Vier historische Zeichnungen („Risse“) mit Bezug zum Ulmer Münster werden vom 16. April bis 19. Juli 2026 im Rahmen der Ausstellung „Gothic by Design: The Dawn of Architectural Drafts-manship“ im Metropolitan Museum of Art in New York zu sehen sein. Jetzt sind die sensiblen Archivstücke auf die Reise gegangen.
Bei allen vier historischen Architekturzeichnungen handelt es sich um Archivgut, das vom Stadtarchiv Ulm verwahrt wird. Drei der vier gezeigten Stücke gehören der Münstergemeinde und sind als Depositum im Stadtarchiv unweit des Münsters hinterlegt. Als Eigentum der Landeskirche bleiben sie aber kirchliches Archivgut – deshalb ist das Evangelische Archiv Baden und Württemberg (EABW) für sie fachlich zuständig.
Als Dienstleister für die Münstergemeinde hat sich das EABW seit rund zwei Jahren Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Ulm mit konservatorischen und organisatorischen Fragen befasst rund um die Ausleihe befasst: Von der Reisevorbereitung für die wertvollen Stücke aus dem 15. und 16. Jahrhundert bis zu den formalen Erfordernissen des staatlichen Kulturgutschutzes bei einer Leihe ins Ausland. Der Transport der wertvollen Zeichnungen erfolgt Anfang April durch eine spezialisierte Kunstspedition und unter Begleitung einer Restauratorin.
Die Ausstellungsstücke
Die vier ausgewählten Ausstellungsstücke sind von herausragender kulturhistorischer Bedeutung. Die mit Tinte oder Tusche auf Pergament gezeichneten Risse verweisen auf Baumeister wie Matthäus Böblinger, Matthäus Ensinger, Hans Hammer und Bernhard Winkler. Sie können nur deshalb für eine Ausstellung herausgegeben werden, weil es sich beim Met um eine Institution mit weltweitem Renommee handelt, die höchste konservatorische Ansprüche erfüllt. Die drei Archivalien aus dem Eigentum der Münstergemeinde werden unter den jeweils fett angegebenen Signaturen im Stadtarchiv Ulm verwahrt:

Im Vorfeld der Ausleihe waren umfangreiche konservatorische Prüfungen erforderlich, um den sicheren Transport und die Präsentation der empfindlichen Kunstwerke zu gewährleisten. Ein bestandserhaltendes Gutachten kam beispielsweise zu dem Ergebnis, dass der ebenfalls angefragte sogenannte „Böblingerriss“ aus konservatorischen Gründen nicht ausgeliehen werden kann. Die über drei Meter lange und aus fünf Pergamentblättern zusammengesetzte Aufrisszeichnung des Münsterturms aus dem späten 15. Jahrhundert reagiert äußerst sensibel auf Schwankungen von Temperatur und Luftfeuchtigkeit.
Auch für die vier nun ausgeliehenen Zeichnungen gelten strenge restauratorische Vorgaben. Für den Transport werden sie in speziellen Klimakisten verpackt, die konstante Temperatur- und Luftfeuchtigkeitswerte gewährleisten und die empfindlichen Pergamentzeichnungen auch während des Fluges zuverlässig schützen.
Die Präsentation der Ulmer Münsterrisse im Metropolitan Museum bietet nicht nur internationale Sichtbarkeit für einen bedeutenden Teil des kulturellen Erbes der Stadt, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Erforschung und Vermittlung gotischer Architekturzeichnungen.
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