300 Jahre Konfirmationsordnung in Württemberg

Das Register der Konfirmanden in Pleidelsheim aus dem Jahr 1723.
Das Register der Konfirmanden in Pleidelsheim aus dem Jahr 1723.

Befestigung im Glauben

Noch immer ist das Fest der Konfirmation volkskirchlich fest verankert: Junge Menschen auf dem Weg ins Erwachsenenalter lernen ihren Glauben und ihre Kirche besser kennen und empfangen persönlichen Segen. Woher kommt dieses Fest? 

Schon die Reformation führte einen Glaubensunterricht ein für mündige Christen, sogar für Jungen und Mädchen. Dieser schloss mit einer Prüfung ab, die zur Teilnahme an der Feier des Heiligen Abendmahls berechtigte. Grundlage war der Katechismus von Luther und Brenz. Und das Vorbild war wieder einmal Hessen, die Kirchenordnung von Martin Bucer 1538 und die erste Konfirmationsordnung von Ziegenhain. Weitere Überlegungen für ein Ritual zur öffentlichen Katechismusprüfung und Abendmahlszulassung verhinderte zunächst die Kritik am römisch-katholischen Sakrament der Firmung. Erst der frühe Pietismus hatte hier wieder eine größere Freiheit, das Überlieferte zu prüfen, Gutes zu behalten und Neues zu entwickeln. Es waren der Hofprediger Johann Reinhard Hedinger und sein Freund Johann Andreas Hochstetter, die die Unterrichtszeit für eine Kirche besser mit einem Gottesdienst, als nur mit einer Prüfung abgeschlossen haben wollten. Dafür lieferte Hedinger einen Entwurf in seinem Werk „Examen De Confessione publica“ von 1701, nachdem er zuvor schon ein modernes Unterrichtskonzept entwickelt und die Zusammenstellung der Katechismen von Luther und Brenz mitgestaltet hatte, die bis heute den für Württemberg maßgeblichen Text darstellt. Was sind die wichtigsten Inhalte der Konfirmation von 1722? 

Segen vor Prüfung  

Er deutet die Handlung durch ihren Namen „Konfirmation“ – übrigens dasselbe Wort wie bei „Firmung“! – als Befestigung im Glauben, die in Handauflegung und Segenswort zum Ausdruck kommt. Dazu kommt das abzulegende Bekenntnis. Dies steht in Verbindung zur Heiligen Taufe. Die Kinder sollen ihren Taufbund nicht nur verstehen, sondern bejahen und ihn damit als lebensrelevant erkennen. 

Immer wieder betont Hedinger die Wechselwirkung eines solchen öffentlichen Ritus für alle Beteiligten und die ganze Kirche: Für alle dient die Konfirmation zur Tauferinnerung; Eltern und Paten vergegenwärtigt die Konfirmation ihre Aufgabe in der christlichen Erziehung; der Gemeinde und Kirche stellt sie die Jugend, die sonst kaum in Erscheinung tritt, als Teil ihrer selbst vor Augen.  

Dieser Entwurf zur Konfirmation wurde erst später kirchliche Praxis, was zunächst  die Auseinandersetzung mit dem Separatismus und seiner Kirchenkritik verhinderte. Mit Generalreskript vom 11. Dezember 1722 wurde die Konfirmation im Herzogtum Württemberg eingeführt und am Sonntag Quasimodogeniti  - übrigens dem „Weißen Sonntag“ der Firmung! - 1723 fanden die ersten Konfirmationsgottesdienste statt. 

PD Pfarrer Dr. Wolfgang Schöllkopf, Tübingen/Ulm 

Meldungen, die Sie interessieren könnten

Interview zu Erkenntnissen aus den Kriegschroniken

Die Kriegschroniken sind einzigartige Zeitzeugnisse zur Kriegs- und Nachkriegszeit im deutschen Südwesten. Im Interview spricht Dr. Claudius Kienzle über eindrückliche Berichte, wie die Dokumente einzuordnen sind und was heutige und künftige Generationen daraus lernen können.

Weiterlesen

Gedenktag: Zum 150. Jahrestag der Einweihung der Johanneskirche in Stuttgart

Am 30. April 1876 wurde die Stuttgarter Johanneskirche eingeweiht. Sie gilt als das bedeutendste Kirchengebäude des 19. Jahrhunderts der Stadt. Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt ist sie seither ein wichtiges Mahnmal zur Erinnerung an Kriegsopfer und -zerstörungen.

Weiterlesen

Gedenktag: Zum 50. Todestag von Renate Ludwig

Am 27. April 1976 starb Renate Ludwig. 1932 legte sie die zweite Dienstprüfung ab - als erste Theologin in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die gebürtige Berlinerin Ludwig war als Vikarin, Vertreterin der Frauenarbeit und als engagierte Pädagogin ein Vorbild für viele.

Weiterlesen

Trauergottesdienst für Landesbischof i. R. Prof. Dr. Gerhard Maier

Am 23. April findet der Trauergottesdienst für den verstorbenen früheren württembergischen Landesbischof Prof. Dr. Gerhard Maier statt. Die Trauerfeier in der Stiftskirche in Tübingen wird um 11.30 Uhr per Livestream übertragen. Maier leitete die Evangelische Landeskirche in Württemberg von 2001 bis 2005.

Weiterlesen

Zum Tod von Landesbischof i. R. Prof. Dr. Gerhard Maier

Am 4. April 2026 ist der frühere württembergische Landesbischof Prof. Dr. Gerhard Maier im Alter von 88 Jahren verstorben. Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl und Synodalpräsidentin Sabine Foth würdigen Maier als Bischof und Mensch.

Weiterlesen

100. Jahreslosung gewählt: „Du bist von Gott geliebt“

Die Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen hat die 100. Jahreslosung ermittelt - sie gilt 2029: „Du bist von Gott geliebt“ aus dem Daniel-Buch. Oberkirchenrat Dr. Jörg Schneider erklärt die Bedeutung von Jahreslosungen.

Weiterlesen

Farbschwäche:

Benutzen Sie die Schieberegler oder die Checkboxen um Farbeinstellungen zu regulieren

Einstellungen für Farbschwäche

Schrift:

Hier können die Schriftgröße und der Zeilenabstand eingestellt werden

Einstellungen für Schrift

Schriftgröße
D
1
U

Zeilenabstand
Q
1
W

Tastenkombinationen:

Mit den aufgeführten Tastenkombinationen können Seitenbereiche direkt angesprungen werden. Verwenden Sie auch die Tabulator-Taste oder die Pfeiltasten um in der Seite zu navigieren.

Inhalt Tastenkombinationen

Hauptnavigation: M
Toolbar Menü: T
Inhalt: C
Footer: F
Barrierefreiheit: A
Hauptnavigation: M
Toolbar Menü: T
Inhalt: C
Footer: F
Schriftgröße +: U
Schriftgröße -: D
Zeilenabstand +: W
Zeilenabstand -: Q
Nachtmodus : Alt (Mac Option Key) + J
Ohne Bilder: Alt (Mac Option Key) + K
Fokus: Alt (Mac Option Key) + G
Tasten­kombinationen: Alt (Mac Option Key) + O
Tastensteuerung aktivieren: Alt (Mac Option Key) + V
Alles zurücksetzen: Alt (Mac Option Key) + Y