20.02.2026

„Vielleicht gehe ich doch mal wieder in die Kirche.“

Wie eine Kirchengemeinde sich per Social Media in die Herzen tanzt

Ein tanzender Pfarrer, der Snacks testet oder Fernsehserien bewertet –  was hat das mit aktiver Gemeindearbeit zu tun? Ganz viel, wie man auf den Kanälen der Kirchengemeinde Bad Waldsee sehen kann. 

Pfarrer Wolfgang Bertl und Social-Media-Manager Aaron Leipziger sieht man den Spaß beim Dreh in jedem einzelnen Video an. Aber für Sie steht nicht nur der Spaß im Vordergrund. Warum Sie durch Social-Media tanzen, wie das Ganze angefangen hat und was Sie anderen raten würden, die das auch machen wollen, erfahren Sie im Interview:

Interview: Wie eine Kirchengemeinde sich per Social Media in die Herzen tanzt

Welche Motivation gab es, auf Social Media aktiv zu werden?

Pfarrer Wolfgang Bertl: Das hängt eigentlich mit Corona zusammen. Es war schon ein Schock, als auf einmal alles stillgestanden ist. Kein Gottesdienst mehr.

Eine Woche danach waren wir schon mit unserem YouTube-Kanal auf Sendung und haben live den Gottesdienst übertragen. Und dann haben wir uns gedacht: Da müssen wir mehr machen. Am Anfang waren das einfach ein paar Bilder, die wir eingestellt haben – was wir gerade gemacht haben oder eben gerade nicht gemacht haben zu der Zeit.

Aaron Leipziger: 2023 ging dann die „große“ Social-Media-Arbeit los, als ich den Auftrag bekommen habe, eine Social-Media-Arbeit für die Kirchengemeinde aufzubauen. Ich glaube, mittlerweile können wir sagen: Wir sind sehr zufrieden damit.

Was macht Ihnen an den Videos am meisten Spaß?

Leipziger: Mir machen die TikToks und die Tanzvideos sehr viel Spaß, weil Herr Bertl natürlich auch sehr viel einfach mitmacht und es mega viel Spaß macht, das gemeinsam zu drehen. 

Bertl: Mir macht daran auch Spaß, dass man nicht immer alles super vorbereiten muss, sondern echt aus dem Bauch heraus und ungeschützt sagen kann, was man denkt. Theologie so erklären, wie ich es gerade im Kopf und im Herzen habe, ohne mich vorher über die Fernleihe-Bibliothek absichern zu müssen, dass es auch stimmt. Dann ist halt mal ein Fehler drin.

Leipziger: Aber das macht es auch authentisch.

So ein Video sieht immer spontan und einfach aus.Wieviel Arbeit steckt wirklich dahinter?

Leipziger: Die Vorbereitungs- und Nachbereitungszeit ist bei unseren Videos in letzter Zeit extrem aufwändig geworden, weil wir mittlerweile viel Arbeit reinstecken. Aber man sieht an der Resonanz, dass es sich wirklich lohnt. Ich bereite die Videos vor, dann kommen wir zum Drehen, dann besprechen wir, was gut passt und was man verändern könnte. Herr Bertl bringt auch eigene Ideen mit rein. Dann drehen wir, danach kommt der Schnitt und dann poste ich das.

Bertl: Die Arbeit ist ziemlich ungleich verteilt. Ich bereite mich nicht so großartig vor – außer ich möchte etwas Besonderes rüberbringen. Dann überlege ich mir das vorher. Aber letztlich: Ich bin halt da, so wie ich bin. Und ich glaube, genau das macht es aus.

Was würden Sie einer Person raten, die das auch machen möchte?

Bertl: Ganz einfach: Trau dich und habe Spaß dabei. Wenn jemand keinen Spaß daran hat, sollte er es lassen. 

Leipziger: Und man sollte nicht immer auf alle hören. Man sollte das durchziehen, was einem wirklich Spaß macht. Wenn man sich immer die Meinungen aller anderen anhört, kommt man nie zu einem passenden Ergebnis.

Das war bei uns ganz lange so – gerade bei mir. Ich habe mich lange nicht vor die Kamera getraut, weil ich Angst hatte vor dem Feedback von Klassenkameraden. Mittlerweile ist mir das relativ egal, weil ich weiß, dass es Leute gibt, die unsere Inhalte gerne anschauen. Und deswegen mache ich es gern. Dann gucke ich nicht darauf, wer sich darüber lustig macht oder wer es nicht toll findet.

Bertl: Ich denke, wichtig ist auch, nicht zu sehr auf die Klickzahlen zu schauen. Ab und zu mal ja, aber letztlich geht es darum: Wenn ihr Freude daran habt, dann macht’s – der Rest kommt von allein. Man braucht Geduld, aber das ist ja kein Fehler.

Warum braucht es Kirche und Glaube auf Social Media?

Bertl: Ich glaube: Brauchen tut es das nicht – aber es ist gut, dass es das gibt. Es bietet große Reichweite. Ich unterrichte ja auch in der Realschule. Wenn ich da in die Schule komme, suchen die Schüler und Schülerinnen schon den Kontakt. Und das ist ernst gemeint: „Hey, wir finden es toll, dass Sie das machen. Können wir vielleicht auch mal mit machen?“ – geht leider nicht wegen Einwilligungserklärungen. Aber dieses Feedback ist schön. Egal ob in der Schule oder beim Einkaufen – man wird immer wieder darauf angesprochen. Ein freundliches Lächeln auf der Straße, das man bekommt.

Auch für die Kirchengemeinde: Ich glaube einfach, dass wir uns da anders positionieren. Und ich habe keinen Bock, dieses Feld nur Menschen mit rechter Gesinnung zu überlassen.

Leipziger: Und wir erreichen durch unsere Social-Media-Arbeit sehr viele junge Leute. Das ist toll, weil die heutige Kirche für viele junge Menschen nicht mehr so interessant ist. Ich glaube, dass wir über unsere Inhalte viele junge Leute erreichen, die sich das wirklich interessiert anschauen und sich vielleicht denken: „Vielleicht gehe ich doch mal wieder in die Kirche.“

Bertl: Tatsächlich passiert das gar nicht so selten. Konfirmandinnen und Konfirmanden, die ich fast schon vergessen hatte, tauchen plötzlich wieder auf. Man kommt wieder in Kontakt. Das hat schon was.

Ich wünsche allen, die das machen wollen, viel Spaß.­ Vorname Nachname ­

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