Landesbischof Gohl: Regierung muss Aufnahmezusagen für afghanische Ortskräfte einhalten

„Ohne Vertrauen kann keine Gemeinschaft existieren. Deshalb muss man sich auf Zusagen verlassen können.“

Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl hat in einem Interview mit der Südwest Presse dazu aufgerufen, die Aufnahmezusagen für afghanische Ortskräfte einzuhalten. Er würdigte zugleich die Initiative des Ulmer Gemeinderats, zwei afghanische Familien aufnehmen zu wollen, als wichtiges Signal in der häufig emotional geführten Migrationsdebatte. 

Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl

Wer Menschen im Ungewissen lasse, denen schriftlich Schutz versprochen wurde, sende ein verheerendes Signal aus, sagte Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl im Interview. Für die Menschen, die in Afghanistan die Bundeswehr und deutsche Institutionen unterstützt und sich für demokratische Werte engagiert hatten, komme die Rücknahme der Aufnahmezusagen unter Verweis auf langwierige Sicherheitsprüfungen einem unwürdigen Spiel auf Zeit gleich. „Ohne Vertrauen kann keine Gemeinschaft existieren. Deshalb muss man sich auf Zusagen verlassen können.“ Verlässlichkeit sei ein zentraler Wert, für den Deutschland einstehen müsse. Als Landesbischof sehe er seine Aufgabe darin, die Regierung daran zu erinnern, dass Nächstenliebe nicht an Landesgrenzen aufhöre.  

Zugleich warb Gohl für eine sachliche und differenzierte Auseinandersetzung über Migration. „Wir sind in der Migrationsdebatte häufig emotionsgeleitet. Davon profitiert nur die autoritäre Rechte. Sie hat kein Interesse daran, dass sich die Debatte versachlicht.“ Er wertete den Vorstoß des Ulmer Gemeinderats, zwei afghanische Familien aufzunehmen, als wichtiges Zeichen in einer Zeit, in der Geflüchtete häufig pauschal abgeurteilt würden. Er wisse gleichzeitig um die Herausforderungen, vor denen Kommunen bei der Unterbringung und Integration von Geflüchteten stünden. Wenn diesem Beispiel noch andere Städte folgen würden, wäre das ein starkes Zeichen gegen die „Hassrede von rechts“, so der Landesbischof. Die führe nur zu Wut und Hass und sei „das Letzte, was wir in unserer freien Demokratie brauchen.“ 

Die Kirchen unterstützen die Integration von Geflüchteten seit vielen Jahren, etwa durch die Arbeit von Kirchengemeinden, Diakonie, Caritas und ehrenamtlich Engagierten. Für Gohl gehört dazu auch die Erinnerung an den christlichen Auftrag, Menschen in Not beizustehen: „Nächstenliebe hört nicht an Landesgrenzen auf.“ 

 

 

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