Gratulation zum jüdischen Neujahrsfest: Die vier christlichen Kirchen in Baden-Württemberg hoffen auf Frieden

Die vier großen Kirchen in Baden-Württemberg gratulieren den beiden Israelitischen Religionsgemeinschaften in Baden-Württemberg und damit allen jüdischen Gemeinden herzlich zum jüdischen Neujahrsfest Rosch ha-Schana. Landesbischöfin Prof. Dr. Heike Springhart, Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl, Bischof Dr. Klaus Krämer und Erzbischof Stephan Burger hoffen, dass im neuen jüdischen Jahr Wege für Frieden und Freiheit gefunden werden. Gemeinsam werde man sich auch im neuen Jahr für ein respektvolles, friedliches Miteinander einsetzen, erklären sie in einem Schreiben an die Spitzenvertreter der jüdischen Gemeinden. 

Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl
Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl

Das Neujahrsfest beginnt in diesem Jahr am Vorabend des 12. September und wird bis zum 13. gefeiert – der Übergang ins neue jüdische Jahr 5787. Erinnert wird an die Schöpfung der Welt. „Möge dieses Fest die Hoffnung bringen, dass Menschlichkeit und Sorge für- und umeinander wieder unser Zusammenleben prägen, wo in den letzten Jahren immer mehr Misstrauen, Angst, egoistische Sorge und sogar Hass aufgetreten sind“, schreiben die Bischöfe und die Bischöfin in Ergänzung zu den herzlichen Glück- und Segenswünschen für das neue jüdische Jahr. 

Zurückliegend habe aufgrund des Kriegs mit dem Iran die Sorge um die Sicherheit von Familien und Freunden bei der jüdischen wie christlichen Bevölkerung Israels im Zentrum gestanden. Auch in Deutschland verbesserte sich die Situation der jüdischen Gemeinschaft zuletzt nicht, sondern verschlechterte sich noch, so die Bewertung der christlichen Kirchenvertreter. „Immerhin gab es im letzten Jahr viele kleine Momente der Freude und der relativen Normalität.“ Dazu gehörte die sehr gelungene Jewrovision in Stuttgart, Europas größter jüdischer Gesangs- und Tanzwettbewerb mit mehr als 1200 Jugendlichen aus ganz Deutschland. „Wir wünschen insbesondere den jungen Jüdinnen und Juden in Baden-Württemberg viel Rückenwind aus dieser Erfahrung und stehen zu unserem Wort, gerade die jungen jüdischen Menschen so gut wie möglich in ihrem Einsatz für ein normales Leben zu unterstützen.“ 

Im Folgenden finden Sie den Volltext des Grußes im Wortlaut:

Grüße zum neuen jüdischen Jahr 5787        

Sehr geehrte, liebe Frau Professorin Traub, sehr geehrte, liebe Herren Suliman, Kashi und Rubinstein, sehr geehrter, lieber Herr Landesrabbiner, sehr geehrte, liebe Rabbiner und Kantoren, sehr geehrte, liebe Vorsitzende in den jüdischen Gemeinden, liebe Jüdinnen und Juden in Baden-Württemberg,

am Vorabend des 12. Septembers feiern Sie in diesem bürgerlichen Jahr den Übergang ins neue jüdische Jahr 5787. Persönlich und im Namen der Mitglieder aller vier Kirchen unseres Bundeslandes wünschen wir Ihnen allen Schana towa umetukah – ein gutes und süßes neues Jahr! 

Auch in diesem Jahr begleiten unsere guten Gedanken und Gebete Sie am Übergang zum neuen Jahr und während der zehn Tage der Umkehr bis zum Fest Jom Kippur: Leschana towa tikatewu– mögt Ihr eingeschrieben werden ins Buch des Lebens für ein gutes Jahr!

Das neue Jahr ist ein Schaltjahr und zeugt damit von der engen Verbindung, die unser religiöses Leben an unsere Umwelt hat. Im zurückliegenden Jahr ist dies leider allzu oft in aller Deutlichkeit zu Tage getreten: Während Pessach und Ostern damals zusammenfielen, war es der jüdischen wie christlichen Bevölkerung Israels aufgrund des Kriegs mit Iran nicht möglich, diese Feste der Freiheit auch in äußerlicher Freiheit zu feiern. Stattdessen stand die Sorge um die Sicherheit von Familien, von Freundinnen und Freunden im Zentrum.

