|

Für Gottesdienste gibt es klare Vorgaben

Gottesdienstordnung und kirchliche Agende sind die Basis – Strenge Schutzkonzepte

Stuttgart. Gottesdienste sind durch die Glaubensfreiheit im Grundgesetz besonders geschützt. Das bringt offenbar manchen auf die Idee, eine Veranstaltung einfach als Gottesdienst zu deklarieren, um geltende Corona-Regeln auszuhebeln. Doch so einfach ist das nicht. Entscheidend ist die landeskirchliche Agende.

Neben digitalen Gottesdienstformaten bleiben auch analoge Gottesdienste möglich. Allerdings gelten dafür in der Landeskirche seit Monaten schon besonders strenge Vorschriften.Archivfoto: Tobias Glawion/Evangelisches Medienhaus

Der besondere gesetzliche Schutz der Gottesdienste ist für die württembergische Landeskirche mindestens so sehr Verpflichtung wie Berechtigung. Mit dem Satz „Wir können Verantwortung!“, hat es Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July wiederholt auf den Punkt gebracht.

Die Evangelische Landeskirche in Württemberg hat deshalb in den vergangenen Monaten strengere Regelungen erlassen, als sie vom Staat gefordert wurden – etwa zwei Meter Abstand für Gottesdienst-Teilnehmer. Wo die Pandemie-Stufe 3 gilt, ist auch kein gemeinsames Singen mehr möglich. Diese Schutzkonzepte haben sich bewährt, machen die Corona-Beauftragten im Oberkirchenrat deutlich. Es ist dem Oberkirchenrat bislang keine Infektion aus einem landeskirchlichen Gottesdienst heraus bekannt geworden.

Kein Instrument zum Aushebeln von Corona-Regeln

Dass das besondere Konzept Anerkennung findet und auch im November weiter Gottesdienste gefeiert werden können, ist ein Grund zur Freude. Aber es ruft auch gelegentlich Menschen auf den Plan, die auf dem „Ticket“ Gottesdienst gern die Corona-Vorgaben umgehen möchten. Deshalb stellt die Landeskirche in ihrer Umsetzung und Kommentierung der ab heute geltenden Landesverordnung klar:

Landesbischof Frank Otfried July verurteilt den Brandanschlag auf die Synagoge in Ulm. Dank eines beherzten Zeugen konnte die Feuerwehr Schlimmeres verhindern.Archivfoto: elk-wue.de / Gottfried Stoppel

„Der Gottesdienst richtet sich nach der landeskirchlichen Gottesdienstordnung und den landeskirchlichen Agenden. Andere Veranstaltungen können nicht als Gottesdienste deklariert werden. Die Schutzkonzepte gelten allerdings nicht nur für Gottesdienste, sondern auch für Andachten und andere gottesdienstähnliche Formen der Verkündigung.“

„Es geht auch um Verlässlichkeit“

Landesbischof July macht deutlich: „Nicht jeder kann einfach den Stempel Gottesdienst auf eine Veranstaltung drücken, um diese trotz Corona-Einschränkungen durchführen zu können. Da geht es auch um unsere Verlässlichkeit als Landeskirche.“

Weiterhin sagt der Landesbischof, Präsenzgottesdienste seien wichtig, um in Corona-Zeiten für Menschen da zu sein. „Da, wo es finanzielle Ausfälle zu tragen gilt, etwa im Kulturbereich, kann – und soll! – der Staat mit Unterstützung einspringen. Wenn hingegen Menschen nicht in Gottesdienste können, ist das nicht zu kompensieren.“ Deshalb, so July weiter, wollten sich die Kirchen nicht auf digitale Gottesdienste alleine zurückziehen.


Welche Regeln gelten für Gottesdienste?

  • Es gilt unter anderem eine Abstandsregelung von zwei Metern. Dieser größere Abstand ist schon deshalb sinnvoll, weil die Zeitdauer des Kontaktes in einem Gottesdienst mit 30 bis 40 Minuten etwas länger ist. 
  • In Gemeinden in Landkreisen, in denen die 7-Tages-Inzidenz von 35 Fälle pro 100.000 Einwohner erreicht und dies von den zuständigen Behörden festgestellt ist, können nur Personen, die einem gemeinsamen Haushalt angehören, näher zusammensitzen. 
  • Vorgegeben ist zudem eine Maskenpflicht beim gemeinsamen Singen und Sprechen sowie beim Unterschreiten des Mindestabstands. In Landkreisen, in denen die 7-Tages-Inzidenz von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner erreicht und dies von den örtlich zuständigen Behörden festgestellt ist, ist das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung für die gesamte Dauer des Gottesdienstes verpflichtend. 
  • Gemeinden müssen die Infektionsketten nachvollziehen, wenn landesweit die Pandemiestufe 3 eintritt oder die landkreisbezogenen 7-Tages-Inzidenz die 50 Fälle pro 100.000 Einwohner überschreitet. 
  • Das gemeinsame Singen im Gottesdienst bleibt möglich. In Landkreisen mit einer 7-Tages-Inzidenz von 50 pro 100.000 Einwohner ist allerdings auf Gemeindegesang in geschlossenen Räumen zu verzichten.

