Aus einer kleinen WhatsApp-Gruppe ist ein Angebot geworden, das weit über die Kirchengemeinde Michelfeld hinaus Menschen erreicht. Pfarrer Dieter Kern versendet in der WhatsApp-Gruppe Kraftwort mehrmals pro Woche kurze geistliche Impulse und seit 2021 auch Videoclips mit Gedanken für den Alltag. Warum seine „Gute-Laune-Videos“ so gut ankommen, weshalb es keine Diskussionen im Kanal gibt und was andere davon lernen können, erzählt er im Interview

Welche Initialzündung/Motivation gab es, diese Gruppe zu gründen?
Pfarrer Dieter Kern: In der Corona-Zeit wollten wir im Kirchengemeinderat (KGR) und in der engeren Mitarbeiterschaft untereinander den Kontakt nicht verlieren und gründeten deshalb im April 2020 eine WhatsApp-Gruppe. Eine Kirchengemeinderätin übernahm die Aufgabe des Admins. Ich war für die Inhalte zuständig. Die Texte und Sonstiges stellte sie morgens um 6 Uhr in die Gruppe, zunächst täglich, nach einem halben Jahr dann dreimal wöchentlich. Bei diesem Rhythmus ist es geblieben. Dann wuchs die Gruppe unbeabsichtigt innerhalb kurzer Zeit auf 300 Teilnehmer. Die Zahl blieb konstant, jetzt sind wir auf zwei Kanälen bei 400 Teilnehmern. Seit November 2021 gibt es pro Woche einen Videoclip, eine bis eineinhalb Minuten lang. Die vielen positiven Rückmeldungen haben mich ermutigt, bis heute weiterzumachen. Inzwischen sind es zirka 150 Filmchen.
Den Großteil der Teilnehmer und Teilnehmerinnen kenne ich nicht. Manchmal werde ich aber auf die Gruppe angesprochen. Wie zum Beispiel beim Einkaufen: „Ich kenne Sie. Ich sehe Sie jede Woche.“ Die Impulse werden auch weitergeschickt. So schrieb mir die Obfrau der Katholischen Frauenarbeit in Oberösterreich, sie bedanke sich für die Impulse und schicke sie an ihre Frauen weiter.
Gibt es einen aktiven Austausch in der Gruppe?
Pfarrer Dieter Kern: Es gibt bewusst keinen Austausch in der Gruppe. Viele beklagen sich über die anstrengende WhatsApp-Kommunikation: Ständig müsse man antworten. Bei meinem Kanal ist das nicht möglich. Außer den Likes geht nichts. Das empfinden die Leute als erleichternd. Außerdem die frühe Uhrzeit: morgens um 6 Uhr den Tag mit etwas Positivem beginnen – das schätzen die Leute.
Neben der Whatsapp Gruppe ist der Instagram-Kanal eine_minute_mit_gott entstanden, auf dem die Kurzvideos gepostet werden.
Welchen Inhalt haben ihre Videos?
Pfarrer Dieter Kern: Die Idee zu den Videoclips bekam ich von Christof Schmitt (Diözese Rottenburg-Stuttgart). Er regte an, in einer Minute einen geistlichen Gedanken rüberzubringen. Das fand ich eine schöne Herausforderung. Es gibt noch viele Menschen, die durchaus Interesse an geistlichen Inhalten haben, aber denen schlicht die Zeit oder die Gewohnheit fehlt, sich damit ausführlicher zu beschäftigen. Die kurzen Texte und Filmchen sollten also in die Zwischenräume dieses gefüllten Alltags einen Impuls „hineinschmuggeln“. Das müssen auf den ersten Blick keine frommen Inhalte sein. Aber bei genauerem Hinschauen kann man einen tieferen Sinn entdecken. Außerdem sollte es in gewisser Weise leicht rüberkommen und nicht so ernst. Eine Rückmeldung einer Teilnehmerin sagt das so: „Deine Filmchen sind so positiv – es sind gute-Laune-Videos“
Was würden Sie einer Person raten, die das auch machen möchte?
Pfarrer Dieter Kern: Ich bin keiner, der sich mit Social Media auskennt. Ich bin eigentlich ein analoger Mensch. Ich suche die Texte heraus und stelle mich vor die Kamera. Die Technik machen andere. Ich würde sagen: Einfach anfangen, ausprobieren. Und vor allem: Es muss Spaß machen. Wahrscheinlich ist auch ein gewisser innerer Drang von Nöten, im Sinne von: Ich möchte den Menschen etwas Wertiges mitgeben für ihr Leben. Wer das nicht hat, für den ist die Mühe des Schreibens und der Stress vor der Kamera auf Dauer zu anstrengend.
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