Ein Debattenformat in Calw als #VerständigungsOrt

“Offener Austausch ist wichtiger denn je”

Mit dem Debattenformat „Standpunkte im Gespräch“ schafft das Ev. Bildungswerk nördlicher Schwarzwald Orte zum Reden und Zuhören. Im Interview erzählt Geschäftsführer Tobias Götz, was die Veranstaltung auszeichnet und welche Themen kontroverse Diskussionen auslösten.

Geschäftsführer Tobias Götz
Geschäftsführer Tobias Götz

Warum ist Ihr Projekt ein #VerständigungsOrt?

Tobias Götz: Mit unserem Debattenformat „Wir müssen miteinander REDEN! – Standpunkte im Gespräch“ verfolgen wir die gleichen Ziele wie die Initiative #VerständigungsOrte. Wir schaffen Orte zum Reden und Zuhören, wollen verhärtete Fronten entspannen und wo das nicht geht, mindestens in den Austausch bringen. Dadurch soll der Blick geweitet werden. Wir wollen auch, dass man sich anderen Positionen aussetzt und wieder lernt, diese auszuhalten und auf gute Weise miteinander zu diskutieren.

Wieso ist es Ihrem Bildungswerk wichtig, einen #VerständigungsOrt anzubieten?

Götz: Unsere Gesellschaft driftet immer weiter auseinander. Auf der einen Seite macht sich ein immer stärkerer Individualismus breit, auf der anderen Seite wird es immer schwieriger, in einen Meinungsaustausch zu treten und Debatten zu führen. In den sozialen Medien dominieren Zuspitzung und Empörung. Wer will, bekommt für jede Meinung eine Bühne. Aber echte Diskussionen werden seltener. Laut einer aktuellen Umfrage glauben nur noch 40 Prozent, dass man seine Meinung frei äußern kann. Allen Toleranzbekundungen zum Trotz glaubt also im Umkehrschluss die Mehrheit, dass man in Deutschland nicht mehr alles sagen darf.

Offener Austausch ist also wichtiger denn je. Genau hier setzt das Evangelische Bildungswerk nördlicher Schwarzwald mit seinem neuen Format „Standpunkte im Gespräch“ an. Wir bringen Menschen zusammen, die unterschiedliche Meinungen haben, aber einander zuhören. Wir wollen nicht übereinander, sondern miteinander reden. Sachlich, respektvoll, aber auch leidenschaftlich. Denn nur im Dialog können wir die Vielfalt der Perspektiven verstehen, Argumente abwägen und eigene Standpunkte reflektieren.

#VerständigungsOrte

Kirche und Diakonie setzen sich angesichts von Krisen, Polarisierung und Populismus für mehr Verständigung ein. Die Initiative #VerständigungsOrte – Wir. Reden. Hier. der EKD, der Diakonie Deutschland und der "midi – Zukunftswerkstatt von Kirche und Diakonie" ermutigt alle Gemeinden und Einrichtungen von Kirche und Diakonie dazu, Räume für Gespräche zu öffnen und Menschen mit unterschiedlichen Ansichten zum Austausch einzuladen.

Kam es auch tatsächlich zu Kontroversen, die man für alle Beteiligten konstruktiv bearbeiten konnte? Kommt es zu „Verständigung“? Was verstehen Sie bei Ihrem Debattenformat konkret unter „Verständigung?“

Götz: Klar, die Debatten sind kontrovers angelegt. Wenn wir Folgendes zum Austausch stellen „Christliche Mission: überflüssig oder unverzichtbar?“, „Gendersprache: Nutzen oder Schaden für die Gesellschaft?“ geht es kontrovers zur Sache. Bei der Veranstaltung zur Mission hatte ich tatsächlich den Eindruck, dass sich die beiden Referenten etwas näherkamen und dass manche Widersprüche gar nicht so trennend waren. Bei der Genderdebatte ist es uns nur insofern gelungen, uns zu verständigen, als dass wir uns auf unterschiedliche Positionen verständigt haben, die auch so bestehen geblieben sind.

Im Herbst machen wir eine Veranstaltung zum Thema: „Wehrpflicht – überholtes Modell oder sicherheitspolitische Notwendigkeit?“. Da geht es dann auch sicher über die Wehrpflicht hinaus um friedensethische Überlegungen. Hochspannend.

Haben Sie ganz praktische Tipps, wie man - auch aus einer christlichen Haltung heraus - angesichts von Krisen, Polarisierung und Populismus wieder ins Gespräch kommen kann?

Götz: Den Mut haben, sich anderen Meinungen auszusetzen und wieder anfangen zu diskutieren und im guten Sinne auch inhaltlich zu streiten. Ich bin der Meinung, wir können uns menschlich respektieren, auch wenn wir inhaltlich unterschiedliche Meinungen haben und verschiedene, vielleicht auch konträre Positionen vertreten. Hier haben wir als Christen auch eine Verantwortung, für ein gutes Miteinander und zu mehr Toleranz der Meinungen beizutragen.

