Sommertagung der Landessynode vom 3. bis 4. Juli 2026

Bild: Gottfried Stoppel
Bild: Gottfried Stoppel

Am 3. und 4. Juli 2026 kam die 17. Württembergische Evangelische Landessynode im Evangelischen Bildungszentrum Hospitalhof Stuttgart zu ihrer Sommertagung zusammen. 

Im Mittelpunkt der Tagung standen der Bericht von Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl sowie die Finanz-, Personal- und Maßnahmenplanung der Landeskirche. Grußworte sprachen unter anderem der Präsident des baden-württembergischen Landtags, Thomas Strobl, und Dr. Dagmar Pruin, Präsidentin von Brot für die Welt. 

Auf dieser Seite finden Sie Berichte über die Beratungen, alle Beschlüsse sowie alle Dokumente zur Tagung.

Eröffungsgottesdienst

Eröffnungsgottesdienst – Predigt von Rivka Schunk, Konrad Köhnlein, Michaela Schönau und Deborah Luedecke

Eröffnungsgottesdienst Sommersynode 2026
Eröffnungsgottesdienst Sommersynode 2026

„Gott erwartet nicht, dass ich alles schaffe. Er fragt vielmehr: Hast du das getan, was dir möglich war? Darin liegt für mich ein Stück Freiheit: Ich darf handeln, wo ich kann. Und ich darf loslassen, was nicht in meiner Hand liegt“. So wurden die Gedanken der vier Synodalen über den Predigttext Römer 12,17f zusammengefasst.

Der Text des Apostels Paulus sei eine „Ermutigungsrede an die frischgegründete Gemeinde in Rom. Eine Rede, die es in sich hat. Sie soll Jesu zentrale Botschaft zusammenfassen und erklären: Wie sich Christen untereinander verhalten und wie das Zusammenwirken funktioniert.“ Dabei sei die Frage nach dem Umgang mit dem Bösen für Paulus zentral gewesen. Die vier Synodalen, die über je einen Abschnitt des Predigttextes sprachen, spielten verschiedene Aspekte durch: Was bedeutet es, „sich nicht vom Bösen überwinden zu lassen“? Wie geht man mit der Aufforderung um, nur Gutes im Sinn zu haben, wenn sich negativen Gedanken aufdrängen? Was bedeutet Frieden und wie kann man zu ihm beitragen?

Die Predigt finden Sie in der Klappbox oben: Dokumente zum Eröffnungsgottesdienst

Grußworte

Grußworte

Die Synode hörte Grußworte von Thomas Strobl (Präsident des Landtags Baden-Württemberg), Bischof Dr. Aleksander Erniša (Ev. Kirche A.B. in der Republik Slowenien) und Dr. Dagmar Pruin (Präsidentin, Brot für die Welt – Ev. Werk für Diakonie und Entwicklung e.V.). 

Thomas Strobl
Grußwort
Thomas Strobl
Bischof Dr. Aleksander Erniša
Grußwort
Bischof Dr. Aleksander Erniša
Dr. Dagmar Pruin
Grußwort
Dr. Dagmar Pruin

Grußwort von Thomas Strobl, Präsident des Landtags Baden-Württemberg

Thomas Strobl, Präsident des Landtags Baden-Württemberg
Thomas Strobl, Präsident des Landtags Baden-Württemberg

Thomas Strobl, Präsident des baden-württembergischen Landtags, betonte in seinem Grußwort, es brauche „starke Kirchen im Land“ angesichts der Herausforderungen, die Politik und Kirchen teilen: sinkende Zustimmungswerte und das Erstarken extremistischer und antidemokratischer Kräfte. Strobl erinnerte daran, dass der Staat von Voraussetzungen lebe, die er nicht selbst schaffen könne. Die Freiheiten des freiheitlichen, demokratischen Staates, die erst durch die Trennung von Staat und Glaube möglich geworden seien, brauchten „eine moralische Substanz“, zu der Kirche und Glaube erheblich beitrügen. Strobl erinnerte daran, das Grundgesetz der Bundesrepublik und die baden-württembergische Landesverfassung ließen ihre christlichen Wurzeln klar erkennen. Die Kirchen seien eine „unersetzliche Stimme“ für die Demokratie und leisteten einen „unschätzbar wertvollen Beitrag“ zum demokratischen Ethos. Gerade die „digitale Zukunft“ brauche ethische Orientierung.

Grußwort von Bischof Dr. Aleksander Erniša (Ev. Kirche A.B. in der Republik Slowenien) 

Bischof Dr. Aleksander Erniša der Evangelischen Kirche A.B. in der Republik Slowenien
Bischof Dr. Aleksander Erniša der Evangelischen Kirche A.B. in der Republik Slowenien

Bischof Erniša betonte die „besondere historische und geistliche Freundschaft, deren Wurzeln bis in die Zeit von Primož Trubar zurückreichen – jenes Reformators, der die Grundlagen der slowenischen protestantischen und kulturellen Identität gelegt hat“. Dieses Band lade „dazu ein, gemeinsam Zukunft zu gestalten.“ Erniša berichtete, seine Kirche stehe vor ähnlichen Problemen wie viele andere Kirchen weltweit: Rückgang des Pfarrnachwuchses, große Herausforderungen bei geringer Finanzkraft, zu geringe Ressourcen für die theologische Weiterentwicklung. Zugleich komme den Kirchen eine besondere Verantwortung zu: „sich für den Frieden einzusetzen, ihre Stimme für Versöhnung und Gerechtigkeit zu erheben und sich klar an die Seite der Schwachen, Ausgegrenzten und Überhörten zu stellen“. Ohne „vertiefte Zusammenarbeit, ohne gegenseitige Unterstützung und ohne die gemeinsame Suche nach tragfähigen Wegen in die Zukunft“ könne Kirche „kaum in der Form bestehen, wie wir sie heute kennen“. Die lutherischen Kirchen sollten sich „noch enger miteinander verbinden – nicht nur organisatorisch, sondern vor allem theologisch und geistlich.“ 

Bischof Erniša äußerte die tiefe Sorge, seine Kirche könnte in fünf oder zehn Jahren als Kirche nicht mehr existieren. Er verband damit den Appell, die württembergische Landeskirche möge für die Ev. Kirche A.B. in der Republik Slowenien auf Grundlage der langen historischen Beziehungen zur „strategischen Kirche“ werden.

Das vollständige Grußwort von Bischof Dr. Aleksander Erniša finden Sie in der Klappbox oben: Dokumente zu den Grußworten 

Grußwort von Dr. Dagmar Pruin, Präsidentin von Brot für die Welt – Ev. Werk für Diakonie und Entwicklung e.V.

Dr. Dagmar Pruin, Präsidentin, Brot für die Welt – Ev. Werk für Diakonie und Entwicklung e.V.
Dr. Dagmar Pruin, Präsidentin, Brot für die Welt – Ev. Werk für Diakonie und Entwicklung e.V.

Dr. Dagmar Pruin, Präsidentin von Brot für die Welt, wies in ihrem Grußwort darauf hin, dass die Zahl der Hungernden seit 2014 wieder wachse und derzeit bei 670 Mio. Menschen liege. Dabei sei das Problem des Hungers lösbar. Es seien genug Lebensmittel da, es herrsche aber eine Verteilungs- und Gerechtigkeitskrise. Das Ernährungssystem sei auf Monokulturen und große Flächen aufgebaut, die stark auf künstlichen Dünger angewiesen sein, mit entsprechenden Folgen wie etwa derzeit durch die Sperrung der Straße von Hormus. Ein weiteres Problem sei, dass auf Lebensmittel, vor Allem auf Weizen, spekuliert werden könne, was die Preise in die Höhe treibe und so Versorgung erschwere, obwohl genug da sei. Brot für die Welt arbeite mit seinen Projekten daran, die Resilienz kleinbäuerlicher Strukturen (verantwortlich für 80 Prozent der Welternährung) auch mit Hilfe modernster Technik zu erhöhen. Ein weiteres wichtiges Thema sei der Klimawandel – der größte Treiber von Hunger und sozialen Tragödien weltweit. Pruin beklagte, die politische Unterstützung der Entwicklungsarbeit in Deutschland gehe zurück. Zugleich dankte sie für die vielfältige finanzielle Unterstützung durch Kirchen, Gemeinden und vielen Einzelpersonen.  

TOP 01 Bericht des Landesbischofs

Landesbischof Gohl wirbt für Spielräume, Stärkung kirchlicher Dienste und Stärkung der Demokratie 

Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl hat zum Auftakt der Sommertagung der württembergischen Landessynode für mehr Gestaltungsspielräume in Kirche und Gesellschaft, eine stärkere Rolle der Kirche in Demokratie- und Ethikdebatten sowie für die enge Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen geworben. Zudem betonte er die Verantwortung der Kirche für gesellschaftlichen Zusammenhalt, den Schutz von Geflüchteten und einen differenzierten Umgang mit dem Nahost-Konflikt. 

Landesbischof
Bericht
Landesbischof
Elisabeth Holm
Votum
Elisabeth Holm
Rainer Köpf
Votum
Rainer Köpf
Sebastian Bugs
Votum
Sebastian Bugs
Philipp Jägle
Votum
Philipp Jägle
Herbsttagung der Württembergischen evangelischen Landessynode im Hospitalhof.
Aussprache
Das sagten die Synodalen

Bischofsbericht 

Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl
Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl

Vertrauen schafft Spielräume:  

Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl warb für mehr Gestaltungsspielräume in Kirche und Verwaltung. Innerhalb verbindlicher Regeln müsse es möglich sein, sich an Sinn und Zweck zu orientieren und verantwortliches Handeln vor Ort zu stärken.  

Nach der Reform ist vor der Reform: 

Mit Blick auf die laufenden Reformprozesse sprach sich Gohl für mehr Entscheidungsspielräume in den Kirchenbezirken aus. Der Oberkirchenrat solle sich künftig stärker als unterstützende Serviceagentur verstehen.  

Akteure für ihren Dienst in der Kirche stärken: 

In der aktuellen Debatte um die Anstellungsform von Pfarrerinnen und Pfarrern bekannte sich Gohl klar zum öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis. Gohl hob hervor, dass Haupt- und Ehrenamtliche gemeinsam Verantwortung für den kirchlichen Auftrag hätten. So gehörten in der Leitung einer Kirchengemeinde die theologische Leitung und die wirtschaftlich-organisatorische Leitung untrennbar zusammen.  

Kommunikation des Evangeliums in der Multiperspektivität kirchlicher Dienste: 

Eine enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Aufgabenbereiche sei unverzichtbar. Zu dessen Beginn einer dienstübergreifenden Kooperation stehe die Auftragsklärung, dessen Rahmen die Verkündigung des Evangeliums sei.  

Die Grenzen des Homo Faber: Der Papst und KI:  

Die Kirche müsse sich aktiv mit den Chancen und ethischen Herausforderungen von Künstlicher Intelligenz auseinandersetzen, sagte Gohl und verwies auf die vom Vatikan veröffentlichte Enzyklika Magnifica humanitas. Es ist das erste Lehrschreiben von Papst Leo XIV. und fand schnell ein weltweites Echo. Ziel sei es, kompetent und wahrnehmbar an gesellschaftlichen Debatten mitzuwirken und mit der katholischen Kirche Orientierung zu geben.  

Ein Wort zu Israel:  

Mit Blick auf den Nahost-Konflikt warb Gohl für Differenzierung und Empathie gegenüber den Opfern auf allen Seiten. Zugleich betonte er die besondere Verantwortung, dem stark gestiegenen Antisemitismus in Deutschland entgegenzutreten. 

Demokratie stärken:  

Gohl unterstrich die Rolle der Kirche als Ort des Dialogs und des respektvollen Austauschs auch bei kontroversen gesellschaftlichen Fragen. Zugleich bekräftigte er die Verantwortung der Kirche für Schutzsuchende und warnte vor pauschalen Vorurteilen gegenüber Geflüchteten.  

Ausblick: 

Zum Abschluss seines Berichts stellte Landesbischof Gohl die christliche Hoffnung und das Vertrauen auf Gott in den Mittelpunkt. Trotz der vielfältigen Krisen in Gesellschaft, Kirche und persönlichem Leben gebe es Grund zur Zuversicht. Entscheidungen über künftige Schwerpunkte, den Umgang mit Ressourcen und notwendige Veränderungen müssten aus dieser Haltung des Vertrauens heraus getroffen werden. Das neue Dienstgebäude des Oberkirchenrats stehe dabei exemplarisch für Innovation und Erneuerung, bleibe aber vor allem ein Ort im Dienst der Menschen in den Kirchengemeinden und Einrichtungen der Landeskirche. Das verbindende Fundament der Kirche sei und bleibe Jesus Christus als ihr gemeinsamer Grund.

Video: Bischofsbericht

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Den vollständigen Bericht zu TOP 01  finden Sie in der Klappbox oben: Dokumente zu Tagesordnungspunkt 01

Voten der Gesprächskreise zum Bischofsbericht

Hier finden Sie die Voten der Gesprächskreise der Landessynode zum Bericht des Landesbischofs im Volltext.

Gesprächskreisvotum Offene Kirche, gehalten von Elisabeth Holm

Elisabeth Holm
Elisabeth Holm

Verehrter Herr Landesbischof, sehr geehrte Synodal-Präsidentin, hohe Synode, 

ich habe mich gefragt, worüber ich als neue, junge Synodale in diesem Votum sprechen möchte. Als Antwort könnte ich auf Sparprozess, Strukturwandel oder Sozialräume eingehen. Nun muss ich aber gestehen, dass ich dieser Erwartung nicht gerecht werden möchte. Denn für mich als junge Synodale fühlt es sich so an, als würde ich damit dieselben alten, bekannten Fragen wiederkäuen, bei denen wir uns seit Jahren kaum vom Fleck bewegen. 

Das heißt nicht, dass wir sie als Offene Kirche ausblenden – wir hören später wichtige Beiträge dazu. Aber ich möchte in meiner Rede nicht die Gegenwart diagnostizieren, sondern ich möchte mutig als Visionärin weiterdenken. 

In den alten Fragen liegt vielleicht genau unser Problem. Wir fragen: Wie sparen wir? Wie werden wir effizient? Wie können wir den Mitgliederschwund aufhalten? 

Sie haben Hartmut Rosa erwähnt. Er warnt scharf vor genau diese Logiken unserer Zeit: Effizienz, Kontrolle, Verfügbarkeit, Wachstum. Im Gegensatz dazu steht doch, wie Sie es so schön gesagt haben, das Vertrauen. Ein Worship-Lied formuliert es so: Spirit lead me where my trust is without borders. Bring mich, lass mich dahin trauen, wo ich noch nie war, auf Grund, den ich nicht kenne. 

Wenn wir dieses Vertrauen radikal durchfühlen, möchte ich mit Ihnen und euch zu einer Frage gehen, bei der wir vielleicht noch nie waren, die für mich kirchenpolitisch notwendig ist: 

Braucht die Welt überhaupt Kirche? 

Denn solange wir voraussetzen, dass Kirche um jeden Preis erhalten werden muss, wird sie zum Selbstzweck. Dann reden wir nur noch darüber, wie wir sie retten – aber nicht mehr darüber, wofür. 

Wir beschließen Sparprogramme über hundert Millionen Euro jährlich. Ist das Vertrauen? Oder ist es vor allem Absicherung und Kontrolle? 

Rosa beschreibt mit der Überzeugung „Demokratie braucht Religion“ Kirche als Gegenmodell: einen Ort, an dem Menschen nicht funktionieren müssen, sondern sich berühren lassen – von Gott, vom Nächsten und von der Welt. Denn: Alles Lebendige bewegt sich. Was sich nicht mehr bewegt, beginnt zu erstarren.  

Am Anfang stand keine Institution. Keine Kirchenordnung. Keine Synode. Am Anfang haben sich Menschen bewegt, weil sie berührt wurden. Menschen glaubten, dass mit Jesus eine andere Wirklichkeit begonnen hatte. 

Doch wie jede große Bewegung wurde auch sie irgendwann zur Form. Aus Vertrauen wird heute vertraute Ordnung. 

Christus sagt: „Siehe, ich mache alles neu.“ Nicht: Ich optimiere alles. Nicht: Ich sichere alles ab. Neu. Vielleicht haben wir dieses Wort deshalb viel zu harmlos verstanden. Vielleicht heißt neu nicht Reform, sondern der Mut, das Bekannte zu unterbrechen, noch einmal ganz an den Ursprung zu gehen. 

Wenn morgen alle Gebäude verschwänden, alle Gremien, alle Ordnungen – gäbe es dann bei uns noch Kirche? Welche Wirkung des Evangeliums dürfte auf keinen Fall verschwinden? Wenn wir darauf keine Antwort finden, retten wir eine Institution, deren Herz längst aufgehört hat zu schlagen. 

Wenn wir aber darauf antworten können, wird sich auch eine neue Gestalt finden. Vielleicht kleiner. Vielleicht ärmer. Aber bewegt und berührt, weil sie nicht mehr abgelenkt ist durch die Irrwege der alten Fragen. 

Ich wünsche mir deshalb, dass wir nicht nur über die Zukunft der Kirche nachdenken, sondern zulassen, dass die Kirche der alten Fragen sterben darf, damit das Evangelium neu Gestalt gewinnt. 

Das ist der Urgrund unseres Glaubens: Aus dem Tod wächst neues Leben. 

Kirche ist kein Wort. Kein Ort. Kirche ist ein Verb, ein ständiges neues Werden. 

Und ich glaube, genau das ist die radikalste Lesart von „Siehe, ich mache alles neu.“ Nicht: Gott renoviert die Kirche. Sondern: Gott entzieht ihr jede Selbstverständlichkeit. Sie zwingt jede Generation gemäß dem „prüfet alles“ zu fragen, ob in ihrer Mitte noch etwas geschieht, das den Namen ekklesia verdient und es dann neu zu machen. Vielleicht ist die Kirche deshalb nie fertig. Vielleicht ist sie, ihrem Wesen nach inhärent immer gefährdet, immer vorletztes. Zukunftsfähig heißt nämlich nicht, die Zukunft akribisch zu planen, sondern auszuhalten, dass die Zukunft unklar ist, bis auf unsere Hoffnung. 

Und als Hoffnung habe ich eine blühende Fantasie und möchte teilen, wie eine Kirche aussehen kann: Als Gesprächskreis haben wir das bereits in Bad Boll erprobt, ohne Synoden-Mimikry, kreativ und fantasievoll Gestaltungsmöglichkeiten für die Kirche zu suchen. Exploitativ und vor allem explorativ. 

Persönlich sehe ich Pfarrgärten voller Gemüse, Solar auf Kirchdächern, Streuobstwiesen hinter Gemeindehäusern. Kinder lernen dort, wie Tomaten wachsen, und Erwachsene lernen dort, wieder so zu werden wie die Kinder. Kinder und Erwachsene spielen. Das sind Spielräume. Menschen aus vielen verschiedenen Kulturen und Religionen sitzen zusammen und dürfen die Fragen länger stehen lassen als die Antworten. Liebe wird bunt gefeiert. Wir hören auf als Kirche exklusiv zu sein. Wir sind ein Raum für alle menschen, auch für geflüchtete, danke, dass Sie das betont haben. 

Wer jetzt glaubt, das sei naiv, der sitzt zu lange in den alten Mauern. Der hat durch die Form die Beweglichkeit verloren. Kulturen sterben nicht durch Mangel an Geld, sondern Vorstellungskraft. 

Ich wünsche mir, dass wir Kirche und Synode als Orte der Fantasie begreifen, an denen Neues wachsen darf. Politik braucht Fantasie. Meine Vision von Kirche möchte ich mit dem Glaubensbekenntnis von Dorothee Sölle entfalten. 

Ich glaube an Gott, der die Welt nicht fertig geschaffen hat wie ein Ding, das immer so bleiben muss. 

Ich glaube an Gott, der den Widerspruch des Lebendigen will und die Veränderung aller Zustände durch unsere Arbeit. 

Ich glaube an Jesus Christus, der Recht hatte, als er an der Veränderung der Zustände arbeitete und darüber zugrunde ging und auferstand, dass wir frei werden von Angst und Hass und seine Revolution weitertreiben. 

Ich glaube an den Geist, an die Gemeinschaft aller Völker und den gerechten Frieden, 

Ich glaube an die Zukunft dieser Welt Gottes.

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Gesprächskreisvotum Lebendige Gemeinde, gehalten von Rainer Köpf

Rainer Köpf
Rainer Köpf

Verehrte Frau Präsidentin, hohe Synode, lieber Herr Landesbischof, liebe Schwestern und Brüder,

das hat mir gefallen am Bischofsbericht: Dass nicht der Verdacht oder das Misstrauen, sondern das Vertrauen zur Grundlage von kirchenleitendem Handeln bischöflich eingefordert wurde. Ein Vertrauen, das in einem tiefen Gottvertrauen gründet und weiß: Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl und das kann bedeuten, dass überraschend oft die Dinge gut werden, obwohl die Synode das nicht beschlossen und der Oberkirchenrat das nicht organisiert hat.

Mit unserem Backnanger Pfarrkonvent waren wir in der letzten Woche vier Tage in Wittenberg auf den Spuren von Paul Gerhardt und Martin Luther. Paul Gerhardt schöpft aus dem Evangelium, das Martin Luther hier in Wittenberg wiederentdeckt hat beim Studieren der Heiligen Schrift.

