19.02.2026

Stückwerk – der Podcast mit Predigtimpulsen

Im Gespräch Ideen für die eigene Predigt entwickeln

An einem Predigttext sitzen und nicht weiterkommen – aus dieser Situation entstand der Podcast „Stückwerk – der Podcast mit Predigtimpulsen“. In jeder Folge wird ein Predigttext der EKD-Perikopenordnung behandelt, jeweils zwei Wochen im Voraus. Zwei der Podcasterinnen, die Pfarrerinnen Esther Auer und Astrid Edel, erzählen von der Idee zum Podcast und davon, was eine gute Predigt für sie ausmacht. 

Pfarrerin Esther Auer
Pfarrerin Esther Auer

Wie ist die Idee zum Podcast „Stückwerk“ entstanden? 

Pfarrerin Esther Auer: Ich saß an einem Predigttext und kam nicht weiter. Ich hatte niemanden zur Hand, mit der ich mal eben über den Text hätte reden können. Aber ich wusste in dem Moment genau, dass mich ein kurzer Austausch weiterbringen würde, weil ich das schon oft erlebt hatte: mit anderen einen Bibeltext zu besprechen, führt mich immer zu einem Verständnis, das ich allein nicht habe. Also dachte ich: Ich suche nach einem Podcast – vielleicht kann ich so anderen bei ihrem gemeinsamen Nachdenken zuhören. Gefunden habe ich nichts, aber dafür hatte ich die Idee für diesen Podcast. Das war im Januar 2021. Mitte November 2021 haben wir zum 1. Advent die erste Folge veröffentlicht.

Was möchten Sie damit erreichen? 

Pfarrerin Astrid Edel: Mein Ziel ist, dass eine Person den Stückwerk Podcast hört und danach eine Idee hat, wie sie mit dem Predigtschreiben anfangen kann. Das muss nicht genau eine Idee aus unserem Gespräch sein. Oft bekommen wir auch die Rückmeldung, dass eine Folge einfach dazu angeregt hat, in welche Richtung die eigene Predigt gehen kann. Ein anderes Ziel ist es, gerade auch die Schwierigkeiten mit Texten zu benennen: Der Stückwerk Podcast ist kein Erklär-Podcast. Wir sind wie viele Predigende auf der Suche danach, wie die Texte evangeliumsgemäß und aktuell gepredigt werden können. Dabei wollen wir unsere Fragen an den Text und die Herausforderungen der Zeit offen kommunizieren. So verstehe ich Theologie und Predigen: Es geht darum, sich gemeinschaftlich in eine Suchbewegung zu begeben, keine Antworten zu geben. Wenn dann Hörerinnen und Hörer rückmelden, dass sie sich nicht allein gelassen gefühlt haben mit dem Text und es gut fanden, dass Fragen offengeblieben sind, macht mich das glücklich.

Pfarrerin Astrid Edel
Pfarrerin Astrid Edel

Was haben Sie selbst von den Gesprächen? 

Astrid Edel: Zum einen sind die Vorbereitungen und Durchführung von Podcastfolgen ein erweitertes Bibelstudium für mich. Die Perikopenordnung stößt mich immer wieder auf Texte, an denen ich im Studium vorbeigeschifft bin, wie z.B. die Petrusbriefe und der Hebräerbrief. Zum anderen sind die Aufnahmen auch eine schöne Gelegenheit für mich, mit langjährigen Studienfreundinnen und -freunden (wieder) in Kontakt zu treten und theologische Gespräche zu führen. Die digitalen Aufnahmen von „Stückwerk“ ermöglichen es, dass ich mich regelmäßig mit befreundeten Pfarrpersonen aus Hamburg, Berlin und Bayern austausche.

Esther Auer: Für mich startet mit der Podcastaufnahme in der Regel auch die eigene Predigtarbeit. Manchmal liegen einige Wochen dazwischen, ehe ich den Faden wieder aufnehme. Aber wenn ich mich dann noch an einen Aspekt aus der Podcastaufnahme erinnere, entspinnt sich daraus meistens eine Predigtidee. Oft entsteht so aus dem Gespräch eine Predigt, in der die Gedanken aus dem Gespräch noch zu erkennen sind.

Wann ist eine Predigt für Sie gelungen? 

Esther Auer: Wenn ich selbst Predigten zuhöre, finde ich sie gelungen, wenn ich folgen kann und den roten Faden nicht verliere. Ich freue mich, wenn ich mich mit einer meiner Fragen darin wiederfinde oder ich einen Aspekt meines Glaubens in einem anderen Licht sehen kann. Als Predigerin finde ich es sehr viel schwieriger zu sagen, wann eine Predigt gelungen ist. Ich freue mich, wenn die Zuhörenden mir ihre Reaktionen mitteilen – das kann Zustimmung, Widerspruch oder eine Rückfrage sein. Dann merke ich, dass sie innerlich beteiligt waren und sie durch meine Gedanken selbst ins Nachdenken gekommen sind. Wer weiß, vielleicht gibt es irgendwann eine Predigtform, in der wir miteinander ins Gespräch kommen, unsere Fragen stellen und gemeinsam auf die Suche nach Antworten gehen.

Können Sie von besonderen Reaktionen auf Podcastfolgen berichten? 

Astrid Edel: Für mich sind Aufnahmen mit Nicht-Theologinnen und -theologen immer besonders. Diese Gegenüber betrachten den Bibeltext aus ihrer jeweiligen Perspektive. Dadurch entstehen oft ganz konkrete, lebensweltliche Ideen für die Predigt.Anfang des Jahres hatten wir drei Aufnahmen mit Studierenden des evangelischen Stifts, letztes Jahr auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hannover. Diese Aufnahmen in größeren Gruppen, durch die Methode von BiblioArt® (Dr. Susanne Wolf) inspiriert, habe ich noch in guter Erinnerung.

Esther Auer: Einmal ist es mir im Haus Birkach passiert, dass jemand auf mich zukam und meinte: Die Stimme kenne ich doch vom Podcast! Sonst finde ich Reaktionen besonders, wenn sich Hörende bei uns melden und nachfragen, ob sie einmal mitmachen können. Das ist für mich Ausdruck davon, dass unsere Arbeit auf fruchtbaren Boden fällt.

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