Zukunft und nachhaltige Nutzung kirchlicher Gebäude im kommunalen Leben

Mit einer frühzeitigen Zusammenarbeit zwischen evangelischen und katholischen Kirchengemeinden sowie den Kommunen sollen gemeinsam attraktive Lösungen entwickelt und realisiert werden.

In der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und in der katholischen Diözese Rottenburg-Stuttgart wächst das Bewusstsein, dass langfristig nicht alle Immobilien erhalten werden können. Ihr dauerhafter Erhalt und eine energetische Sanierung wären nicht wirtschaftlich. Zudem werden künftig nicht mehr alle Gebäude gebraucht. Die laufenden Immobilienprozesse „OIKOS“ der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und „Räume für eine Kirche der Zukunft“ der Diözese Rottenburg-Stuttgart bieten den Menschen in den Regionen vor Ort die Chance auf eine zukunftsorientierte und nachhaltige Nutzung kirchlicher Räume. Acht Regionaltreffen sollen ab Freitag, 23. Oktober, die Vernetzung zwischen kirchlichen und kommunalen Akteuren stärken, um gemeinsam attraktive Lösungen zu entwickeln und zu realisieren. Im Interview sprechen Ute Lachenauer, Architektin und Fachberaterin im Bereich OIKOS und Diözesanbaumeister Dr. Thomas Schwieren über die Immobilienprozesse der Kirchen. 

Dr. Thomas Schwieren und Ute Lachenauer sind federführend an den laufenden Immobilienprozessen ihrer Kirchen beteiligt. Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Lea-Theresa Berg
Dr. Thomas Schwieren und Ute Lachenauer sind federführend an den laufenden Immobilienprozessen ihrer Kirchen beteiligt. Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Lea-Theresa Berg

Inwiefern können die laufenden Immobilienprozesse der Kirchen den Menschen vor Ort eine Chance auf eine zukunftsorientierte und nachhaltige Nutzung kirchlicher Räume bieten?  

Ute Lachenauer: Die Immobilienprozesse können den Haupt- und Ehrenamtlichen in den Kirchengemeinden aufzeigen, wo sie Handlungsmöglichkeiten haben, die es ermöglichen, kirchliches Leben und die Präsenz vor Ort gemeinsam sicherzustellen. 

Warum bieten sich gemeinsame Lösungen und eine Zusammenarbeit von evangelischen und katholischen Kirchengemeinden sowie der Kommunen an? 

Dr. Thomas Schwieren: Die Kirchengemeinden beider Konfessionen und die Kommunen sind natürliche Partner, die ähnliche Ziele verfolgen.  

Über welche Strukturen sprechen wir hier? Eigentümer, Nutzer, Trägerschaftsmodelle, Kooperationsvereinbarungen? 

Dr. Thomas Schwieren: Alle die genannten Strukturen sind möglich. Auch weitere Vorschläge können eingebracht werden und wir prüfen, was umsetzbar ist. 

Wie lassen sich Gebäude gemeinsam und nachhaltig nutzen, Ressourcen bündeln und Synergien schaffen? 

Ute Lachenauer: Eine gemeinsame Nutzung schafft höhere Auslastung. Eine intensive Gebäudenutzung rechtfertigt höhere Investitionen in attraktive Räume und energetisch optimierte Gebäude.  

Welche Vorteile bietet eine Vernetzung zwischen den kirchlichen und den kommunalen Akteuren? 

Ute Lachenauer: Die Vernetzung ermöglicht das frühzeitige Sondieren von städtebaulichen Möglichkeiten. Die Kommunen können Entwicklungspotenzial heben und die Partner können sich gemeinsam gut für die Zukunft aufstellen. 

Wie möchten Sie die Bedarfe der Akteure so abgleichen, dass es eine Win-win-Situation für alle wird? 

Dr. Thomas Schwieren: Eine frühe Information und Einbindung aller Beteiligten, transparente Kommunikation und Offenheit für ein breites Lösungsspektrum – auf diese Weise soll das bestmögliche für den jeweiligen Ort erreicht werden. 

An welche gemeinsamen attraktiven Lösungen für alle denken Sie dabei? 

Dr. Thomas Schwieren: Wir denken an Dorfgemeinschaftshäuser, gemeinsam genutzte Gemeindehäuser, gemeinsam genutzte Pfarrbüros – eventuell auch in kommunalen Gebäuden – und an die Sicherung von konfessioneller Kindergartenarbeit. 

Welche Vorteile bietet dabei ein direkter Erfahrungsaustausch mit Fachleuten aus den Kirchenverwaltungen?  

Ute Lachenauer: Der direkte Erfahrungsaustausch bietet fundierte Beratung zum Prozessablauf, Vorgehensweise und Verwaltungsschritten. Wir sehen darin ein Angebot, die Kirchengemeinden bei den Herausforderungen bei Kooperationsprojekten zu unterstützen, und möchten durch die enge Begleitung in Planungs- und Genehmigungsprozessen Verzögerungen minimieren. 

Gibt es schon konkrete Ansätze für Kooperationen im Gebäudebereich?  

Dr. Thomas Schwieren: Beispiele sind der Neubau des ökumenischen Gemeindehauses Bavendorf, das Johannesforum in Wendlingen mit der Kooperation zwischen Kirchengemeinde und diakonischem Träger, das Simultaneum in Biberach oder auch einfach die Mitnutzung von evangelischer Kirche und Gemeindehaus durch die katholischen Kirchengemeinden in Gechingen und Simmozheim. 

Haben Sie bereits Ideen, wie Sie gemeinsam die Präsenz kirchlichen Lebens sowie gemeinwohlorientierte Angebote kommunal und langfristig sichern wollen? 

Ute Lachenauer: Die Präsenz kirchlichen Lebens und gemeinwohlorientierte Angebote können gesichert werden, indem wir Kräfte bündeln, Veraltetes und Überkommenes lassen. Dadurch können Ressourcen frei werden, um ein kirchliches Leben der Zukunft zu gestalten und unseren zusammen noch über drei Millionen Mitgliedern ein gutes kirchliches Angebot zu bieten. 

Was erwarten Sie von den Ökumenischen Regionentreffen im Oktober und November?  

Dr. Thomas Schwieren: Wir möchten lose Enden zusammenführen und Klarheit schaffen zu kirchlichem Verwaltungshandeln, den Blick weiten für die möglichst beste Lösung vor Ort und gegenseitiges Voneinander-Wissen und Voneinander-Lernen fördern. 

Dabei sind auch Workshops geplant. Was soll dabei erarbeitet werden? 

Ute Lachenauer: Die Teilnehmenden sollen in den Workshops Informationen und Inspiration erhalten. Hinterher soll klarer sein, welche Schritte mit den Kirchenverwaltungen zu gehen sind. Die individuellen Fragen der Teilnehmenden können im Gegenzug auch die Beteiligten aus den Kirchenverwaltungen in der weiteren ökumenischen Zusammenarbeit weiterbringen. 

Mit welchem Ergebnis wären Sie zufrieden? Wie geht es dann weiter? 

Dr. Thomas Schwieren: Bereits existierende Ansätze von Kooperationen sollen gestärkt, weiterverfolgt und beschleunigt werden. 

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