Dort in Wittenberg ist mir wieder etwas deutlich geworden. Martin Luther selber sagt ja: Wittenberg würde am Rand der Zivilisation liegen. Auf schwäbisch gesprochen: Das war eigentlich ein Bubbaberlesnest. Es gab in Deutschland und auf der Welt viel größere und wichtigere Orte als Wittenberg. Das Zentrum war damals Rom.

Aber nicht dort in Rom, hier im kleinen Wittenberg geschieht das Eigentliche, da spielt die Musik. Von hier aus, vom Rand her, von unten her verändert sich zuerst ein Mensch durch das Lesen der Bibel, dann viele andere Menschen und dann die gesellschaftlichen und politischen Strukturen.

Das ist für mich das Prinzip Wittenberg, denn Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig, sagt der Apostel Paulus. Aber wird dieses Prinzip Wittenberg auch bei uns in Württemberg praktiziert? Leben wir hier das Vertrauen, das den Menschen in den Gemeinden etwas zutraut?

Der Sozialwissenschaftler Gerhard Wegner hat die Reformen, die EKD-weit in den letzten Jahren stattgefunden haben, so beschrieben: „Diese sind der Versuch der strukturerhaltenden Kräfte, trotz sinkender Finanzkraft weiter die Kontrolle über das System ausüben zu können.“

Unter der Überschrift „Konzentration – wohin“ beschreibt das Theologenehepaar Gabriele und Peter Scherle, wie die Reformen der letzten Jahre vor allem eine Machtkonzentration nach oben bedeuteten, weg von den Kirchengemeinden. Schon allein durch die Fusionen geschieht das ja. Wenn es am Ende vor Ort allenfalls noch Parochialausschüsse gibt, die über die Kaffeepreise entscheiden können, aber nicht wirklich etwas zu sagen haben, dann ermattet das gemeindliche Engagement vor Ort.

Die Soziologen sagen: Kirche wächst nicht dort, wo die Strukturen effizienter sind, sondern dort, wo von Menschen unmittelbar Verantwortung übernommen werden kann, wo sie etwas gestalten können. Da spüren sie Selbstwirksamkeit. Wo sich vor Ort nichts mehr bewegen lässt, ziehen sich die Menschen zurück.

Deswegen sagen wir „Ja zu dem proklamierten Vertrauen des Landesbischofs als kirchenleitendes Grundmotiv. Aber bitte dann auch mit ganzer Konsequenz! Wir wissen da als Gesprächskreis „Lebendige Gemeinde“ durchaus ein paar Beispiele, wo sich dieses proklamierte Vertrauen umsetzen lässt. Da ist der Bereich der Gottesdienste.

Bislang ist es so: dort, wo der Pfarrplan umgesetzt wird, müssen die Gottesdienste in den Geschäftsordnungen der Kirchengemeinden dem Leistungsvermögen der Pfarrerinnen und Pfarrer angepasst werden. Also es dürfen nur so viele Gottesdienste in einer Gemeinde oder einem Gemeindeverbund stattfinden, wie von den vorhandenen Pfarrpersonen potentiell gefeiert werden können. Nicht mehr.

Ich verstehe zwar, dass man den Einsatz von Prädikanten nicht verpflichtend voraussetzen kann und dass es auch Regionen gibt, wo die neuen Gottesdienste ausreichen. Aber ich kenne auch Situationen, in denen es mit Mut und Vertrauen möglich wäre, mehr Gottesdienste in den Geschäftsordnungen zu ermöglichen, als Pfarrpersonen diese unmittelbar leisten können.

Ich selbst war als Pfarrer mal per Geschäftsordnung für einen Zweitgottesdienst zuständig, den ich sehr oft gar nicht selber gehalten habe oder halten konnte. Das ist dann vor allem eine Organisationsaufgabe, aber das funktioniert. Und da wurden keine Häresien verbreitet.

Und ich kenne Gemeinden, die bislang jeden Sonntag Gottesdienst hatten, wo über 40 Personen kamen. Wenn jetzt der Pfarrplan umgesetzt wird, werden die nur noch einmal im Monat Gottesdienst haben. Das genau führt dann zu diesem beklagten Rückzug von Menschen, denn was nicht regelmäßig geschieht, wird in der Regel mäßig.

Vertrauen heißt für uns, auch Geschäftsordnungen wenigstens zuzulassen in denen mehr Gottesdienste abgebildet werden, als es Pfarrpersonen in diesen Gemeinden unmittelbar leisten können. Das bedeutet eine Stärkung des Ehrenamts. Das ist das praktizierte Prinzip Wittenberg. Und auch das Prinzip Vertrauen.

Und ein zweites Beispiel ist der Pfarrdienst. Für meine Biografie waren oft Pfarrpersonen prägend, die über den zweiten Bildungsweg ins Pfarramt kamen. Die englische Kirche zeigt, wie volkskirchlich breit und missionarisch eine Kirche aufgestellt werden kann, wenn sie in ihren Ausbildungswegen diverser ist, sodass dort aus einem ehemaligen Industriemanager ein leitender Bischof werden konnte. Deswegen setzen wir uns als Lebendige Gemeinde für einen breiteren Korridor von Zugängen zum Pfarramt ein. Ich war kürzlich in unserer Partnergemeinde Annonay in der Ardeche. Der dortige evangelische Pfarrer ist ein ehemaliger baptistischer Pastor aus dem Kongo und das funktioniert prima.

Ich glaube wir brauche in unserem Personalbereich ein Stück vertrauensvolle „Head-Hunting-Mentalität“, dass wir bewusst auf Menschen zugehen und ihnen etwas anbieten.

Zum Schluss: Gottvertrauen ist wichtig. Aber es gibt auch ein falsches, faules, fatalistisches Gottvertrauen. Nach dem Motto: „Dr Herrgott wird’s schon richten.“ Gottvertrauen schafft Spielräume. Aber diese müssen wir auch aktiv nutzen.

Wir haben in der 16. Landessynode viel Kraft in Finanz- und Verwaltungsfragen investiert. Daraus ist viel Erschöpfung gewachsen. Wir sollten die 17. Landessynode wieder dazu benutzen, vor allem Möglichkeiten zu suchen, dass Gottes Wort zu den Menschen kommen kann, dass sie die wunderbare Entdeckung des Evangeliums machen, dass dadurch die Herzen und Menschen und dann auch Strukturen, und auch Politik und Gesellschaft verändert werden. Ich glaube, dann kämen wir auch wieder mehr aus der Resignation heraus und würden wieder eine GmbH sein, eine Gemeinschaft mit begründeter Hoffnung. Herzlichen Dank.

Den vollständigen Bericht zu TOP 01  finden Sie in der Klappbox oben: Dokumente zu Tagesordnungspunkt 01

Gesprächskreisvotum Kirche für morgen, gehalten von Sebastian Bugs

Sebastian Bugs
Sebastian Bugs

Begrüßung und Apell

Frau Präsidentin/Herr Präsident, liebe Synodale, sehr geehrter Herr Landesbischof.

Ich schließe mich dem Dank für Ihren Bericht gerne an. Danke für klare Worte und für scharfsinnige Analysen.

Ich würde unser Gesprächskreisvotum gerne 
mit einem Apell beginnen: So scharfsinnig unsere Analysen auch sind, wir dürfen nicht bei ihnen stehen bleiben.

Wenn wir als ehrenamtliche 17. Landessynode in 6 Jahren nicht frustriert das Handtuch werfen wollen,  dann müssen wir vom Analysieren ins Handeln kommen. Hinter Ihren Analysen, lieber Herr Landesbischof, müssen wir einen fetten Doppelpunkt machen und uns einig werden: Darüber reden wir nicht nur, das machen wir auch.

Gott meint es gut mit uns

„Paul Gerhardt stellt sich nüchtern der Realität, weil er vertraut: Gott meint es gut mit uns.“[1] Daran können wir uns ein Beispiel nehmen: Uns nüchtern der Realität stellen, im Vertrauen auf Gott und seinen Geist.

Es ist manchmal ambivalent:  Wir müssen unsere Themen und Schwierigkeiten und Baustellen offen und klar ansprechen. Gleichzeitig legen Sie, lieber Herr Landesbischof, an vielen Stellen Wert darauf, dass wir uns als Kirche nicht klein und nicht schlecht reden. Zurecht. Und das ist eine Gratwanderung: Wir müssen und dürfen unsere Erfolge auch ins Schaufenster stellen. Aber genauso müssen wir unsere Probleme und Baustellen auch benennen.

Neubau OKR

Alles, was Sie zum Neubau des Oberkirchenrates sagen, ist wichtig und richtig: Es ist ein großartiges Gebäude geworden, das in die Zukunft weist. Und trotzdem gibt es die unangenehme Realität, die wir wahrnehmen müssen: Dieses Bauprojekt steht in einem harten Kontrast zu dem, was wir den Kirchengemeinden mit dem OIKOS-Prozess abverlangen. Es hat dem Vertrauen geschadet, das gerade hochverbundene Gemeindeglieder in uns haben.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Unseren Immobilienprozess finde ich richtig und wichtig. Aber unsere Gemeinden leiden unter dem jahrelangen Baumoratorium. Jetzt gerade warten sie monatelang, wenn sie die Bauberatung anfordern. Zigtausende Gemeindeglieder zittern um ihre liebgewonnen Gebäude.

Ich finde das keinen guten Moment, um das Bauprojekt auf der Gänsheide ins Schaufenster zu stellen. Es ist ein tolles Gebäude geworden, ohne Frage. Aber wir gewinnen kein Vertrauen und Zutrauen in die Kirchenleitung, wenn wir einfach nur das loben, was andere ärgert.

Das Grundgefühl unserer Gemeindeglieder gegenüber denjenigen, die sich hier in Stuttgart treffen und diese Kirche leiten:  Das ist nicht so, wie wir es haben wollen und brauchen. Wir müssen uns als Synode und Oberkirchenrat nüchtern dieser Realität stellen: Es gibt eine Menge verlorenes Vertrauen, das wir zurückverdienen müssen. 

Wir können das, glaube ich. Aber dafür müssen wir die Perspektive unserer Gemeindeglieder nicht nur wahrnehmen und analysieren. Wir müssen mit ihnen im Gespräch sein und wir müssen unsere Entscheidungen an ihnen ausrichten.

(Unsere Gemeindeglieder und Kirchengemeinden sind keine Verfassungsorgane. Und trotzdem gilt: Beim gegenseitigen Vertrauen ist hier noch Luft nach oben.

Die Synodalperiode ist noch neu. Ich denke, das können wir uns selbstbewusst vornehmen: Die Luft nach oben beim Vertrauen in die Kirchenleitung darf gerne weniger werden.)

Situation und Konstellation

Hartmut Rosa bietet uns tolle Anknüpfungspunkte. Aber auch hier: Am Ende hängt es daran, dass wir nicht in der Analyse stehen bleiben.

Lieber Herr Landesbischof, Sie haben gesagt: 
„Nun kann Kirchenleitung nicht einfach Spielräume gegen kirchliches Recht schaffen.“ (S.4) An dieser Stelle würde ich gerne dazu einladen, dass wir uns trotz unterschiedlichen Rollen gemeinsam als Kirchenleitung verstehen: Die Exekutive OKR und die Legislative Synode. 

Dann wäre nämlich klar: Wir können schon Spielräume und neues kirchliches Recht schaffen. Wenn wir uns einig sind, wenn wir eine gemeinsame Vision haben, wo wir hin wollen, dann können wir das sehr wohl.

Wenn Sie solche Überlegungen ins Schaufenster stellen: Der Oberkirchenrat wird von einer Genehmigungsbehörde zur Serviceagentur. Dann haben Sie uns als Kirche für morgen definitiv mit im Boot. Und ich vermute, nicht nur uns.

Wenn wir uns darüber einig werden, wie so ein Kulturwandel auf eine gute Art gelingen kann. Dann soll es am Kirchenrecht nicht scheitern. Das kriegen wir dann schon angepasst. Und wir müssen Kirchenrecht weiterentwickeln und anpassen.

Wenn wir uns der Analyse von Hartmut Rosa anschließen und sagen: Ja, auch in unserer Kirche ist das so. Auch bei uns erleben sich Gremienmitglieder oft nicht als handelnde, sondern als ausführende Individuen. Und daran hängt, wie lebendig sie sich in ihren Aufgaben fühlen. Dann ist klar: Wir müssen neue Spielräume und neues kirchliches Recht schaffen.

Unsere Gemeindeglieder wollen Gottesdienste feiern. Und die künstliche Unterscheidung von Gottesdiensten, Andachten und gottesdienstähnlichen Formen hat im Jahr 2026 nichts verloren. Unsere Gemeindeglieder brauchen solche Auflagen nicht und sie haben kein Verständnis dafür. Sie wollen und sie brauchen Freiräume.

Ich glaube, es ist den Gemeindegliedern auch nicht so wichtig, ob wir multiprofessionell oder multiperspektivisch sagen. Die Frage ist nur: Können wir in unserer Gemeinde die Aufgaben wirklich nach Gaben und Interessen verteilen? So, wie wir es vor Ort für richtig halten? der gilt am Ende immer: Da muss einer sitzen, dessen Vorgesetztenkette bis nach Stuttgart geht. Und der hat das Sagen. Und wenn er nicht das Sagen haben möchte, muss er zumindest alles unterschreiben.

Wir bei Kirche für morgen können uns da einige neue Spielräume für unsere Kirchengemeinden vorstellen.

(„Menschen erleben sich nicht mehr als handelnde und damit lebendige Individuen.“ 

Nach solchen Analysen wie der, die wir in Ihrem Bericht gehört haben, können wir nicht einfach stehen bleiben und sagen: „Soo schade. Aber gut, das Kirchenrecht ist nunmal so.“)

Wir sind uns vermutlich einig: Die Heilige Schrift ist und bleibt unsere Grundlage. Wir leiten im Aufsehen auf Jesus Christus, den alleinigen Herr der Kirche. 

Das bleibt. Aber ich finde es wichtig, dass wir uns zu Beginn dieser Synodalperiode daran erinnern: Kirchengesetze sind nicht in Stein gemeißelt. Wir können mit Ihnen zusammen eine handelnde und lebendige Kirchenleitung sein. Und wir können uns dazu entscheiden, dass sich auch die Kirchengemeinderäte und Gemeindeglieder unserer Landeskirche wieder mehr als handelnde und lebendige Christ*innen erleben.

Vielleicht können wir sogar am Ende unseres Engagements zufrieden zurückschauen. Und sagen: Ja, wir haben uns vertraut, wir haben mutig entschieden und wir haben die Rahmenbedingungen, für die wir zuständig sind, wirksam verbessert.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

Den vollständigen Bericht zu TOP 01  finden Sie in der Klappbox oben: Dokumente zu Tagesordnungspunkt 01

Gesprächskreisvotum Evangelium und Kirche, gehalten von Philipp Jägle

Philipp Jägle
Philipp Jägle

Gesprächskreisvotum Evangelium und Kirche zum Bischofsbericht Philipp Jägle 

Es gilt das gesprochene Wort! Sehr geehrte Frau Präsidentin, hohe Synode, sehr geehrter Herr Landesbischof, 

vielen Dank für Ihren umfangreichen Bericht. ich möchte für mein Votum aus der Fülle der Themen auf drei Gesichtspunkte eingehen: der geistliche Grund der Kirche, die Gestalt kirchlichen Lebens und die Verantwortung der Kirche für die Zukunft. 

1. Der geistliche Grund der Kirche.

Der Bericht erinnert uns daran, dass Kirche nicht aus sich selbst lebt. Sie ist creatura verbi divini, Geschöpf des göttlichen Wortes. Das ist mehr als ein schöner theologischer Satz. Es ist eine Grundbestimmung kirchlicher Existenz. Kirche verdankt sich nicht ihrer Organisationskraft, nicht ihrer Tradition, auch nicht ihrer gesellschaftlichen Relevanz, sondern allein dem Gott, der spricht, ruft, richtet und tröstet. 

Damit ist ein erster Maßstab gesetzt: Alles, was wir an Struktur, Leitung und Reform bedenken, muss sich daran messen lassen, ob es dem Evangelium dient. Der Bericht setzt hier bewusst einen Kontrapunkt gegen eine Logik, die Kirche nur noch als System von Steuerung, Kennziffern und Effizienz versteht. Gerade theologisch ist das wichtig: Die Kirche ist nicht zuerst ein zu optimierender Apparat, sondern der Raum, in dem Gottes Wort Menschen erreicht. Das entlastet und verpflichtet zugleich. Es entlastet, weil Kirche nicht an ihrer eigenen Vollkommenheit hängt. Es verpflichtet, weil sie ihrem Auftrag und damit dem Wort nicht untreu werden darf. 

2. Die Gestalt kirchlichen Lebens.

Der zweite Punkt betrifft die kirchliche Gestalt. Der Bericht nimmt die Erfahrung vieler auf, die kirchliche Strukturen starr, überfordernd und wenig veränderungsfähig erleben. Das ist theologisch nicht belanglos, sondern berührt die Frage, wie das Evangelium in konkreten Ordnungen Raum gewinnen kann. Ich finde es überzeugend, dass der Bericht hier nicht einfach größere Lockerung verspricht, sondern Spielräume im verlässlichen Rahmen. Denn Freiheit ohne Gestalt wird beliebig, Gestalt ohne Freiheit wird erstarrt. 

Der Bericht sucht darum eine Kirche, die rechtlich geordnet bleibt, aber in ihren Vollzügen beweglich wird: Auch die Kirche lebt nicht nur von der Norm, sondern vom lebendigen Vollzug des Auftrags. Darum ist auch die Betonung der unterschiedlichen Dienste so wichtig. Pfarrerinnen und Pfarrer, Ehrenamtliche, Religionspädagoginnen und Religionspädagogen Prädikantinnen und Prädikanten, Hauptamtliche und Leitungsgremien sind nicht Gegensätze, sondern verschiedene Teilhabeformen am einen kirchlichen Auftrag. Der Bericht denkt hier nicht funktionalistisch, sondern ekklesiologisch: Kirche geschieht dort, wo verschiedene Gaben sich auf das Zentrum der Verkündigung beziehen. 

Besonders wichtig ist mir dabei, dass Leitung nicht nur als Verwaltung verstanden wird, sondern als geistliche Verantwortung. Die Gemeinde wird nicht bloß organisiert; sie wird auf Christus hin bedacht und verantwortlich geführt. 

3. Die Zukunftsverantwortung der Kirche

Der dritte Punkt ist die Zukunftsverantwortung. Der Bericht bleibt nicht im Innerkirchlichen stehen, sondern öffnet die Perspektive auf Gesellschaft und Welt. Das gehört theologisch unbedingt zusammen. Denn wenn die Kirche aus dem Evangelium lebt, dann kann sie nicht schweigend bleiben angesichts von Unrecht, Ausgrenzung, Gewalt und Verunsicherung. 

Der Bericht macht das an mehreren Feldern deutlich: an der Sorge um Demokratie, an der Warnung vor Antisemitismus, an der Verantwortung im Blick auf Migration und an der ethischen Orientierung im Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Das ist nicht bloß ein moralischer Anhang zur kirchlichen Arbeit, sondern Ausdruck des christlichen Menschenbilds, der aus dem Glauben an die Menschenwürde hervorgeht. Theologisch gesprochen: Die Kirche bezeugt den Gott, der den Menschen will, schützt und ruft. Deshalb darf sie öffentliche Fragen nicht den bloßen Logiken von Macht, Markt oder Angst überlassen. 

Besonders stark finde ich, dass der Bericht diese Verantwortung nicht moralistisch, sondern unter dem Vorzeichen von Vertrauen entfaltet. Nicht der große kirchliche Zugriff ist die Lösung, sondern eine Haltung des Zutrauens, des Zuhörens und des verantwortlichen Handelns. Das entspricht einer protestantischen Grundintuition: Die Kirche bezeugt nicht sich selbst, sondern Gottes Verheißung. Gerade darum darf sie, dürfen wir mutig, aber nicht selbstgewiss sein. Ich fasse zusammen: Der Bericht zeichnet Kirche als geistlich gegründete, rechtlich geordnete und öffentlich verantwortliche Gemeinschaft. Ihre Mitte ist nicht Selbsterhalt, sondern das Wort Gottes. Ihre Gestalt soll dem Auftrag dienen, nicht umgekehrt. Und ihre Zukunft liegt darin, im Vertrauen auf Christus Menschen zu stärken und in die Welt hineinzuwirken. 

Darum ist unser Votum von Evangelium und Kirche: Lasst uns die Reformen nicht nur als Notwendigkeit der Reduktion verstehen, sondern als theologische Klärung dessen, was Kirche im Kern ist. Dann wird aus Sparen nicht bloß Verlustverwaltung, sondern ein Schritt zur Konzentration auf das Evangelium. Vielen Dank.

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Aussprache

Herbsttagung der Württembergischen evangelischen Landessynode im Hospitalhof.

Tim Spahn (Ebhausen) ging auf die radikalen Veränderungen in der Landeskirche ein. Es brauche Vertrauen in die Pfarrerinnen und Pfarrer sowie die Haupt- und Ehrenamtlichen vor Ort. Das schaffe Spielräume. Wo diese fehlten, müsse die Synode rechtlich nachsteuern. Kritisch ging er auf die bekräftigende Position des Landesbischofs zum öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis von Pfarrerinnen und Pfarrerinnen und die fehlende Möglichkeit, sich privatrechtlich anstellen zu lassen zu können, ein. Ein Misstrauensvotum sei es, die Kirchenbezirke steuernd einsetzen zu wollen, die Gemeinden sollten hier entscheiden. Das Dienstgebäude [des Oberkirchenrats] betrachtete er kritisch und auch die Pfarrerdienstgehälter und Pensionen seien zu hoch und dürften zumindest nicht mehr erhöht werden. 

