrung der Schöpfung, die Nächstenliebe und die Weitergabe der frohen Botschaft an künftige Generationen sind für die Christinnen und Christen ihre tätige Mitarbeit am Schöpfungswerk Gottes und am Erlösungswerk Jesu Christi. Für die säkulare Gesellschaft aber sind sie wichtige Impulse, die unsere Haltung zur Welt, zur Gesellschaft und zur Geschichte positiv verändern. Nicht einfach die Natur auszubeuten, sondern Verantwortung für unsere Erde zu übernehmen. Nicht nur an uns selbst zu denken, sondern Verantwortung für das Ganze, für das Gemeinwohl zu übernehmen, nicht nur im Jetzt zu leben, sondern Verantwortung für künftige Generationen zu übernehmen.“ Man sehe daran: „Der christliche Glaube verleiht unserer ganzen Gesellschaft grundsätzliche Dimensionen, Kultur, Humanität, Transzendenz und besonders Vertrauen.“ 

Kirchen erführen „immer dann große Wertschätzung, wenn sie wesentlich auf der Höhe der Zeit und der Lebenswirklichkeit sind. Also wenn sie auf unsere grundlegenden Fragen eingehen nach Leben und Tod, Sinn und Hoffnung, Freiheit und Verantwortung. Wenn sie in entscheidenden Momenten präsent sind und in Zeiten der Not, der Krankheit, des Todes. Aber auch wenn sie die Menschen mit Freude und Zuversicht begleiten, wenn sie ins Leben treten, wenn sie erwachsen werden, wenn sie eine Partnerschaft begründen, also mit Segen und Sakramenten, und wenn sie für unsere drängenden Themen ansprechbar sind, bei denen wir Zuwendung und Begleitung brauchen und Deutung.“  

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