2026: 500. Todesjahr von Jörg Ratgeb (1526)

Ratgebs wohl bekanntestes Werk: der Herrenberger Altar (1518/19), der heute in der Stuttgarter Staatsgalerie zu sehen ist. Auf der Innenseite des Altars sind das letzte Abendmahl, die Geißelung, die Kreuzigung und die Auferstehung Jesu dargestellt.
Ratgebs wohl bekanntestes Werk: der Herrenberger Altar (1518/19), der heute in der Stuttgarter Staatsgalerie zu sehen ist. Auf der Innenseite des Altars sind das letzte Abendmahl, die Geißelung, die Kreuzigung und die Auferstehung Jesu dargestellt.

Lebensspuren

Jörg Ratgeb wurde wohl um 1480 in der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd geboren. 1508 ist er mit Frau und Kindern in Stuttgart nachweisbar, 1509 in Heilbronn. 1523 lebte und arbeitete er in Hirschhorn am Neckar, 1514-1517 und 1520/21 in Frankfurt am Main, 1518 in Herrenberg.

Der Künstler

Nur wenige Arbeiten von Ratgeb sind bekannt. Da ist zum einen der Barbaraaltar in der Kirche in Schwaigern, den Ratgeb wohl von Heilbronn aus gemalt hat. Bei geöffnetem Altar ist auf der Mitteltafel die Legende der heiligen Barbara zu sehen, deren Beizeichen der Turm ist, in dem sie von ihrem Vater eingesperrt wurde. Die linke Tafel zeigt, wie der Auferstandene der Maria Magdalena erscheint. Auf der rechten Tafel ist die Bekehrung des Saulus zum Paulus zu sehen. Auf den beiden Außenflügeln ist bei geschlossenem Altar in einem Bild die Aussendung der Apostel dargestellt, unter denen sich auch Paulus findet.

Ratgebs wohl bekanntestes Werk ist der Altar, den er für die Herrenberger Stiftskirche gemalt hat, der heute in der Stuttgarter Staatsgalerie zu sehen ist. Bei diesem Altar ist auf der Innenseite das letzte Abendmahl Jesu dargestellt, dann die Geißelung, die Kreuzigung und schließlich die Auferstehung. Auf den Rahmen der einzelnen Tafeln sind dazu gehörige Bibeltexte in lateinischer Sprache wiedergegeben. Auf den Außenflügeln hat Ratgeb wieder das Thema der Aussendung der Apostel aufgegriffen. 

Die Stuttgarter Staatsgalerie besitzt auch zwei Passionsbilder, die von Ratgeb stammen. Diese gehörten wohl als Außenflügel zu einem Altar, dessen Mittelteil verloren ist. Die eine Tafel zeigt Jesus vor Pilatus, die andere die Kreuztragung. Die Altarwerke Ratgebs sind Zeugnisse eines Umbruchs. Neben herkömmlichen Motiven zeigen sie auch Neues, wie Durchblicke in ferne Landschaften. 

Im Kreuzgang des Frankfurter Karmeliterklosters malte Ratgeb die Anbetung der Könige. Von diesem Werk wissen wir nur durch Abzeichnungen des 19. Jahrhunderts, die gefertigt wurden, bevor man die Wand abriss. Ratgeb malte auch das Refektorium der Karmeliter aus. Hier geht es um die Geschichte des Ordens vom Berg Karmel im Heiligen Land, für die der alttestamentliche Prophet Elia von großer Bedeutung war. 

Der Bauernkrieg und das Ende Ratgebs

Nach der Einnahme von Burg und Stadt Weinsberg durch die aufständischen Bauern vom Odenwald und Neckartal an Ostern 1525 bildete sich der Haufen der württembergischen Bauern auf dem Wunnenstein. Dieser zog durch das Land und forderte zum Zuzug auf. Stuttgart, aus dem viele Verantwortliche geflohen waren, konnten die Bauern besetzen. Jörg Ratgeb wurde von den Bauern zu ihrem Rat und Kanzler gemacht. Er überlebte die Schlacht von Böblingen vom 12. Mai 1525, in der das Bauernheer geschlagen wurde. Ratgeb wurde aber gefangen genommen und 1526 in Pforzheim wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und durch Vierteilen hingerichtet.

Prof. Dr. Hermann Ehmer

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