Prof. Dr. Johannes Zimmermann (Vaihingen an der Enz) empfand den Bezug zu Hartmut Rosa als eindrücklich. Als Dekan erlebe er in Gemeinden den angestauten Frust. Der Oberkirchenrat solle Gemeinden stärker Vertrauen schenken. Es sei eine Frage der Haltung. Er ging auf Erprobungsräume ein und zeigte sich beeindruckt von der Haltung, etwas Neues auszuprobieren jenseits des traditionellen Gemeindelebens. Dieser Mut zur Veränderungskultur und das Vertrauen seien auch hier notwendig. Die Frage sei, wo bestehende Ordnungen den Fortschritt der Kirche bremsen. Handlungsbedarf sah er bei der Gestaltung von Gottesdiensten, hier brauche es einen Schutz für Pfarrerinnen und Pfarrer, aber auch Vertrauen und eine Kultur der Ermöglichung für Ehrenamtliche. 

Andrea Bleher (Untermünkheim) zeigte sich erfreut über den Satz "Vertrauen schafft Spielräume". Kirchliches Recht solle ermöglichen, nicht verhindern – sonst müsse es geändert werden. Kirchliche Gesetze könnten an neue Erfordernisse verschlankt, vereinfacht und angepasst werden. Auch bei den Erprobungsräumen brauche es mehr Vertrauen in die Menschen und entsprechende rechtliche Voraussetzungen. Bei der Steuerung auf Ebene der Bezirke sowie den Sozialräumen äußerte Bleher, dass sie dazu viele Fragen habe: Vor Ort werde Gemeinschaft gelebt, werden Menschen mit dem Evangelium angesprochen und Kirche sei dort vielfältig präsent. Abgabe von Kompetenzen von Gemeinden an die Kirchenbezirke könne sie nicht mittragen. Ehrenamtlichen müsse mehr zugetraut werden, auch rechtlich. Es würde Menschen im Pfarramt belasten, wenn die Gottesdienstgestaltung und das Kanzelrecht als „Engraum“ und nicht als Spielraum am Pfarrdienst hängen bleibe.  

Dr. Karoline Rittberger-Klas (Tübingen) ging auf den OIKOS-Prozess ein, den sie vor Ort als schmerzlich erlebe. Kirchliche Präsenz hinge nicht an Gebäuden, aber es werde schwieriger werden, vor Ort sichtbar und aktiv zu sein. Es brauche die Auseinandersetzung mit der Frage, wie abgegebene Gebäude sozial, gemeinnützig oder für weitere kirchliche Zwecke genutzt werden könnten. Auch hier brauche es Spielräume für die Gemeinden vor Ort. 

Eva Militz (Bad Waldsee) ging auf den Punkt ein, dass Quartier und Kirche neu zu denken sei. In den Quartieren gäbe es auch Menschen anderer Religionen, die ebenfalls vor Herausforderungen stünden, wie dem allgemeinen Rückgang der Bindung an Religionen. Auch Gemeinden islamischen Glaubens klagten über den Rückgang an Nachwuchs für ihre Gemeinden. Sie warb hier für Anknüpfungspunkte und den interreligiösen Austausch. Verschiedene Religionen könnten ihren Beitrag gemeinsam leisten in einer Demokratie, das Ver- und Zutrauen in das gemeinsame Agieren stärken und nicht nur in den eigenen Kreisen zirkeln.  

Dr. Christoph Lehmann (Rietheim-Weilheim) lobte das ausgewogene Wort zu Israel, begrüßte die Aussagen zu KI und bekräftigte mit Blick auf den Bericht, dass das christliche Menschenbild und Nächstenliebe mehr als Gruppenloyalität zu Gleichgesinnten seien. Auf weniger Resonanz stieß bei ihm das im Bericht skizzierte Kirchenbild: Mit Blick auf das Ansinnen einer steuernden mittleren Leitungsebene, zitierte Lehmann aus einem Beschluss der 16. Landessynode aus der Kirchenverfassung, in dem festgehalten ist, dass die Gemeinden ihre Angelegenheiten selbstständig regeln. Die mittlere Ebene der Bezirke komme hier nicht vor. Er vermisse weiterhin den Begriff der regio-lokalen Kirche, die Ortsgemeinde würde im Bischofsbericht lediglich abwertend erwähnt. Mit Blick auf den Begriff „kleine und kleinste Einheiten“ fragte Lehmann, was die Gemeinschaft der Heiligen stärke. Vor Ort zu sein mit hoher Bindung an die Kirchengemeinde in den kleinen und kleinsten Einheiten würde die Gemeinschaft der Heiligen stärken. Es brauche gemeindliche Identifikationsräume und regio-lokal sei nicht gleichbedeutend mit Regionalisierung.  

Konrad Köhnlein (Pfedelbach) sprach aus eigener Perspektive, dass Fusionen und Aufgabenabgabe positiv wirken könnten und kritisierte „Kirchturmdenken“. In Transformationsüberlegungen dürfe es keine Denkverbote geben, Steuerungsmöglichkeiten und Aufgaben abzugeben, wo es sinnvoll sein könne.  

Lena Warren (Weissach) ging auf den Gesichtspunkt “Kirche als verlässlicher Dienstgeber” ein. Dies sei für alle Berufsgruppen wichtig. Sie fragte, wie der Pfarrberuf in den vielfältigen Transformationsprozessen attraktiv bleiben oder es wieder werden solle. Die Arbeitsbelastung sei grenzwertig. JAP sei ein guter Weg, könne aber nicht die einzige Lösung sein, wie der Pfarrberuf besser gestaltet werden könne. Die Transformationsprozesse sollten hoffnungsvoller gestaltet werden, die unzähligen Sitzungen sollten mit Trauerarbeit verknüpft werden. Die Pfarrbesoldung solle an die der Landebeamtenversorgung gekoppelt bleiben. Nicht alle unliebsamen Aufgaben könnten auf den Pfarrberuf abgewälzt werden. Es müsse Raum dafür gefunden werden, dass den Gaben und Leidenschaften nachgegangen werden könne.  

Marion Blessing (Holzgerlingen) sagte, die Transformation der Kirche würde nur gelingen, wenn sie aus der Reaktion in die Aktion käme. In den kommenden Jahren sollte gesprächskreisübergreifend an einem gemeinsamen Kirchenbild gearbeitet werden. Sie merkte an, dass die Diakoninnen und Diakone im Bischofsbericht nicht erwähnt waren. Sie seien in der Wertigkeit den Pfarrerinnen und Pfarrern gleichgestellt und bat darum, dies in künftigen Bischofsberichten zu berücksichtigen.  

Michael Schradi (Blaubeuren) vermisste ebenfalls die Diakoninnen und Diakone im Bericht. Er sehe das Diakonat sträflich vernachlässigt. Das Diakonat bilde das Evangelium in Tat und Wort in vielen verschiedenen Bereichen und Formen ab. Die Bekräftigung zum öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis unterstütze er, regte aber zur Prüfung an, ob die Alterssicherung nicht an die öffentliche, solidarische Rentenversicherung angeschlossen werden könne. Dies werde auch bereits von staatlicher Stelle diskutiert. Den Spielräumen pflichtete er bei, Angst vor Fehlern würde dazu führen, “die Hände in Unschuld zu waschen”. Fehler müssten zugelassen werden oder gar auf sie gehofft werden, um Neues zu lernen. Mutig müsse das angegangen werden, Eigensinn gefördert werden und gelernt werden, Verantwortung wahrzunehmen und zu teilen. 

Lorenz Hoffmann (Ulm, Böfingen) sprach das Ehrenamt an. Es sei zentrale Aufgabe der Synode, das Thema im Blick zu haben. Das Ehrenamt in Deutschland sei langfristig bedroht, auch aus demographischen Gründen. Es brauche Daten und Strategien, um ein resilientes Ehrenamt aufzubauen und er warb für eine Studie. Die Debatte um ein emanzipiertes Ehrenamt, wie das Recht auf der Kanzel zu stehen, müsse diskutiert werden. Aber auch, wie Ehrenamtliche vor Überlastung geschützt werden könnten, dies sei auch ein Schutz der Kirche. Das Ehrenamt solle informell als Institution der Verfassung verstanden werden, da es einer der Grundfundamente der Kirche sei, das nicht verloren gehen dürfe. 

Matthias Böhler (Besigheim) ging auf die Begriffsklärung von „mulitprofessionell“ und „mulitperspektivisch“ ein. Der Begriff der multiprofessionellen Teams sei in der Pfarrplan-Diskussion eingeführt worden zur Entlastung der Berufsgruppen. Die „Multiperspektive“ würde nun mehr die Abgrenzung betonen, statt das verbindende. So bliebe alles beim Alten. Das sei nicht die Intention von multiprofessionellen Teams. Es sei wichtig, die Begriffe gemeinsam zu klären, der KGE sei hier vorbereitend tätig. 

Jonas Elias (Schwieberdingen) ging auf die Haltung des Landesbischofs zum Nahen Osten ein. Er begrüßte die differenzierte und sensible Analyse und die Vermeidung einseitiger Schuldzuweisungen. In Bezug auf die Befürchtung des Landesbischofs, dass öffentliche Kritik an Israel den Antisemitismus hier verstärken könnte, brachte Elias den Impuls ein, dass Kirche sich hier gerade öffentlich äußern müsse. Wenn geschwiegen würde, würde man den Extremisten die Bühne überlassen und die Menschen in Israel, die gegen diese Politik protestieren, nicht unterstützen. Europa müsse sich am Wiederaufbau von Gaza und umliegenden Regionen beteiligen. Es sei sein tiefer Wunsch, dass die Kirche weiterhin so positiv für den Frieden eintrete und mutig die Stimme erhebe. In Bezug auf KI solle Kirche die Kontakte zur Politik nutzen. Er betonte, dass die Technologie nützlich sei und man die Nutzung und die Algorithmen nicht nur den Tech-Konzernen überlassen dürfe und man Abhängigkeiten kritisch hinterfragen müsse.  

Christian Gehring (Kernen-Rommelshausen) nahm Stellung zum zunehmenden Antisemitismus in Deutschland, der im Bischofsbericht benannt wurde. Gehring ging auf die Situation der jüdischen Gemeinde und Einrichtungen in Stuttgart ein, die von den jüdischen Mitgliedern nur unter höchsten Sicherheitsmaßnahmen aufgesucht werden könnten. Unter dem Eindruck des wachsenden Antisemitismus müssten die Kontakte zu Jüdinnen und Juden intensiviert werden. Die Kirche solle sich hier in besonderer Weise engagieren. 

Elisabeth Holm (Tübingen) sagte, die Landeskirche dürfe nicht in ihrer Blase bleiben, sie müsse den Blick in die Welt richten. Der Nächste müsse gesehen und geliebt werden, das sei nicht nur der Nachbar, sondern die Weltgemeinschaft. Die Aufgabe sei es, jede Form von Gewalt anzuprangern, Frieden zu stiften und nach Gerechtigkeit zu streben. Die Äußerungen im Bischofsbericht zu Israel empfand sie daher als nicht ausreichend. Die Gewalt und das Leid im Nahost-Konflikt sowie die Gefahren des Antisemitismus seien keine Frage von Entweder-Oder. Sie betrachte es als gefährlich, Kirche hier zu keiner öffentlichen Kritik an Israel aufzufordern. Gerade in der Komplexität sei es Aufgabe der Kirche, Leid, Gewalt und Ungerechtigkeit zu erkennen und benennen, egal von welcher Seite sie ausgeübt werde. Sie wünsche sich mehr Vertrauen in die Urteilsfähigkeit der Kirche. Auch ein Aufruf zum Schweigen sei nicht ohne Folgen.  

Hannah Bleher (Stuttgart) sprach zum Thema Künstliche Intelligenz, es brauche hier mehr „buttom up“ und eine „hands on“ Mentalität. Mit der Roadmap und einer KI-Beauftragten sei viel geschaffen worden. Die Frage sei dennoch, ob die Kirche damit gut aufgestellt sei, um Bürokratieabbau und Automatisierung voranzubringen. KI müsse mit konkreten Projekten gefüllt werden. Dezentrale und lokale Kräfte seien jetzt gefragt, um KI-Technologie menschlich zu gestalten und die Macht der Tech-Konzerne einzudämmen. Kirche muss nun gestalten, um im öffentlichen Diskurs ernst genommen zu werden. Viele kleine kirchliche Initiativen könnten viel bewirken, die nächste KI-Version warte nicht auf die nächste Denkschrift.  

 Dr. Antje Fetzer-Kapolnek (Weinstadt) wies auf einen „KI-Widerspruch“ hin und fragte, warum die Landeskirche in der Ethik nicht weiter sei und ob die Landeskirche längst abhängig sei oder nicht einig in der Kritik an der KI. Sie fragte, wie auch hier Spielräume geschützt werden könnten. Das Problem der Verwaltungsstrukturreform sei beispielsweise nicht technischer Natur, sondern dass sie nicht funktioniere. Sie fragte, wie man dem Herr werden könne, wenn man den Entwicklungen an so vielen Stellen hinterherlaufe.   

Yasna Crüsemann (Geislingen/Steige) ging auf den Geflüchtetenschutz in Europa ein. Sie sei dankbar, dass der Bischofsbericht kritisiere, dass es in den derzeitigen Debatten vor allem darum gehe, wie Flüchtlingen Steine in den Weg gelegt werden. Dies sei kein Thema der extremen Rechten mehr, es sei in der politischen Mitte angekommen. Das schüre Angst vor dem Fremden. Sie erinnerte an die "flüchtlingsbereite Kirche", den Begriff hatte Alt-Landesbischof July geprägt. Sie fragte, ob Kirche dies weiterhin bleiben werde, angesichts der anhaltenden angespannten Lage im Mittelmeer, der Seenotrettung und in den Flüchtlingslagern – und verwies darauf, dass auch Menschen angesichts dieses Engagements aus der Kirche austreten würden. Weiter ging sie auf Fluchtursachen ein, wie die Klimakrise, für Menschen verachtende Handelsbeziehungen und Rüstung. Worten müssten auch Taten folgen, Entwicklungsgelder würden überall gekürzt. Sie verwies darauf, dass die 16.Landessynode mit den EKD-Gliedkirchen an Mitteln des kirchlichen Entwicklungsdienstes festgehalten habe. Allerdings sei ein Antrag auf Flüchtlingshilfe im Zuge des großen Sparpakets von der Landessynode abgelehnt worden.  

Esther Peylo (Tübingen) wies darauf hin, dass der Einsatz für Schwache die Kirche glaubwürdig mache. Die Diakonie sei ein Netzwerk für die, die sonst kein Netz hätten. Ihre Hoffnung sei, dass Wege gefunden werden könnte, dass trotz zurückgehender Mittel das Wissen und die Netzwerke erhalten werden können. 

Senta Zürn (Großbettlingen) ging auf den Aspekt im Bischofsbericht ein, dass die EKD sich erst in den 1980-er Jahren zur Demokratie eindeutig verhalten hätte. Das würde bescheiden machen. In den nun verstrichenen 40 Jahren hätte man sich allerdings nun auf die „Spielregeln“ der Demokratie einigen können. In diesem Sinne solle ein Parteiverbotsverfahren für die AfD geprüft werden, wie es eine aktuelle Pressemitteilung des Gesprächskreises der Offenen Kirche fordere. Sie bat die Mitglieder der Landessynode gesprächsübergreifend sowie die Kirchenleitung um Unterstützung dieses Anliegens. 

Im Anschluss an die synodale Aussprache beschränkte sich Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl auf ein paar Aspekte und verwies auf weiterführende Gespräche. Er bedauerte ausdrücklich, die Diakoninnen und Diakone nicht erwähnt zu haben. Das Diakonat gehöre für ihn selbstverständlich zu multiprofessionellem Arbeiten dazu, genau wie weitere kirchliche Berufsgruppen. Es zeige aber grundsätzlich die Frage, wie wir Aussagen hören würden: Gehe man von einer Hermeneutik des Verdachts aus oder von einer Hermeneutik des Vertrauens. Dies sei entscheidend. Weiter habe er mit Bezug zu Kritik an Israel nicht gesagt, die Kirche solle schweigen, sondern sich mit öffentlicher Kritik zurückhalten.  

Zum skizzierten Bild eines serviceorientierten Oberkirchenrats, der Spielräume nutzt, führte er aus, dass der OKR trotzdem die Gesetze der Synode umsetzen müsse. Diese könnten von der Landessynode überprüft werden.  

Zur Kirchenentwicklung ging Gohl erneut auf sein Zielbild ein, die Teams vom Auftrag her zu denken und nicht von der bestehenden Struktur. Mit Blick auf einen steuernden Kirchenbezirk, der ein Zusammenschluss der Gemeinden sei, sprach Gohl dieser Ebene eine Funktion als gute Steuerungseinheit zu mit dem Blick für das Ganze. Es brauche einen Interessensausgleich, da es auch Gemeinden gäbe, die „egoistisch“ unterwegs seien. Der Kirchenbezirk sei hier besser geeignet als die zentrale Verwaltung in Stuttgart. Er verwies auf eine Studie der katholischen Kirche, dass eine einzelne Gemeinde als Körperschaft öffentlichen Rechts eine sechsstellige Summe koste – die Frage der Struktur sei auch eine Kostenfrage und müsse ideologiefrei diskutiert werden. 

Mit Blick auf den angesprochenen Wunsch nach der Möglichkeit einer privatrechtlichen Anstellung sagte Gohl, dass beim Personaldezernat des Oberkirchenrats dazu bisher keine einzige Anfrage eingegangen sei. Er warb hier für das offene Gespräch. Dass junge Menschen generell ins privatrechtliche Anstellungsverhältnis wechseln wollen würden, erlebe er nicht. Auch hier müsse frei überlegt werden. 

Das neue Dienstgebäude des OKR sei politisch damals von der Synode beschlossen worden, als die langfristig günstigste Variante und damit finanziell sinnvoll gewesen. Ihn beschäftige, ob solche großen und langfristigen Projekte aufgrund emotionaler Bedenken in Zukunft nicht mehr möglich seien. Er betonte, dass der neue Oberkirchenrat mit 550 Mitarbeitenden durch die neue Bürostruktur und Neues Arbeiten lediglich noch 350 Plätze beinhalte und somit real Kosten gespart werden könnten. Die Transformation der Kirche hänge auch mit dem Kulturwandel zusammen, den das neue Gebäude befördere. 

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TOP 02 Verpflichtungen

Christian Gehring legt Synoden-Gelübde ab

Christian Gehring aus Kernen-Rommelshausen legte bei der Sommertagung nachträglich das Gelübde als Synodaler ab. Er wurde dabei von Synodalpräsidentin Sabine Foth per Handschlag auf das Gelöbnis verpflichtet und anschließend als Mitglieds des Ausschusses für Kirche, Gesellschaft, Öffentlichkeit und Bewahrung der Schöpfung eingesetzt. An der Konstituierenden Sitzung am 28. Februar 2026 hatte Gehring nicht teilnehmen können.

TOP 03 Vorstellung Anerkennungskommission Württemberg 

Kommissionsmitglieder stellten sich vor und informierten über ihre Arbeit

Die Beauftragte für Chancengleichheit, Ursula Kress, stellte zunächst kurz die Aufgaben der Anerkennungskommission Württemberg vor, die im Januar 2026 ihre Arbeit aufgenommen hat. Mitglieder der Kommission sind Thomas Dörr, Präsident des Landgerichts a.D., Prof. Dr. phil. habil. Birgit Meyer und Dipl.-Psych. Stephen Church. Geschäftsführerin der Anerkennungskommission ist Selina Gogel.  

Anschließend haben sich Thomas Dörr und Stephen Church den Synodalen bei der Sommertagung persönlich vorgestellt. Sie informierten über den Schwerpunkt (ehemalige Heimkinder) und den aktuellen Stand ihrer Arbeit. Dörr verlas stellvertretend ein Schreiben seiner Kommissions-Kollegin Meyer, da sie nicht persönlich anwesend sein konnte. 

Thomas Dörr, Mitglied der Anerkennungskommission
Thomas Dörr, Mitglied der Anerkennungskommission
Stephen Church, Mitglied der Anerkennungskommission
Stephen Church, Mitglied der Anerkennungskommission

TOP 04 Bericht des Geschäftsführenden Ausschusses

Erste Sitzungsthemen waren die Regionalverwaltungen und die Sparbeschlüsse 

Stellvertretender Präsident der Landessynode, Dr. Martin Brändl
Stellvertretender Präsident der Landessynode, Dr. Martin Brändl

Der Stellvertretende Präsident der Landessynode, Dr. Martin Brändl, berichtete von den beiden ersten Treffen des Geschäftsführenden Ausschusses in der Legislaturperiode. Am 23. März waren vor allem der aktuelle Stand bei der Umsetzung der Evangelischen Regionalverwaltungen und die Sparbeschlüsse Thema in der Ausschusssitzung. Am 18. Mai stand erneut die Umsetzung der Sparbeschlüsse auf der Tagesordnung. Zudem wurden die Ausschussmitglieder von der Präsidentin der Landessynode, Sabine Foth, über die weiteren Schritte zur Intensivierung der Zusammenarbeit mit der Evangelischen Landeskirche in Baden informiert. 