Mein Tipp: Einfach machen! Sich nicht in seiner Blase abkapseln und schon gar nicht über andere urteilen, nur weil sie andere Ansichten vertreten. Erkläre deine eigene Meinung nicht für absolut, sondern sei offen dafür, von anderen zu lernen. Hinterfrage so auch deine eigene Position immer wieder und entwickle sie gegebenenfalls weiter.

Was würden Sie anderen empfehlen, die auch einen #VerständigungsOrt anbieten möchten?

Götz: Da antworte ich ähnlich wie auf die vorige Frage: Man muss sich einfach daran wagen und es tun. Und Plattformen für virulente Themen bieten. Als Vorläufer des aktuellen Formats hatten wir auch zu einem moderierten Gesprächsabend ohne Referenten eingeladen, um Erfahrungen während der Corona-Pandemie auszutauschen. Ich hatte großen Respekt davor, habe es aber selbst moderiert und das Ergebnis war durchweg positiv und bewegend. Einfach mutig sein und das Anliegen der Verständigung aktiv umsetzen! Es braucht nichts Großes, doch was nie schadet, ist, auch dieses Vorhaben in einer Haltung der Wertschätzung durchzuführen.

#VerständigungsOrte in der württembergischen Landeskirche

#VerständigungsOrt: Internationales Frühstück in Neugereut

Mit dem Internationalen Frühstück gibt es jeden Monat in Neugereut einen Ort zum Reden und Zuhören. Im Interview erzählt Pfarrerin Dorothee Niethammer-Schwegler, über welche Themen gesprochen wird, warum immer mehr Kinder teilnehmen und für was gemeinsam gespendet wird.

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#VerständigungsOrt: "Hallo Nachbarn" in Reutlingen

Mit dem Quartiersprojekt "Hallo Nachbarn" gibt es im Stadtteil Hinterer Ringelsbach in Reutlingen einen Ort zum Reden und Zuhören. Im Interview erzählt der Koordinator Dr. med. Gernot Bohnenberger, bei welchen Gelegenheiten sich die Menschen im Quartier begegnen, miteinander austauschen und vernetzen, aber auch ihre Kompetenzen erweitern können.

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#VerständigungsOrt: "Plattform lebenswert" in Reutlingen

Mit der Plattform "lebenswert" gibt es in Reutlingen einen Ort zum Reden und Zuhören. Im Interview erzählt die Koordinatorin Mimi Böckmann, auf welche Weise die Menschen im Quartier soziales Engagement vor Ort erfahren und bei welcher Gelegenheit sie sich auch mit politischen Themen kontrovers auseinandersetzen können.

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#VerständigungsOrte: Das Gesprächsformat "Sprechen und Zuhören" in Reutlingen

Mit dem Gesprächsformat „Sprechen und Zuhören“ gibt es in Reutlingen einen Ort zum Reden und Zuhören. Im Interview erzählt der Geschäftsführer des Diakonieverbands Reutlingen, Pfarrer Dr. Joachim Rückle, wie dabei Themen wie Nächsten- bzw. Fremdenliebe diskutiert werden.

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#VerständigungsOrte: „Hoffnungshäuser der Hoffnungsträger Stiftung Leonberg"

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#VerständigungsOrt: „Begegnungstreff Blaubeuren"

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Die Evangelische Akademie Bad Boll versteht sich schon immer als Ort der Begegnung und Verständigung. Im Interview erzählen Direktor Dr. Dietmar Merz und Studienleiterin Dr. Carola Hausotter, wie dieses Selbstverständnis in der Praxis umgesetzt wird.

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#VerständigungsOrt in Esslingen: „Unser Maßstab für Verständigung ist die christliche Botschaft“

Dreimal im Jahr verwickeln Pfarrer Christoph Schweizer und sein Team im Esslinger Stadtteil Hohenkreuz Menschen ins Gespräch „über Gott und die Welt“.

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#VerständigungsOrt in Ludwigsburg: „Wie heute streiten?“

Das Dialogforum der Ludwigsburger Friedenskirche gehört zur Initiative #VerständigungsOrte. Fast 200 Menschen kamen im April zusammen unter dem Motto „Ist das Boot voll? Ludwigsburg und seine Flüchtlinge“, um miteinander zu diskutieren. Hier berichtet Pfarrer Dr. Martin Wendte über Erfahrungen.

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#VerständigungsOrt in Tübingen: „Wie heute streiten?“

„Wie heute streiten?“ - dieser Frage widmet sich die Gesprächsreihe "Verständigungsorte der Demokratie" der Eberhardsgemeinde Tübingen in Kooperation mit dem Landestheater. Pfarrer Dr. Martin Böger berichtet im Interview über die Erfahrungen mit einem Raum für pointierte, ehrliche und wertschätzende Diskussionen.

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    Was es mit der Kirchensteuer auf sich hat, wie sie bemessen wird und welche positiven Effekte die Kirchen mit der Kirchensteuer an vielen Stellen des gesellschaftlichen Lebens erzielen, erfahren Sie auf www.kirchensteuer-wirkt.de.

    Grafik Kirchensteuer wirkt Bildung

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