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Fröhlich, unerschrocken und selbstbewusst

Der frühere württembergische Landesbischof Eberhardt Renz wird 85

Tübingen. „Fröhlich, unerschrocken und selbstbewusst - und das Ganze im Blick.“ Das ist die Maxime von Eberhardt Renz. Der frühere württembergische Landesbischof (1994 bis 2001) wird am Freitag, 1. Mai, 85 Jahre alt. Ökumenischer Weitblick, jahrelange Erfahrungen in Übersee, der Basisbezug zu seiner Heimatkirche und seine Liebe zur Schwäbischen Alb sowie ein unverkrampftes Verhältnis zur Öffentlichkeit zeichnen den Theologen aus.

Der frühere württembergische Landesbischof Eberhardt Renz wird 85 Jahre alt.elk-wue.de

„Sein Herz schlägt besonders für die ökumenische Dimension von Kirche, für die Entwicklungs- und Missionsarbeit, die Eine Welt. Dafür hat er sich in seiner Zeit als Landesbischof eingesetzt, die ökumenische Verwebung der Landeskirche in der weltweiten Kirche gestärkt und authentisch geprägt“, würdigt Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July seinen Vorvorgänger. „Ich freue mich, dass Eberhardt Renz da bis heute aktiv ist, zum Beispiel an einem europäisch-ökumenischen Bischofstreffen der Emeriti teilnimmt, über das wir bis heute im Austausch sind.“

Erster europäischer Student bei den Lutheranern in Indien

1935 in Neenstetten bei Ulm geboren, wächst Renz in einem württembergischen Pfarrhaus auf. Nach seinem Theologiestudium in Tübingen, Wien und Zürich geht er als Vikar nach Rottenburg und Korntal. Ein Stipendium des Lutherischen Weltbundes führt ihn in den frühen 1960er Jahren nach Madras in Indien. Er ist der erste Europäer, der dort bei den Lutheranern Theologie studiert.

Später arbeitet er als Lehrbeauftragter an einem theologischen College in Kamerun und als Afrikareferent der Basler Mission in Basel. 1988 kommt Renz nach Deutschland zurück, übernimmt die erste Pfarrstelle der Johanneskirche in Esslingen, wird 1993 Referent für Ökumene, Mission und kirchlichen Entwicklungsdienst im Evangelischen Oberkirchenrat in Stuttgart und im Jahr darauf zum Bischof gewählt.

Ein Mahner und Brückenbauer

Eberhardt Renz prägt dieses Amt als Brückenbauer und Mahner, bescheiden und in einer Fröhlichkeit, die er auch seiner Kirche wünscht. Die für manche irritierende Vielfalt protestantischer Gruppen versteht er als Reichtum der Kirche. Als einer der Präsidenten der Vollversammlung des Weltkirchenrats (1998 bis 2006) wirbt er für die Einheit der Christen in aller Welt. So ist er international noch etliche Jahre unterwegs. „Ich wollte auch als Bischof nicht nur Besuche empfangen, sondern dorthin, wo die Brüder und Schwestern leben, arbeiten und glauben“, sagt er heute. 

Der Elefant ist das Lieblingstier von Eberhardt Renz.Andreas Koch / elk-wue.de

Einer, der klar Stellung bezieht

Immer wieder bezieht Renz als Bischof politisch klar Stellung: für den Schutz des Sonntags, den Erhalt des Asylrechts, den Ausgleich zwischen Arm und Reich, für einen schonenden Umgang mit der Natur und gegen Diskriminierung, Gewalt und Vergessen. In einem seiner Statements heißt es: „Die Reformation verpflichtet uns, auch die Schuld des Schweigens und des Wegsehens zu erkennen und wahrzunehmen. Wir dürfen nicht darüber hinweggehen, dass es zu unserem Leben als Christen gehört, für die Menschen einzustehen, die mit uns und unter uns leben.“

Zu den Höhenpunkten seiner Amtszeit zählt er die Einführung des neuen Gesangbuches 1996, den Deutschen Evangelischen Kirchentag 1999 in Stuttgart sowie das große Taizé-Treffen in der Landeshauptstadt mit rund 70.000 Jugendlichen.

Solange die Arbeit noch Freude macht

Kurz vor seinem 66. Geburtstag scheidet Eberhard Renz aus dem Bischofsamt aus. Vor der Landessynode erklärt er: „Nicht wenige haben sich den Kopf darüber zerbrochen, was wohl meine Gründe für die Ankündigung meines Ruhestands sein könnten: Konflikte, Krankheit, Amtsmüdigkeit, was auch immer: Nichts von alledem! Ich möchte aufhören, solange mir die Arbeit noch Freude macht und ich sie mit Begeisterung tun kann. Und meine Frau freut sich, wenn sie mich einigermaßen gut erhalten noch im Ruhestand hat.“

Heute, mit seinen 85 Jahren, beschreibt er sein Leben als „Lernvorgang: absolut spannend und interessant. Und keineswegs mühsam.“


Stephan Braun


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