Mehr News

  • Datum: 16.05.2022

    Landespfarrer für Kindergottesdienst eingeführt

    Pfarrer Markus Grapke ist am 15. Mai in sein Amt als Landespfarrer für Kindergottesdienst eingeführt wurde. Im Interview erzählt er, was ihm in seiner neuen Aufgabe wichtig ist.

    Mehr erfahren
  • Datum: 16.05.2022

    Videoimpulse zum Neuen Testament

    Zu jedem Buch des Neuen Testaments ein kurzes Video - dieses Projekt verfolgt die Evangelische Erwachsenenbildung Nordschwarzwald. Wie die Idee entstanden ist, was man damit erreichen möchte und einiges mehr erzählt im Interview Geschäftsführer Tobias Götz.

    Mehr erfahren
  • Datum: 13.05.2022

    „Mahl am Abend“ im Schlossgarten

    Am 15. Mai findet im Stuttgarter Schlosspark ein ökumenisches Picknick als Hinweis auf die fehlende Abendmahlsgemeinschaft evangelischer und römisch-katholischer Christen statt. Landesbischof July hat dieses „Zeichen der Gemeinschaft“ begrüßt.

    Mehr erfahren
  • Datum: 11.05.2022

    Nachhaltigkeit in der Jugendarbeit

    Die evangelische Jugendarbeit wollte für junge Menschen eine Botschaft der Hoffnung entwickeln. Heraus kamen unter dem Titel „Jetzt reicht's!“ ein Videoclip und eine Materialsammlung. Mechthild Belz, Referentin beim EJW-Weltdienst, erzählt, wie das Projekt entstanden ist.

    Mehr erfahren
  • Datum: 11.05.2022

    „Gottes Geleit und Segen“

    Der frühere badische Landesbischof Klaus Engelhardt feiert seinen 90. Geburtstag. Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July wünscht dem Theologen, der auch Ratsvorsitzender der EKD war, „Freude an der Begegnung, am Gespräch und an der theologischen Arbeit“.

    Mehr erfahren
  • Datum: 10.05.2022

    Medienhaus gewinnt LfK-Medienpreis

    Das Evangelische Medienhaus hat für sein Multimedia-Projekt „Körperspende – Der vorletzte Weg“ den renommierten Medienpreis der Landesanstalt für Kommunikation (LfK) in der Kategorie „Digitaler Content“ erhalten. Das Projekt verbindet Video, Bild, Text und Audio.

    Mehr erfahren
  • Datum: 09.05.2022

    Neuer Dekan in Schwäbisch Hall

    Christof Messerschmidt ist zum neuen Dekan des Kirchenbezirks Schwäbisch Hall gewählt worden. Der 52-Jährige wolle daran mitwirken, dass sich Kirche an gesellschaftliche Entwicklungen anpasse und weiterentwickele, erklärt er. Nur so könne Kirche für die Menschen da sein.

    Mehr erfahren
  • Datum: 08.05.2022

    4. landeskirchlicher Kunstpreis verliehen

    In Mariaberg ist der 4. Kunstpreis der Landeskirche an den 34-jährigen Künstler Georg Lutz (Hauptpreis) und die 35-jährige Künstlerin Amina Brotz (Förderpreis) verliehen worden. Der Hauptpreis ist mit 10.000 Euro dotiert, der Förderpreis mit 3.000 Euro.

    Mehr erfahren
  • Datum: 06.05.2022

    Video: Landesbischof July blickt zurück

    Nach 17 Jahren im Amt geht Landesbischof Dr. h.c. Frank Otfried July diesen Sommer in den Ruhestand. In einer TV-Sendung der Reihe Alpha & Omega blickt July gemeinsam mit seiner Ehefrau zurück auf seine Amtszeit. Auch im Netz ist das halbstündige Video zu sehen.

    Mehr erfahren
  • Datum: 06.05.2022

    „Auch Glocken sind Kirchenmusik“

    Glocken faszinierten Claus Huber, Jahrgang 1957, schon als Kind. Als er Glockensachverständiger der Landeskirche wurde, dachte er, nun werde er für ein Hobby bezahlt. Nach rund 30 Jahren geht er in den Ruhestand. Für seine Nachfolge gibt es noch keine Bewerber.

    Mehr erfahren
  • Datum: 05.05.2022

    Forum: Die digitale Gemeinde

    Wie bereichert Digitalisierung die Arbeit und das Leben der Gemeinden? Darum ging es am 5. Mai im Forum Digitalisierung - unter anderem mit Anna-Nicole Heinrich und Heinrich Bedford-Strohm und in Zusammenarbeit mit den Landeskirchen in Baden und Bayern.

    Mehr erfahren
  • Datum: 04.05.2022

    Was die Landeskirche für Kinder tut

    Kitas, Schulen, Kinderkirche, Jungscharen und vieles mehr: In evangelischen Einrichtungen begegnen Kinder Menschen, die mit ihnen über die großen Fragen des Lebens und über Gott sprechen. Das stärkt Kinder fürs Leben, und sie lernen, Verantwortung zu übernehmen.

    Mehr erfahren
Mehr laden