Michael Proß, Geschäftsführer des Gustav-Adolf-Werks Württemberg, erklärt, welche Hilfe die Partnerkirchen benötigen
Das Gustav-Adolf-Werk Württemberg (GAW) ist das Diasporawerk der württembergischen Landeskirche. Es hält mit den evangelischen Partnerkirchen in der Ukraine und den Nachbarländern Kontakt und leistet finanzielle Hilfe. Was weiß das evangelische Diasporawerk von den Partnern im Kriegsgebiet und den benachbarten Staaten? Und welche Hilfe wird dort benötigt?
Frauen zünden in der ukrainischen Großstadt Charkiw nahe der russischen Grenze Kerzen an.Nikita Zhadan
Wie geht es den Partnerkirchen des Gustav-Adolf-Werks Württemberg in der Ukraine?
Michael Proß: Wir stehen in regelmäßigem Kontakt mit unseren Partnerkirchen – über Messengerdienste oder Anrufe. Aber es ist gerade nicht leicht, den Kontakt zu unseren Ansprechpersonen aufrechtzuerhalten, weil die Situation so unvorhersehbar ist, dass sie nicht wissen, wo sie in zwei Tagen sind, wenn wir den nächsten Gesprächstermin ausmachen. Deshalb kommen bei uns Informationen nur in unregelmäßigen Abständen an.
Unsere Partnerkirche in der Ukraine ist die Deutsche Evangelisch-Lutherische Kirche in der Ukraine (DELKU). Dort sind wir vor allem mit Bischof Pawlo Schwarz und Alexander Groß, dem Präsidenten der Kirche und Pfarrer in Odessa, verbunden. Auch mit Bischof Sándor Zán Fábián von der ungarischsprachigen Reformierten Kirche in Transkarpatien, der zweiten GAW-Partnerkirche in der Ukraine, tauschen wir uns aus.
„Es ist gerade nicht leicht, den Kontakt zu unseren Ansprechpersonen aufrechtzuerhalten.“
Ein Bild der Erschöpfung: Eine Person schläft auf einer Bank im ukrainischen Charkiw.Nikita Zhadan
Wie ist die Lage in der Ukraine?
Proß: Sehr angespannt und tragisch. Was dort passiert, ist eine humanitäre Katastrophe. Das Letzte, das ich von Bischof Pawlo Schwarz gehört habe, ist, dass er versucht, mit einem VW-Transporter Menschen aus Charkiw zu evakuieren, weil die Stadt mehr und mehr eingeschlossen ist. Die Menschen verstecken sich vor den Luftangriffen in der U-Bahn. Die Gemeindeglieder der evangelischen Kirche helfen, wo sie können.
Pfarrer Alexander Groß versucht, Lebensmittel zu organisieren. Allein das Einkaufen von Lebensmitteln ist eine große Herausforderung. In manchen Regionen sind die Lebensmittel-Regale leer. Die Lieferketten sind zusammengebrochen. Zurzeit kommen nur noch Hilfslieferungen ins Land.
Bischof Sándor Zán Fábián hat vor wenigen Tagen an seine Pfarrer und Presbyter appelliert, im Land zu bleiben. Ihm ist es wichtig, dass die Kirche bleibt, das Evangelium verkündet und die Bevölkerung unterstützt. Transkarpatien befindet sich an der Grenze zu Ungarn, also weit von den aktuellen Fronten entfernt. Aber durch diese Region kommen viele Flüchtlinge.
„Was dort passiert, ist eine humanitäre Katastrophe.“
Ein Mann steht in Charkiw im Hof eines Hauses, das zum Großteil in Trümmern liegt.Nikita Zhadan
Wie hilft das Gustav-Adolf-Werk Württemberg?
Proß: Bischof Pawlo Schwarz hat uns darum gebeten, für ihn einen Bus zu organisieren. Deshalb haben wir Geld für einen VW-Transporter nach Polen überwiesen.
Unsere Partnerkirche dort hat den Kauf organisiert, den Transporter mit Hilfsgütern bestückt und über die Grenze gefahren. Bischof Pawlo Schwarz hat ihn hinter der Grenze in Empfang genommen und ist damit nach Charkiw aufgebrochen, um Hilfsgüter zu verteilen und Menschen zu evakuieren. Ob das wirklich geglückt ist, weiß ich nicht. Wir haben zum letzten Mal vor fünf Tagen mit ihm gesprochen.
