28.02.2026

„Der Umgang mit der religiösen Indifferenz stellt die größte Herausforderung dar“

Konstituierende Sitzung der Landessynode mit Friedensgebet zu Ende gegangen 

Die im Dezember neu gewählte 17. Württembergische Evangelische Landessynode hat am 28. Februar ihre Konstituierende Sitzung abgehalten. Die Legislaturperiode dauert sechs Jahre. Die Synodalen entschieden bei der Tagung im Evangelischen Bildungszentrum Hospitalhof Stuttgart unter anderem über die Synodalpräsidentschaft sowie über die Einrichtung und Besetzung ihrer Geschäftsausschüsse. Zur Präsidentin wurde Sabine Foth gewählt, die dieses Amt auch schon in der 16. Landessynode innehatte. 

17. Landessynode Konstituierende Sitzung 2026

Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl predigte im Eröffnungsgottesdienst der Tagung über 2. Korinther 6,1-10 und erinnerte daran, dass die Gemeinde in Korinth „ausgesprochen heterogen“ und unübersichtlich gewesen sei. Einzelne Gruppierungen hätten sich abgegrenzt, “unfähig zum Miteinander, dann haben sie Christus vergessen.“ Dabei seien unterschiedliche Frömmigkeitstradition und Glaubenserfahrungen und eine Gemeinde, die sich auf Christus gründe und in Christus ihre Einheit behalte, auch “die große Stärke einer Volkskirche“. 

Mit Blick auf die kommenden sechs Jahre der 17. Landessynode betonte Gohl, eine der großen Herausforderungen werde „der Umgang mit der religiösen Indifferenz“ sein. Man habe es nicht „mehr mit einem feurigen Atheismus zu tun, sondern einer Gleichgültigkeit und dem Gefühl, dass nichts im Leben fehlt, wenn Gott fehlt.“ 

Zudem hörten die Mitglieder der Synode mehrere Grußworte, unter anderem von Ministerpräsident Winfried Kretschmann. 

Winfried Kretschmann betonte in seinem Grußwort mit Blick auf die Gesellschaft: „Wir brauchen Kirchen, die die Gesellschaft in unseren Zeiten des Umbruchs begleiten, mit tiefgründigen Impulsen, die einen klaren Wertekompass mit Lebensklugheit und konstruktiver Kritik verbinden. Mit ihrer anwaltlichen Stimme für Freiheit und Demokratie, für Gleichheit, für Rechte, für Toleranz und Frieden. Und mit einer Haltung, die Respekt, Resonanz und Vertrauen nicht nur predigt, sondern selbst lebt.“ Hier lesen Sie mehr über Winfried Kretschmanns Grußwort

Bischof Dr. Klaus Krämer (Diözese Rottenburg-Stuttgart) berichtete in seinem Grußwort von den Entwicklungen der Synodalität in der Römisch-Katholischen Kirche sowohl auf der Ebene der Weltkirche als auch auf der Ebene der Katholischen Kirche in Deutschland. Krämer sagte, beim Thema Synodalität seien die Ostkirchen, „aber auch die aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen für uns immer wieder ein Ansporn.“ „Synode auf Evangelisch und Synode auf Katholisch“ würden „unterschiedlich buchstabiert“, gemeinsam sei aber „das Anliegen, dass die Repräsentanz aller Gruppen und Gruppierungen unserer jeweiligen Kirche bei der Besetzung und der Beschlussfassung der wichtigen Themen unverzichtbar ist.“  

Karl Kreß, Vizepräsident der badischen Landessynode, sprach in seinem Grußwort über den vermeintlichen Rückgang der Bedeutung von Kirche: „Wenn ich die Presse lese, wenn ich die Kirchenaustritte sehe, scheint es so, als hätte Kirche keine Bedeutung mehr.“ Aber genau das Gegenteil sei der Fall: „Je chaotischer die Welt um uns herum wird, umso mehr braucht die Welt ein festes Fundament. Deshalb bin ich froh, heute bei Ihnen sein zu dürfen. Hier treffen sich Menschen, die wissen, dass der Herr der Kirche Jesus Christus ist und die deshalb im Vertrauen auf ihn ihr verantwortungsvolles Amt ausüben wollen.“ Kreß zitierte Odo Marquard: „Gerade in einer Welt mit hoher Innovationsgeschwindigkeit sind alte Lebensformen am wenigsten veraltungsanfällig, weil sie schon alt sind. Je schneller das Neueste zum Alten wird, desto schneller kann Altes wieder zum Neuesten werden; jeder weiß das, der nur ein wenig länger schon lebt.“  

Deshalb, so Kreß, sei der Königsweg, „mit Augenmaß aber eben auch im Vertrauen in die Zukunft zu gehen“. 2000 Jahre Christentum mit ihren vielen Aufs und Abs könnten uns da Lehrer sein. „Und ja, ich vertraue darauf, dass Jesus seine Kirche nicht hängen lässt, sondern dass es einen Ruck durch die europäische Christenheit geben wird.“  

Pfarrer Dr. Haroutune Selimian,  Oberhaupt der Armenisch-Protestantischen Kirche in Syrien (Aleppo), wies darauf hin, dass die Synodaltagung am Vorabend des Reminiszere-Sonntags stattfinde, „an dem Kirchen in der gesamten EKD für die Menschen in Syrien und für die Christen in unserem Land beten“. Selimian sagte, seine Kirche sei dankbar für die enge Zusammenarbeit mit dem Gustav-Adolf-Werk (GAW). Diese Partnerschaft sei „für uns sehr wichtig und bleibt ein konkreter und treuer Ausdruck christlicher Solidarität, der unsere Kirchen und Dienste in einer Zeit großer Verletzlichkeit stärkt.“   

Die Lage in Syrien sei instabil. Für Christen aller Konfessionen seien die Herausforderungen sowohl materieller als auch pastoraler Natur. „Wir möchten Familien begleiten, die Schwächsten unterstützen und eine sichtbare christliche Präsenz bewahren, die der Gesellschaft dient und mit Verantwortung und Hoffnung Zeugnis für Christus ablegt“, so Selimian, „In Aleppo sind unsere Kirchen weiterhin aktive Orte der Gottesverehrung, der Gemeinschaft und der Seelsorge. Unsere Bildungseinrichtungen, darunter unsere armenisch-evangelische Sekundarschule, setzen ihre Mission unter schwierigen Bedingungen fort.“ Bildung bleibe ein zentraler Bestandteil „des Engagements für die Zukunft unserer Gesellschaft“.   

Isabelle Gerber, Präsidentin der Union des Églises protestantes d’Alsace et de Lorraine, wies in ihrem Video-Grußwort darauf hin, dass beide Kirchen mit denselben Herausforderungen zu tun hätten. Auch ihre Kirche müsse Gelder kürzen und Prioritäten setzen und habe sich für die Schwerpunkte Evangelisation, Jugend und Demokratie entschieden.  

Beim Abschluss der Synodaltagung sprach Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl aus Anlass des aktuellen Kriegs im Nahen Osten ein Friedensgebet, das Sie hier finden. 

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