Auch hier in Deutschland hat sich die Situation der jüdischen Gemeinschaft zum neuen Jahr nicht verbessert, sondern über die Jahre hinweg gesehen sogar noch verschlechtert. Immerhin gab es im letzten Jahr viele kleine Momente der Freude und der relativen Normalität. Dazu gehörte die sehr gelungene Jewrovision in Stuttgart, die nicht nur die Gastfreundschaft des Judentums in Württemberg hervorgehoben, sondern auch einen badischen Sieger hervorgebracht hatte. Wir wünschen insbesondere den jungen Jüdinnen und Juden in Baden-Württemberg viel Rückenwind aus dieser Erfahrung und stehen zu unserem Wort, gerade die jungen jüdischen Menschen so gut wie möglich in ihrem Einsatz für ein normales Leben zu unterstützen.

Am ersten Tag von Rosch ha Schana gibt es bei Ihnen den Brauch, in Anlehnung an Psalm 118 zu beten: „Aus der Bedrängnis rief ich Gott an. Gott antwortete mir und befreite mich. Der Ewige ist mit mir, ich werde mich nicht fürchten.“ Wir werden dann mit Ihnen in dieses Gebet einstimmen und um die Erlösung der Welt bitten, die der Ewige in sieben Tagen vollendet hat, während wir Menschen es seither immer wieder vollbringen, gegen die Gebote der göttlichen Schöpfung und Ordnung zu verstoßen. Wir wünschen Ihnen und uns allen, der ganzen Welt, dass „heraus aus Finsternis und dem Schatten des Todes“ alle Menschen aus Not und Finsternis, insbesondere den inneren Bedrängnissen, befreit werden – denn „Er zerbrach ihre Ketten“ (Ps 107). So möge dieses Fest die Hoffnung bringen, dass Menschlichkeit und Sorge für- und umeinander wieder unser Zusammenleben prägen, wo in den letzten Jahren immer mehr Misstrauen, Angst, egoistische Sorge und sogar Hass aufgetreten sind. 

Mögen sich im neuen jüdischen Jahr Wege für Frieden und Freiheit finden, damit Einschüchterung und Rechtlosigkeit nicht die Oberhand behalten. Rein weltlich scheinen es aussichtlose Wünsche. Wir dürfen uns allerdings verbunden wissen in der Hoffnung auf die rettende Hand des Ewigen, der uns zu neuem Leben befreit. Möge Er, mit unserem Zutun, die Welt verbessern. Möge Er Ihnen und uns allen Freude in der menschlichen Gemeinschaft schenken! 

Gemeinsam werden wir uns auch im neuen Jahr für diese Gesellschaft und ein respektvolles, friedliches Miteinander einsetzen. Wir danken Ihnen für das gemeinsame Wirken und wünschen Ihnen allen ein hoffnungsfrohes Jahr 5787!

Die Landeskirche in den sozialen Netzwerken

Instagram @elkwue - Newskanal der Landeskirche

Externer redaktioneller Inhalt

Hier wird Ihnen ein externer redaktioneller Inhalt bereitgestellt. Sofern Sie sich diesen anzeigen lassen, kann es sein, dass Daten von Ihnen an den Anbieter des externen Inhaltes gesendet werden.

Hinweis für Kirchengemeinden

Kirchengemeinden sind herzlich eingeladen, Texte wie diesen von www.elk-wue.de in ihren eigenen Publikationen zu verwenden, zum Beispiel in Gemeindebriefen. Sollten Sie dabei auch die zugehörigen Bilder nutzen wollen, bitten wir Sie, per Mail an kontaktdontospamme@gowaway.elk-wue.de nachzufragen, ob die Nutzungsrechte für den jeweiligen Zweck vorliegen. Gerne können Sie alle Bilder nutzen, die Sie im Pressebereich unserer Webseite finden. Sie möchten in Ihrem Schaukasten auf unsere Webseite verlinken? Hier erfahren Sie, wie Sie dafür einen QR-Code erstellen können. 

Weitere Texte, Grafiken und Vorlagen für Ihre Kanäle finden Sie auf unserer Materialseite.

