
Jugend in kriegerischen Zeiten
Eberhard Ludwig wurde am 18. September 1676 in Stuttgart geboren. Er war der einzige Sohn des früh verstorbenen Herzogs Wilhelm Ludwig (1674-1677), so dass für ihn zunächst eine Vormundschaftsregierung eingesetzt werden musste. Gekennzeichnet war die Zeit von den Kriegen König Ludwigs XIV. von Frankreich, von denen auch Württemberg betroffen wurde. Vor allem im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) hatte das Land schwer zu leiden. Nachdem der Vormund Friedrich Karl in einem Gefecht bei Ötisheim in französische Gefangenschaft geraten war, erklärte der Kaiser den 16-jährigen Herzog Eberhard Ludwig 1693 für volljährig.
Die Grävenitz-Affäre
Herzog Eberhard Ludwig war weniger an den politischen Fragen der Zeit interessiert, als an fürstlicher Prachtentfaltung. Dazu gehörte auch, dass er sich nach dem Vorbild des französischen Königs eine Mätresse hielt, die aus Mecklenburg stammende Christine Wilhelmine Friederike von Grävenitz (1686-1744). Da seine rechtmäßige Gemahlin Markgräfin Johanna Elisabeth von Baden-Durlach nicht in eine Scheidung einwilligte, ging Eberhard Ludwig 1707 mit der Grävenitz eine Zweitehe ein. Dies stieß im Land auf einhellige Ablehnung, das Konsistorium verweigerte dem Herzog gar das Abendmahl. Auch der Kaiser griff ein, erklärte die Zweitehe für ungültig und verfügte die Verbannung der Grävenitz aus Württemberg. Der Herzog arrangierte nun eine in Tieringen geschlossene Ehe der Grävenitz mit dem böhmischen Grafen Würben, der zum Landhofmeister ernannt wurde. Dieser Titel hatte bis 1668 den obersten Beamten der Regierung bezeichnet, weshalb die Grävenitz als Landhofmeisterin wieder an den Hof kommen konnte. Gleichzeitig hatte der herzogliche Rat Johann Heinrich Schütz beim Kaiser in Wien verhandelt. Die Grävenitz-Schütz-Clique übernahm nun die Macht in Württemberg, besetzte die wichtigsten Regierungsstellen und konnte sich bereichern.

Gründung von Ludwigsburg
Der Erhöhung des fürstlichen Glanzes diente auch die Gründung von Ludwigsburg als neuer Residenz, ähnlich wie die in derselben Zeit erfolgten Gründungen von Rastatt, Mannheim, Karlsruhe und Bruchsal. 1704 wurde der Grundstein zum Ludwigsburger Schloss gelegt, die Ansiedlung beim Schloss erhielt 1705 den Namen Ludwigsburg. Um Neubürger anzuziehen, versprach der Herzog 1715 die Religionsfreiheit für die neue Stadt. Außer der evangelischen Gemeinde entstanden daher Gemeinden für Katholiken und Calvinisten. Ludwigsburg wurde 1718 zur Stadt erhoben, 1724 wurde es alleinige Residenz.
Das Ende
1731 starb der Erbprinz Friedrich Ludwig, der einzige Sohn von Eberhard Ludwig, der nun mit der Grävenitz brach und sich mit seiner rechtmäßigen Gemahlin aussöhnte. Die Mätresse erhielt eine Abfindung und zog außer Landes. Herzog Eberhard Ludwig starb 1734 in Ludwigsburg, ohne einen leiblichen Erben zu hinterlassen. Sein Nachfolger wurde der inzwischen katholisch gewordene Herzog Karl Alexander, der Sohn des einstigen Vormunds Friedrich Karl von Württemberg-Winnental.
Prof Dr. Hermann Ehmer