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Bischöfe betonen Bedeutung ganzheitlicher Sterbebegleitung

Woche für das Leben: Einblicke in die Arbeit des Kinder- und Jugenshospizes

Das Sterben als Teil des Lebens zu begreifen und zu gestalten – dazu haben Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July und Bischof Dr. Gebhard Fürst anlässlich der ökumenischen Woche für das Leben 2021 bei einem Pressegespräch aufgerufen. Christliche Sterbebegleitung sei Lebenshilfe, weil sie auf alle Bedürfnisse eines Menschen an seinem Lebensende eingehe.

Das Kinder- und Jugendhospiz in Stuttgart begleitet Eltern und Kindern in Krankheit und Sterben.Stefan Adam (Videoausschnitt)

„Schmerzen und Leiden haben ja nicht nur eine körperliche Dimension“, sagte Frank Otfried July, Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. „In dieser hochverletzlichen letzten Lebensphase braucht es eine zugewandte medizinische, pflegerische und therapeutische Versorgung, es braucht Zeit für Kommunikation und gute Beziehungsgestaltung.“

Landesbischof July betonte die Bedeutung ganzheitlicher Zuwendung.Archivfoto: elk-wue.de / Gottfried Stoppel

Mit Palliative Care wenden sich nach seinen Worten Mitarbeitende in Hospizen, Pflegeheimen, in der ambulanten Pflege, auf Palliativstationen und mit Sitzwachen auch zuhause sterbenden Menschen ganzheitlich zu. Die Kirchen zeichne dabei eine tröstliche Gewissheit aus: „Aus dem Glauben heraus können wir angesichts des Todes von Auferstehung sprechen. Darin stecken die Kraft und die Hoffnung auf ein Leben, das stärker ist als der Tod.“

Den Tagen mehr Leben geben

Der Landesbischof unterstrich, dass jeder Mensch eine unantastbare Würde habe, die nicht von seinem Nutzen für andere abhänge. „Kein Mensch gewinnt seinen Wert durch seine Leistungsfähigkeit oder büßt ihn durch seine Krankheit ein“, so July. In der Palliativmedizin gelte es nicht, in erster Linie dem Leben mehr Tage zu geben, sondern vor allem den Tagen mehr Leben.

Bischof Dr. Gebhard Fürst sagte, bedarfsgerechte Versorgung sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.Diözese Rottenburg-Stuttgart / Rainer Mozer

Nein zur geschäftsmäßigen Sterbehilfe

Dass sich die Gesellschaft kaum zuvor so intensiv mit Krankheit und Tod auseinandersetzte wie seit Beginn der Corona-Pandemie, betonte Gebhard Fürst, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart. „Unser Ziel muss es daher sein, diese Aufmerksamkeit wach zu halten und eine bedarfsgerechte Versorgung – gerade auch im Palliativ- und Hospizbereich – noch viel stärker und eindeutig als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu platzieren.“

Bischof Fürst bekräftigte das kirchliche Nein zu geschäftsmäßiger Sterbehilfe. „Beihilfe zum Suizid darf keine Alternative zu einer umsorgten Sterbebegleitung sein“, sagte Fürst am Freitag in Stuttgart anlässlich der jährlichen ökumenischen „Woche für das Leben“. Ein Abschied in Würde bedeute aus christlicher Sicht, dass der Sterbende an der Hand eines Menschen sterbe - aber nicht durch sie „und schon gar nicht geschäftsmäßig“, sagte Fürst.

Hospiz ist ein Ort der Sicherheit

„Seit wir aus dem Krankenhaus gekommen sind, sind wir mehr Pflegekräfte als Eltern“, berichtete Lars Kolender, dessen dreijähriger Sohn wegen Trisomie 13 eine Vollzeitbetreuung braucht. Das Kinder- und Jugendhospiz Stuttgart bedeutet für die Eltern Abstand von dieser Rolle. „Für Nilas ist das ein Ort der Sicherheit, für uns Eltern ein Ort der Entspannung, um Kraft zu tanken. Das ist der Ort, an dem wir Eltern sein können.“

Michaela Müller, Leiterin des Kinder- und Jugendhospiz in Stuttgart, vor dem Hauptgebäude des Hospizes.Stefan Adam

Stationäre Angebote sind ausbaufähig

Michaela Müller, Leiterin des Kinder- und Jugendhospizes in Stuttgart – das einzige in Baden-Württemberg –, wies darauf hin, dass stationäre Angebote im Land ausbaufähig seien. „Die weite Anfahrt ist sehr anstrengend für die Kinder. Bundesweit sind wir aber mit ambulanten Kinderhospizdiensten gut aufgestellt.“

Im Hospiz in guten Händen

Für Tochter Anne ist das Hospiz wie Urlaub. Für Mutter Ursula Hofmann eine Auszeit, die sie als großes Geschenk wahrnimmt. Nun hat sie auch Zeit für ihre anderen drei Kinder. „Im Hospiz sind Profis, die immer wieder neue Ideen haben, wie man die Pflege verbessern kann. Wenn ich gehe, kann ich mich drauf verlassen, dass Anne hier in guten Händen ist.“

Mit Material von epd und Diakonie


Das stationäre Kinder- und Jugendhospiz, das im Dezember 2017 in Trägerschaft des Evangelischen Kirchenkreises Stuttgart eröffnet wurde, ist täglich mit Familien in Kontakt, deren Kinder lebensverkürzend erkrankt sind. Im Hospiz begleiten die Mitarbeitenden das Kind bis in den letzten Phasen des Lebens, unterstützen die Eltern und kümmern sich um Geschwisterkinder. Die ökumenische Aktion, „Woche für das Leben“ dauert bis zum 24. April 2021 und steht unter dem Motto „Leben im Sterben“. Seit mehr als 20 Jahren steht die „Woche für das Leben“ für den Wert und die Würde des menschlichen Lebens und seinen Schutz in allen Lebensphasen. Sie will auf die vielfältigen Gefährdungen des menschlichen Lebens hinweisen und Menschen in Kirche und Gesellschaft für die Schutzwürdigkeit des Lebens in allen seinen Phasen sensibilisieren. Die „Woche für das Leben“ ist eine gemeinsame Aktion der Katholischen und Evangelischen Kirche in Deutschland. Sie wurde bundesweit am 17. April 2021 in Augsburg eröffnet.