Das Hospiz der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Esslingen bietet für Angehörige pflegebedürftiger Menschen Kurse in sogenannter Letzter Hilfe an. Worum es dabei konkret geht, erklären hier im Interview Susanne Kränzle, Gesamtleitung Hospiz Esslingen, und Katrin Fritz, Kursleiterin.


Was bewegt Menschen dazu, an einem Letzte Hilfe Kurs teilzunehmen?
Susanne Kränzle und Katrin Fritz: Menschen besuchen einen Letzte-Hilfe-Kurs, weil sie sich auf den Umgang mit schwer kranken oder sterbenden Angehörigen vorbereiten möchten. Sie wollen Unsicherheiten abbauen, praktische Handgriffe erlernen und wissen, wie sie emotional und organisatorisch unterstützen können. Ziel ist es, Ängste vor Sterben und Tod zu verringern, Sicherheit im Handeln zu gewinnen und die eigene Rolle in einer oft belastenden Situation besser zu verstehen. Viele Teilnehmende berichten, dass ihnen das erworbene Wissen dabei hilft, gelassener und einfühlsamer zu reagieren, wenn der Ernstfall eintritt. Manche besuchen den Kurs auch, nachdem ein Angehöriger verstorben ist, und erkennen dabei, dass sie in dieser herausfordernden Zeit vieles richtiggemacht und intuitiv fürsorglich gehandelt haben. Eine Bestätigung, die Trost und Sicherheit gibt. Darüber hinaus nutzen Menschen den Kurs auch, um sich dem Themen Sterben, Tod und Trauer zu nähern, oft aus reinem Interesse und weil diese Themen im Alltag selten offen besprochen werden.
Sind die Fragen und Anforderungen der Teilnehmenden sehr individuell, oder gibt es große Überschneidungen?
Susanne Kränzle und Katrin Fritz: Die Fragen und Anforderungen der Teilnehmenden sind teilweise individuell, aber es gibt deutliche Überschneidungen. Viele möchten Grundwissen über Sterben, Tod und praktische Unterstützung erlangen, z. B. wie man Schmerzen lindert, mit Sterbenden spricht oder Angehörige entlastet. Daneben bringen Teilnehmende individuelle Anliegen ein, etwa spezielle Krankheitsbilder wie z.B. onkologische Erkrankungen oder Alterserkrankungen wie die Demenz, ebenso geht es um kulturelle oder familiäre Besonderheiten oder persönliche Ängste. Der Kurs bietet ihnen Raum, diese Themen zu besprechen, praktische Hilfen zu erhalten und Sicherheit im Umgang mit belastenden Situationen zu gewinnen. Insgesamt lässt sich sagen, dass ein großer Teil der Fragen ähnlich gelagert ist, während einzelne Teilnehmende spezifische, persönliche Themen aus ihren individuellen Situationen einbringen.

Welches Feedback bekommen Sie von Teilnehmenden?
Susanne Kränzle und Katrin Fritz: Teilnehmende berichten, dass sie sich nach dem Kurs sicherer und besser vorbereitet fühlen, wenn es um den Umgang mit schwer kranken oder sterbenden Menschen geht. Besonders geschätzt werden die praxisnahen und einfachen Anleitungen, klare Informationen und die Möglichkeit, über persönliche Ängste und Unsicherheiten zu sprechen. Viele heben hervor, dass der Kurs Ängste abbaut, Selbstvertrauen stärkt und ihnen hilft, empathisch und handlungsfähig in belastenden Situationen zu reagieren. Gleichzeitig ermöglicht der Kurs den Teilnehmenden, die erhaltenen Informationen, etwa, wo man Hilfe und Unterstützung bekommen kann, an andere Mitmenschen weiterzugeben. Weil wir immer einen Feedbackbogen zum Ausfüllen verteilen, wissen wir sehr genau, was die Kurse für die Menschen bedeuten, und das ist sehr schön.
Wie kam es zur Einrichtung dieser Kurse?
Susanne Kränzle und Katrin Fritz: Die Letzte-Hilfe-Kurse wurden von Dr. med. Georg Bollig, Palliativmediziner aus Schleswig, entwickelt, um Menschen den Umgang mit Sterbenden näherzubringen und das Thema Tod in der Gesellschaft zu enttabuisieren. Die Kurse vermitteln praxisnahes Wissen und Handgriffe, helfen Ängste abzubauen, Sicherheit im Handeln zu gewinnen und Sterbende würdevoll zu begleiten.
Das Hospiz Esslingen mit seinem Fortbildungsbereich bietet diese Kurse regelmäßig an, nachdem drei Mitarbeiterinnen speziell dafür geschult wurden. Die Letzte-Hilfe-Kurse sind sehr gefragt, was den Bedarf an Informationen zeigt.
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