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TOP 05 Personalstrukturplanung Pfarrdienst

Die Entwicklung des Pfarrdienstes in der Landeskirche 

Mit dem Werkzeug der Personalstrukturplanung (PSP) Pfarrdienst plant die Landeskirche die zahlenmäßige und strukturelle Entwicklung der Pfarrerschaft und trifft damit Prognosen für die Zukunft als Basis aktueller Entscheidungen. Dabei geht es um die Zahlen der Gemeindeglieder und der Pfarrstellen, die Neuaufnahmen aus verschiedenen Ausbildungswegen und den Finanzbedarf.

Oberkirchenrat
Bericht
Oberkirchenrat
Ausschuss für Kirchen- und Gemeindeentwicklung
Bericht
Ausschuss für Kirchen- und Gemeindeentwicklung
Finanzausschuss
Bericht
Finanzausschuss
Das sagten die Gesprächskreise
Voten zu TOP 05/06
Das sagten die Gesprächskreise
Herbsttagung der Württembergischen evangelischen Landessynode im Hospitalhof.
Gemeinsame Aussprache zu TOP 05/06
Das sagten die Synodalen

Bericht des Oberkirchenrats

Oberkirchenrätin Kathrin Nothacker, Leiterin des Dezernats für Theologische Ausbildung und Pfarrdienst
Oberkirchenrätin Kathrin Nothacker, Leiterin des Dezernats für Theologische Ausbildung und Pfarrdienst

In Ihrem Bericht betonte Oberkirchenrätin Kathrin Nothacker, die PSP sei ein „differenziertes und bewährtes Planungsinstrument“. Es helfe bei der Abstimmung, „wie viele Pfarrpersonen bei zurückgehenden Gemeindegliederzahlen gebraucht werden“ und wie viele sich die Landeskirche leisten könne.  

Bei der Darstellung der Zugangswege zum Pfarrdienst (grundständiges Studium, Quereinsteiger-Studiengang, Berufsbegleitende Ausbildung im Pfarrdienst) stellte Nothacker fest: „Die Lebens- und Bildungswege werden individueller und pluraler. Die Berechenbarkeit schwieriger“. Weitere Wege seien in Planung, etwa für Personen mit anderen Berufsbiografien und Personen aus anderen Kirchen. 

Die hohe Anzahl der Zurruhesetzungen sei inzwischen deutlich spürbar, so Nothacker. Manche Pfarrstellen könnten lange Zeit nicht besetzt werden. Dann fielen gemäß PfarrPlan 2030 Stellen weg oder würden reduziert. Man versuche, hier mit Ruhestandsbeauftragungen abzufedern.  

Kathrin Nothacker betonte, es sei „gesamtkirchliche Aufgabe, eine Leitungsaufgabe, am Thema Nachwuchsgewinnung dranzubleiben. Wir brauchen weiterhin junge Menschen, die sich für das Theologiestudium begeistern und für den hauptamtlichen Dienst als Pfarrer/Pfarrerin gewinnen lassen.“ Darüber hinaus brauche es Möglichkeiten für Quereinsteiger. Studien- und Ausbildungsgänge müssten intensiver beworben werden.  

Weiter sagte Nothacker, die „regio-lokale Kirchenentwicklung“ sei wichtig: „Pastorale Zusammenarbeit, Schwerpunktsetzung, Ausprobieren von neuen Formen und transformative Prozesse“ voranzubringen, sei ein zentrales Anliegen und Motivationsfaktor für den Pfarrdienst. Dazu gehöre auch die Bildung multiprofessioneller Teams. 

Mit Blick auf die nächsten Jahre stellte Nothacker fest, es werde keinen weiteren Pfarrplan geben. Angesicht des „Kleinerwerdens von Kirche“ und des Rückgangs der Ressourcen werde man aber in den nächsten Jahren einen „Strukturstellenplan für den Pfarrdienst in den Blick nehmen“ müssen. Ab 2028 werde der Oberkirchenrat zusammen mit den synodalen Ausschüssen überlegen, wie „die landeskirchliche Pfarrstellenplanung über das Jahr 2030 hinaus mit der PSP in einen Abgleich zu bringen sind“. 

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Bericht des Ausschusses für Kirchen- und Gemeindeentwicklung

Johannes Hartmann, Vorsitzender des Ausschusses für Kirchen- und Gemeindeentwicklung
Johannes Hartmann, Vorsitzender des Ausschusses für Kirchen- und Gemeindeentwicklung

Johannes Hartmann, Vorsitzender des Ausschusses für Kirchen- und Gemeindeentwicklung, kritisierte den PSP als „eher darstellend als strategisch zugespitzt oder gar innovativ und visionär“, auch wenn dies „nicht zum Anforderungsprofil einer derartigen statistischen Erhebung und der daraus abgeleiteten Prognose für die kommenden Jahre“ gehöre.  

Dem Ausschuss seien die vielen unbesetzten Pfarrstellen aufgefallen sowie die zögerliche Schaffung weiterer Zugänge zum Pfarrdienst und die Unsicherheit, ob genügend „Nachwuchs“ vorhanden sei. Die hohe Zahl vakanter Pfarrstellen führe mit den Transformationsprozessen zu zusätzlichen Belastungen. Rechnerisch fehlten derzeit rund 50 Vollzeitkräfte.  

„Transformation ist für uns als Kirche der Reformation Wesensbestandteil und Auszeichnung zugleich“, so Hartmann. Der Ausschuss rufe „Landessynode und Oberkirchenrat auf: Lasst uns gemeinsam an den Stellschrauben arbeiten, mit denen Gemeinden und der pfarramtliche Dienst gestärkt werden können.“ Chancen lägen etwa beim Aufbau multiprofessioneller Teams und bei der Einführung alternativer Zugänge zum Pfarrberuf und bei der Gewinnung „(junger) Menschen verbindlich für den Weg ins Pfarramt“, so dass „die PSP ein klareres Zukunftsbild zeichnen kann.“  

Der KGE plädiere für eine Stärkung der berufsbegleitenden Ausbildung im Pfarrdienst (BAiP). Ebenso gebe es „Reformbedarf im Hinblick auf Multiperspektivität und die Neudefinition kirchlicher Dienste im Haupt- und Ehrenamt“.  

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Bericht des Finanzausschusses

Tobas Geiger, Vorsitzender des Finanzausschusses
Tobas Geiger, Vorsitzender des Finanzausschusses

Tobas Geiger, Vorsitzender des Finanzausschusses, bestätigte, dass die PSP „eine verlässliche Planung für Kirchenbezirke und Gemeinden ermöglicht“. Er wies darauf hin, dass „die Zahl der rechnerisch vollbeschäftigten Pfarrpersonen in unserer Landeskirche zwischen 2030 und 2036 aller Voraussicht nach um weitere 100 zurückgeht“. Dies bilde die Mitgliederentwicklung ab. Man könne aber auch „fragen, ob wir als Kirche nicht mehr alternative Zugänge zum Pfarrdienst brauchen.” Immer weniger junge Menschen entschieden sich für ein universitäres Theologiestudium.“ Geiger fragte: „Können wir es uns leisten, auf die zu verzichten, die nicht an der Universität studieren möchten? Und müssen wir vielleicht auch selbst flexibler werden und mehr Angebote für Quereinsteiger machen?“ Die berufsbegleitende Ausbildung im Pfarrdienst (BAiP) sei „ein Pfund, mit dem sich wuchern lässt.“ 

Weiter dankte Geiger denen, die im Rahmen einer Ruhestandsbeauftragung „verlässlich aushelfen“, sowie den Ruheständlern und Ruheständlerinnen, „die ohne Beauftragung und Vergütung im Einsatz sind und sich für ihre Kirche engagieren. Das ist für mich ein sichtbares Zeichen der Gemeinschaft der Ordinierten, für die es keine Regelaltersgrenze gibt.“ 

Mit Blick auf die Zukunft betonte Geiger: Auch wenn aus dem Pfarrplan ein Strukturstellenplan werde, werde es „in einer kleinen werdenden Kirche“ nicht „ohne Transformation“ gehen. Regio-lokale Kirchenentwicklung, die pastorale Zusammenarbeit sowie die Schwerpunktsetzung im Pfarrdienst“ müssten ausgebaut werden. 

Auch bei der Finanzierung des Pfarrdienstes gelte: „Wir sollten uns künftig keine Denkverbote auferlegen, sondern nüchtern und unaufgeregt schauen, wie wir unsere Kirche finanziell zukunftssicher aufstellen.“ 

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TOP 06 Personalstrukturplanung Religionspädagoginnen und -pädagogen

„Die Studienwahl Religionspädagogik hat Zukunft“ 

Mehr Schülerinnen und Schüler – weniger Lehrkräfte: Die Personalplanung für den kirchlichen Anteil des schulischen Religionsunterrichtes (PSP RelPäd) zeigt klare Trends auf. Mit ihr wird der künftige Bedarf an kirchlichen Lehrkräften modellhaft berechnet. 

Oberkirchenrat
Bericht
Oberkirchenrat
Ausschuss für Bildung und Jugend
Bericht
Ausschuss für Bildung und Jugend
Finanzausschuss
Bericht
Finanzausschuss
Eckart Schultz-Berg
Votum
Eckart Schultz-Berg
Dr. Markus Ehrmann
Votum
Dr. Markus Ehrmann
Matthias Böhler
Votum
Matthias Böhler
Konrad Köhnlein
Votum
Konrad Köhnlein
Herbsttagung der Württembergischen evangelischen Landessynode im Hospitalhof.
Gemeinsame Aussprache zu TOP 05/06
Das sagten die Synodalen

Bericht des Oberkirchenrats

Oberkirchenrätin Carmen Rivuzumwami, Leiterin des Dezernats für Bildung, Schule und Diakonat
Oberkirchenrätin Carmen Rivuzumwami, Leiterin des Dezernats für Bildung, Schule und Diakonat

Oberkirchenrätin Carmen Rivuzumwami, Leiterin des Dezernats für Bildung, Schule und Diakonat, erklärte, die PSP sei keine „exakte Prognose“, sondern eine Modellrechnung auf Basis folgender Faktoren: 

  • Schülerzahlentwicklung
  • Kirchlicher Anteil der Unterrichtsversorgung
  • Altersstruktur der Lehrkräfte
  • Deputate der Gemeindepfarrerinnen und – pfarrer
  • Bruttopersonalkosten 
  • Ersatzleistungen durch das Land 

Neben statistischen Daten hätten auch schwer kalkulierbare Faktoren Einfluss, wie etwa die Akzeptanz bei den Eltern bzw. religionsmündigen Schülerinnen und Schülern oder die Einführung des Fachs Ethik.  

Rivuzumwami berichtete, der RU im Land werde zu etwa einem Drittel von kirchlichen Lehrkräften versorgt, davon rund die Hälfte von Pfarrerinnen und Pfarrern. Das sei wichtig, denn „Kirche ist präsent in der Schule und gestaltet Schulleben mit“.  

Die Zahl der Lehrkräfte werde in den nächsten Jahren deutlich zurückgehen, weshalb Neueinstellungen wichtig seien. Zugleich würden die Schülerzahlen bis zum Schuljahr 2030/2031 um 5 % steigen.   

Rivuzumwami erläuterte, der von Pfarrpersonen erteilte RU wegen zunehmender Altersermäßigungen sowie des Rückgangs der Deputate aufgrund der durch Fusionen wachsenden Seelsorgebezirke sei rückläufig. Die Landeskirche unterschreite die mit dem Land vereinbarte Zahl der zu erteilenden Unterrichtsstunden. 

Die PSP prognostiziere für 2027 einen Bedarf von 277 Vollzeitstellen, so Rivuzumwami. 2057 wären es noch 235. Es sei oft schwierig, freie Stellen nachzubesetzen, vor Allem im ländlichen Raum. Es sei „dringend geboten, an den 8 unbefristeten Neueinstellungen [pro Jahr, Anm. d. Red.] bis 2030 festzuhalten“. 

Rivuzumwami nannte Maßnahmen zur Mitarbeitenden-Gewinnung und -Bindung, die schon umgesetzt oder in Planung seien: 

  • Bevorzugung unbefristeter Anstellungen
  • Nachqualifikation staatlicher Lehrkräfte
  • Förderung des Quereinstiegs
  • Förderung von Kompetenzen bei Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz  

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Bericht des Ausschusses für Bildung und Jugend

Prisca Köpf, Vorsitzende des Ausschusses für Bildung und Jugend
Prisca Köpf, Vorsitzende des Ausschusses für Bildung und Jugend

Prisca Köpf, Vorsitzende des Ausschusses für Bildung und Jugend, stellte in ihrem Bericht fest, die PSP liefere „eine verlässliche Modellrechnung, um Einstellungen vorausschauend zu planen“. Die Prognosen bestätigten, dass aufgrund der Entwicklungen in Demographie und Schülerzahlen „unsere Entscheidung bereits vor einigen Jahren, pro Jahr acht neue Stellen für Lehrpersonen einzurichten, vorausschauend und gut“ gewesen sei.  

Sie hob zudem hervor, im Koalitionsvertrag der Landesregierung von Baden-Württemberg werde der „bekenntnisgebundene Religionsunterricht“ unterstützt. Köpf würdigte die Arbeit der Religionspädagoginnen und -pädagogen: „Für viele junge Menschen sind diese Lehrkräfte heute die einzigen Identifikationsfiguren von Kirche, denen sie in ihrem Alltag begegnen.“

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Bericht des Finanzausschusses

Tobas Geiger, Vorsitzender des Finanzausschusses
Tobas Geiger, Vorsitzender des Finanzausschusses

Tobias Geiger, Vorsitzender des Finanzausschusses, erinnerte daran, der Religionsunterricht sei „das einzige Lehrfach, das durch Artikel 7 des Grundgesetzes garantiert wird.“ Ernst-Wolfgang Böckenförde, ehemaliger Richter am Bundesverfassungsgericht, habe dazu festgestellt: „Der weltanschaulich neutrale Staat kann seine Grundlagen nicht selbst schaffen.“ Das Gemeinwesen sei auf Voraussetzungen angewiesen, so Geiger, „die staatliche Organe nicht garantieren können, wie etwa moralische Überzeugungen und ethische Werte. Dass wir uns als Kirche für den Religionsunterricht engagieren, ist ein Dienst an der Gesellschaft.“ 

Und weil „der Religionsunterricht ein ordentliches Lehrfach ist, steht der Staat in der Pflicht, die Kosten für den von kirchlichen Lehrkräften erteilten Religionsunterricht zu refinanzieren“, so Geiger. Das Land Baden- Württemberg ersetze derzeit jedoch nicht einmal die Hälfte der tatsächlich anfallenden Kosten. Zugleich sei ausreichender Nachwuchs wichtig, „um unsere Verpflichtungen gegenüber dem Land zu erfüllen“. 

Geiger betonte: „Bei den Beratungen im Finanzausschuss waren wir uns einig, dass der Religionsunterricht jeden Euro wert ist, den wir dafür ausgeben. Auch in Zeiten, wo wir jeden Cent zweimal umdrehen müssen, wollen wir an den Schulen präsent bleiben und damit sowohl einen Dienst an der Gesellschaft tun als auch unseren kirchlichen Auftrag erfüllen.“ 

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Voten der Gesprächskreise zur Personalstrukturplanung Pfarrdienst und Personalstrukturplanung Religionspädagoginnen und -pädagogen

Hier finden Sie die Voten der Gesprächskreise der Landessynode zu TOP 05 und TOP 06 im Volltext.

Gesprächskreisvotum Offene Kirche, gehalten von Eckart Schultz-Berg

Eckart Schultz-Berg
Eckart Schultz-Berg

Verehrte Frau Präsidentin, verehrter Herr Landesbischof, liebe Synodale!

Unsere große Frage ist: Werden wir auch die Personen zu diesen Zahlen haben – in echt? 

Zwei Themenkreise beschäftigen uns: 
- Wie kommen wir zu mehr Kolleg:innen im Pfarrdienst und in der Schule? 
- Und wie können wir das in unseren finanziellen Rahmen stellen? 

Aber zunächst herzlichen Dank an Frau Oberkirchenrätin Nothacker und ihr Team um Frau Förster und Frau Bürkle und Frau Oberkirchenrätin Rivuzumwami und ihr Team um Frau Hank und Herrn Schmidt für dieses fundierte Zahlenwerk. 

Gut, dass wir die beiden Arbeitsbereiche im Zusammenhang betrachten, denn sie bedingen einander.

In dem Maße, wie wir große Ruhestandabgänge im Pfarrdienst haben, und ebenso in dem Maße, wie wir durch Zusammenlegungen große Pfarrbezirke schaffen, reduziert sich die Zahl der durch Pfarrpersonen erbrachten Religionsstunden erheblich. Wir müssen aber 4980 Deputatsstunden erbringen und das entsprechend durch Religionspädagoginnen auffangen. Beide Personalstrukturplanungen korrelieren miteinander. 

Zu den beiden Planungen im Einzelnen:  

Die Entwicklung der Zahl der Religionspädagog:innen geht parallel zu den Pfarrdienstjahrgängen. Wir haben die nächsten Jahre starke Abgänge auch im Schulbereich. Die Zugänge sind deutlich geringer, obgleich die Schüler:innenzahlen, anders als man es zunächst erwarten würde, die nächsten Jahre sogar noch einmal leicht steigen. Die geplanten 10 Neueinstellungen wurden auf 8 reduziert. Ja, wir müssen sparen. Und doch: Ob die Zahl dann reicht, um den Reliunterricht zu bedienen? Sind Krankheitsausfälle und anderes ausreichend berücksichtigt? Können wir G9 an Gymnasien bedienen.

Für uns stellt sich die Frage, ob wir genug Personal haben werden, um die Anforderungen des Staatsvertrages zu bewältigen, aber auch um das Interesse am Religionsunterricht zu bedienen? Wir alle wissen, wie prägend der Religionsunterricht und die Jugendarbeit für die spätere Einstellung zur Kirche sind. „Wer in jungen Jahren keinen Kontakt zur Kirche bekommt, findet ihn später nicht mehr“ (Freiburger Studie). Deshalb die Fragen:

  • Was können wir tun, um das Interesse am Fach Religion im Lehramt schon unter den Studenten:innen an den Unis zu stärken?
  • Welche eigenen Möglichkeiten haben wir, Personen als kirchliche Religionspädagog:innen unter den Diakonen:innen an den Evangelischen Fachhochschulen - auch außerhalb Württembergs - zu gewinnen?
  • Was können wir tun, um das Interesse an einer Vocatio bei staatlichen Lehrkräften zu wecken?
  • Was ist mit Quereinstieg?

Das sind für uns die wichtigen Fragen, die aus dem Zahlenwerk der Strukturplanung folgen. Es geht dabei um zweierlei: Erbringung unserer dem Staat geschuldeten Leistungen und, genau so wichtig, Erfüllung des Bildungsauftrages an den Schulen, indem wir das Fach Religion gut anbieten können. Ich denke, dass ist Ihnen in den Dezernaten 2 und 3 bewusst, wir wollen sie bestärken, weiter engagiert in diese Richtung zu arbeiten, dass wir die Personalstellen auch füllen können.

Zum Pfarrdienst: Um die starken Jahrgänge, die in den Ruhestand gehen, wissen wir alle. Das ist solide berechnet und dargestellt. Aber auch hier die Frage: Wie gewinnen wir genügend neue Kollegen:innen, die in die Gemeinden gehen? Mich beunruhigt, dass die Vakaturrate von ca. 70 auf gut 130 gestiegen ist. Das bedeutet, dass ca. 130 Gemeinden ohne Pfarrperson sind. Das muss vertreten werden, es schreckt ab, sich in eine solche Gegend zu bewerben, es führt zu zunehmender Frustration vor Ort. 

Es scheint diesen Herbst ein guter Jahrgang an den Start ins Vikariat zu gehen. Das ist hoffnungsvoll. Doch reicht das? Wir sehen, dass wir in den Zahlen bis 2045 immer ein wenig unter dem Level der Gemeindegliederentwicklung bleiben. 

Was uns enttäuscht, sind die kleinen Zahlen der BAiP für kirchlich Beschäftigte und des Quersteinstiegs durch einen aufgesetzten Masterstudiengang. 3 Personen im Jahr. Das sind magere Zahlen. Wäre hier nicht Luft nach oben? Gerade Menschen mit Berufserfahrung interessieren sich für Theologie und einen Quereinstieg in den Beruf. Es geht darum, dranzubleiben, das Interesse und die Lust auf den Pfarrberuf zu stärken, auch auf den beiden Zusatzwegen. 

Die Frage bleibt stetig aktuell, wie können wir werbend für den Pfarrberuf begeistern? Auch hier 3 Fragen:

  • Gelingt es an den Unis, die Interessenten:innen am Fach Theologie dann auch für den konkreten Pfarrdienst zu begeistern? Und davor an den Schulen engagiert zu werben? Ich nenne nur die Stichworte Ev. Stift und Ev. Seminare.
  • Können wir mehr Menschen für die Seiteneinstiege gewinnen?
  • Gibt es evtl. noch nicht entdeckte oder wenig praktizierte Wege, Menschen neu zu erreichen und anzusprechen? 