Außerdem überweisen wir Geld, mit dem zum Beispiel auch in Odessa Lebensmittel und andere dringend benötigten Dinge eingekauft werden können.
Zerstörte Häuser in der Millionenstadt Charkiw.Nikita Zhadan
Wie unterstützt das Gustav-Adolf-Werk in den Nachbarländern?
Proß: Wir sind täglich mit unseren Partnerkirchen in Ungarn, Polen, der Slowakei und Rumänien in Kontakt. Sie leisten humanitäre Nothilfe. Die Flüchtlinge kommen in diesen Ländern an und werden dort unter anderem von unseren Partnerkirchen versorgt.
Es werden Zelte aufgestellt, in denen Menschen unterkommen können. In Rumänien helfen an etlichen Grenzübergängen Menschen und verteilen die Ankommenden etwa mit Kleinbussen in kirchliche Einrichtungen. Dort gibt es etliche kirchliche Freizeithäuser, in denen Menschen versorgt werden. Doch die meisten Menschen, die vor den Bomben der Russen fliehen, wollen weiter nach Westen. Dann wird auch eine Weiterreise in einem Bus organisiert.
Auch am Bahnhof in Budapest werden Menschen in Empfang genommen. Die kirchlichen Mitarbeitenden verteilen Essen, geben Auskunft und helfen bei der Vermittlung von Unterkünften und Busfahrten.
„Wir sind täglich mit unseren Partnerkirchen in Ungarn, Polen, der Slowakei und Rumänien Kontakt. Sie leisten humanitäre Nothilfe.“
Michael Proß ist der Geschäftsführer des Gustav-Adolf-Werks Württemberg.Gustav-Adolf-Werk
Welche Hilfen benötigen die Partnerkirchen am dringendsten?
Proß: Am wichtigsten sind Geldspenden, damit unsere Partnerkirchen vor Ort Lebensmittel, Medikamente und Decken kaufen können.
Unsere Partnerkirchen wollen aus christlicher Nächstenliebe helfen, haben aber nicht die professionelle Struktur, die erforderlich ist, um große Spenden abzuwickeln. Es sind die großen Hilfsorganisationen, die damit betraut werden. Deshalb ist es so wichtig, dass wir als Gustav-Adolf-Werk den Partnerkirchen helfen. Ich bin sehr froh, dass wir dieses Netzwerk zu den Kirchen vor Ort haben.
In der ersten Woche haben wir schon 40.000 Euro gespendet, um den Menschen zu helfen. Die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien hat einen Antrag bei Hoffnung für Osteuropa der Diakonie Württemberg über 10.000 Euro gestellt. In Württemberg gibt es also gleich mehrere evangelische Organisationen, über die die Menschen Hilfe erhalten.
„Am wichtigsten sind Geldspenden, damit unsere Partnerkirchen vor Ort Lebensmittel, Medikamente und Decken kaufen können.“
Machen sich die Partnerkirchen in den Nachbarländern Sorgen, wie es weitergeht?
Proß: Bisher weiß ich insbesondere von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Georgien, dass die Menschen beunruhigt sind. Auch Georgien ist eine ehemalige Sowjetrepublik, selbstständig und nach Westen orientiert. Die Menschen dort fragen sich: Passiert hier dasselbe?
Wie kann man helfen?
Proß: Wir haben ein Spendenkonto eingerichtet und leiten die finanziellen Hilfen weiter, entweder direkt an die Deutsche Lutherische Kirche in der Ukraine (DELKU) oder an die benachbarten Partnerkirchen.
Gustav-Adolf-Werk Württemberg, IBAN DE92 5206 0410 0003 6944 37, mit der Angabe des Verwendungszwecks: 0-581-21849 Ukraine-Nothilfe
Die Deutsche Evangelisch-Lutherische Kirche in der Ukraine (DELKU) hat circa 1000 Gemeindeglieder in 15 Gemeinden. Die Reformierte Gemeinde in Transkarpatien ist mit 64.000 Gemeindegliedern in 109 Gemeinden wesentlich größer. Mehr Informationen zur Situation in der Ukraine und zu den Hilfsangeboten der Partnerkirchen erhalten Sie auf der Website des Gustav-Adolf-Werks.
Alle Fotos stammen von Nikita Zhadan, einem 20-jährigen Mitglied der lutherischen Gemeinde in Charkiw.
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