Weitere Meldungen, die Sie interessieren könnten

Bosnienreise: Dialog zwischen den Religionen

Der Islambeauftragte Pfarrer Dr. Friedmann Eißler hat auf einer Studienreise Bosnien und Herzegowina besucht. Thema war das Zusammenleben von Juden, Christen und Muslimen. Eindrücke gibt es auf unserem Instagram-Kanal (Anmeldung ist nicht nötig).

Weiterlesen

„Kein Raum für Überheblichkeiten“

Landesbischof Gohl hat Pfingsten in Öhringen mitgefeiert und dort auch gepredigt. Dabei wies er auf den Wert der Vielfalt der Gaben und Glaubensstile hin, mit der sich schon die junge Kirche auseinandersetzen musste. Hier finden Sie Sie die Predigt im Wortlaut.

Weiterlesen

Tag der weltweiten Kirche in Stuttgart

„Leben aus der Hoffnung“ – so das Motto des Tags der weltweiten Kirche, den über 20 internationale Gemeinden aus Württemberg am Pfingstmontag als buntes Fest der Begegnung in Stuttgart feiern. Beim Gottesdienst in der Stiftskirche predigt Landesbischof Gohl über Hoffnung.

Weiterlesen

V.l. Prof. Dr. Jürgen Kampmann, Mitglied der Landessynode, Evangelisch-Theologische Fakultät der Eberhard Karls Universität Tübingen; Dr. Hariolf Teufel, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Göppingen; Nicole Razavi, Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen des Landes Baden-Württemberg; Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl; Akademiedirektor Prof. Dr. Jörg Hübner; Prof. Dr. Angelika Zahrnt, Ehrenvorsitzende des BUND; Dr. Rolf Bulander, Vorsitzenden Akademiekuratorium; Oberkirchenrat Prof. Dr. Ulrich Heckel, Leiter des theologischen Dezernats der württ. Landeskirche; Dr. Udo Hahn, Direktor der Evangelische Akademie Tutzing

Jörg Hübner als Akademie-Direktor verabschiedet

Die Evangelische Akademie Bad Boll hat ihren Akademiedirektor Prof. Dr. Jörg Hübner nach zehnjähriger Dienstzeit mit einem Festakt im Beisein langjähriger Wegbegleiterinnen und Gesprächspartner verabschiedet.

Weiterlesen

„Der Tod verliert seine Dunkelheit“

Berufung – was ist das? Wie fühlt sich das an? Wir gehen diesen Fragen in einer Reihe nach. Teil 2: Franziska Albrecht arbeitet als Palliativpflegerin im Hospiz Backnang. Hier spricht sie über ihre Berufung zur Arbeit mit Menschen, die dem Tod entgegengehen.

Weiterlesen

Quartiersarbeit bringt Menschen zusammen

Wenn das Zusammenleben stimmt, gibt es weniger soziale Spannungen. Kirche und Diakonie setzen sich deshalb für mehr Zusammenhalt in Stadtteilen ein. Sie machen Angebote, bei denen sich die Bewohnerinnen und Bewohner treffen können – so wie in Esslingen-Weil.

Weiterlesen

Farbschwäche:

Benutzen Sie die Schieberegler oder die Checkboxen um Farbeinstellungen zu regulieren

Einstellungen für Farbschwäche

Schrift:

Hier können die Schriftgröße und der Zeilenabstand eingestellt werden

Einstellungen für Schrift

Schriftgröße
D
1
U

Zeilenabstand
Q
1
W
Tastenkombinationen:

Mit den aufgeführten Tastenkombinationen können Seitenbereiche direkt angesprungen werden. Verwenden Sie auch die Tabulator-Taste oder die Pfeiltasten um in der Seite zu navigieren.

Inhalt Tastenkombinationen

Hauptnavigation: M
Toolbar Menü: T
Inhalt: C
Footer: F
Barrierefreiheit: A
Hauptnavigation: M
Toolbar Menü: T
Inhalt: C
Footer: F
Schriftgröße +: U
Schriftgröße -: D
Zeilenabstand +: W
Zeilenabstand -: Q
Nachtmodus : Alt (Mac Option Key) + J
Ohne Bilder: Alt (Mac Option Key) + K
Fokus: Alt (Mac Option Key) + G
Tasten­kombinationen: Alt (Mac Option Key) + O
Tastensteuerung aktivieren: Alt (Mac Option Key) + V
Alles zurücksetzen: Alt (Mac Option Key) + Y