Studie: „Digitaler Kirchgang“ stark gefragt

Chance auch für Weihnachtsgottesdienste – Rund 5.000 Befragte

Köln/Stuttgart.Teilnehmende von Online-Gottesdiensten wünschen sich eine Fortführung der digitalen Angebote über Corona hinaus - auch nach Ende des Lockdowns wollen vor allem mittlere Altersgruppen weiterhin den „digitalen Kirchgang“ praktizieren. Dies hat eine Studie im Auftrag mehrerer Landeskirchen mit knapp 5.000 Befragten ergeben. Der Studienleiter und Kirchenvertreter sehen darin auch eine Chance für die bevorstehenden Weihnachtsgottesdienste unter Corona-Bedingungen.

Die große Mehrheit der Online-Gottesdienstbesuchenden möchte auf diese Form des Gottesdienstes nicht mehr verzichten. So hatten 75 Prozent aller Befragten auch nach Ende des Lockdowns weiterhin an digitalen Gottesdiensten teilgenommen. Eine besonders hohe Zustimmung findet diese Gottesdienstform in der Altersgruppe der 41- bis 60-Jährigen. Viele Teilnehmende an Online-Gottesdiensten nutzten dieses Angebot intensiv und regelmäßig: Mehr als 80 Prozent der Befragten hatten mindestens vier Online-Gottesdienste besucht, 38 Prozent waren mindestens zehn Mal dabei. Dabei hatten 67 Prozent der Befragten vor Corona keine Erfahrung mit digitalen Gottesdiensten: Nur drei Prozent nahmen schon vorher regelmäßig an Online-Gottesdiensten teil.

„Die Studie zeigt deutlich, dass die Online-Kommunikation auch im gottesdienstlichen Kernbereich der Kirchen nach Corona nicht mehr wegzudenken ist“, sagte Digitalisierungs-Experte Prof. Dr. Holger Sievert von der Hochschule Macromedia (Köln), wissenschaftlicher Begleiter der Studie. Besonders erfreulich im Sinne digitaler Teilhabe sei, dass diese Entwicklung auch für höhere Altersgruppen gelte. „Daraus ergibt sich die Frage, was diese Momentaufnahme für das Verhältnis von Online- und Präsenzangeboten bedeutet und wie dieses Miteinander in Zukunft weiterentwickelt werden soll“, erklärte Sievert.

Der württembergische Theologie-Dezernent, Oberkirchenrat Prof. Dr. Ulrich Heckel, kündigte an: „In Württemberg werden wir an der Qualität von Streaming-Gottesdiensten und Online-Angeboten weiterarbeiten. Wir werden uns Gedanken machen zu Formen der Partizipation, wie Teilnehmende aktiv in die Gottesdienstgestaltung einbezogen werden können.“ Zudem werde die Frage weiter diskutiert, welche Bedeutung die Gemeinschaft in Online-Gottesdiensten habe, „insbesondere die Dimension der leiblichen Gemeinschaft mit Christus und untereinander bei Abendmahlsfeiern“.

Die meisten Teilnehmenden (60,5%) schauen die digitalen Gottesdienste allein. Während sich knapp ein Viertel der Teilnehmenden im Gottesdienst aktiv einbringen konnte (z. B. durch Fürbitten, über einen YouTube-Chat oder per E-Mail), erlebten knapp zwei Drittel der Teilnehmenden während des Gottesdienstes keine Interaktion. Insgesamt fühlten sich die meisten im Online-Gottesdienst wohl: Viele beschreiben die Atmosphäre vor allem als freundlich (17%), ermutigend (14%), einladend (13%), herzlich (10%) und lebensnah (9%). Nur sehr wenige erlebten eine distanzierte oder gar kühle Atmosphäre. Als Hauptinformationsquelle gab ein Drittel der Befragten das Pfarramt der eigenen Gemeinde an, gefolgt von Social Media (17%).

Für die Zukunft wünschen sich die Befragten zu 83 Prozent regelmäßige Online-Gottesdienste auch dann, wenn Präsenz-Veranstaltungen wieder in vollem Umfang möglich sind. Die Gottesdienste sollten unter 45 Minuten lang sein und eine Mischung aus moderner und klassischer Musik enthalten. Zwar präferieren 40 Prozent der Teilnehmenden eine Live-Ausstrahlung gegenüber einer Aufzeichnung, aber die große Mehrheit von knapp 80 Prozent ist auch mit einem aufgezeichneten Online-Gottesdienst zufrieden. Bei der Frage nach dem passenden Raum wünscht sich mehr als die Hälfte der Befragten einen „sakralen Kirchraum“. 38 Prozent der Befragten wünschen sich, interaktiv am Gottesdienst beteiligt zu werden, während knapp die Hälfte der Befragten mit einer reinen Übertragung zufrieden sind.

An der von den Landeskirchen Baden und Württemberg initiierten Online-Befragung, der sich die Landeskirchen Hannover, Hessen und Nassau sowie die Kirche im Rheinland anschlossen, beteiligten sich im Juni und Juli 2020 insgesamt 4.767 Menschen. Die Studie unter dem Titel „Rezipiententypologie evangelischer Online-Gottesdienstbesucherinnen und -besucher während und nach der Corona-Krise“ wurde gefördert durch den Digitalinnovationsfonds der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). 

Teilnehmende aus städtischen Regionen (50,5%) und aus ländlichen Regionen (46,9%) waren ausgewogen vertreten. Mit 61,9 Prozent nahmen mehr Frauen an der Befragung teil als Männer (37,7%). Rund 60 Prozent sind zwischen 31 und 60 Jahre alt, wobei die 51- bis 60-Jährigen mit 31,1 Prozent die stärkste Gruppe darstellen, gefolgt von den 41- bis 50-Jährigen (18,4%).

 

Oliver Hoesch                                                 
Sprecher der Landeskirche       

 

Hinweis: Die Pressemitteilung wird zeitgleich von mehreren Landeskirchen verschickt. Wir bitten, Mehrfachsendungen zu entschuldigen. Eine Zusammenfassung der Studie und ein Foto von Oberkirchenrat Prof. Dr. Ulrich Heckel finden Sie auf unserer Homepage im Pressebereich.