Die Landeskirche hat schon gute Kampagnen aufgelegt, doch es ist ein stetiges Bemühen auch mit neuen Medien und neuwertigen Formen der Kommunikation! 

Deutliche Fragen haben wir zur Weiterbeschäftigung im Ruhestand. Meine Erfahrung: Kollegen:innen würden gerne noch 1 oder 2 Jahre an ihrer Stelle weiterarbeiten, eine Ruhestandsbeauftragung an neuer Stelle, an der man sich neu einarbeiten muss, lehnen sie aber dankend ab. Warum sollten wir in Kreativität nicht Wege finden, Pfarrer:innen auf ihrer seitherigen Stelle zu Ruhestandskonditionen eine Zeit lang weiter zu beschäftigen? Wir haben doch pfiffige Juristen:innen. Das sagen die ganzen Untersuchungen der Agentur für Arbeit: Wenn Menschen mal weg sind aus ihrem konkreten Arbeitsplatz, sind sie schwierig wieder zurückzugewinnen. Warum nicht Pensionsbezüge und eine kleine Gratifikation auf der seitherigen Stelle? Um der Gemeinden Willen! 

Der Ansatz, den Pfarrberuf regio-lokal weiterzuentwickeln, halten wir für einen richtigen Weg, den man aber mit Fingerspitzengefühl angehen muss. Man kann Aufgaben distriktsweise bündeln und voranbringen. Aber wir möchten daran erinnern, dass der Pfarrberuf gerade auch von der Vielfalt seiner Aufgaben lebt. Es ist für viele Pfarrer:innen das Reizvolle, dass sie eben keine Fachspezialisten sind, sondern an der Fülle des Lebens in seiner ganzen Breite arbeiten dürfen. 

Das sind Punkte zum Weiterdenken und Weiterarbeiten. Wir bitten sehr, nicht müde zu werden und die angesprochenen Fragestellungen weiter zu verfolgen. Wir brauchen Pfarrpersonen für unsere Gemeinden und für unsere Kirchen. Bei aller Säkularisierung, viele Menschen haben weiterhin große Erwartungen an die Kirche und ihre Botschafter:innen in diesen unsicheren Zeiten.

Wir danken sehr für die solide Berechnung. Das gibt große Verlässlichkeit in der Planung des Dienstes und in der Gestaltung der Finanzen.

Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit! 

Die vollständigen Berichte zu TOP 05 und TOP 06 finden Sie in der Klappbox oben: Dokumente zu Tagesordnungspunkt 05 und 06

Gesprächskreisvotum Lebendige Gemeinde, gehalten von Dr. Markus Ehrmann

Dr. Markus Ehrmann
Dr. Markus Ehrmann

Liebe Präsidentin, liebe Brüder und Schwestern,

als Kirche weisen wir auf eine himmlische Welt hin, leben aber in dieser Welt mit all ihren Knappheiten und Einschränkungen. 

Der Ökonom Kenneth E. Boulding sagt: unsere Welt hat sich gewandelt von einer Cowboyökonomie hin zu einer Raumschiff-Ökonomie, in der alles knapp ist und alles mit allem zusammenhängt. Das zeigt die PSPP und PsP Relpäd. Noch vor wenigen Jahren hatten wir einen Überhang an Personen und keine Stellen, heute fehlt es an Personen und Geld, dabei braucht unsere Gesellschaft doch in diese Zeiten Religionsunterricht und Pfarrerinnen und Pfarrer.

Deshalb sind wir dankbar für die Projektion zu Pfarrdienst und Religionspädagogik. In den Berichten sagen Sie es: „Es können Entwicklungen aufgezeigt werden und wir haben dadurch die Möglichkeit, auf diese Entwicklungen zu reagieren.“

Genau darin liegt die eigentliche Frage dieser Beratungen: Reagieren und agieren wir auch wir auf diese Entwicklung? Und wenn ja - wie? Wie viele Pfarrerinnen und Pfarrer wie viele Relpäds werden unserer Landeskirche künftig tatsächlich zur Verfügung stehen? Wie viele können wir uns leisten? Die Antwort fällt ernüchternd aus.

Tabelle: Rechnerisch Vollbeschäftigte und Vakanzen im Zieljahr 2030 nach PSPP26 im Vergleich zum Pfarrplan

Dem Pfarrplan 2030 lag noch die Projektion aus dem Jahr 2022 zugrunde. Damals rechneten wir für das Jahr 2030 noch mit rund 56 Pfarrerinnen und Pfarrern mehr als nach der aktuellen Projektion. (Tabelle ppp)

Zugleich haben wir damals beschlossen, zusätzlich 42 Personen den Zugang zum Pfarrdienst zu eröffnen. Insgesamt haben wir für Gemeindedienst und Sonderpfarramt damals mit 1008 Pfarrerinnen und Pfarrern gerechnet. 

Heute müssen wir feststellen: Die Entwicklung ist gleich in doppelter Hinsicht ungünstiger verlaufen. Denn nach der aktuellen PSP stehen für die gleiche Anzahl an Stellen 75 Personen weniger zur Verfügung. 

Erstens liegen die aktuellen Projektionen deutlich unter den damaligen Annahmen.

Zweitens wurde der Beschluss der Synode, die 42 zusätzlichen Stellen auch mit Personen zu besetzen, nicht umgesetzt. Anstatt 42 wurden lediglich 16,25 rechn. Vollbeschäftigte als Ruhestandsbeauftragungen aufgenommen

Die Folgen sind erheblich. Während der Pfarrplan 2030 noch von rund 70 vakanten Stellen ausging, sind es derzeit ca. 130 und nach der aktuellen PSPP Projektion im Jahr 2030 etwa 150 vakante Stellen. Wenn wir weiter fortschreiben, kommen wir für das Jahr 2036 sogar auf rund 240 unbesetzten Pfarrstellen bei insgesamt aktuell  1.078 Stellen.

In der PSPP sind es Zahlen - In der Realität leben Gemeinden teilweise jahrelang in der Unsicherheit.

Für unsere Pfarrerinnen und Pfarrer würde das bedeuten: noch weniger Planbarkeit, noch mehr Vertretungsdienste und eine immer größere Abhängigkeit davon, wann Nachbarpfarrämter vakant werden.

Und für unsere Gemeinden bedeutet es: Viele werden sich auf deutlich längere Vakanzzeiten einstellen müssen - teilweise mehrere Jahre. Im Bericht wird deshalb die Frage gestellt, ob es nach 2030 noch einen weiteren Pfarrplan geben wird.

Sie antworten mit NEINà Pfarrplan ist ein verbrauchtes Wort, weil es mit Rückgang und Kürzung assoziiert wird. Aber wir als Lebendige Gemeinde stehen hinter einer gerechten Verteilung der Pfarrstellen zwischen den Gemeinden und wir lehnen übermäßige lange und übermäßig viele Vakanzen ab.  à Sie sprechen von einem Strukturstellenplan, wir als Lebendige Gemeinde sind gerne bereit, einen ganzheitlichen Gemeindeentwicklungsplan gemeinsam zu entwickeln.

 

## Bei der Projektion der Religionspädagogen sieht es ähnlich dramatisch aus: in 2030 fehlen insgesamt 118 Stellen, das sind fast 3000 Wochenstunden!

JEDOCH - nicht wir, sondern Christus baut die Kirche, aber Gottvertrauen ersetzt keine Verantwortung. Es befreit zu verantwortlichem Handeln. Und auch zur Bereitschaft, neue Wege auszuprobieren. Deshalb möchten wir ZUNÄCHST drei Konsequenzen für den Pfarrdienst benennen.

Erstens: Sie nenne es im Bericht: Nachwuchsgewinnung bleibt eine geistliche Leitungsaufgabe.

Wir brauchen junge Menschen, die sich von Gott in den Hauptamtlichen Dienst rufen lassen. Dafür müssen wir beten, werben und attraktive und verlässliche Rahmenbedingungen schaffen. Dazu gehört aus unserer Sicht auch, den Pfarrdienst nicht unnötig zu verengen und z.B. Nebentätigkeiten weiterhin zu ermöglichen. Denn was so aussieht, als würden wir Personal für uns retten, bedeutet es zu bevormunden. 

Wenn der Eindruck entsteht, dass der Pfarrdienst eine lebenslange Absage an Mitarbeit in freien Werken, Gemeinschaftsverbänden, Uni- Tätigkeiten oder anderen kirchlichen Diensten bedeutet, dann wird das junge Menschen kaum für diesen Beruf begeistern.

Wir als Lebendige Gemeinde sehen das anders. Unsere Landeskirche gewinnt, wenn sie Pfarrerinnen und Pfarrer bewusst in Werke, Ausbildungsstätten und missionarische Dienste entsendet.

Zweitens: Der Beschluss der Landessynode muss umgesetzt werden. Das heißt: Die 42 zusätzlichen Stellen auch mit Personen zu besetzten. Neben den Ruhestandsbeauftragungen, die bis zum Jahr 2030, wenn überhaupt nur noch geringfügig steigen dürften, muss es eine verlässliche und ordnungsgemäße Berufung  (CA 14) auch für Menschen geben, die an staatlichen Hochschulen studiert haben, und zwar auch für Berufseinsteiger. Dazu werden wir in dieser Synodaltagung einen entsprechenden Antrag eingebracht.  UND JA das BAIP weiter gestärkt und beworben werden. Allerdings 2030 planen wir mit 6 Personen im BAIP, in den letzten Kursen konnten wir aber nur 2 bzw. 3 Personen gewinnen. 

Drittens: Regiolokale Kirchenentwicklung braucht starke Ortsgemeinden.

→ Ja, regionale Zusammenarbeit wird wichtiger werden.

Das unterstützen wir ausdrücklich. Aber die Ortsgemeinde bleibt der Ort, an dem Menschen Glauben leben, Heimat finden und das Evangelium hören.

Deshalb darf die regiolokale Kirchenentwicklung nicht zum Containerbegriff für immer neue Strukturreformen werden. Damit ist er in der Fläche negativ konnotiert: immer wenn man eine Veränderung nicht anders begründen kann, wird sie regiolokal

Also: Regional – ja. Aber niemals auf Kosten von lokal und damit lebendigen Ortsgemeinden.

Die Zeit einer flächendeckenden Versorgung, wie wir sie über Jahrzehnte kannten, geht ihrem Ende entgegen. Ehrenamtliche in Kirchengemeinden werden mehr Verantwortung übernehmen. Wir als Landeskirche müssen dies aber auch zulassen und entsprechende Hemmnisse abbauen. Nur mit Zutrauen und der Bereitschaft, neue Wege zuzulassen, kann ein solcher Wandel gelingen.  Spielräume schaffen vgl. Bischofsbericht 

 

Was ergibt sich aus der Projektion der Religionspädagogen?

Als Lebendige Gemeinde unterstützen wir das Ziel, dass möglichst viele Diakoninnen und Diakone unmittelbar an den Schulen tätig sind und weniger Stellen in den Schuldekanaten gebunden werden. Ebenso begrüßen wir die Vokationskurse für Lehrkräfte ohne theologisches Studium. 

Daneben liegt aber auf der Hand, dass auch Menschen, die an staatlichen Hochschulen evangelische Theologie und Pädagogik studiert haben, der Zugang zum Religionsunterricht erleichtert werden sollte. Hier besteht Handlungsbedarf. Angesichts von über 118 fehlenden Lehrkräften in der PSP Relpäd werden wir alle qualifizierten Frauen und Männer brauchen. Die Alternative wären immer mehr Unterrichtsausfälle.

Für uns ist evangelischer Religionsunterricht eine zentrale Möglichkeit der Kirche, Kindern und Jugendlichen mit dem Evangelium von Jesus Christus zu begegnen. Gerade im Ausbau der Ganztagsschulen wird er für viele junge Menschen einer der wenigen regelmäßigen Berührungspunkte mit Kirche sein.

Wenn künftig weniger Pfarrerinnen und Pfarrer Religionsunterricht erteilen, muss die Zusammenarbeit zwischen Ortsgemeinden, Religionspädagoginnen und Religionspädagogen sowie staatlichen Religionslehrkräften bewusst gestärkt werden. Religionsunterricht darf nicht neben der Gemeinde stehen, sondern soll Brücken in das Leben der Kirchengemeinden bauen.

Am Ende lässt sich sagen: Jesus Christus hat seiner Kirche niemals leichte Zeiten versprochen. ABER "Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende."

Darauf vertrauen wir.

Die vollständigen Berichte zu TOP 05 und TOP 06 finden Sie in der Klappbox oben: Dokumente zu Tagesordnungspunkt 05 und 06

Gesprächskreisvotum Kirche für morgen, gehalten von Matthias Böhler

Matthias Böhler
Matthias Böhler

Frau Präsidentin, liebe Synodale, sehr geehrte Frau Nothacker, sehr geehrte Frau Rivuzumwami,

zuerst einen herzlichen Dank an alle Berichterstatter und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Dezernaten, die diese Zahlenwerke für uns aufbereiten.

Wir sind gut aufgestellt in der Württembergischen Landeskirche. Wir haben funktionierende Instrumente zur Personalplanung und Steuerung und sind deshalb ein verlässlicher und sicherer Arbeitgeber. Deshalb ist für uns als Gesprächskreis Kirche für morgen zunächst wichtig festzuhalten: der hauptamtliche Dienst in der Landeskirche hat Zukunft! Auch in Zeiten großer Umbrüche, haben wir die finanziellen Mittel und nötigen Strukturen – wir brauchen Menschen, die mit Leidenschaft und einem Herz für die Menschen authentisch von Ihrem Glauben erzählen, Menschen zuhören und begleiten. In diese Menschen wollen wir auch in Zukunft investieren. 

Also alles gut? Ich denke wir müssen aufpassen, dass wir uns durch schöne Tabellen und plausible Zahlen nicht über die massiven Herausforderungen im Pfarrdienst und auch im Religionsunterricht hinwegtäuschen lassen. Deshalb im Folgenden einige kritische Anmerkungen.  

Ich beginne mit einem Blick auf den Religionsunterricht

Der Religionsunterricht ist sicher eine der größten Chancen, die wir als Kirche haben, Menschen mit der christlichen Hoffnungsbotschaft zu erreichen. Deshalb ist jede Investition in diesen Bereich gut angelegtes Geld. Die jährlich acht Neueinstellungen unterstützen wir deshalb ausdrücklich.

Gleichzeitig müssen wir uns aber ehrlich machen: Laut PSP fehlen rund 90 Stellen! Die Folgen sehen wir vielerorts: Unterricht fällt aus oder kann über ein ganzes Schuljahr hinweg gar nicht mehr angeboten werden. Besonders drastisch ist die Lage oft an den sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren sowie an den beruflichen Schulen. Dort scheint die Versorgung mit Religionslehrkräften besonders angespannt. Gerade dort aber erreichen wir junge Menschen, die in unseren Kirchengemeinden und in der Jugendarbeit oft kaum vorkommen. Wenn wir davon sprechen, Kirche bei den Menschen zu sein, dann müssen wir genau dort präsent sein. Deshalb wünschen wir uns eine Strategie, wie wir unsere Präsenz gerade in diesen Schularten künftig sichern und stärken können.

Ich komme zum Pfarrdienst

Zunächst - gut, dass die Aufnahmezahlen ins Vikariat von jährlich über 40 auf jetzt weniger als die Hälfte angepasst wurden. Allerdings, und darauf weisen Sie in der Anlage zu Ihrem Bericht hin, trägt diese Korrektur zu einer deutlichen Erhöhung der Vakaturrate bei. Ich komme aus einem Kirchenbezirk wo das im Moment massiv spürbar ist. Die Pfarrpersonen arbeiten am Rande ihrer Möglichkeiten bzw. darüber hinaus. Da ist viel Frustration und Erschöpfung. Was ist unserer Antwort darauf? Was ist Ihre Antwort?

Eigentlich ist es ja ganz einfach: Wir haben Stellen, wir haben die Finanzkraft, es Fehlen allein die Personen. Deshalb ist es gut, dass wir Maßnahmen beschlossen haben, um mehr Menschen den Weg ins System zu bringen. Aber ganz ehrlich, wir nehmen den Oberkirchenrat und das Personaldezernat hier als sehr zögerlich wahr. Sie sprechen zwar Jahr für Jahr von den Alternativen Zugängen, vom BaiP, von Neuendettelsau, … Aber der Vollzug geschieht doch sehr langsam. Warum werden in die Berufsbegleitende Ausbildung 2026 nur 3 und 2028 nur 2 Personen aufgenommen? Wer andere Berufsgruppen für den Pfarrdienst wirklich gewinnen will, muss darum werben und Hürden abbauen. Und wir brauchen eben auch in Württemberg einen Ausbilungsgang für Menschen die aus nichttheologischen Berufen einen Quereinstieg anstreben.  

In der Sitzungsvorlage bin ich über einen Satz gestolpert. „die Frage, was die Kernaufgaben des Pfarramts sind, wird weiter zu diskutieren sein“. Also, diskutieren tun wir das seit bald Jahrzehnten! Für uns als Kirche für morgen ist die Ehrenamtskirche das Bild der Zukunft. Die Hauptamtlichen für die Ehrenamtlichen, die Ehrenamtlichen für die Gemeinde. Pfarrerinnen und Pfarrer als Trainerinner und Trainer. Ehrenamtliche nicht als Lückenfüller für die Aufgaben, die der Pfarrer nicht mehr schafft, sondern als kompetente, ausgebildete, befähigte und von der Kirche beauftragte Personen, die sich auf Augenhöhe in der Gemeinde einbringen. Wir finden es zum Beispiel super, dass inzwischen ein erster Kasualkurs „Bestattungen“ für Prädikantinnen und Prädikanten als Pilotprojekt stattgefunden hat. Irritiert lese ich dann allerdings im Prädikantenbrief vom Herbst 2025: „Das erste Ausschreibungs- und Anmeldeverfahren […] musste auf Intervention von Dez. 3 hin storniert und noch einmal überarbeitet werden. So entstand der Eindruck an vielem vergeblich gearbeitet zu haben.“ 

Diesem Eindruck müssen wir uns widersetzten. Lassen Sie uns als Ermöglicher und nicht als Blockierer auftreten.  

Schließen möchte ich mit der Fragestellung: Was motiviert eigentlich junge Menschen für den Pfarrberuf?

Werbung fürs Theologiestudium ist sicher gut und wichtig, um den Studiengang ins Blickfeld von jungen Erwachsenen zu rücken. Auch ein Stipendium am Stift ist attraktiv. Aber am allerwichtigsten ist doch, dass wir ein positives und zukunftsfähiges Berufsbild für den Pfarrdienst schaffen. Und dabei geht es erstmal um ganz profane Dinge: die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Begrenzung der Arbeitszeit, die Residenzpflicht. oder auch um die Frage, ob das Beamtenverhältnis für junge Menschen, die flexibel und frei sein wollen, noch das passende Dienstverhältnis ist. 

Entscheidend für die Attraktivität eines Arbeitgebers ist, dass Mitarbeitende erleben, ich werde gehört, ich kann mein Potential entfalten, ich werde in Entscheidungen einbezogen, meine berufliche und private Situation wird gesehen und ernst genommen.

Leider bekommen wir immer wieder die Rückmeldung, dass das in unserer Kirche anders erlebt wird. Neulich sagte mir jemand: „man wird halt dort hingesetzt, wo die Lücke ist“. Personalmanagement im Sinne von Förderung und Weiterentwicklung braucht die Bereitschaft flexibel zu sein. Es braucht die Bereitschaft für individuellen Sonderlösungen und den Mut neue Zukunftsbilder des Pfarrdienstes aktiv zu gestalten und voranzubringen. Da ist noch Luft nach oben. 

Als Gesprächskreis Kirche für morgen werden wir in den nächsten 6 Jahren dafür eintreten, dass Zukunftsbilder, wie Teampfarramt und multiprofessionelle Teams, keine leeren Floskeln in Berichten und Gesprächskreis-Voten bleiben, sondern dass sie Realität werden. Wir wollen jungen Menschen sagen können, bring dich ein! Wir brauchen Dich! Gott will dich gebrauchen! Sag uns, was Du brauchst! Du bist es uns wert!

Die vollständigen Berichte zu TOP 05 und TOP 06 finden Sie in der Klappbox oben: Dokumente zu Tagesordnungspunkt 05 und 06

Gesprächskreisvotum Evangelium und Kirche, gehalten von Konrad Köhnlein

Konrad Köhnlein
Konrad Köhnlein

Sehr geehrte Präsidentin, hohe Synode, liebe Frau Nothacker, liebe Frau Rivuzumwami

vielen Dank für die Einbringung der Personalstrukturplanungen für den Pfarrdienst und für Religionspädagoginnen und Religionspädagogen. Es ist gut und wichtig, anpassungsfähige Instrumente zu haben, um frühzeitig Entwicklungen zu erkennen und auf sie reagieren zu können. Vielen Dank an alle, die mit hohem Einsatz für die Kommunikation des Evangeliums sorgen - in der Schule, in der Gemeinde, in der Gesellschaft. Es ist wünschenswert, dass weiterhin alles getan wird, um Religionspädagoginnen und Religionspädagogen für ihre wichtige Aufgabe zu gewinnen, - auch in ländlichen Regionen. Dasselbe gilt für junge Theologinnen und Theologen.

Sehr erfreulich ist, dass junge Menschen in den Pfarrberuf möchten und dies nach Studium und Vikariat auch tun. Wir sollten dennoch nicht nachlassen, für das Theologiestudium zu werben. Der Gesprächskreis Evangelium und Kirche begrüßt die geplante Öffnung für Absolventinnen und Absolventen aus Neuendettelsau, die als Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger den Weg in den Pfarrdienst wagen.

Als Regelvoraussetzung für den Pfarrdienst gilt nach wie vor ein grundständiges Theologiestudium. Das unterstützen wir, weil die öffentliche Rolle des Pfarrdienstes eine fundierte Auskunfts- und Diskursfähigkeit in einer zunehmend säkularen Gesellschaft braucht. Deren Grundlage ist ein geisteswissenschaftliches Studium an einer staatlichen theologischen Fakultät. Dieses ist reformbedürftig und daran wird an den Fakultäten gearbeitet.

Als Gesprächskreis stehen wir Bemühungen aus der Synode, das Vikariat für Absolventinnen und Absolventen staatlich anerkannter Hochschulen mit Mastertitel zu öffnen, mit Skepsis gegenüber. Eine staatliche Anerkennung bedeutet noch nicht, dass die theologische Ausrichtung einer Hochschule mit unserer kompatibel wäre. Das gilt insbesondere für die Frage nach dem Schriftverständnis mit allen Folgen, die sich daraus ergeben.

Wir unterstützen den Weg über die Berufsausbildung im Pfarrdienst für Absolventinnen und Absolventen nichtstaatlicher Hochschulen. Diese können nach einigen Jahren Berufserfahrung (etwa in den landeskirchlichen Gemeinschaften) individuelle Wege ins Pfarramt beschreiten. 

Ebenso unterstützen wir das Anliegen, den Pfarrberuf an neue Bedingungen anzupassen. Meine Erfahrungen als Pfarrer im ländlichen Raum mit Kolleginnen und Kollegen, die viele Vakaturen schultern müssen, bestätigen Ihre Feststellung, liebe Frau Nothacker: „Die Verdichtung von Aufgaben im Pfarrdienst ist enorm.“

In vielen Kirchenbezirken ist das bisherige Berufsbild der Pfarrerin und des Pfarrers schon nicht mehr das, was es einmal war. Kolleginnen und Kollegen können aufgrund hoher Vakaturraten nur noch sehr grundlegenden Aufgaben nachkommen: Kasualien, Gottesdienste, Schulunterricht, Konfirmandenarbeit. Das bedeutet: Keine Besuche mehr, keine Projektarbeit mehr, kein Freiraum für innovative, zukunftsgewandte Projekte.

Wir sollten in unserer Landeskirche gemeinsam – Oberkirchenrat und Synode – an der Frage arbeiten, was Pfarrinnen und Pfarrer künftig tun sollen. Und vor allem: Was nicht mehr.

Es ist in meinen Augen nur die eine Seite der Wahrheit, dass es keine maßgeschneiderten Lösungen von oben geben kann. Die andere Seite ist: Pfarrerinnen und Pfarrer brauchen gute Strukturen und Arbeitsbedingungen. Und dafür sind die Gemeinden und die Pfarrerinnen und Pfarrer vor Ort gefragt. Doch die mittlere Ebene der Dekanate gemeinsam mit dem Oberkirchenrat und der Synode sollten diese Bemühungen mit der Möglichkeit flexibler Lösungen vor Ort unterstützen.

Manche Gemeinden möchten etwa bei Ausschreibungen von Pfarrstellen auf strenge Parochiezuschnitte verzichten können und Dienstaufträge themenspezifisch anlegen. Das ist bisher rechtlich nicht möglich. Regio-Lokalität muss die echte Möglichkeit von gabenorientiertem Arbeiten von Teams mit einschließen. Dabei ist auch an multiprofessionelle Teams zu denken, deren Einführung in unserer Landeskirche bisher in den Kinderschuhen steckt.

Es sollte mehr Freiheiten geben, Dinge zu erproben und rechtliches Neuland zu betreten. Erprobungsgesetze anderer Landeskirchen könnten uns darin Vorbild sein, Dinge auszuprobieren und zu evaluieren. Viele Menschen sind mit hohem Einsatz unterwegs, um das Evangelium unter die Menschen zu bringen. Lassen Sie uns daran arbeiten, dass dies unter bestmöglichen Bedingungen geschehen kann.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Die vollständigen Berichte zu TOP 05 und TOP 06 finden Sie in der Klappbox oben: Dokumente zu Tagesordnungspunkt 05 und 06

Gemeinsame Aussprache zu TOP 05/06

Herbsttagung der Württembergischen evangelischen Landessynode im Hospitalhof.

Lukas Haile (Ludwigsburg) plädierte dafür, die Zugangshürde zur Berufsbegleitenden Ausbildung im Pfarramt (BAiP) für Diakoninnen und Diakone (mind. fünf Jahre Berufserfahrung) zu senken, da dieser Übergang sonst oft in die Phase der Familiengründung falle, was sicher manche abschrecke. Ebenso regte er an, den direkten Übergang vom Masterstudium an der EH Ludwigsburg in die BAiP zu ermöglichen.  

Marian Blessing (Holzgerlingen) wies darauf hin, wie wichtig eine flächendeckende Versorgung der Schülerinnen und Schüler mit Religionsunterricht (RU) an Berufs- und Förderschulen sei. Dafür brauche es die nötigen Ressourcen.  

Lisbeth Sinner (Freudenstadt) mahnte, nicht die Erfüllung von Verträgen (etwa mit dem Land) auf dem Rücken der Pfarrpersonen auszutragen. Es gebe inzwischen Pfarrpersonen mit mehreren Geschäftsführungen und Vakaturvertretungen, die zusätzlich noch mit vollem Deputat RU gehen. Zudem regte Sinner an, auch eine Personalstrukturplanung Diakonat zu entwickeln. 

Sebastian Bugs (Kirchheim unter Teck) wünschte sich die Klärung der Frage, was es denn für die Zukunft bedeute, dass es keinen Pfarrplan mehr geben werde. Es bestehe die Gefahr, dass das vor Ort so verstanden werde, als werde es keine Pfarrstellenkürzungen mehr geben. Das wäre aber ein großes Missverständnis.  

Manfred Metzger (Aalen) wies auf die Wichtigkeit hin, junge Menschen in den Gemeinden auch nach der Konfirmation gut zu begleiten, sie seien der künftige Pfarrnachwuchs. Er plädierte dagegen, die Pfarrgehälter zu kürzen. Das würde die Attraktivität des Pfarrberufs schwächen. Die Gleichwertigkeit mit den Gehältern der Studienräte und -rätinnen sei wichtig. 

Maike Sachs (St. Johann-Gächingen) beklagte, die Möglichkeiten der Freistellung vom Pfarrdienst für die Arbeit in den freien Werken der Landeskirche würden zunehmend eingeengt. Hier drohe Schaden, denn die freien Werke verstärkten die Wirkung der Landeskirche, und viele dort Engagierte seien Mitglieder der Landeskirche. Man müsse die Frage der Freistellungen multiperspektivisch sehen. 

Angela Schwarz (Tübingen) plädierte dafür, das Höchstalter für den Übergang vom Diakonat in die BAiP deutlich zu erhöhen, da dieser große Schritt nach den aktuellen Regeln in die Phase der Familiengründung falle.  

Paul Berger (Nufringen/Tübingen) berichtete, Theologiestudierende brauchten heutzutage gute Gründe, um sich für den Pfarrberuf zu entscheiden. Er fragte, ob das Theologiestudium nicht mehr Praxisbezug brauche.  

Rainer Köpf (Backnang) ging ebenfalls auf die reduzierten Möglichkeiten der Freistellung für die Arbeit in freien Werken ein. Dies sei bedauerlich, denn damit verliere die Landeskirche wichtige Beziehungen, etwa zum Pietismus. Zudem komme aus den Werken auch einiger Nachwuchs für den Pfarrberuf. Er bat dringend, nach Wegen zu suchen, solche Freistellungen weiter zu ermöglichen. 

Philipp Jägle (Ravensburg) regte ebenfalls die Entwicklung einer PSP Diakonat an. Wenn dies nicht möglich sei, weil Diakone und Diakoninnen nicht bei der Landeskirche, sondern bei Bezirken und Gemeinden angestellt seien, dann müsse man sie eben in die landeskirchliche Anstellung übernehmen. Auch solle über die Kompetenzen des Diakonats nachgedacht werden: Könnte eine Diakonin, ein Diakon nicht auch die Geschäftsführung einer Kirchengemeinde übernehmen? Auch alternative Zugänge zum Diakonat sollten bedacht werden. 

Tobias Dürr (Fichtenau) fragte, ob es nicht auch eine Möglichkeit gebe, Ruheständler im RU einzusetzen. Hier liege Potenzial, Lücken zu schließen. 

Prof. Dr. Christian Witt (Mössingen) stellte fest, einige der Ideen für alternative Zugänge zum Pfarrberuf seien nicht umsetzbar. Zudem gebe es mit der BAiP ein gutes Instrument für die genannten Probleme. Diesen vorgezeichneten Weg könne man gut miteinander konsensuell weitergehen. Er wies auch darauf hin, dass Anpassungen des Theologiestudiums bereits in den entsprechenden universitären Gremien diskutiert würden. 

Katharina Trostel (Denkendorf) fragte, ob in der PSP Pfarrdienst hinreichend berücksichtigt sei, dass die Präsenz von Frauen im Pfarrdienst aufgrund der Möglichkeit von Schwangerschaften weniger gut planbar sei. 

Oberkirchenrätin Kathrin Nothacker reagierte auf einige der Beiträge in der Aussprache: 

  • Die Debatte zeige, wie wichtig qualifizierter RU für die Motivation junger Menschen für den Pfarrberuf sei. 
  • Nothacker stellte klar, ein Vorschlag des Vorgesetzten sei für den Übergang vom Diakonat in die BAiP nicht nötig, und appellierte an die Synodalen, Interessierte in die Beratung beim Oberkirchenrat zu schicken.  
  • Sie betonte, alternative Zugänge zum Pfarrberuf seien nicht die Lösung für die vielen Vakaturen. Hingegen seien die Transformationspfarrstellen in den Kirchenbezirken auch dafür gedacht, neue und innovative Lösungen vor Ort zu finden. 
  • Mit Blick auf den Pfarrplan sagte sie, in der bisherigen Form ende er 2030. Gleichwohl bleibe die Verantwortung, den Personalbestand sich wandelnden Gegebenheiten anzupassen. Dafür sei der Begriff des Strukturstellenplans ein Arbeitsbegriff. 
  • Freistellungen seien weiterhin möglich. Aber es sei gegebenenfalls nicht alles möglich.  

Oberkirchenrätin Camren Rivuzumwami antwortete ebenfalls auf die Aussprache: 

  • Wichtig sei es, an dem einen Drittel des RU festzuhalten, der von kirchlichen Kräften geleistet werde.  
  • Die Einführung des flächendeckenden Ethikunterrichts begrüße sie, denn damit bestehe die Chance, dass der RU nicht mehr als randständig wahrgenommen werde.  
  • Rivuzumwami berichtete, dass es schon jetzt möglich sei, im Ruhestand weiterhin zu unterrichten. 
  • Die Versorgung von Berufs- und Förderschulen mit RU halte sie ebenfalls für sehr wichtig, betonte Rivuzumwami. 

Die vollständigen Berichte zu TOP 05 und TOP 06 finden Sie in der Klappbox oben: Dokumente zu Tagesordnungspunkt 05 und 06

TOP 07 Eckwerte zur mittelfristigen Finanzplanung 2026-2030

Landessynode beschließt Eckwerte 2026 bis 2030

Nach den Berichten von Oberkirchenrat und Finanzdezernent Dr. Fabian Peters und Tobias Geiger, Vorsitzender des Finanzausschusses, stimmten die Synodalen der vorgelegten Eckwerteplanung für die Jahre 2026 bis 2030 mit großer Mehrheit zu.

Oberkirchenrat
Bericht und Antrag
Oberkirchenrat
Finanzausschuss
Bericht
Finanzausschuss
Herbsttagung der Württembergischen evangelischen Landessynode im Hospitalhof.
Aussprache
Das sagten die Synodalen
So haben die Synodalen abgestimmt
Beschluss
So haben die Synodalen abgestimmt

Bericht des Oberkirchenrats mit Antrag

Finanzdezernent Oberkirchenrat Dr. Fabian Peters
Finanzdezernent Oberkirchenrat Dr. Fabian Peters

Oberkirchenrat Dr. Fabian Peters stellte die Eckwerte zur mittelfristigen Finanzplanung 2026 bis 2030 vor und berichtete über die erwarteten finanziellen Rahmenbedingungen der Landeskirche, der Kirchenbezirke und -gemeinden in den kommenden Jahren. So sei unter anderem bedingt durch die anhaltend schwierige konjunkturelle Lage für 2025 und die Folgejahre mit einem niedrigeren Kirchensteueraufkommen zu rechnen. Zudem müsse die Landeskirche, um ihre Vorsorgeverpflichtungen „dauerhaft und generationengerecht“ erbringen zu können, jährlich rund 78 Millionen Euro zusätzlich für den Aufbau des Deckungskapitals aufwenden.  

Zusammenfassend beurteilte Peters die Eckwerte als anspruchsvoll, aber planbar: Die Kirchensteuer entwickle sich schwächer als erwartet und die Versorgungsverpflichtungen seien erheblich. Zudem müsse die Finanzlage vieler Kirchengemeinden in den Blick genommen werden, da vielerorts die Aufwendungen die Erträge übersteigen und die Ausgleichsrücklage stetig schrumpft. 

Der Finanzdezernent schlussfolgerte, dass die vereinbarten Kürzungsvorhaben in Höhe von 104 Millionen Euro zwar jedes Jahr konsequent bis 2028 umgesetzt werden müssten, aber die Landeskirche ihren Verpflichtungen heute und in Zukunft verlässlich nachkommen könne.  

Abschließend empfahl Peters, die vorgelegten Eckwerte zu beschließen, sie als Basis für die weitere Haushaltsplanung zu nehmen und die vorgeschlagenen jährlichen Steigerungsraten in Höhe von 0,6 Prozent für den ordentlichen Verteilbetrag zu übernehmen. 

Den vollständigen Bericht zu TOP 07 finden Sie in der Klappbox oben: Dokumente zu Tagesordnungspunkt 07

Bericht des Finanzausschusses

Tobias Geiger, Vorsitzender des Finanzausschusses
Tobias Geiger, Vorsitzender des Finanzausschusses

Der Vorsitzende des Finanzausschusses, Tobias Geiger, leitete seinen Bericht mit einem Blick auf die Umstände ein, mit denen die  

Landeskirche aktuell konfrontiert ist: dem Kirchensteuerrückgang, der volatilen Wirtschaftslage und den unverändert hohen Austrittszahlen. Es sei daher zu begrüßen, wenn die Kirchensteuerprognose für 2026 von über 800 Millionen Euro um 40 Millionen Euro reduziert werde, sagte Geiger. Das zeige auch wie dringlich die Beschlüsse zur Haushaltskonsolidierung sind, um das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts bis 2028 zu erreichen.   

Die Eckwerteplanung gehe von der Erwartung aus, dass sich der Mitgliederverlust fortsetzt, sagte Geiger. Ein realistisches Szenario, da das Geschäftsmodell der Kirche infolge von Individualisierung und demografischem Wandel stetig wegbreche. Es reiche daher nicht aus, die Strukturen der Volkskirche der 1970er Jahre nach unten zu skalieren. „Transformation ist mehr als nur Optimierung und Konsolidierung“, zitierte er Steffen Bauer aus dem Bischofsbericht. Es sei an der Zeit, so Geiger, überkommene Strukturen zu reformieren und Neues zu wagen.  

Geiger erinnerte daran, dass alle heute ergriffenen Maßnahmen, die Landeskirche handlungsfähig halten und ihr künftig unter Umständen kleine finanzielle Spielräume erlauben. Im Namen des Finanzausschusses empfahl Geiger daher, dem von Oberkirchenrat Dr. Fabian Peters eingebrachten Antrag Nr. 27/26 zuzustimmen. 

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Aussprache

Herbsttagung der Württembergischen evangelischen Landessynode im Hospitalhof.

Die Synodale Martina Rudolph-Zeller (Leinfelden) merkte an, dass die Volkskirche der 1970-er Jahre wuchs und gleichzeitig viele Aufgaben gehabt hätte, wie beispielsweise in der Kinder- und Jugendarbeit. Heute schrumpfe zwar die Zahl der Kirchenmitglieder, aber es gebe nicht weniger Aufgaben für die Kirche. Psychische Krisen würden nicht weniger. Daher forderte sie: „Trotz aller Reformen – lassen Sie uns weiter an die Menschen in Not denken!“   

Der Synodale Eckart Schultz-Berg (Stuttgart) gab zu bedenken, dass die vorgeschlagene Steigerungsrate des ordentlichen Verteilbetrags in Höhe von 0.6 Prozent, ein Minus für die Kirchengemeinden darstelle. Der Oberkirchenrat entnehme beiden Rücklagen viel Geld. Diese Vorgehensweise sei für eine Weile vertretbar. Schultz-Berg schlug vor, trotz Sparrunde den Gemeinden mehr Spielräume einzuräumen, um gestalten zu können. Dafür sollten sie ihre Rücklagen verwenden dürfen. Das bisherige System ist zu starr, sagte Schultz-Berg.      

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Beschluss

Der Antrag Nr. 27/28 auf Beschluss der Eckwerte zur mittelfristigen Finanzplanung 2026 bis 2030 wurde mit großer Mehrheit bei zwei Enthaltungen angenommen. 

TOP 08 Maßnahmenplanung 2026-2030 inklusive Maßnahmen außerhalb der Maßnahmenplanung

Maßnahmenplanung: Konsolidierung, Prioritäten und Zukunftsfähigkeit 

Vor dem Grundsatz einer konsequenten Konsolidierung des Haushalts soll die Maßnahmenplanung Prioritäten mit Investitionen in die Zukunftsfähigkeit verbinden. Für die 17. Landessynode bleibt es wie für die 16. bei dem Grundsatz, dass Investitionen stets einer Kompensation bedürfen.

Oberkirchenrat
Bericht
Oberkirchenrat
Finanzausschuss
Bericht
Finanzausschuss
Herbsttagung der Württembergischen evangelischen Landessynode im Hospitalhof.
Aussprache
Das sagten die Synodalen

Bericht des Oberkirchenrats

Finanzdezernent Oberkirchenrat Dr. Fabian Peters
Finanzdezernent Oberkirchenrat Dr. Fabian Peters

Oberkirchenrat Dr. Fabian Peters, Finanzdezernent der Landeskirche, brachte die Maßnahmenplanung für die Jahre 2026 bis 2030 ein. Für diese sei die Konsolidierung des Haushalts entsprechend des Beschlusses der 16. Landessynode leitend.  

Neue Maßnahmen würden grundsätzlich nicht aus zusätzlichen Kirchensteuermitteln, sondern aus Rücklagen, Vorwegabzügen oder anderen Erträgen finanziert. 

Dennoch gebe es vier Maßnahmen, die aus Kirchensteuermitteln finanziert werden sollen:  

  • den Fonds #Nächstenliebe (3 Millionen Euro)
  • die Transformation der Landesstelle der Psychologischen Beratungsstellen (70.000 Euro jährlich),
  • das Landespopkantorat (80.000 Euro jährlich) sowie
  • die Folgekosten der Schließung von Haus Birkach (bis zu 521.000 Euro jährlich).  

Die ersten drei Maßnahmen gingen auf die Priorisierungsliste und die Beratungen der 16. Landessynode zurück und würden durch Kompensationen finanziert. Mit der vierten Maßnahme werde die Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden von Haus Birkach wahrgenommen. Ein weiterer Bestandteil der Planung seien Maßnahmen der Verwaltungsmodernisierung in Höhe von rund 3 Millionen Euro. 

2,1 Millionen Euro seien aus der Immobilienrücklage für notwendige Sanierungen vorgesehen, sowie zwei Maßnahmen, finanziert aus dem Vorwegabzug: Der Betrieb des Intranets und, trotz unterschiedlicher Ausschussvoten, eine ökumenische Förderung von Mietverhältnissen.  

Insgesamt verbinde die vorgelegte Planung Prioritäten mit Investitionen in die Zukunftsfähigkeit der Landeskirche.  

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Bericht des Finanzausschusses

Tobias Geiger, Vorsitzender des Finanzausschusses
Tobias Geiger, Vorsitzender des Finanzausschusses

Für den Finanzausschuss berichtete dessen Vorsitzender, Tobias Geiger, von dessen Beratungen.  

Er dankte dem Kollegium für seine Umsetzung der Sparbeschlüsse und die Ausgabendisziplin.   

Zu den Maßnahmen, die aus Kirchensteuermitteln finanziert werden sollen, erläuterte Tobias Geiger den Hintergrund des Fonds #Nächstenliebe, der aus dem Fonds #Miteinander (Mittel aus Anstieg der Kirchensteuereinnahmen wegen Einführung der staatlichen Energiepauschale 2022) entstanden sei.  

Trotz der Maßnahmen dürfe nicht der Eindruck entstehen, für besondere Anliegen stünden weitere Mittel zur Verfügung. Auch in der 17. Landessynode habe beim Beschluss von Aufgaben aus neuen Mitteln der Grundsatz zu gelten, dass Investitionen jeweils Kompensationen gegenüberstünden.  

Zu den Maßnahmen zur Verwaltungsmodernisierung betonte Geiger, dass das Kollegium auch hier, bei der Einführung von Verbesserungen, an der Haushaltsdisziplin festhalte. Dies sei richtig, aber die Mitarbeitenden der Regionalverwaltungen dürften nicht ständig über die Grenzen von Arbeitskraft und Arbeitszeit gehen; er hoffe, dass die geplanten Maßnahmen Wirkung zeigten.  

Zur Förderung ökumenischer Mietverhältnisse erläuterte er, inwiefern sich im Finanzausschuss keine Mehrheit hierfür gefunden habe. Es werde zwar die stärkere gemeinsame Nutzung kirchlicher Gebäude begrüßt, die Finanzierung über den Vorwegabzug zulasten der Kirchengemeinden aber kritisiert. Es besteht die Sorge, dass Mittel für die Arbeit vor Ort fehlten und Mitnahmeeffekte entstünden.  

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Aussprache

Herbsttagung der Württembergischen evangelischen Landessynode im Hospitalhof.

Der Synodale Johannes Hartmann (Albstadt) erklärte als Vorsitzender des Ausschusses für Kirchen- und Gemeindeentwicklung (KGE) zur ökumenischen Förderung von Mietverhältnissen, dass für diesen Ausschuss bei seiner Zustimmung leitend gewesen sei, die Motivation in diesem Bereich zu stärken. Er ergänzte, dass es sich auch um Mietverhältnisse im kommunalen Bereich handele. Zum Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen merkte er an, ob die Landeskirche sich hier nicht einen gewissen Luxus leiste; es sei fraglich. ob sich dies Kirchengemeinden und Kirchenbezirke auch leisten könnten, er sehe hier ein Ungleichgewicht.  

Der Synodale Eckart Schultz-Berg (Stuttgart) stellte klar, dass der Finanzausschuss die ökumenische Förderung von Mietverhältnissen nicht abgelehnt hätte, sondern dass sich keine Mehrheit gefunden hätte. Er wies darauf hin, dass hier ein Gleichklang mit anderen Kirchen herrschen sollte, und berichtete von Beispielen, in denen gemeinsame Projekte trotz intensiver Bemühungen nicht realisiert werden konnten. Hier wäre ein Anstoß von außen hilfreich.  

Der Synodale Matthias Böhler (Besigheim) fragte bezüglich der Maßnahme zur Vermeidung betriebsbedingter Kündigungen nach, ob diese zeitlich begrenzt sei, und wie die Unterstützung im Einzelnen aussehe.  

Auf die letzte Frage antwortete Stefan Werner, Direktor im Oberkirchenrat. Die Stellen würden wie andere Stellen behandelt, die einen entsprechenden Vermerk trügen, also abgebaut werden, wenn der oder die Mitarbeitende in den Ruhestand ginge. Bei freiwerdenden Stellen würde immer geprüft, ob Mitarbeitende dort eingesetzt werden könnten. Dies gelänge je nach Qualifizierung unterschiedlich gut; man könne nicht sagen, wie viel Zeit dies in Anspruch nehmen werde.  

Tobias Geiger erwiderte als Vorsitzender des Finanzausschusses auf die Aussprache zum Thema Vermeidung betriebsbedingter Kündigungen, dass sich die 16. Landessynode klar hinter diesen Grundsatz gestellt habe. Der Personenkreis, der hier betroffen sei, verdiene unbedingt Solidarität. 

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TOP 10 Kirchliches Gesetz zur Änderung des Pfarrbesoldungs- gesetzes und weiterer besoldungsrechtlicher Vorschriften (Beilage 004)

Abbau von Sonderleistungen bei der Pfarrbesoldung

Rechtsdezernent Oberkirchenrat Dr. Benjamin Mayer
Rechtsdezernent Oberkirchenrat Dr. Benjamin Mayer

Der Gesetzentwurf zur Änderung des Pfarrbesoldungsgesetzes wurde in die Landessynode eingebracht und an den Rechtsausschuss verwiesen. Um auf die veränderte Finanzlage zu reagieren, werden Einsparungen durch den Abbau von Sonderleistungen vorgeschlagen. 

Der Bericht von Oberkirchenrat Dr. Benjamin Mayer begründet die Änderungen mit der veränderten Finanzlage. Es handele sich nicht um grundlegende Einschnitte ins Pfarrbesoldungsrecht, sondern um punktuelle Korrekturen. Abgebaut werden sollen Leistungen, die dem staatlichen Landesrecht nicht entsprechen, einen hohen Verwaltungsaufwand verursachen oder nicht mehr finanzierbar sind. 

Konkret sollen die zusätzliche Auslandsbesoldung bei einer freiwilligen Auslandspfarrstelle und die Wohnungsausgleichszulage bei einer freiwillig übernommenen Sonderpfarrstelle ohne Dienstwohnung entfallen. Im Vikariat wird der kinderbezogene Teil des Familienzuschlags, der bisher kirchenspezifisch verdoppelt war, an das günstigere Landesrecht angeglichen. Zudem soll beim Altersgeld nach einem freiwilligen Ausscheiden aus dem Pfarrdienst die P1-Zulage nicht mehr ruhegehaltsfähig sein. Bei verheirateten Pfarrpersonen entfällt der hälftige Abzug des Dienstwohnungsausgleichs, sofern sich ein Partner noch als Vikar im Vorbereitungsdienst befindet. 

Dr. Mayer betonte, dass diese Kürzungen im Einzelfall spürbar seien. Die Zeiten für zusätzliche kirchliche Leistungen gäben die notwendigen finanziellen Spielräume jedoch nicht mehr her.  

Aussprache

Keine Wortmeldungen 

Verweisung 

Der Gesetzesentwurf /Beilage 004) wurde mit überwiegender Mehrheit an den Rechtsausschuss verwiesen. 

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TOP 11 Angleichung der Geschäftsordnung an die Kirchenverfassung (Präsidium)

Regelung der Stellvertretung für Präsidentin bzw. Präsident wird in Geschäftsordnung geändert 

Andrea Bleher, Vorsitzende des Rechtsausschusses
Andrea Bleher, Vorsitzende des Rechtsausschusses

Die Landessynode hat bei ihrer Sommertagung einstimmig beschlossen, die eigene Geschäftsordnung in Bezug auf die Regelung der Stellvertretungen für die Präsidentin bzw. den Präsidenten an die Formulierung in der Kirchenverfassung anzugleichen.  

Andrea Bleher, Vorsitzende des Rechtsausschusses berichtete den Synodalen, wann und wie sich der Rechtsausschuss mit der Änderung der Geschäftsordnung bezüglich der Regelung von drei Vertretungen der Präsidentin bzw. des Präsidenten befasst hat. Bleher verwies darauf, dass die Anpassung der Geschäftsordnung folgerichtig sei, da ja bereits die Kirchenverfassung zum 1. Januar 2026 dahingehend geändert wurde, dass sie nun drei Stellvertretungen für die Präsidentin bzw. den Präsidenten vorsieht. Nach Beratung mit dem Rechtsdezernenten der Landeskirche Oberkirchenrat Dr. Benjamin Mayer fiel das Votum im Rechtsauschuss für die Angleichung bei der zweiten Sitzung am 17. Juni 2026 einstimmig aus.  

Anschließend brachte die Ausschussvorsitzende den Antrag 29/26 auf Angleichung der Geschäftsordnung an die Kirchenverfassung ein. Bleher bat die Synodalen um Zustimmung, die Formulierung des Paragrafen 2 Satz 1 der Geschäftsordnung der Württembergischen Evangelischen Landessynode entsprechend anzupassen und diesen Passus mit Wirkung vom 1. Januar 2026 in Kraft zu setzen. Änderungen der Geschäftsordnung benötigen grundsätzlich eine Zwei-Drittel-Mehrheit. 

Aussprache

Keine Wortmeldungen

Beschluss

Der Antrag Nr. 29/26 zur Änderung der Geschäftsordnung der Landessynode wurde vom Plenum einstimmig angenommen. Damit wurde der Angleichung der Geschäftsordnung an die Kirchenverfassung zugestimmt. 

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TOP 12 Erarbeitung einer theologischen Schwerpunktsetzung

Segnen als Kern gottesdienstlichen und seelsorgerlichen Handelns 

Dr. Karoline Rittberger-Klas, Vorsitzende des theologischen Ausschusses
Dr. Karoline Rittberger-Klas, Vorsitzende des theologischen Ausschusses

Soll die Landessynode sich in den kommenden drei Jahre mit dem theologischen Schwerpunktthema „Segen“ befassen? Dies empfahl der theologische Ausschuss der Synode in Antrag 26/26, der auf Antrag 15/26 aus der Frühjahrstagung 2026 basiert. 

Dr. Karoline Rittberger-Klas, Vorsitzende des theologischen Ausschusses, berichtete, der Ausschuss teile den Wunsch, dass die Synode „nicht nur als gesetzgebendes Organ, sondern als geistlich leitendes Gremium der Landeskirche“ erkennbar sein solle. Ein Schwerpunktthema helfe, nach dem inneren Zusammenhang einzelner Themen zu fragen. Es könne deutlich werden, dass auch Strukturentscheidungen dem Verkündigungsauftrag der Kirche dienen müssten. Auch die Entwicklung einer gemeinsamen Vision für die Landeskirche sei möglich. 

Rittberger-Klas berichtete von Ideen für die praktische Umsetzung, die von einem Schwerpunkthalbtag über ein Mottolied und thematische Gottesdienste bis zur Selbstverpflichtung der Ausschüsse reichen, das Thema in ihren Beratungen fortlaufend zu reflektieren. 

Es habe mehrere Themenvorschläge gegeben, sagt Rittberger-Klas. Das Thema Segen habe die meiste Zustimmung erhalten. Segnen gehöre zentral zum gottesdienstlichen und seelsorgerlichen Handeln der Kirche. Segen bedeute Zusage von Gottes Gegenwart für die krisenerschöpften und müden Menschen. Es werde aber auch kontrovers diskutiert, „wem wir zu welchem Anlass und in welcher Form Gottes Segen zusprechen“. Rittberger-Klas sagte: „Je unterschiedlicher wir uns in der Ausübung unseres Glaubens entwickeln, desto wichtiger ist es aber, sich über den gemeinsamen Kern zu verständigen.  

Aussprache

In der Aussprache zu Antrag 15/26 gab es keine Wortmeldungen. 

Martin Breitling (Engstingen) sagte in der Aussprache zu Antrag 26/26, er begrüße den Antrag, da Segen zum „Kernbestand dessen“ gehöre, „was Kirche in der Welt erkennbar macht“. In der Gefängnisseelsorge mache er die Erfahrung, dass im Gottesdienst beim Segen „alle da sind“, wenn der Segen gesprochen werde. Das Thema Segen gebe die Gelegenheit zu überlegen, „was wir tun, wenn wir segnen“ und was es für Kirche heiße „gesegnet zu sein“. 

Senta Zürn (Großbettlingen) sagte: „Abraham wäre nicht losgezogen in seinem Alter, wenn er nicht die Segensperspektive gehabt hätte.“ Als Mitglied des Finanzausschusses verspreche sie sich viel davon, mit der „Perspektive Segen auf die Zahlen zu schauen“. 

Matthias Vosseler (Stuttgart) begrüßte das Thema Segen, denn mit diesem Thema werde die Synode in der Öffentlichkeit wahrgenommen.

Beschluss

Die Anträge Nr. 15/26 und Nr. 26/26 wurden mit Mehrheit angenommen. 

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TOP 13 Selbständige Anträge

Dokumente zu Tagesordnungspunkt 13

Antrag Nr. 21/26: Regelungen zur Substanzerhaltungsrücklage im neuen Finanzmanagement: Der Antrag wird verwiesen an den Rechtsausschuss unter Beteiligung des Finanzausschusses. 

Antrag Nr. 22/26: Neue Perspektiven – von der Amtshandlung zur Segenshandlung: Der Antrag wird verwiesen an den Rechtsausschuss unter Beteiligung des Theologischen Ausschusses. 

Antrag Nr. 23/26: Verlust der Mitgliedschaft als Landessynodaler: Der Antrag wird verwiesen an den Rechtsausschuss.  

Antrag Nr. 24/26: Änderungen Dekansstellen – Zukunftsbild 2040: Der Antrag wird verwiesen an den Rechtsausschuss unter Beteiligung des Ausschusses für Kirchen- und Gemeindeentwicklung und des Theologischen Ausschusses. 

Antrag Nr. 25/26: Arbeitsgruppe zur Erstellung eines Konzepts für gemeindenahe Diakonie: Der Antrag wird verwiesen an den Ausschuss für Diakonie. 

Antrag Nr. 28/26: Modellprojekt Pflegebegleitung: Der Antrag wird verwiesen an den Ausschuss für Diakonie. 

Antrag Nr. 30/26: Transparenz Spenden für Gesprächskreise: Der Antrag wird verwiesen an den Rechtsausschuss.  

Antrag Nr. 31/26: Geschäftsführungen in (Gesamt-)Kirchengemeinden durch DekanInnen: Der Antrag wird verwiesen an den Rechtsausschuss unter Beteiligung des Ausschusses für Kirchen- und Gemeindeentwicklung und des Theologischen Ausschusses. 

Antrag Nr. 32/26: Aufstockung von Pfarrstellen mit reduziertem Stellenumfang mit Eigen- und Drittmiteln: Der Antrag wird verwiesen an den Rechtsausschuss unter Beteiligung des Ausschusses für Kirchen- und Gemeindeentwicklung. 

Antrag Nr. 33/26: Leitung der Gemeinde – Änderung der KGO: Der Antrag wird verwiesen an den Rechtsausschuss unter Beteiligung des Ausschusses für Kirchen- und Gemeindeentwicklung. 

Antrag Nr. 34/26: Änderung der KGO – Ummeldung nach Umzug: Der Antrag wird verwiesen an den Rechtsausschuss. 

Antrag Nr. 35/26: Änderung Besetzungsgremium Dekanswahl: Der Antrag wird verwiesen an den Rechtsausschuss Ausschuss für Kirchen- und Gemeindeentwicklung und des Theologischen Ausschusses. 

Antrag Nr. 36/26: Gesetz zur Aufnahme von Masterstudenten in den kirchlichen Vorbereitungsdienst: Der Antrag wird verwiesen an den Rechtsausschuss unter Beteiligung des Theologischen Ausschusses und des Ausschusses für Kirchen- und Gemeindeentwicklung. 

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TOP 14 Auswertung Kirchenwahl am 30. November 2025

Landeskirche ist deutlich vielfältiger und erneuert sich stärker als vermutet 

Finanzdezernent Oberkirchenrat Dr. Fabian Peters
Finanzdezernent Oberkirchenrat Dr. Fabian Peters

Oberkirchenrat Dr. Fabian Peters stellte bei der Sommersynode eine detaillierte Auswertung der Kirchenwahl vor, die am 30. November 2025 stattgefunden hatte. 

Mit den Worten „Die Kirchenwahl zeigt, dass Demokratie und Mitbestimmung mitten in der Kirche stattfindet“, führte Oberkirchenrat Dr. Fabian Peters in seinen Bericht ein. 7.340 Kirchengemeinderätinnen und Kirchengemeinderäte hätten sich wählen lassen: „7.340 Menschen, die zusammen mit anderen – insbesondere den Pfarrpersonen – in den kommenden sechs Jahren Verantwortung in ihren Gemeinden übernehmen werden. Für Gottesdienste. Für Gebäude. Für Personal. Für Haushalte. Für die vielen kleinen und großen Entscheidungen, die darüber entscheiden, wie Kirche vor Ort erlebt wird.“ Peters wies auch auf eine wichtige württembergische Besonderheit bei der Synodalwahl hin: „Gleichzeitig wurden 90 Mitglieder der Landessynode gewählt. Eine Württembergische Besonderheit. Wir sind die einzige Landeskirche in Deutschland, in der die Mitglieder die Landessynode – 30 Theologen und 60 Laien - unmittelbar vom Kirchenvolk gewählt werden.“ 

Anhand von Diagrammen, die auf Analysen von Dieter Abrell basieren, gab Peters zunächst einen Überblick, was bei der Kirchenwahl 2026 gewählt wurde. Von den rund 1,5 Millionen Wahlberechtigten gaben 340.000 Wählende ihre Stimme ab und wählten 7.340 Kirchengemeinderätinnen und -räte sowie 90 Mitglieder der Landessynode. Der Finanzdezernent machte dabei auf die Wahlbeteiligung aufmerksam, die 2025 22,4 % betrug. Gegenüber der Kirchenwahl 2019 sei die Mitgliederzahl in der Landeskirche zwar zurückgegangen, aber das „Muster der Beteiligung“ sei stabil geblieben (2019: 22,9 %). 

Besonders betonte der Oberkirchenrat, dass die Landeskirche nicht nur eine Kirche der Mittel- und Kleinstädte (ca. 90 % der Wahlberechtigten), sondern auch mehrheitlich weiblich sei. Das zeigt der Anteil der Frauen an Wahlberechtigten (55 %), Wählenden (57 %) und gewählten Kirchengemeinderätinnen und -räten (55 %). Dazu hätten Frauen bei der Wahl auch höhere Chancen gehabt, gewählt zu werden. Weitere Folien beleuchteten die Zusammensetzung der 17. Landessynode und der Gesprächskreise nach unterschiedlichen Gesichtspunkten. 

Peters resümierte: „Die württembergische Kirche ist deutlich vielfältiger, als man manchmal vermutet. Und sie erneuert sich stärker, als ihr gelegentlich zugetraut wird. Dabei lebt sie von Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Als Kandidierende. Als Wählende. Als Kirchengemeinderätinnen und Kirchengemeinderäte. Und als Synodale.“ 

Aussprache

Der Synodale Anselm Kreh (Hermaringen) bedankte sich für die anschauliche und pointierte Darbietung und forderte weitere Informationen an: Was haben die Regionalverwaltungen, Dekanate und Vertrauensausschüsse zur Wahl rückgemeldet? Was hat die Kirchenwahl gekostet? Zudem wünschte sich Kreh noch ein Wort zu den Ehrenamtlichen, die nach seinem Eindruck bei der Wahl Unmenschliches geleistet hätten. 

Die Synodale Dr. Antje Fetzer-Kapolnek (Weinstadt) berichtete von den Rückmeldungen, die sie aus ihrer Gemeinde bekommen habe. Die Wahl sei aufgrund der Auszählung, aber auch am Missverhältnis vom Aufwand für die parallele Strukturreform wie für die Wahl zu aufwendig gewesen. Eigentlich solle eine Kirchenwahl ein Impuls für einen Kraftschub sein, was so jedoch nicht in den Gemeinden spürbar gewesen sei. Fetzer-Kapolnek fragte beim Oberkirchenrat nach, was dort zu diesem Aspekt angekommen sei. 

Fetzer-Kapolnek möchte die Wahl nicht missen, sagte sie, aber operativ verbessern. Das sei ein Signal an die Gemeinden: Wir haben gehört, was die Wahl für einen Aufwand für euch bedeutet, aber wir finden es trotzdem sinnvoll sie durchzuführen. Die Synodale verwies darauf, dass die Wahlergebnisse ihres Wahlkreises zunächst falsch gewesen seien. Um das künftig zu verhindern, wäre es hilfreich, operatives Hilfsmaterial zur Hand zu haben. Offenbar habe es dahingehend eine Veränderung gegenüber der Kirchenwahl 2019 gegeben, die nicht zielführend gewesen sei.  

Die Synodale unterstützte die Aussagen des Synodalen Lorenz Balthasar Hoffmann. Zugleich kritisierte sie die Aussage im Bericht des Oberkirchenrats, wonach Frauen bessere Wahlchancen bei der Kirchenwahl gehabt hätten. Sie begründete dies damit, dass sich weniger Frauen als Kandidierende hätten gewinnen lassen, was nach wie vor an der gläsernen Decke hinge. Man müsse aufpassen, in welchen Kontext Aussagen gestellt würden. 

Der Synodale Eckart Schultz-Berg (Stuttgart) reagierte auf die Meinung, wonach eine Kirchenwahl unnötig Geld und zu viel Kraft koste. Er sagte: „Ja, aber das muss es uns wert sein, dass wir einen Synodus haben, der sich entsprechend der Apostelgeschichte aus der Basis entwickelt.“  Schultz-Berg betonte, dass die Kosten und Mühen auf sechs Jahre verteilt werden müssten und nicht jeden Monat anfallen würden. Positiv sei, dass die Wahl Menschen in der Kerngemeinde ins Gespräch bringt und nach Abschluss ein Gefühl gibt, dass man gemeinsam auf dem Weg sei. Er plädierte dafür, echte Demokratie in der Kirche zu leben. Denn 22 Prozent Wahlbeteiligung bedeuten, dass sich 340.000 Menschen aktiv beteiligt hätten.   

Der Synodale Rainer Köpf (Backnang) beobachte eine gewisse Erschöpfung in den Gemeinden aufgrund der Strukturdebatten. Dennoch sei an der Wahl unbedingt festzuhalten, da Demokratie eines der größten Geschenke sei und die Urwahl die Landeskirche als etwas Besonderes auszeichne. Darauf wolle er nicht verzichten. 

Die Synodale Marion Blessing (Holzgerlingen) dankte für den anschaulichen und kurzweiligen Bericht. Aus ihrer Sicht sei Geld für die Kirchenwahl gut angelegtes Geld. Die Beteiligung der Basis habe eine hohe Relevanz und die Urwahl eine große Tradition in Württemberg, die sie nicht missen wolle. Für sie komme nicht in Frage, dass, wie bei anderen Landeskirchen, zwischengeschaltete Gremien über die Zusammensetzung der Landeskirche entscheiden, da dort Frauen und junge Menschen häufig unterrepräsentiert seien. Blessing sei dankbar dafür, dass der Anteil der Frauen und der jungen Menschen in der Landessynode deutlich zugenommen hat.    

Der Synodale Christof Messerschmidt (Schwäbisch Hall) verwies darauf, dass auch andere Wahlverfahren als die Urwahl demokratisch seien. Er kam auf die Aussage im Bericht zurück, wonach 18 Prozent der Kirchengemeinden mehr Kandidierende zur Verfügung hatten, als sie gebraucht hätten, und fragte, wie viele Anträge auf Reduzierung der Gremienmitglieder beim Oberkirchenrat eingegangen seien. Er selbst habe viele unterschrieben.  

Die Synodale Yasna Crüsemann (Geislingen/Steige) sprach sich dafür aus, bei der nächsten Kirchenwahl eine digitale Wahlbeteiligung möglich zu machen und frühzeitig die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Das würde die Wahlbeteiligung für junge, digital affine Menschen deutlich attraktiver machen.  

Der Synodale Matthias Vosseler (Stuttgart) bekräftigte die Sinnhaftigkeit der Urwahl. Er wolle keinen Rückschritt in der Demokratie. Im Religionsunterricht sei die erste Frage gewesen, ob auch eine elektronische Abstimmung möglich ist. Er sei sich sicher, dass damit eine Wahlbeteiligung von mehr als 30 Prozent erreicht wird. Eine Synodalwahl sei auch unter dem Gesichtspunkt zu sehen, dass Kirche in der Öffentlichkeit präsent ist. Evangelische Theologie habe oft Probleme mit Theologie in der Öffentlichkeit. Die Synodalwahl ist ein wunderbarer Anlass für die Kandidierenden für Gespräche über Gott und den Glauben.  

Die Synodale Annette Sawade (Schwäbisch Hall) dankte für den spannenden Bericht und das Engagement aller Kandidierenden. Sie sagte: „Wir sollten die Synodalwahlen wertschätzen. Wir sollten glücklich und dankbar sein, dass wir sie in der Landeskirche haben.“ Anschließend erkundigte sie sich, ob der Bericht von Oberkirchenrat Dr. Peters nachgeliefert werde und ob bei den Laien die Professionen der Kandidierenden untersucht worden sei.    

Der Synodale Pascal Conzelmann (Freiburg) war über die Wahlbeteiligung begeistert. Damit könne man fünfmal das Neckarstadion füllen. Er fragte, mit welcher kirchlichen Veranstaltung das sonst zu schaffen sei. Er sprach sich für die Beibehaltung der Urwahl aus, da sie kirchliche Themen bis an den Frühstückstisch bringe. Auch für das Prinzip und den Mechanismus der Urwahl begeisterte er sich. Er schloss seinen Beitrag mit den Worten: „Fünfmal Neckarstadion – wie krass!“ 

Die Synodale Prisca Köpf (Dußlingen) bedankte sich für den sehr interaktiven Vortrag und die Einblicke. Die Wahlbeteiligung bei den jungen Menschen sei gut. Die Kirchenwahl sei eine grandiose Möglichkeit, mit Menschen ins Gespräch zu kommen – völlig unabhängig davon, ob sie zur Wahl gehen. So werde die Präsenz der Kirche viel stärker wahrgenommen als üblich. Köpf forderte Best-Practice-Beispiele an und warf folgende Fragen auf: Welche Podiumsdiskussionen haben sich bewährt? Was wurde gut besucht? Welche Formate eignen sich besonders zur Beteiligungs- und Meinungsfindung?     

Die Synodale Eva Militz (Bad Waldsee) berichtete über ihre Erfahrungen während des Wahlkampfs. Viele hätten nicht gewusst, was die Synode ist und was sie macht. Militz meinte, dass die beste Werbung für die Synoden- bzw. KGR-Wahl die Arbeit zwischendrin sei, aber auch Präsenz zu zeigen in den Gemeinden und Strukturen. 

Tobias Dürr (Fichtenau) dankte allen Beteiligten bei der Durchführung der Wahl und den Kandidierenden. Er empfahl, den Fokus vor der nächsten Wahl auf die Vereinfachung des Prozederes bei der Wahl zu legen. Das helfe vor allem den Unerfahrenen. Er kritisierte, dass Schulungen nur regional angeboten wurden und dorthin lange Wege zurückzulegen gewesen seien. Auch die Anzeige- und Genehmigungspflicht bestimmter Sachverhalte stellte er in Frage. Vom Oberkirchenrat erbat er zum Schluss noch die Information, wie viele Gemeinden am 1. Advent ihren KGR nicht wählen konnten, weil nicht genügend Kandidierende zur Verfügung standen.       

Der Synodale Lorenz Balthasar Hoffmann (Ulm, Böfingen) wies auf das Problem hin, dass die Hierarchie zwischen oberer und höherer Leitungsebene in der Kirche von Ungleichheit geprägt sei. Er verwies auf Studien, wonach eine höhere Repräsentanz von Frauen, auch in Bezug auf Entscheidungen, erhebliche Vorteile bringt. Er sehe die Notwendigkeit, das auf allen Ebenen zu durchdenken. Schließlich profitierten die Männer sehr davon, wenn in ihrem Umfeld mehr Frauen auf der Entscheidungsebene seien.   

Oberkirchenrat Dr. Fabian Peters nahm im Anschluss an die Aussprache zu einigen Fragen und Punkten Stellung:   

  • Den Bericht würden alle Synodalen erhalten. Eine Austeilung vorab hätte die Schätzfragen während seines Vortrags ad absurdum geführt.
  • Eine Auswertung der Podiumsdiskussion sei nicht erfolgt. Das wäre eine Idee für die nächste Kirchenwahl.
  • Die Profession der Laien sei erhoben worden, die Daten könnten dem Bericht beigefügt werden. Es sei schwierig gewesen, dies in seiner Vielzahl abzubilden, da jeder einen eigenen Beruf habe.   
  • Die Anzahl der Anträge auf Reduzierung der Gremienmitglieder beim Oberkirchenrat lägen zwar grundsätzlich vor, könnten aber nicht aus dem Stand mitgeteilt werden. Diese Information werde dem Bericht ebenfalls beigefügt.  

Oberkirchenrat Christian Schuler ging anschließend auf weitere Fragen ein:  

  • Rückmeldungen aus Vertrauensausschüssen seien eingegangen. Die Verbesserungsvorschläge werden in einen Gesetzentwurf einfließen.  
  • Das Budget für die Kirchenwahl habe auf landeskirchlicher Ebene bei 2,2 Millionen Euro gelegen. Hinzu kämen etwa 1,5 bis 2 Millionen Euro nur fürs Briefporto, also insgesamt etwa 5 Millionen Euro. Demokratie koste Geld. Ob das gut angelegt ist, müsse die Landessynode beantworten.
  • Selbstverständlich wäre die Landeskirche rechtlich und technisch zu einer digitalen Wahl bereit gewesen. Allerdings sei diese zu teuer gewesen, da sie zusätzlich weitere 1,5 Millionen Euro gekostet hätte.
  • Die Auswertung im Rems-Murr-Kreis sei schwierig gewesen, da eigene Listen verwendet wurden. Zum Teil hätten Vertrauensausschüsse eigene Listen zur Verfügung gestellt.
  • Es habe mehr Schulungen bei der letzten Kirchenwahl gegeben, da diesmal viele Unerfahrene dabei gewesen seien. Allerdings seien die Schulungen weniger stark besucht worden. Insgesamt seien etwa 10.000 Personen geschult worden. Zum Beispiel habe es im dreiwöchigen Rhythmus einen Teams-Talk gegeben, der sehr gut angenommen wurde. Für das Handbuch, in dem alle Informationen rund um die Kirchenwahl aggregiert sind, habe es im Anschluss das meiste Lob gegeben. Bei der Formulardatenbank jedoch gebe es noch viel Luft nach oben.  
  • In 120 Kirchengemeinden sei nicht die erforderliche Anzahl an Kandidierenden erreicht worden, also in 12 % der Kirchengemeinden. Demgegenüber stünden 40 Kirchengemeinden, die jedoch die Maximalzahl erhöhen wollten. Dies sei auch ermöglicht worden.
  • Oberkirchenrat Schuler bedankte sich ausdrücklich beim Evangelischen Medienhaus, Dezernat 5, Herrn Bernhard Kolb als stellvertretendem Wahlleiter für die Kooperation bei der Kirchenwahl und Dezernat 7 mit Oberkirchenrat Dr. Fabian Peters für die unterhaltsame Auswertung. 

Den vollständigen Bericht zu TOP 14  finden Sie in der Klappbox oben: Dokumente zu Tagesordnungspunkt 14

TOP 15 Förmliche Anfragen

Oberkirchenrat
Anfrage Nr. 01/17
Oberkirchenrat
Oberkirchenrat
Anfrage Nr. 02/17
Oberkirchenrat
Oberkirchenrat
Anfrage Nr. 03/17
Oberkirchenrat

Förmliche Anfrage Nr. 01/17 zur Verwaltungsreform

Oberkirchenrat Christian Schuler, Leiter des Dezernats für Gemeinde, Umwelt und Immobilienwirtschaft
Oberkirchenrat Christian Schuler, Leiter des Dezernats für Gemeinde, Umwelt und Immobilienwirtschaft

Die förmliche Anfrage Nr. 01/17 bittet den Oberkirchenrat, zum aktuellen Stand der Verwaltungsreform Stellung zu nehmen 

und einen Überblick über die Fortschritte sowie bestehende Problemfelder zu geben, insbesondere unter Bezug auf folgende Themen: 

  • Verwaltungssoftware
  • Stand bei Jahresabschlüssen und Haushaltsplänen der Landeskirche, Kirchenbezirke und Kirchengemeinden
  • Personalsituation in den Evangelischen Regionalverwaltungen
  • geplante Kürzungen bis 2030
  • in Aussicht gestellte Entlastung der geschäftsführenden Pfarrerinnen und Pfarrerin 

Zur Begründung verweist die Anfrage darauf, in Gemeinden und Kirchenbezirken gebe es Rückstände in der Bearbeitung von Rechnungen und Neuanstellungen. Auch stünden zum Teil Jahresabschlüsse seit 2024 oder auch Haushaltspläne aus.  

Die Fragen sowie ihre Beantwortung durch Oberkirchenrat Christian Schuler, Leiter des Dezernats für Gemeinde, Umwelt und Immobilienwirtschaft, finden Sie in den Dokumenten zu diesem Tagesordnungspunkt.

Förmliche Anfrage Nr. 02/17 den Transformationspfarrstellen

Oberkirchenrätin Kathrin Nothacker, Leiterin des Dezernats für theologische Ausbildung und Pfarrdienst
Oberkirchenrätin Kathrin Nothacker, Leiterin des Dezernats für theologische Ausbildung und Pfarrdienst

Die Förmliche Anfrage Nr. 02/17 bezieht sich darauf, dass gemäß PfarrPlan 2030 in jedem Kirchenbezirk eine sogenannte Transformationspfarrstelle eingerichtet werden soll, die „Veränderungs- und Entwicklungsprozesse unterstützen und Erprobungsräume für neue Formen des Pfarrdienstes öffnen sollen“.  

Die Anfrage zielt im Einzelnen auf folgende Aspekte: 

  • Zahl der bislang eingerichteten Transformationspfarrstellen
  • Konkrete Erwartungen, Ziele und Aufgaben in den Stellenbeschreibungen
  • Fachliche, geistliche und organisatorische Begleitung der Inhaberinnen und Inhaber
  • Kriterien der Evaluation der Transformationspfarrstellen und bisherigen Erkenntnisse über ihre Wirkung 

Die Fragen sowie ihre Beantwortung durch Oberkirchenrätin Kathrin Nothacker, Leiterin des Dezernats für theologische Ausbildung und Pfarrdienst, finden Sie in den Dokumenten zu diesem Tagesordnungspunkt. 

Förmliche Anfrage Nr. 03/17 zur Situation und zukünftigen Ausgestaltung der Schuldekanate in der Ev. Landeskirche in Württemberg

Oberkirchenrätin Carmen Rivuzumwami, Leiterin des Dezernats für Bildung, Schule und Diakonat
Oberkirchenrätin Carmen Rivuzumwami, Leiterin des Dezernats für Bildung, Schule und Diakonat

Die förmliche Anfrage 03/17 bezieht sich auf die geplante „Neufassung der Dienstanweisung für Schuldekaninnen und Schuldekane“ (Angekündigt in: “Wir stellen uns vor. Dezernat 2. Schule. Bildung, Diakonat”) sowie weitere geplante strukturelle Veränderungen im Bereich der Schuldekanate. Eine „Schwächung dieser Strukturen hätte unmittelbare Auswirkungen auf die Qualität religiöser Bildung an den Schulen und damit auf die kirchliche Präsenz im Lebensraum junger Menschen“, heißt es in der Anfrage, denn „die Schuldekanate sichern durch Beratung, Fortbildung, Visitationsarbeit und Begleitung der 

Lehrkräfte die Qualität des Religionsunterrichts und stellen einen zentralen Baustein kirchlicher Präsenz im Bildungsbereich dar.“  

Die Anfrage bittet um eine umfassende Darstellung der konkreten Planungen des Oberkirchenrats für die Schuldekanate in den kommenden Jahren und formuliert dazu eine Reihe detaillierter Fragen.  

Die Fragen sowie ihre Beantwortung durch Oberkirchenrätin Carmen Rivuzumwami, Leiterin des Dezernats für Bildung, Schule und Diakonat, finden Sie in den Dokumenten zu diesem Tagesordnungspunkt. 

TOP 16 Projekt Teilhabe Roma

Teilhabe für Roma: Zugänge verbessert, Folgeprojekt knüpft an

Oberkirchenrätin Prof. Dr. Annette Noller, Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg
Oberkirchenrätin Prof. Dr. Annette Noller, Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg

Oberkirchenrätin Prof. Dr. Annette Noller, Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg, berichtete davon, wie das Projekt „Beratung auf Romanes für Menschen aus Südosteuropa“ im Projektzeitraum 2021-2025 durchgeführt wurde.  

Ziel sei gewesen, für zugewanderte Roma durch ein Beratungsangebot Orientierung zu bieten und Zugänge zu Hilfesystemen zu eröffnen. Das zentrale Element der Umsetzung sei die individuelle Begleitung durch Teilhabelotsen gewesen; im Verlauf des Projekts hätten sie rund 30 Menschen pro Jahr z.B. zu Behörden, Schulen oder Ärzten begleitet. Dies habe den Zugang zu sozialen und gesundheitlichen Hilfen verbessert und gezeigt, dass auch Institutionen für die Bedürfnisse besonders benachteiligter Menschen sensibilisiert werden müssten.  

Die Erkenntnisse aus dem Projekt seien in das EFS-Plus-geförderte Folgeprojekt „DiaRom“ eingeflossen und dadurch verstetigt worden. Oberkirchenrätin Noller betonte den diakonischen Auftrag, Menschen in Not zu unterstützen, und wies darauf hin, dass sich die Teilhabe der Roma nicht nur auf die betroffenen Menschen selbst, auch auf das gesellschaftliche Miteinander und den sozialen Frieden auswirke.  

Den vollständigen Bericht zu TOP 16 finden Sie in der Klappbox oben: Dokumente zu Tagesordnungspunkt 16

TOP 17 Projekt Kirchlich-diakonische Flüchtlingsarbeit

Flüchtlingsarbeit 2016-2026: Strukturen für bleibende Verantwortung 

Oberkirchenrätin Prof. Dr. Annette Noller, Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg
Oberkirchenrätin Prof. Dr. Annette Noller, Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg

Oberkirchenrätin Prof. Dr. Annette Noller, Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg, berichtete von der kirchlich-diakonischen Flüchtlingsarbeit der Evangelischen Landeskirche von 2014 bis 2026.  

In dieser Zeit seien in fünf Maßnahmenpaketen verlässliche Strukturen entstanden, innerhalb derer in den Jahren 2016 bis 2026 rund 2 Millionen Euro investiert worden seien. Pro Jahr seien etwa 1.600 Geflüchtete begleitet, rund 1.000 Ehrenamtliche unterstützt und 9000 Kontakte wahrgenommen worden. Die enge Verbindung von Haupt- und Ehrenamt sowie die Vernetzung mit Kommunen, Verbänden und Initiativen nannte Oberkirchenrätin Noller als zentrale Aspekte der Arbeit.  

Sie betonte, dass Flucht und Migration dauerhafte gesellschaftliche Herausforderungen seien; mit dem Ende der Maßnahmenpakete gingen zwar Strukturen zurück, die kirchliche Verantwortung ende jedoch nicht, denn die Flüchtlingsarbeit sei Ausdruck des diakonischen Auftrags. 

Vorstellung Ralph Hartmann

Vorstellung von Ralph Hartmann, seit Februar 2026 Beauftragter der evangelischen Landeskirchen in Baden und Württemberg bei Landtag und Landesregierung 

Kirchenrat Ralph Hartmann, Beauftragter der Evangelischen Landeskirchen in Baden-Württemberg bei Landtag und Landesregierung
Kirchenrat Ralph Hartmann, Beauftragter der Evangelischen Landeskirchen in Baden-Württemberg bei Landtag und Landesregierung

Kirchenrat Ralph Hartmann, in Mannheim geboren und Pfarrer der badischen Landeskirche, benannte als Schwerpunkte seiner Arbeit die Seelsorge für Landtagsabgeordnete sowie die gute Kommunikation zwischen der Politik und den vier großen Kirchen in Baden-Württemberg.   

Hartmann sprach auch über die sogenannte „unsichtbare Mitte der Gesellschaft“. Damit sind Menschen gemeint, die einer Arbeit nachgehen, Steuern zahlen, aber kaum öffentlich in Erscheinung treten, und deren Ängste, Sorgen oder auch radikale Ansichten in der öffentlichen Wahrnehmung lange unter dem Radar blieben, und die sich häufig nicht gesehen fühlten, so Hartmann. Da sehe er für die Kirchen Potenzial, über das Öffnen von Räumen und offenen Gebäude sowie zusammen mit Vereinen und Zivilgesellschaft gerade im ländlichen Raum Begegnung zu schaffen. 

TOP 18 Bericht über die aktualisierte Charta Oecumenica

Die Neufassung soll die Kirchen von heute zu ökumenischen Gesprächen anregen

Lea Schlenker, Vertreterin des Lutherischen Weltbundes
Lea Schlenker, Vertreterin des Lutherischen Weltbundes

Lea Schlenker, Vertreterin des Lutherischen Weltbundes, berichtete den Synodalen über die Aktualisierung der Charta Oecumenica, die sie als Ko-Vorsitzende der Arbeitsgruppe begleitet hatte. Zunächst erläuterte sie, was die Charta Oecumenica ist. Danach schilderte sie, wie diese entstanden und was das Besondere an dem Grundlagendokument ist. Anschließend zeigte Schlenker auf, unter welchen herausfordernden politischen und gesellschaftlichen Umständen in Europa die Charta aktualisiert und schließlich unterzeichnet wurde. Dabei ging sie auch auf die jeweiligen inhaltlichen Unterschiede ein. Die Neufassung solle die Kirchen von heute ansprechen, ökumenische Gespräche anregen und als Ressource für die ökumenische Zusammenarbeit dienen, sagte Schlenker. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) bietet auf ihrer Homepage eine deutsche Übersetzung und Arbeitshilfen an. 

Den vollständigen Bericht zu TOP 18 finden Sie in der Klappbox oben: Dokumente zu Tagesordnungspunkt 18

TOP 19 Aktuelles aus dem Lutherischen Weltbund

Die Landeskirche trägt und prägt von Beginn an die weltweite Gemeinschaft

Lea Schlenker, Programmbeauftragte für globale lutherische Theologie beim Lutherischen Weltbund
Lea Schlenker, Programmbeauftragte für globale lutherische Theologie beim Lutherischen Weltbund

Lea Schlenker, neue Programmbeauftragte für globale lutherische Theologie beim Lutherischen Weltbund, stellte in ihrem Bericht den Lutherischen Weltbund (LWB) vor und nahm dabei immer wieder Bezug zur Evangelischen Landeskirche in Württemberg, die zurzeit eine von 154 Mitgliedskirchen sei. Sie erläuterte, was die Mitgliedschaft im LWB bedeutet und wie die elf deutschen Mitgliedskirchen ihre Mitgliedschaft im Deutschen Nationalkomitee organisieren. Anschließend zeigte Schlenker auf, was das Besondere an der Arbeit des LWB ist und wo seine Handlungsfelder liegen. Zudem ging sie konkret auf aktuelle Programme, Schwerpunkte und strategische Ziele des Weltbundes ein.  

Den vollständigen Bericht zu TOP 19 finden Sie in der Klappbox oben: Dokumente zu Tagesordnungspunkt 19

Sommersynode 2025: Synodalpräsidentin Sabine Foth erklärt die wichtigsten Themen
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